Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1895)
- Date
- 1895-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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59. Jahrgang. Nr. 33. Weikcrge Der Gemrkildrbakr. zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 22 Berlin, 13. August. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Jude nt hu ms in Berlin hat soeben das Verzeichniß der im Wintersemester 1895/9(3 (vom 21. Oktober an) zu haltenden Vorlesungen veröffentlicht. Herr Dr. Maybaum wird lesen: 1. Midrasch Wajikra-Rabba, 1 Stunde, Dienstags 8-9 Uhr. 2. Homiletische Hebungen, 2 Stunden, Freitags 8—10 Uhr. Herr Dr. Müller wird lesen- 1. Talmud statarisch (Baba Batra Abschnitt 111). 4 Stunden, Montags und Donnerstags 10—12 Uhr. 2. Talmud kursorisch (Chullin Abschnitt 111), 3 Stunden, Sonntags 9—10 und Mittwochs 8—10 Uhr. 3. Jore Dea Hil. Taaruboth, 2 Stunden, Dienstags und Freitags 10-11 Uhr. 4. Jeruschalmi Seraim, 1 Stunde, Freitags 11-12 Uhr. 5. Mischna Berachot, 1 Stunde, Dienstags 11-12 Uhr. 6. Moses ben Maimon, Mischne Tora Theill,1 Stunde,Sonnabends 11— 12Uhr. Herr Dr. S chrei ner wird lesen: 1. Einleitung in die heilige Schrift, 2 Stunden, Montags und Donnersj tags 8—9 Uhr. 2. Alte Pentateuchkommentare, 2 Stunden, Sonntags I 11—1 Uhr. 3. Erkärung der 12 kl. Propheten, 2 Stunden, Sonntags 10—ll und Dienstags 9—10 Uhr. 4. Lektüre und Erklärung des More Nebuchim des Maimonides, 2 Stunden, Mittwochs 10—12 Uhr. 5 Geschichte der Juden, 2 Stunden, Montags und Donnerstags, 9 bis 10 Uhr. Herr Prof. Dr. Steinthal wird lesen: Religionsphilosophie (histor. Theil) 1 Stunde, in einer noch zu bestimmenden Stunde. Alle Vorlesungen an der Anstalt sind unentgeltlich. Als Zuhörer für die Vorlesungen sind in erster Reihe die rite immatrikulirten Studirenden der hiesigen Universität — und zwar ohne Unterschied der Fakultät — in Aussicht genommen. Auch andere Personen können auf Grund besonderer Ermächtigung an den Vorlesungen theilnehmen. © Berlin, 14. August. Wir freuen uns, heute die Mittheilung bringen zu können, daß dem rühmlichst bekannten Professor der Augenheilkunde an der medizinischen Fakultät der hiesigen Universität, Dr. Julius Hirschberg, der Charakter als Geheimer Medizinal-Rath verliehen worden ist. 6. Wreschen, 12. August. In der am Freitag den 9. d. M. unter Leitung des Bürgermeisters und im Beisein des Magistrats und der Stadtverordneten stattgefundenen Neuwahl eures Kreistagsabgeordneten für unsere Stadt wurde Stadtverordneter Hugo Ehrenfried als solcher gewählt. Derselbe war früher mehrere Jahre bereits Kreistagsabgeordneter. In Anerkennung der treuen Dienste, die er der Stadt als Stadtverordneter geleistet, haben ihn die Stadtverordneten mit diesem neuen Ehrenamte betraut, damit er auch im Kreistage zum Wohle der Stadt und des Kreises wirke. r. Aus Schlesien, 6. August. Am 8. Juli beging in Beuthen (Oberschl.) die Firma „Modebazar H. Bändel" ihr 50jähriges Jubiläum. Im Jahre 1845 von dem Vater des jetzigen Inhabers begründet, hat sich das Geschäft aus den bescheidensten Anfängen zu dem ersten und renommirtesten am Platze emporgeschwungen. — Testamentarisch zugewendet hat der in Berlin verstorbene, in Beuthen begrabene und mehrere Jahrzehnte lang daselbst ansässig gewesene Kaufmann Gustav Cohn der dortigen Suppenanstalt 1000 Mark, der israelitischen Gemeinde zu Armenunterstützungszwecken 2000 Mark. — Dem Leiter der jüdischen Schule zu Nikolai, Lehrer Lew in, ist die Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichtes in Tichau übertragen worden. — Vom Vorstand der Synagogengemeinde zu Myslowitz ist schon wiederholt versucht worden, die Auflösung des seit mehr als 50 Jahren bestehenden „Wohlthätigkeits - Vereins" herbeizuführen, um das aus mehreren Tausend Mark bestehende Vereinsvermögen zum Synagogenbau verwenden zu können. Der genannte Verein hat sich zwar bereit erklärt, eine bestimmte Summe zur inneren Ausstattung der Synagoge herzugeben, eine Auflösung des Vereins, welcher den Zweck hat, unbemittelten Gemeindemitgliedern zinslose Darlehen zu gewähren, ist jedoch ausgeschlossen, und ist von der letzten Generalversammlung mit großer Stimmenmehrheit dessen Fortbestehen beschlossen worden. — Der Synagogen-Neubau in Oppeln erhebt sich schon über die Sockelhöhe. Die Arbeiten schreiten rüstig fort und werden wohl im Herbste vollendet sein. Nach der uns vorgelegenen Zeichnung dürfte die neue Synagoge eine Zierde dieses Stadttheils werden. — Kantor Rosenthal in Ratibor wurde seitens des Vorstandes der Synagogengemeinde Breslau zum Kantor an der Storchsynagoge gewählt. Die eigentliche Wahl soll demnächst stattfinden und den Repräsentanten zur Bestätigung vorgelegt werden. — Für Sonntag den 11. d. Mts. war in Frankenstein ein Vortrag Ahlwardts im Garten des Eldorado angekündigt worden. Derselbe ist jedoch wieder aufgeschoben worden, da die Polizeibehörde nicht die Erlaubniß zur Abhaltung der Versammlung giebt. Das dortige Gastspiel Ahlwardts war von dem auch in Breslau wohlbekannten Postassisienten Schulze vorbereitet worden. Letzterer hat sich bereits beschwerdeführend an die Königliche Regierung nach Breslau gewendet. Postassistent Schulze ist vor etwa zwei Jahren von Breslau nach Frankenstein versetzt worden. Den Anlaß zu dieser Versetzung bildete der Umstand, daß Schulze einer Versammlung präsidirt hatte, in welcher Ahlwardt gegen ein Entree von 75 Pf. (im Vorverkauf 60 Pf.) gesprochen hatte, und in der von den Antisemiten derartige Radauseenen veranstaltet wurden, daß sogar Ahlwardtin dieser Versammlung erklärte, er schämesichseinerParteigenossen. r. Breslau, 10. August. Eine Folge der antisemitischen Agitation war ein Beleidigungsprozeß, den Dr. med. Sachs gegen den Straßenbaumeister Mros in Dresden anstrengte. Nachdem der Letztere im Nadfahrerklub „Union" nicht wieder in den Vorstand gewählt war, äußerte er gegen mehrere Mitglieder: „Sachs, der Jude, muß aus dem Verein herausgethan werden; er ist nur aus Eigennutz beigetreten." Mros bestritt, sich hierdurch einer Beleidigung schuldig gemacht zu haben. Er wurde jedoch vom Schöffengericht zu 40 Mark Geldstrafe verurtheilt, gegen die er beim Landgericht Berufung einlegte. Dies bestätigte das Urtheil. Landgerichtsdirektor Göhler betonte dabei: Die Aeußerung „der Jude" sei im gegebenen Falle beleidigend gewesen. Die jüdische Religion sei eine vom Staate anerkannte Religionsgemeinschaft, welche dieselben Rechte habe und denselben Staatsschutz genieße, wie jede andere Religion. Der jetzigen Zeitströmung folgend, sei es dem Beklagten nur darum zu thun gewesen, dem Kläger durch die Bezeichnung „Jude" seine Geringschätzung auszudrücken; die Verurtheilung sei daher gerechtfertigt. K. Hannover, im August. Der Leiter der Baron Hirsch'schen Stiftungsschule in Kolomea (Galizien), Herr Direktor Grünes, hat wiederum sieben galizische Zöglinge für Gärtnerei der Erziehungsanstalt in Ahlem zugeführt und nach eingehender Prüfung sich sehrlobend über die Forschritte der bereits seit Jahresfrist in der Anstalt weilenden galizischen Schüler ausgesprochen. Dieselbe zählt jetzt im Ganzen 57 Schüler; leider können die vielen Anfragen um Aufnahme von zahlungsunfähigen Schülern wegen der beschränkten Mittel nicht berücksichtigt werden. Es ist daher dringend zu wünschen, daß der Aufruf um Unterstützung dieses der Gesammtheit dienenden Institutes überall einen solchen Erfolg habe, wie in Frankfurt a. M., wo durch das thatkräftige, persönliche Eingreifen einiger Männer die Summe von 16,000 M. bereits gesammelt ist, obgleich aus dieser Stadt noch kein Schüler in die Anstalt gesandt wurde. Unfern mit Glücksgütern gesegneten Glaubensgenossen kann die Förderung dieses Werkes durch reiche Zuwendungen nicht dringend genug empfohlen werden. — Die 25jährige Wiederkehr der Einweihung unserer Synagoge soll nach Beschluß des Vorstandes und der Repräsentanten festlich begangen werden. Ein mit der Feststellung der Feierlichkeiten beauftragtes Komitee erläßt einen Aufruf an die Mitglieder d r Synagogengemeinde, daß in Ausführung dieses Beschlusses am Sonr.abend den 7. September eine Festfeier in der Synagoge und am darauffolgenden Sonntag ein Festbanquet für di