Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-08-23 · Heft 34 (23.8.1895) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 34 (23.8.1895)
Date
1895-08-23
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228094-3228129--52086-3272863
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

59. Jahrgang. Ar. 34. ^XX &)XVXX\XttlXfa0%t+ ^rün. 23.Ä»gufti895. Werkage zur „Allgemeinen Zeitung des IuöenLHums". Korrespondenten und Nachrichten. Deutschland. 22 Berlin, 19. August. Im Herbst dieses Jahres findet die Wahl von zehn Repräsentanten der jüdischen Gemeinde statt. Nach Bestimmung des Statuts hat im laufenden Jahre die Neuwahl von zehn Repräsentanten und fünfzehn Repräsentanten-Stellvertretern stattzufinden. Zur Theilnahme an dieser Wahl liegt eine Urliste vom 15. August bis 15. September von Vormittags 10 bis Nachmittags 1 Uhr in der Gemeinderegistratur, Oranienburger Straße 29, 2 Treppen, zur Einsicht aus, wo auch etwaige Einwendungen gegen die Richtigkeit der Liste innerhalb der angegebenen Frist anzubringen sind. Spätere Einwendungen können nicht berücksichtigt werden. Mit dem Ablauf dieses Jahres scheiden folgende Repräsentanten aus dem Kollegium aus: Sanitätsrath Dr. Blumenthal, Geh. Sanitätsrath Dr. Boas, Joseph Fränkel, Moritz Heilmann, Geh. Sanitätsrath Dr. Kirstein, Siegfried Leichtentritt, Isidor Loewe, Gustav Loewenberg, Julius Oppenheim und A. Ruß. £2 Berlin, 21. August. Soeben hat das Büreau des „Verbandes der jüdischen Litteraturvereine in Deutschland" die neue Rednerliste für 1895/96 an alle Vereine verschickt. Dieselbe weist nunmehr über 50 Redner aus den verschiedensten Berufsarten und aus allen Theilen Deutschlands auf, die ihre Kraft und Begabung in den Dienst der Sache zu stellen bereit sind. Mehr als 40 Herren haben auch ihre Themata aus allen Gebieten der Wissenschaft des Judenthums angegeben. Allein schon die Lektüre dieser Themata ist ein interessantes Studium für sich. AuchdieseRednerlistewird, wiedie vorjährige, allen Bildungsvereinen, Logen u. s. w., die gleiche Tendenzen verfolgen, auf Verlangen gratis zugeschickt. Meldungen bei dem Verbandssekretair Herrn Albert Katz, Pankow, Berlinerstr. 120. — In nächster Zeit wird auch der ausführliche Jahresbericht des Verbandes, der sich bereits im Druck befindet, zur Versendung gelangen. © Berlin, 20. August. Die nächste Sitzung der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" findet nach den Ferien am Dienstag den 27. August im Vereinslokal „Münchener Hof" Spandauerstraße 11/13 präzise 8l/4 Uhr statt. 22 Berlin, 16. August. Der Kaufmann Konrad Brall, der länger als dreißig Jahre im Hause N. Israel thätig war und dort eine hervorragende Stellung einnahm, ist am 12. d. M. plötzlich gestorben. Herr Brall war in weiten Kreisen bekannt und besaß als Bezirksvorsteher des fünften Stadtbezirks das volle Vertrauen seiner Bezirksgenossen. Auch in vielen anderen Ehrenämtern hat er sich wohl bewährt. Das Leichenbegängniß legte von der Beliebtheit des Verstorbenen in weiteren Kreisen Zeugniß ab. 22 Berlin, 19. August. Auf dem Bahnhof in Magdeburg trafen am 15. d. M. von Hamburg einige 50 ehemalige Europa müde ein, die in Newyork, weil sie die Vorgeschriebenen Bedingungen nicht erfüllen konnten, von der amerikanischen Staatsbehörde nicht angenommen und wieder nach ihrer Heimath zurückgeschickt worden waren. Sie wurden, wie die M. Z. mittheilt, über Leipzig nach Polen, Böhmen, Ungarn u. s. w. zurückbefördert. In letzter Zeit sind schon öfter derartige Rücktransports auf unserem Bahnhof erschienen. Die hebräischen Zeitungen in Rußland sollten diese Mittheilung als Warnung bringen, um die Auswanderung der Juden nach Amerika einigermaßen zu hemmen. Kp. Aus der Provinz Posen, im August. Bei der jüngst in Wollstein auf dem Magistratsbüreau stattgehabten Wahl von Repräsentanten für die dortige Gemeinde sind die Herren Kaufmann Benno Hamel, S. Bauchwitz und I. Kristeller wieder- und Moritz Voß neugewählt worden. Zu stellvertretenden Repräsentanten wurden die Herren S. Simonsohn und Robert Bedach gewählt. — Für die Synagogengemeinde in Dir sch au ist eine Erbschaftsangelegenheit jetzt endgiltig entschieden worden. Ein in England als Juwelier wohlhabend gewordener Dirschauer hat der dortigen Gemeinde testamentarisch eine nach dem Ableben seiner Frau anzutretende Erbschaft von etwa 270 Pfund Sterling vermacht. Nach Abzug der Kosten verbleiben nunmehr nach einem erlangten obsiegenden Urtheil der Synagogengemeinde noch 258 Pfund oder rund 5200 Mark. — Der jüngst verstorbene Kaufmann Rosenberg in Bischofsburg hat testamentarisch ein Legat ausgesetzt, dessen Zinsen im Betrage von 120 Mark jährlich an ein armes Mädchen aus seiner Familie oder, wenn solches nicht vorhanden ist, an andere Arme aus seiner Familie ohne Unterschied des Geschlechts vertheilt werden sollen. — Kantor Lebowitz in Pinne ist im Alter von 44 Jahren nach kurzem Krankenlager gestorben. Die stattliche Trauerversammlung, die bei der Beisetzung der Bahre folgte, legte das beste Zeugniß ab von der Achtung und Beliebtheit, deren sich der Verstorbene erfreute. — In Jutroschin ist der Lehrer H. Dauß an der israelitischen Schule plötzlich am Herzschlage gestorben. Derselbe, ein Bruder des bekannten Arztes Dr. M. Dauß in Berlin, war an vorgedachter Anstalt 33 Jahre hindurch eifrig thätig. Friede seiner Asche! r. Aus Schlesien, 14. August. Vorgestern verstarb plötzlich der zu einer Reserveübung eingezogene ehemalige Einjährig-Freiwillige Hugo Schönfeld aus Bromberg, Referendar am Königlichen Amtsgericht in Landsberg O.-S., an den Folgen eines Hihschlages in Neisse. Am genannten Tage früh 6 Uhr rückte die 3. Kompagnie des Infanterie- Regiments Nr. 63 zum Exerzierplatz nach Stephansdorf aus und nahm dort eine Felddienstübung vor. Der Rückmarsch wurde bei drückend schwüler Luft um 9 Uhr früh angetreten. Als die Kompagnie nach ca. einstündigem Marsche in die Nähe des dortigen Jerusalemerthores gekommen war, bemerkten die Nachbarn im Gliede, daß Schönfeld auffallend blaß wurde und zu wanken anfing. Ihre Aufforderung, auszutreten und sich krank zu melden, wurde von ihm energisch zurückgewiesen; offenbar wollte er sich als Jude nicht dem Vorwurf aussetzen, im Dienste schlapp geworden zu sein. Dieser Ehrgeiz, seine Pflicht bis zum letzten Augenblick unter allen Umständen zu erfüllen, sollte für ihn verhängnißvoll werden. Als er sich mühselig bis zur Kaserne mitgeschleppt hatte, brach er zusammen und wurde schwerkrank in das Garnisonlazareth überführt. Man stellte bei dem ziemlich wohlbeleibten Reservemann einen schweren Fall von Hitzschlag fest. Nach einer Stunde verlor Schönfeld, ungeachtet aller ärztlichen Hilfe, das Bewußtsein und verschied kurz nach 3 Uhr Mittags. Sch. war ein strammer Soldat, obschon er als Einjähriger nicht avancirt war. Bei seinen Kameraden und ebenso bei seinem jetzigen Hauptmann erfreute sich der Verstorbene, der im Alter von 23 Jahren stand, wegen seines Diensteifers und großen Humors allgemeiner Beliebtheit. Der Schmerz der Angehörigen ist unbeschreiblich. Möge Gott sie trösten! — Dem Wettturnen und daran angeschlossenen geselligen Zusammensein, welches der „Alte Turnverein" in Breslau am jüngsten Sonnabend veranstaltete, wohnte als Gast auch ein Mitglied eines anderen Breslauer Turnvereins bei: Aus der Rede, welche derselbe bei dieser Gelegenheit hielt, verdient folgender Passus hier erwähnt zu werden: es sei in seinem Verein die Meinung verbreitet, daß im „Alten Turnverein" Klassen- und Rassenhaß herrschten. Vorzugsweise, um sich davon zu überzeugen, sei er als Gast anwesend; er habe sich indeß nunmehr von der völligen Grundlosigkeit dieser Meinung überzeugt. — Bravo!?. M. Hamburg, 19. August. Nachdem eine große Anzahl jüdischer Bewohner Hamburgs ihre Privatwohnungen nach dem neuen Stadttheil „Vor dem Dammthor" verlegt, machte sich (besonders an den hohen Festtagen) das Bedürfniß nach einem neuen G otteshause fühlbar, weil die vorhandenen Anstaltssynagogen im „Altenhause" und im „Waisen-Jnstitut" nur klein und auch die in einem Miethslokal eingerichtete „Dammthor-Synagoge" die Zahl der ein Gotteshaus besuchenden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.