Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1895)
- Date
- 1895-08-30
- Page
- Seite 411 (sequence 5)
- Language
- German
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411 7. August. Bischofsrsammelten >e als eine schaden auf ntigen, die aber durch stlichkeit?llung des wenn die lhetze ausit, die mit i sehr viel onfessioneu l hat der jolikentage Lort, zum ix Armee hat das »Oll Amtslls in der iteresse des »rtlaut der latsbürger ißt in dem ch allmälig ausnahmsiU werden, ten werden verhindern, m noch zur semitismus le zu Lhun. es. Fragt ger Jahren wesen, daß ann erhält > Osfiziersdigung der die Klasse lteresse des mmenhang der Armee em Range, im zweiten muß. Es e in seiner fforderung ri aber der >en Speisemuß, soll Nöglichkeit er handelt ngordnung und nicht um Antisemitismus. So oder ähnlich würde vermuthlich die Antwort vom Regierungstische auf eine etwa in dieser Richtung gestellte Frage lauten. Auch aus dem Umstande, daß einem jüdischen Veteranenverein die Mitbetheiligung an dem Aufmärsche der Kriegskombattanten von 1870 verweigert wurde, kann nicht direkt auf antisemitische Strömungen geschlossen werden, denn die Ablehnung erfolgte wahrscheinlich aus dem formal zutreffenden Grunde, daß jene Vereinigung noch nicht als solche von den übrigen Kriegervereinsverbänden anerkannt ist. Ist es nicht aber schon ein äußerst bemerkenswerthes, ja sogar ein schmerzliches soziales Symptom, daß sich ein jüdischer Veteranenverein bilden konnte und durfte? Kann man sich gewisser betrübender Schlußfolgerungen aus solch einer Thatsache entschlagen?" * Gegen den antisemitischen Redakteur Halls v. Mosch wurde in der vergangenell Woche zulll zweiten Male eine Allklage wegell Gotteslästerung uub Beschimpfung der jüdischen Religionsgesellschaft vor der dritten Siraskamnler des Landgerichts I. verhalldelt. Der Angeklagte war Redakteur der von Ahlwardt gegründeten Wochenschrift „Der Bundschuh". In diesem Blatte erschien am 27. November 1894 ein Artikel mit der Ueberschrift: „Ist der Tod des Kaisers Alexander ein talmudisches Verbrechen?" Es wurde in dem Artikel darauf hingewiesen, daß der Kaiser Alexander von einem jüdischen, wenn auch getauften, Arzt behandelt worden sei. Wie auch Caligula plötzlich aus dem Wege geräumt worden sei, als er energisch gegen die Juden vergehen wollte, so sei es auch dem Kaiser Alexander ergangen, „dem zweifellos von jüdischer Seite ein schleichendes Gift beigebracht worden sei." Der Judengott habe sich, wie aus dem Alten Testament zu ersehen sei, schon damals der verwerflichsten Mittel bedient, um seinem Volke die Herrschaft zu sichern. Wegen des Inhalts dieses Artikels zur Verantwortung gezogen, erzielte der Angeklagte am 13. März ein freisprechendes Urtheil. Die dritte Strafkammer begründete dies Urtheil damit, daß eine Gotteslästerung nicht vorliege, weil zum Thatbestand dieses Vergehens gehöre, daß die beanstandeten Ausdrücke ein Ausfluß von Rohheit und beschimpfender Natur seien, und eine Beschimpfung der jüdischen Religionsgesellschaft liege nicht vor, „weil die Angriffe nicht gegen die Religion der Juden, sondern gegen d e Rasse gerichtet" seien. Der Staatsanwalt legte mit Erfolg Berufung ein, denn das Reichsgericht bezeichnete die für die Freisprechung angeführten Gründe nicht als zutreffend und verwies die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die Vorinstanz zurück. Im letzten Termine wiederholte der Angeklagte seine früheren Angaben, daß es ihm als streng religiösen Mann gar nicht in den Sinn kommen könne, eine Gotteslästerung zu begehen. Der in dem Artikel geschilderte Judengott sollte nur eine Karrikatur des wahren einzigen Gottes sein, den er verehre wie die Juden. Der Staatsanwalt führte aus, daß beide Vergehen vorlägen, er beantragte eine Gefängnißstrafe von drei Monaten. Der Gerichtshof (Vorsitzender Landgerichtsdirektor Röseler) erklärte, daß das Urtheil am Freitag, den 30. d.. Mittags 12 Uhr verkündet werden solle; bei der Wichtigkeit der Sache halte der Gerichtshof es für nöthig, den Inhalt des Artikels aufs Eingehendste und Sorgfältigste zu prüfen. Kriegs erinnerrmgen. Berlin, 25. August. Aufforderung in dem Leitartikel „Alls großer Zeit" (Nr. 33) ist mtf fruchtbaren Boden gefallen, wie zahlreiche Zuschriften beweisen, von denen wir hellte nur die folgenden mittheilen: Ihrer Aufforderung in dem Leitartikel der Nr. 33 „Aus großer Zeit" komme ich nach und mache Ihnen folgende authentische Mittheilung: Mein Schwager, der Kaufmann (Holzhandlung und Malzfabrik) Jsaac Jaco by zu Neuteich in Westpreußen, hat den Krieg 1870/71 von Anfang bis Ende mitgemacht und ist Ritter des eisernen Kreuzes 2. Klasse für ruhmreichen Muth und Tapferkeit geworden.. Anläßlich der Säcular- Feier 1872 in Marienburg in Westpreußen, die die Provinz veranstaltet und die durch die Anwesenheit des Kaisers Wilhelm und Kronprinzen Friedrich Wilhelm beehrt wurde, ist mein Schwager Jacoby als Ritter des eisernen Kreuzes Sr. Majestät vorgestellt worden und hat eine Einladung zum Gala-Diner erhalten. Schließlich möchte ich bemerken, daß mein Schwager seit Jahren in seiner Vaterstadt Neuteich das ehrenvolle Amt eines Stadtverordneten-Vorstehers bekleidet und die Stadt Neuteich als einziger Abgeordneter im Kreistage des Kreises Marienburg in Westpreußen ebenfalls mehrere Wahlperioden hindurch vertritt. Hochachtungsvoll Julius Loewenstein, Apotheker. & Tilsit, 25. August. Mit Bezug auf Ihren Leitartikel in der Nummer 33 Ihrer geehrten Zeitung kann ich Sie noch auf den Fall Josef Königsberger Hinweisen. In der Schlacht bei Wörth war derselbe bereits kampfunfähig gemacht; nichtsdestoweniger stürmte er, da sämmtliche Offiziere seiner Kompagnie gefallen waren, an der Spitze weniger Mannschaften vorwärts. Auf den Zuruf eines in der Nähe befindlichen Hauptmanns: „Gefreiter Königsberger, treten Sie zurück! Sie haben Ihre Pflicht vollkommen gethan", gab er zur Antwort: „Wir Juden thun mehr als unsere Pflicht." Eine feindliche Kugel streckte ihn bald darauf nieder; er wurde halbtodt vom Schlachtfelde fortgetragen und später ins Lazareth zu Koblenz übergeführt, wo er verstarb. Seine Mutter Salomea brachte seine Leiche nach Berlin. Hier wurde er auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee unter militärischen Ehren bestattet. Sein Vater Herz Königsberger, der aus Posen stammte und viele Jahre in Berlin in der Albrechtstraße wohnte, ließ ihm einen Leichenstein daselbst setzen, dessen Inschrift das Akrostichon nTl!T S1DV hat. Hochachtend ergebenst Rabbiner Dr. Ehrlich. Josef Königsberger war Kaufmann und hat sich auch im Jahre 1866 ausgezeichnet. Daran erinnert auch der Vers auf seinem Grabstein: m.-p «ba nw «in d'öPö ns n« nmrw «r lieber benjelben Josef Königsberger erhalteil wir nod) die folgenden Mittheilungen: „Am Sonntag (22. August) Vormittag 11 Uhr wurde auf dem jüdischen Begräbnißplatze die irdische Hülle des zwei schweren Schußwunden erlegenen Unteroffiziers Josef Königsberger vom 3. Bataillon Westpreußischen Füsilier-Regiments Nr. 38 zur letzten Ruhe bestattet. Der Verstorbene diente im Jahre 1866 beim 2. Garderegiment zu Fuß, wo er wegen seiner außerordentlichen Tapferkeit zum Unteroffizier befördert wurde. Nachdem er das Gefecht bei Weißenburg glücklich mitgemacht hatte, wurde er bei dem Sturm auf den Gaisberg verwundet, was den Tapferen nicht abhielt, die Waffen nicht niederzulegen, bis eine schwere Wunde ihn dahinstreckte. Nach Heidelberg gebracht, verstarb er daselbst nach wenigen Tagen. Seine Eltern ließen die irdischen Ueberreste des den Ehrentod für König und Vaterland Verstorbenen hierher bringen. Die Betheiligung am Leichenbegängniß war sehr zahlreich; das Militärkommando gab das Ersatzbataillon des 2. Garderegiments zu Fuß, wo der Bruder des Verstorbenen jetzt als Einjährig-Freiwilliger dient, als Ehrengeleit. Die Grabrede hielt Herr Rabbiner Dr. Aub, 'welcher darin in ergreifenden Worten der Heldentbaten des Verblichenen gedachte. Zufälliger Weise war auch ein Kamerad des den Heldentod für's Vaterland Gefallenen anwesend, der gefangene französische Offiziere hierher eskortirt hatte. Nach den üblichen drei Salven wurde der Sarg in die Gruft gesenkt, und damit war die Leichenfeierlichkeit beendet." Vorstehendes ist ein der „Post" entnommener Bericht, welchen wir nur deshalb ausgegraben haben, weil dieses Blatt schon seit Jahren ziemlich stark, wenn auch nicht in offenem, so doch verstecktem Antisemitismus macht. Tempora, mutantur! Cp. &