Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1895)
- Date
- 1895-08-30
- Page
- Seite 419 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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419 fjntn zu ffonderes cnue, der!». Der , welcher Würdige die sich lg, doch Gärte» : untern, ebeniges, mit Auigoge. c breite» der mir »»i die Gebete vorbeiso scharf Kutscher wbei er ’i'fenne» meines »frage» ich das meine ch hatte Man» ei» Gech, und , zwei >ar ei» oft i» e Fra» ilässigte seine» vachse» r Welt » solle, i» B., l Soh» er de» der er ige sei. t, daß m des erüchtweise erfuhr a»ch der Alte davon, aber er glaubte das Gehörte nicht, sonder» hielt a» der Versichernng, die ihm sei» Soh» gegeben, fest. Es schien ihm außerdem unmöglich, daß dieser, de» er selbst in alle» religiöse» Dinge» unterwiesen, der als Knabe jedes vorgeschriebene Gesetz gewissenhaft befolgt und so oft andächtig neben ihm gebetet hatte, daß sein Soh» ei» Abtrünniger geworden sein solle. Aber die immer wiederkehrende», spöttische» Andcutuiige» und Bemerkungen seiner Glaubensgenosse» ließen ihn nicht z»r Ruhe kommen. Um sich Gelvißheit zu verschaffen, lud er den Sohn ei», ihn zu besuche», da er ihn so viele Jahre nicht gesehen habe. Der l»»ge S. kam, und die Freude des Wiedersehens war groß. Die Tochter, ein blühend schönes Mädchen, bot Alles auf, »m keine trübe Stimmung zwischen de» Beide» anfkomme» zu lasse». Der Alte sprach auch von dem, was ihm so schwer auf dem Herzen lag, vorerst nichts. Als der Sabbath herankam, forderte er de» Soh» auf, mit ihm und der Schwester nach dem Tempel zu gehen, was dieser auch that. Bei seinem Eintritt erhob sich hier und dort ei» leises Murre». Aber der junge S., ein Man», der in der große» Welt lebte, wußte sich wohl z» beherrsche». Feste» Schrittes ging er »eben seinem Vater den Gang hinauf bis z» dessen Sitz. Nachdem der eigentliche Gottesdienst vorüber war, wendete sich der Alte zu ihm: „Mein Kind, ivillst Du nicht hingehen und dem Ewige» Deine» Dank darbringe» für die glücklich überstandene, gefahrvolle Reise, — wie es bei uns Sitte ist, und wie es uns das Gesetz befiehlt?" Der Soh» erschrak; er wußte, was sein Vater wollte. Nur ei» Jude durfte hintrete» vor die heilige Lade und dort Gebete verrichte»; that er's, so beging er einen grenzenlosen Frevel a» dem Erhabensten, au.dem Höchste», a» Gott. Doch sein Vater »eben ihm-er zauderte nicht länger »»d schritt hi». Als er sich z»»> Zurückgehen wendet — er hatte das Dankgebet gesprochen — schaut er, >oie angezoge» von de» Augen seines Vaters, auf diese». Ihre Blicke wnrzeln. hafte» a» einander, sekundenlang nur — ei» Atom von Zeit —! Aber in diesem Augenblick weiß der Alte, daß sei» Soh» ein Abtrünniger, daß er ihn betrogen, »ei» mehr, mehr, — daß er ei» Betrüger an dem Ewigen, ein Lästerer sei. Seiner selbst nicht mächtig, stürzt er in blinder W»th vorwärts. Wie eine» Buben zerrt, reißt er de» Soh» z» Boden — er, der Schwache den Starken — speit ihn a», schlägt ihm mit geballten Fäusten ins Gesicht, — ihn, sich selbst, sei» ganzes Geschlecht verfluchend. Die Tochter, die »och auf dem Frauenchor weilte, tvill, da sie das Vorgehende sieht, hinabeile». I» der Erregung verfehlt sie die Stufen und — bleibt mit gebrochene» Glieder» am Fuße der Treppe liege». Armes, armes Mädchen, sie lahmt »och heute und kan» sich mir schwer ohne Krücke fortbewegen. Die noch im Tempel Anwesende» waren von der Plötzlichkeit des ganze» Vorganges so überrascht, daß sie erst zur Besinmiiig kamen, als der Alte zurücktanrnelnd zur Erde fiel. Man trug ihn »ach Hanse. Er verfiel in eine schwere Krankheit, aus der er zwar körperlich gesliud, aber unmachteten Geistes erstand. Den Soh» erkannte er nicht mehr. Jeden Morgen wandert er nun hin zum Tempel. Auf der Steintreppe sitzend, murmelt er Gebete und schlägt sich vor die Brust, um Buße z» ihn» für sich und seine» Soh», der an dein Höchsten, dein Einzige», wissentliche» Frevel geübt hatte. Oft hat man versucht, den Alten zum Eintritt in den Tempel zu bewege»; aber bisher vermochte es Niemand. Das dunkle Bewußtsein, die Vorstellung, daß durch ihn die heilige Stätte entweiht wurde, mag ihm wohl geblieben sein. Der Soh», in der kurzen Zeit fast zum Greise getvorde», — kehrte »ach seinem Wohnort zurück. Bo» dort ans sorgt er für Vater und Schwester, so daß es ihnen an nichts, was zum Leben gehört, gebricht. Seine Ehe soll übrigens kinderlos geblieben sein." der Abenddämmerung Schatten Sitzt die Jüdin traumumsponnen; Gramvoll blickt sie auf die Wiege, Ihres Kindes leeres Bettchen. Ach, wo einst ein holdes Knäblein Ihr das Mutterherz entzückte. Gähnt die grauenvolle Leere, Und sie seufzet schwer und bange. Ach, verwaist ist jene Stätte, Wo der Muttername tönte Von den ros'gen Kinderlippen — Nur das Jahrzeitlichtchen zeuget. Daß die unschuldsvolle Seele Heimgekehrt ins lichte Eden, Wo der Erde Leid und Kummer Wie die Erdennebel schwinden. Das Iatzr;eitrrcht. Von S. Goldschmidt in Hamburg. Heiter brennt das Jahrzeitlichtchen — Und ihr ist es, als ob schwebe Ihres Kindes reine Seele In des Lichtes Farbenkreise: „Jahrzeitlichtchen, bringst mir Grüße, Grüße meines holden Kindes Aus dem Wundergarten Eden, Wo die schönen Blumen wachsen. Wo die Englein Freudenspiele Mit dem süßen Kinde spielen. Wo die ewig milden Lüfte Seine Wangen zart umfächeln. Liebes Lichtchen, bist wohl selber Meines theuren Kindes Seele, Ist mir doch, als ob sein Antlitz In den Farben ich erschaue. Wie es flimmert, sich beweget. Wie es schimmert, wie es strahlet! Ja, das sind die holden Züge, Ja, das ist das milde Lächeln! Sei gegrüßt, du herzig Kindchen! Komm, o komm, ich will dich wiegen, Schlaf', mein Püppchen, schlafe heiter! Engel wachen dir zur Seite. — Michael zu deiner Rechten, Gabriel zu deiner Linken, Vor dir Uriel, — im Rücken Rafael, dich schützend, schirmend. Gottes Herrlichkeit zu Häupten — Lächle, lächle, süßes Kindchen, Und im Traume mag's dich tragen In den wunderschönen Garten, Wo die Blumen ewig blühen — —" Und verlöschet . . . schwer und bange Und das Lichtchen flackert, knistert ' Seufzt und stöhnt die bleiche Mutter. i) Das obige Gedicht sucht den Gedanken Heinrich Heines (siehe Nr. 33) von einer andern Seite poetisch zu fassen. Der Vergleich wird für unsere Leser von Interesse sein. Die Red. -