Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1895)
- Date
- 1895-08-16
- Page
- Seite 387 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3228094-3228128--52055-3272831- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
387 ~Tf m Preise gemein- und die ^nannten cherweise Rufer in die Re- Konser- > freilich lrbeitern Anssicht drücken, mssischen üng am täuschen, werden chungen, ldernden che sind, betrieben g. Die rkbar zu i fremde Zudem nicht so len läßt, ran ans en nicht enn alle eigenen üe Einht aller orgelegt nimmt i bereits noch die htragen. Volkes, nnt dem uns nur ist nicht ir uns." Rädchen Berlin u Akiba e, eine Unterschied liegt aber darin, daß man meine Angabe nicht wie die Rabbi Akibas auf dem Wege der Allegorie verstehen muß, sondern als nackte Thatsache ansehen kann. Vielleicht kehrt der Waschonkel mit seiner Erwählten einmal in das Reich der Mitte zurück und ein Kayserling des 23. Jahrhunderts weiß uns von den Thaten des Enkels einer amerikanischen Jüdin zu berichten, der vielleicht gleich Ferdinand dem Katholischen die seither mit den Amerikanern über die Sandwich-Inseln eingewanderten Juden aus seinem Reiche vertreibt, sofern sie nicht die allein selig machende Confutse-Religion bekennen. Inzwischen haben mich die Amerikaner hier und da sich von chinesischen Anschauungen nicht ganz emauzipirt. Der Jude gilt Vielen noch immer als eine Art Chinese; so hat neulich ein Herr Borne die Sitzung des Polizeiausschusses in New-Orleans durch Verlassen des Saales beschlußunfähig gemacht, um die Wahl eines Herrn Brunswig zum Polizeikommissar zu verhindern. Als Grund gab er an: „Ich bin ein Gegner Brunswigs, weil er ein Jude ist. Ich kenne den Herrn nicht persönlich und weiß nicht viel über ihn, aber ich bin einfach der Meinung, daß die Juden hier zu mächtig werden." Es hat sich wohl herausgestellt, daß Herr Brunswig nienials ein Jude war, und daß die Motive des Herrn Borne ganz andere sind, als er zugiebt. Durch die amerikanischen Städte geht nämlich seit neuerer Zeit eine Reformbewegung. Die Korruption der Munizipalverwaltuugen ist eine für Europäer geradezu unbegreifliche. Aemterschacher, Verkauf städtischer Interessen an Straßenbahnen, Gasgesellschaften und Kontrakloreu für öffentliche Arbeiten, Erpressung, verübt an Besitzern von Spielhöllen, unsittlichen Häusern, professionellen Betrügern aller Art, selbst an armen Hausirern, die ihre Karren an unerlaubten Orten ausstellen, kurz, Alles, was, um ein schönes Wort von Samson R. Hirsch zu gebrauchen, „Machtinißbrauchsvollbringer" an frecher Verhöhnung des öffentlichen Moralbewußtseins leisten können, geschieht hier alltäglich in den Rathhäusern der Großstädte. Das Beamtenwahlsystem, welches diese Erscheinungen zum Theil verschuldet hat, giebt anderseits wieder ein Mittel zur Besserung an die Hand, und so hat eine Reformpartei Herrn Brunswig in den Polizeirath gebracht, um den erbgeseffenen „Boodlern" — es ist bezeichnend, daß die deutsche Sprache für den geschäftsmäßigen Mißbrauch eines öffentlichen Amtes keine Bezeichnung ausgeprägt hat — auf die Finger zu sehen. Daß diese Herren einer solchen Kontrole nicht grün waren, ist nur natürlich. Anderseits ist es sehr lehrreich, daß sie sich aus der Schlinge ziehen wollen, indem sie den unliebsamen Gegner als Juden verschreien. Aehnliche Fälle sind freilich nicht häufig, doch kommen sie auch im freien Amerika vor. Der bezeichnendste ist der des New-?)orker Einwanderungskommiffars Senner, welcher vor einem Komitee des Senats erklärte, er habe sich lange vor seiner Einwanderung taufen lassen, obwohl er in Brünn, wo er als Dr. Samuely eine Advokatrirskanzlei betrieb, immer als Jude bekannt war und diese Stadt, wegen gewisser Schreibfehler, die er auf bestempelten Papier in offenbarer Zersteutheit begangen hatte, in solcher Eile verlassen mußte, daß er auch sonst nicht Zeit hatte, irgendwo in Europa auch nur den kleinen lutherischen Katechismus zu lernen. Daß Herr Dr. Samuely dem Judenthum nicht mehr Interesse entgegenbringt als sein halber Landsmann — Samuely stammt aus Galizien — und Gesinnungsgenosse Paulus Meyer, kann Niemanden Wunder nehmen. Es ist aber für die Beurtheilung der Stellung der Inden in Amerika von hohem Gewichte zu sehen, daß der Jndustrieritter die Verleugnung des Judenthums für vortheilhaft findet. Ihre Leser wird es interessiren zu erfahren, wie ein Mann mit so bemakeltem Vorleben zu einem so verantwortungsvollen Amte, wie es das eines Auswanderungskommiffars ist, zugelassen werden kann. Ich will die Frage mit Ihrer Erlaubniß beantworten, obwohl sie auch nicht streng zur Sache gehört. Der gewählte Kandidat für irgend ein Amt muß denen, welche seine Wahl unterstützten, durch Ernennungen ihrer Schützlinge sich erkenntlich zeigen. Zu Denjenigen, ivelche die Wahl des Präsidenten Cleveland unterstützten, gehörten Oswald Ottendorfer, der Eigenthümer der New-Uorker Staatszeitung, des größten und einflußreichsten deutsch-amerikanischen Journals. Herr Ottendorfer empfahl Samuely, der bei der Staatszeitung beschäftigt war, und Präsident Cleveland ernannte ihn. wie er jeden Andern ernannt hätte, der von Ottendorfer vorgeschlagen wurde. Allerdings steht dem Senat ein Recht zu, eine solche Ernennung zu verwerfen, aber in dieser Körperschaft entscheidet das blinde Parteiintereffe, soweit es nicht mit noch niedrigeren selbstischen Interessen kollidirt. Man braucht sich nur daran zu erinnern, wie im vorigen Sommer bei der neuen Zollgesetzgebung, die jetzt zum Tarifkriege mit Deutschland führte, einem Ringe von Zuckerraffineuren auf Kosten des Volkes Millionen in die Taschen gespielt wurden. So wurde denn auch Samuelys Ernennung bestätigt, obwohl seine Vorgeschichte aus dem „American Israelite“ in die gelesensten englischen Blätter New-Iorks übergegangen war. Kehren wir zu unserm Thema zurück. Kleine Anfeindungen gegen die Juden in öffentlichen Vertretungskörpern, sowie in der Presse kommen auch in diesem Lande vor. Gesellschaftlich ist die Stellung der Juden hier zu Lande mehr isolirt als irgendwo in Europa. Die unfreundliche Art, mit welcher die Gesellschaft den Juden behandelt, findet einen höchst beschämenden Ausdruck in der Popularität, welche George Du Mauriers neuer Sensationsroman „Trilby", gefunden hat. Es giebt heute schon Trilbyhnte, Trilbyseife, Trilbycigarre», Trilbyklubs, Trilbyschuhe, Trilbyhosenträger u. s. w. Ich will in einem Litteraturberichte über dieses Buch ein Mehreres schreiben; heute genüge es daraus anzuführen, daß der Held des Romans ein in Paris lebender, viel in englischer Gesellschaft verkehrender jüdischer Künstler ist, zu dessen Charakterisirung ich folgende Szene anführe. Svengali, so heißt der Künstler, tritt eines Morgens bei einem englischen Freunde ein, um ihn auzupuuipe». Er findet ihn im Bade. „Was machen Sie da?" fragte er, „ich wasche mich," ist die Antwort. „Warum waschen Sie sich?" fragt Svengali weiter. Daun ist die Antwort, „um mich vom Schmutz zu säubern." „Wenn Sie sich aber wieder schmutzig machen," fragt Svengali naiv, „was dann?" „Ja, mein Gott," ist die Antwort, „dann wasche ich mich wieder." „Da waschen Sie sich alle Tage," sagt Svengali lachend und läuft zu einem andern Freunde, um ihm die Geschichte von dem komischen Engländer zu erzählen, der sich jeden Tag wäscht. Ein andermal erzählt in einer Künstlergesellschaft des lateinischen Viertels ein lustiger Bruder, wie er in einem Schwiinmbade vom Ertrinkungstode gerettet wurde, itnb als er die Augen wieder aufschlug in seinem edlen Netter einen Schuhmacher erkannte, dem er seit Monaten mit größter Beharrlichkeit ausgewichen war. „Recht so," antwortet Svengali, „da ich niemals bade, habe ich von meinem Schuhmacher nichts zu fürchten." Das genügt wohl vorläufig, um das Buch und das Publikum, welches es so begierig verschlingt, zu beurtheilen. Es fehlt also nicht an jener feindseligen Stimmung, welche, wie der Talmud sagt, mehr dazu beitrug, Israel zu bessern, als alle 48 Propheten und sieben Prophetinnen zusammen genommen. Sollte man daher die konservativen Unterströmungen erklären? Ich glaube nicht. Eher sind sie eine Folge natürlicher Reaktion, wie sie Natnr und Geschichte auf allen Gebieten zeigen. Frau Ruskay, eine geborene Amerikanerin, aus wohlhabendem und gebildetem Kreise, ist eine Ausnahme,