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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-08-23 · Heft 34 (23.8.1895) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 34 (23.8.1895)
Date
1895-08-23
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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werden für Ihre Leser sicher von Interesse sein. Diese wurden am 1. November 1894 von 8462 Schülern besucht, von welchen 790 Israeliten waren (9,4 pCt.), 30 weniger als im Vorjahr. Die öffentlichen, d. h. aus Landesmitteln unterhaltenen höheren Schulen zählten an demselben Tage 6320 Schüler, darunter 693 Israeliten ----- 10,9 pCt. (24 oder 0,3 pCt. der Gesammtzahl weniger als im Vorjahr) Die nicht öffentlichen, d. h. von kirchlichen Behörden unterhaltenen Schulen wurden an demselben Tage von 2142 Schülern besucht, darunter 97 Israeliten, 6 weniger als im Vorjahr. In dem Lehrpersonal sind unter 26 Direktoren kein Jude, unter 268 Oberlehrern 8, unter 49 wissenschaftlichen Hilfslehrern und Probekandidaten 2 Israeliten, unter 75 seminaristisch vorgebildeten Lehrern kein Jude. Mit Ertheilung von Religionsunterricht sind im Nebenamte 23 Israeliten beauftragt. Von der Gesammtzahl von 235 Schülern, die an den elsaß-lothringischen Gymnasien im Schuljahre 1893/94 die Reife-Prüfung bestanden, waren 12 Israeliten, von denen einer als Beruf die Theologie wählte. An den Oberrealschulen wurde in diesem Jahre zum ersten Mal die Reife-Prüfung abgehalten. Unter 6 Schülern, die die Reife-Prüfung bestanden, war ein Israelit. In den Realschulen bestanden 162 die Reife-Prüfung, darunter 24 Israeliten. Oesterreich-Ungarn. □ Wien, 19. August. Soeben ist der zweite Jahresbericht der hiesigen „Israelitisch-theologischen Lehranstalt" für das Schuljahr 1894/95 erschienen. Er wird eingeleitet durch eine Abhandlung des Prof. Adolf Büchler über „Die Priester und den Kultus im letzten Jahrzehnt des Jerusalemischen Tempels". Wir können uns auf den Inhalt der ausgezeichneten Arbeit, die die Lösung der behandelten Fragen um ein mächtiges Stück fördert, an dieser Stelle nicht einlassen. — An den gelehrten Theil des Jahresberichts schließt sich der Bericht des Kuratoriums, welchen ein warmer Nachruf für den verstorbenen Präsidenten und Gründer desselben, Wilhelm von Gutmann eröffnet. Es wird weiter mit Dank der Unterstützung gedacht, welche die österreichische Regierung dem Kuratorium angedeihen ließ: zunächst durch die Aufnahme der Anstalt unter jene geistlichen Institute, deren Hörern die Befreiung von der Militär - Präsenzdienstpflicht zugesichert ist, ferner durch die Jahres-Subvention von 5000 Gulden. Auch die sonstigen Spenden von Seiten der Baron Hirsch-Stiftung, welche jedem Zögling aus Galizien ein Stipendium von 100 Gulden gewährt, der Herren Moritz von Kuffner, Alfred Straffer und Wilhelm Zierer werden mit Genugthuung erwähnt. Der Bericht des Rektors theilt mit, daß eine Lehrkanzel für deutsche Sprache errichtet und dem bekannten Gelehrten, Prof. Dr. W. Jerusalem, übertragen wurde. Außer dem Rektor Prof. Dr. Schwarz, der Talmud, Schulchan-Aruch, Einleitung in die Mischna und Homiletik liest, lehren noch an der Anstalt die Professoren Dr. D. H. Müller (Exegese, hebräische Grammatik, Aramäisch und Religionsphilosophie), Dr. A. Büchler (Exegese, Geschichte), Lektor M. Friedmann (Midrasch), ferner fakultativ, Prof. Dr. Jerusalem (Deutsch), Dr. S. R. Landau (Polnisch), E. Fuhrmann (Böhmisch). An der Vorbildungsschule, welche zur Ausbildung von Religionslehrern für Volksschulen und der Vorbereitung zum Eintritt in die Lehranstalt selbst dient, lehren Prof. Dr. Büchler Exegese, Talmud, Geschichte, Religionslehre, Hebräisch; Lektor Friedmann Mischna. Eine besonders dankenswerthe Einrichtung, die an andern Orten nachgeahmt zu werden verdient, ist der dreistündige Fortbildungskursus für Religionslehrer, an dem 16 Herren theilnahmen. Dort lasen Prof. Schwarz Pentateuch mit Raschi, Prof. Müller Hebräisch und Prof. Büchler Geschichte der Juden. Es folgt das Verzeichniß der im abgelaufenen Studienjahre gehaltenen Vorlesungen, hierauf das Namensverzeichniß der (35) Hörer und (9) Schüler, und zum Schluß die Aufzählung der gespendeten und angekauften Bücher. Der Eindruck, den der Jahresbericht bei uns hinterlätzt, ist der eines erfreulichen Fortschrittes. Hoffen wir, daß dieser Fortschritt auch in spätem Jahren nicht nachläßt. Großbritannien. 2. London im August. Unser Glaubensgenosse Oberst G oldsmid ist in diesem Jahre der H öchstkommaudirende bei den Manövern, die in Wales bei Porthcawel abgehalten werden. Er befehligt für dieselben ein Truppenkorps von mehr als 5000 Mann, das aus regulären und Volontär-Abtheilungen zusammengesetzt ist. Wie verlautet, hat Oberst Goldsmid Ordre erhalten, sich zur Einschiffung nach Indien vorzubereiten, und diese Nachricht hat bei allen englischen Juden großes Bedauern hervorgerufen. — Wie eine nordamerikanische Missionärzeitung „Jewish Era" meldet, seien durch die Thätigkeit einer Missionsgesellschaft mehr als 100,000 Juden in England dem Christenthum zugeführt worden- Wer weiß, daß es in England trotz der starken russischen Einwanderung höchstens 150,000 Juden giebt, erkennt bei dieser Missionsnachricht den Schwindel sofort heraus. Vermuthlich werden den Seelenfängern die Gelder knapp, daß sie zu solchen Schwindeleien greifen, um christliche Gläubige zu Spenden für die Mission zu ermuntern. — Am 7. und 8. September wird in Leeds eine Konferenz tagen, die gleich interessant wie bedeutungsvoll ist und die Aufmerksamkeit weitester Kreise verdient. Es handelt sich um die Gründung einer Vereinigung sämmtlicher jüdischen Schneidervereine im vereinigten Königreich, den sogenannten Jewish Tailors Trades-Unions. Kommt die Vereinigung aller dieser Organisationen zu Stande, woran nicht zu zweifeln ist, so soll ihr Programm lauten: Beseitigung der Ausschreitungen des sogenannten Schwitzsystems, gleichmäßige Arbeitszeit, ein Minimallohn gleich demjenigen, der den Mitgliedern der Trades-Unions gezahlt wird, kein Akkordlohn rc. Ferner sollen von einer Centralstelle aus wöchentliche Mittheilungen den einzelnen Vereinen zugehen, in denen dieselben über die Vorgänge auf dem allgemeinen und dem speziellen Schneiderarbeitsmarkt auf dem Laufenden erhalten werden. Die Konferenz ist bedeutsam, weil zum ersten Mal Vertreter der nur aus Juden und zwar nur aus ausländischen Juden bestehenden Vereine zusammentreten, um durch Selbsthilfe ihr Loos zu verbessern, und die führenden Persönlichkeiten der englischen Gemeinden sollten dieser Zusammenkunft ernste Aufmerksamkeit schenken, um die neue Bewegung in der Hand zu behalten. F. London, im Juli. Die Anglo Jewish Association hat jetzt 36 Zweigvereine, 24 in dem vereinigten Königreich Großbritannien, 11 in den Kolonien und einen in Indien und zwar in Bombay, dessen Präsident Jacob E. Sassoon ist. Die Association kann ihren Aufgaben nur Nachkommen in Folge der Opferwilligkeit ihrer hervorragenden Mitglieder, von denen die Herren Baron Jul. Goldsmid, N. M. Rothschild und Söhne, Baron Hirsch zum Hauptfonds jährlich allein je 2000 M. beitragen. Zum Schulfonds spendeten Herr B. Neugaß 24,000 Mark, Lord Rothschild 10,000 Mark, Baron Julian Goldsmid 10,000 Mark, D. Sassoon 5000 Mark, Frau N. Montefiore 6000 Mark. Aus dem Nachlaß des Baron v. Stern wurden 10,000 Mark und von den Erben des Herrn v. Bleichröder (Berlin) 4000 Mark gezahlt, aus dem Nachlaß des kürzlich verstorbenen Arthur Sebag Montefiore 500 Mark. Kurland. E. St. Petersburg, 18. August. Das Jahr 1895 ist eines der unglücklichsten für die russische Judenheit. Neben dem immer fester, immer drückender sich zusammenziehenden Gürtel von Ausnahmegesetzen und Beschränkungen jeder Art, neben den nicht einmal im „Gesetze" begründeten Plackereien und Chikanirungen von Seiten der untergeordneten Polizeiorgane, neben der allgemeinen wirthschaftlichen Depression, welche auf unfern größtentheils von der Hand in den Mund lebenden Glaubensgenossen besonders schwer lastet, scheinen sich auch die Elemente gegen diese Unglücklichen verschworen zu haben. Feuersbrünste in den meist aus Holzhäusern bestehenden und jeglicher Schutz- und Löschmittel entbehrenden kleineren Ortschaften des jüdischen Ansiedelung srayons sind in keinem Jahre etwas Seltenes; so verderbenbringend wie in diesem Jahre hat das verheerende Element jedoch noch nie in den Wohnungen Israels gewüthet. Niedergebrannte Städte, Zehntausende zu Grunde gerichteter Existenzen, Trümmer und Leichen, das sind ganz alltägliche Erscheinungen geworden, über welche sich außer den vom Unglück Betroffenen fast Niemand mehr aufregt. Als die Schreckenskunde von der wohl seit dem großen Hamburger Brande beispiellos gebliebenen Katastrophe von Brest-Litowsk das weite russische Reich und die angrenzenden Länder durcheilte, da schien es, als sollten die alten Stammestugenden Israels, das mitleidige Herz und die opferfreudige Wohlthätigkeit, sich noch einmal in herrlicher Blüthe entfalten. Bei uns in Rußland wenigstens wurden überall Hilfskomitees gegründet und Berathungen gepflogen, wie den vom Unglück Heimgesuchten schnell und wirksam geholfen werden könnte; allein die erzielten Resultate ent

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