Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1895)
- Date
- 1895-08-30
- Page
- Seite 417 (sequence 11)
- Language
- German
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417 Lammes. Enten und Tauben wurden auch gefüllt als Pasteten bereitet. Fettes Fleisch war bevorzugt, wenngleich es als schwer verdaulich galt; besonders beliebt waren die Halstheile, weil sie fettes, mageres und knorpeliges Fleisch liefern. Als schwer verdaulich galt die Milz, als leichter verdaulich der Magen. Als besonders nahrhaft und heilkräftig war rohes Fleisch geschätzt; dem Genüsse desselben wurde aber, gleichwie dem Trinken von Wasser bei nüchternem Magen, das Entstehen von Eingeweidewürmern zngeschrieben. Das Fleisch wurde an einem Spieße aus glühenden Kohlen gebraten oder auf einem Rost geröstet. Um seinen Geschmack zu erhöhen, wurde es mit Oel und Eiern bestrichen, mit Zwiebeln und Eiern gebraten. Als Leckerbissen wurde nainentlich die weich gekochte Zunge geschätzt. Von Fleischern wurde auch Wurst bereitet. Um das Fleisch besser z» erhalten, wurde es eingesalzen. Gewöhnlich pflegte man es nie ohne Brod zu genießen; nur die Perser aßen Fleisch ohne Brod. 4. Ei enthält mehr Nührgehalt als alle andern Nahrungsmittel, mit Ausnahme des Fleisches. Der Genuß von Eiern wird namentlich schwangeren Frauen, auch für die Ernährung kleiner Kinder empfohlen. Eier, die bald in kochendes, bald in kaltes Wasser gelegt werden, in Folge dessen so sehr zusammenschrumpfcn, daß sie leicht ganz verschluckt werden können, sollen alle Krankheitsstoffe im Magen aufsangen. Viel Eier an heißen Sommertagen nüchtern genossen, werden dem Herzen schädlich. Eier wurden in eine Salzlake gelegt, die ans zwei Drittel Salz und einem Drittel Wasser bestand. 5. Milch war als Nahrungsmittel sehr geschätzt; neben Honig galt sie von Alters her als charakteristisches Merkmal für den Reichthum Kanaans. Sie wurde zumeist als erstes Erfrischungsmittel dem Fremden gereicht. Frisch gemolken, wurde sie in Schläuchen aufbewahrt, die ältere wurde zu Butter geschlagen oder zur Bereitung von Käse verwendet. Auch die Molke, die von Einigen noch als Milch angesehen wurde, fand namentlich bei Bereitung von Zukost Verwendung. Milch, die von Nichtjuden, ohne daß ein Jude anwesend war, gemolken wurde, galt als zum Genuß verboten, weil sie leicht mit Milch unreiner Thiere vermengt sein kann, ohne daß es erkannt wird. 6. Brühe wurde nur selten gekocht; wo dieses geschah, pflegte man Zwieback in dieselbe zu brocken. Eine Art Brühe wurde aus Wein und kleinen Fischen mit Salz und Pfeffer gekocht; auch aus verschiedenen Kräutern wurde eine Brühe bereitet, die zumeist zum Nachtisch gereicht wurde. Eine Salzbrühe ans kleinen Fischen war als Heilmittel gegen Gelbsucht vielfach gebraucht, wurde auch zum Genuß nach einem Fasttage empfohlen. Solche Brühe wurde ans dem Markte zu Sepphoris maßweise verkauft, und da ihr Preis so niedrig war, daß die Sorge, sie könnte mit Wein vermengt sein, fortfiel, durfte sie auch von Nichtjuden, die sie feilboten, gekauft und genossen werden. 7. Fische waren als Nahrungsmittel sehr geschätzt, neben Fleisch und Wein bildeten sie das charakteristische Merkmal der Mahlzeit. Kleine Fische wurden zu einem Brei oder zu einer Lake gerieben. Bei größeren Mahlzeiten wurden Fische mit zerqnirlten Eiern gefüllt und mit Grünzeug geputzt zu Tische gebracht. Auch gebraten wurden sie genoffen. Fisch und Fleisch zusammen zu kochen, war rituell nicht gestattet. Der bei dem Zusanunenkochen beider entstehende Geruch wurde für schädlich gehalten, außerdem aber war die Annahme verbreitet, daß durch den Genuß beider zusammen der Aussatz erzeugt werde. Der Genuß kleiner Fische soll bewirken, daß schwangere Frauen Kinder mit kleinen Augen zur Welt bringen. Alte und junge Heringe wurden vor und nach der Mahlzeit gereicht. 8. Weniger nahrhaft ist das Gemüse; dennoch war es als Zuthat sehr geschätzt. R. Huna stellte sogar den Satz auf: ein Gelehrter wohne nicht in einer Stadt, in der kein Gemüse zu haben ist. Von Gemüse,orten werden erwähnt: der Kohl, der auch in diätetischer Beziehung empfohlen wurde, der Kürbis, von dem mehrere Arten in Verkehr kamen, die Rübe, die als schwer verdaulich galt, und die Schwäinme. 9. Hülsenfrüchte, wie auch die durch Mahlen und Stampfen aus verschiedenen Getreidearten gewonnenen Graupen, wurden als nahrhafte Sättigungsmittel gern genossen. Von Hülsenfrüchten werden erwähnt: Bohnen, die gestampft gekocht wurden, Erbsen und Linsen — diese wurden namentlich von Leidtragenden genossen, weil ihre Form auf den Wechsel des ewig rollenden Glückes hinweist — wurden zerhackt, zerstampft mit Essig gekocht, auch als Speise bereitet; endlich auch Hirse und Reis. 10. Ihres pikanten Geschmackes wegen fanden in der Küche und bei Tische Verwendung: Zwiebel, Knoblauch, Kresse, Gurke, Endivie, Petersilie, Lauch, Fenchel, Rettig, Lattich, Pastinak, Kümmel und Dille. 11. Gewürze, welche bei der Bereitung der Speisen gebraucht würden, waren sehr geschätzt; denn was die Speise schmackhaft macht, wird selbst als Speise angesehen. In erster Reihe sei das Salz genannt, es ist unentbehrlich, ohne es kann die Welt nicht bestehen. Es kam als Stein- und Seesalz in Verkehr. In Palästina wurde zumeist sodomitisches Salz, das durch Verdünnung des Salzwassers aus dem todten Meer gewonnen wurde, gebraucht. Salzwaffer wurde auch bei Augenleiden angewandt. Hingegen galt das sodomitische Salz als dem Auge schädlich. In diätetischer Beziehung wurde gerathen: genieße nach jedem Essen etwas Salz und trinke nach jedein Trünke etwas Wasser, so entgehst du vielen Krankheiten. Auch für die Erhaltung der Zähne wurde das Salz als zuträglich erachtet. Neben dem Salze war namentlich Pfeffer sehr geschätzt — aus der Fremde eingeführt, ward er bald fast ebenso unentbehrlich wie das Salz: denn erwurde nicht blos als Würze bei der Bereitung der Speisen, sondern auch als Heilmittel vielfach gebraucht; auch wurde er im Munde getragen, um den üblen Geruch zu vertreiben. Der Ingwer wurde in frischem Zustande mit Zucker eingemacht. Der Zimmet war namentlich in der Umgegend von Jerusalem häufig zu finden. Senf, selten genossen, galt als der Gesundheit zuträglich; hingegen soll er, allzu häufig genossen, Magenschwäche erzeugen. Der Koriander gedeiht auf dem Felde und im Garten. Dem Auge ist er schädlich; hingegen soll sein Genuß bewirken, daß schwangere Frauen wohlbeleibte Kinder zur Welt bringen. Beim Verkauf wurde er häufig mit Pfeffer vermengt. Erwähnt sei hier noch der Honig, der gern genossen und auch medizinisch vielfach gebraucht wurde. 12. Speisen im modernen Sinne als besondern Gang bei der Mahlzeit kennt weder die Bibel noch der Talmud; wohl aber war es späterer Brauch, nach beendeter Mahlzeit zum Nachtisch Kuchen, Zuckerzeug und Obst zu reichen. Von solchen Näschereien galt das Wort: für gute Dinge bleibt stets Raum im Magen. Sehr beliebt waren Pfannkuchen, von denen an sechzig Arten bekannt waren, auch Eierspeisen, Fladen, Honiggebäck, Mandelspeisen und Kuchen mit verschiedenen Füllungen. — Solches Gebäck wurde zuweilen mit Eidotter gefärbt, auch mit Fruchtsaft angerieben und bestrichen. Torten wurden in Formen gegossen und mit Figuren aus flüssigem Zucker geschmückt.