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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-08-23 · Heft 34 (23.8.1895) · p. Seite 400

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 34 (23.8.1895)
Date
1895-08-23
Page
Seite 400 (sequence 6)
Language
German
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400 Regiments zu Fuß glücklich aus dem Feldzuge 1866 heimgekehrt. Er starb in Folge seiner in der Schlacht von Wörth erhaltenen Wunden, in treuer Erfüllung seiner Bürgerpflicht. Der letzte hier an dieser Stätte beerdigte Krieger ist Marcus Li eben walde, geboren in Meseritz, der seiner bei Metz erhaltenen Verwundung erlag. Friede und Segen dem Andenken unserer tapferen Krieger! Bericht über die 27. Generalversammlung der israel. Lehrerkonferrn; Kessen?. f ie israelitische Lehrerkonferenz Hessens hielt am 8. Juli d. I. im Saale des Arbeiterfortbildungsvereins in Cassel ihre 27. Jahresversanunlung ab, die sich durch ihren Verlauf den erfolgreichsten unter den vorangegangenen würdig anreihte. Von den altgewohnten Gästen waren zwar nur die Herren Rabb. Dr. Prager-Cassel und Dr. Munk-Marburg erschienen; die übrigen Herren waren theils durch Krankheit (wie Herr Justizrath Hirsch), theils durch Sterbefall in der Familie (wie der Vertreter des D. I. G.-B. Herr Buchdruckereibesitzer A. Gotthelft), theils durch andere Umstände (wie Herr Rechtsanwalt Dr. Rothfels) verhindert, an der Versammlung theilzunehmen. — Dagegen beehrten uns als Vertreter des Hauptausschusses des „Hessischen Volksschullehrervereins" die Herren Lange (Vorsitzender), Brede und Zieprecht, sowie vom Vorstande des hessischen Thierschutzvereins die Herren Rektor Peter (Vorsitzender) und Betting. Außerdem waren noch einige Lehrer aus benachbarten Provinzen, sowie Fräulein Kronenberg Lehrerin in Jmmenhausen, erschienen. Gegen V, 10 wurde die Versammlung durch einen von Herrn Gutkind-Cassel entrirten Choral eröffnet, worauf der Vorsitzende der Konferenz und ihres Ausschusses Herr Seminardirektor Dr. Stein, wiederum eine seiner musterhaften und wahrhaft erhebenden Eröffnungsreden hielt. Nach dem Willkommengruß führte Redner aus, es sei ledig lich ein Suchen nach dem Rechten und Wahren, wenn sich die einzelnen Lerufsstände in periodischen Versammlungen vereinigten, und da könnte die Regsamkeit nicht Wunder nehmen, welche ganz besonders auf pädagogischem Gebiete herrscht, wo das Suchen nach dem Rechten und Wahren nach dem Stoffe und seiner Behandlung sich auszudehnen habe. Es wäre ein verhängnisvoller Jrrthuni, den Lehrstoff als etwas Unveränderliches anzusehen: Raum und Zeit, Forschung und Anschauung übten ihre stets umgestaltende Macht an demselben ans; das sei auch auf dem ethisch-sittlichen Gebiete der Fall. Wohl gelte hier wie in der Natur der alte Ausspruch: „Ein Gesetz gab Er, welches unübertretbar ist (Psalm 148), aber die Auffassung desselben unterliege dem jeweiligen Kulturstande der Zeit, und in diesem Sinne könne man allerdings von einem moralischen Zeitbelvußtsein sprechen. So verhalte es sich auch mit dem Suchen nach dem Rechten und Wahren hinsichtlich der Behandlung des Lehrstoffes, welche ebenfalls von dem jeweilig herrschenden Zeitbewnßtsein beeinflußt würde. Dies suchte Redner hauptsächlich an der Entwickelung nachzuweisen, welche die Behandlung des Religionsunterrichts seit der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts genommen hat. Als beispielsweise die philanthropische Schule mit ihrem Nützlichkeitsprinzip die Gemüther beherrscht habe, da sei es stehende Formel auch beim Religionsunterrichte gewesen, die moralische Nutzanwendung zu ziehen, wie z. B. die Frage darthue -. „Welchen Nutzen gewährt der Glaube an die Unsterblichkeit der Seeles" Der Einfluß der pestalozzischen Schule machte sich aus den Religionsunterricht in der Weise geltend, daß wir in den Leitfäden jener Zeit für den Religionsunterricht und in den biblischen Geschichtsbüchern Liederverse eingestreut finden. In der Gegenwart aber habe man endlich gefunden, daß man sich doch allzuweit von dem Urgründe nicht allein aller Moral- und Sittenlehre, sondern auch ihrer Behandlung entfernt habe, und nun knüpfte man die religiöse Unterweisung an die allein richtige Grundlage, die Bibel, an. Dem Suchen nach dem Rechten und Wahren sei also ein weiter Spielraum geöffnet. Das geistige Leben sei im beständigen Flusse, und immer neu gestalte sich Anschauung und Meinung. Wie ein trockner Baum auf öder Steppe sei nur derjenige der von diesem geistigen Wellenschläge nicht berührt wird. Mit dem Wunsche, daß auch die gegenwärtige Jahresversammlung reichlichen Segen spenden möge, schloß der Herr Vorsitzende seine gedankenreiche Rede. Danach begrüßte Herr Lange-Cassel, der Vorsitzende des „Hessischen Volksschullehrervereins", namens des Hauptausschusses desselben die Versammlung mit warmen Worteil, ausführend, daß die Bestrebungen der Konferenz dieselben seien wie diejenigen des „Hessischen Volksschullehrervereins" und der Hauptausschuß ihnen deshalb sympathisch gegenüberstehe. In der Entgegnung betonte der Vorsitzende, für die herzliche Begrüßung dankend, daß sich die Mitglieder unserer Konferenz, die bis auf wenige Ausnahmen treue Mitglieder des Hess. Volksch.-Vereins seien, in unserer Spezialkonferenz nur zusammenfänden, um diejenigen Angelegenheiten der israel. Schule und ihrer Lehrer zu besprechen, welche ihres konfessionellen Charakters wegen in den Bezirkskonferenzen des Hess. V.-V. nicht erörtert werden können. Nach Bildung des Bureaus theilte der Vorsitzende mit, daß eine Anzahl von Kollegen und Freunden der Konferenz — u. A. Herr Dr. Kristeller — unter Ausdrücken des Bedauerns ihr Fernbleiben entschuldigt hätten. Obschon verhältnißmäßig Viele -am Besuche der Konferenz verhindert waren, wies die inzwischen fertiggestellte Präsenzliste doch die stattliche Anzahl von 70 Theilnehmern auf. Der nunmehr zur Verlesung gelangende Jahresbericht theilte zunächst mit, daß die auf Grund des im vorigen Jahre zu Marburg von dem Unterzeichneten Amram gehaltenen Vortrages „Ueber die Fortbildung der israel. Lehrer" von dem Vorsitzenden dem Vorsteheramte zu Cassel unterbreiteten Vorschläge nicht die Billigung dieser Behörde gefunden hätten, weil die immer schwieriger werdende Aufbringung der Mittel zur Zeit tiefgehende Reformen in der Lehrer-Bildungs-Anstalt nicht ermögliche. — Der auf der vorjährigen Konferenz gefaßte Beschluß, den Religionslehrern unseres Bezirkes geordnete Pensionsverhältnisse zu erwirken, fand bis jetzt keine befriedigende Lösung. Die an die in Betracht kommenden Vorsteherämter gerichteten Gesuche blieben fruchtlos, da diesen keine Mittel zur Verfügung stehen, auf widerstrebende Gemeinden einzuwirken. Der Ausschuß will jedoch diese Angelegenheit wegen ihrer Wichtigkeit im Auge behalten. — Die Gründung des Deutsch-Israel. Lehrerbundes, zu welcher die vorjährige Versammlung eine abwartende Stellung einzunehmen beschlossen hat, veranlaßte den Ausschuß, nach Veröffentlichung der vom D. I. G.-B. aufgestellten Leitsätze, diesem in einer von dem Unterzeichneten Amram abgefaßten Denkschrift seine Bedenken gegen die geplante Begründung zu unterbreiten. Zur Vertretung bei der demnächst stattfindenden Delegirten- Versammlung bestimmte der Ausschuß zwei seiner Mitglieder. Herrn Gutkind-Cassel wurde nach dem nunmehr vorgetragenen Kassenbericht seitens des Herrn Vorsitzenden für die sorgfältige Führung der Kassengeschäfte bester Dank ausgesprochen und seitens der Konferenz Entlastung ertheilt. Hierauf ergriff Herr Provinzialrabbiner Dr. Munk-Marburg das Wort zu seinem Vortrage: „Was ist Thierschutz und wie ist die Pflicht der Schonung der Thiere und Pflanzen in der israel. Schule zu behandeln?" In der Einleitung begründete der Herr Referent die Berechtigung des Vortrages damit, daß die Kgl. Staatsregierung die Förderung der Bestrebungen der Thierschutzvereine in den Schulen empfohlen habe. Dann zeichnete er in kurzen Zügen die Stellung, welche die Völker des Alterthums, z. B. die Chinesen, Inder, Griechen und Römer, den Thieren gegenüber eingenommen, um sich mit erschöpfender Ausführlichkeit über das Verhältniß auszusprechen, welches dem Menschen in der jüdischen Litteratur dem Thiere und den Pflanzen gegenüber angewiesen ist. Aus dem Vollen schöpfend, verstand es der Herr Referent, die Konferenztheilnehmer mit dem reichen Inhalte der Bibel, sowie der Talmud- und Midrasch-Litteratur über den Thierschutz bekannt gu machen Die Frage, was Thierschutz sei, beantwortete er an der Hand zahlreicher Bibelstellen und Aussprüche hervorragender Philosophen, z. B. Kant, Schopenhauer u. A. mehr. Im zweiten Theile seines Vortrages zeigte Herr Referent, wie der Lehrer in den einzelnen Unterrichtsgegenständen und auch besonders durch sein Beispiel darauf bedacht sein müsse, in den Herzen der Kinder die fürsorgende Liebe zur Thier- und Pflanzenwelt zu wecken und zu pflegen. — Herr Dr. Munk hatte folgende Leitsätze ausgestellt: 1. Thierschutz ist die dem Wesen und den Eigenthümlichkeiten der Thiere angemessene Behandlung, welche sie als mit Empfindung begabte und mit ihren Kräften und ihrem Leben dem Menschen unterworfene Geschöpfe zu beanspruchen berechtigt sind.

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