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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-08-09 · Heft 32 (9.8.1895) · p. Seite 379

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 32 (9.8.1895)
Date
1895-08-09
Page
Seite 379 (sequence 9)
Language
German
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879 einigten Staaten. Alsdann hielt Dr. Sale die Predigt zum Freitag Abend. Am Sonnabend Morgen predigte Dr. Adolf Moses über „die Religion und ihren Zusammenhang mit der Philosophie". Die Schlußsitzung der Konferenz wurde Sonnabend Abend abgehalten. Es wurde bestimmt, die Erwägung über die Aufnahme von Proselyten für die nächstjährige Zusammenkunft aufzuschieben. Der Bericht des Komitees über die Stellung zur nachbiblischen Litteratur wurde noch einmal in veränderter Form vorgelegt und nach lebhafter Diskussion angenommen. Zum Schluß wurden von dem Wahlkomitee die Namen der Vorstandsmitglieder der Konferenz verlesen, die einstimmig angenommen wurden. Milwaukee wurde als Versammlungsort für die nächste Sitzung bestimmt und nach einem Segensspruch des Dr. Emil G. Hirsch wurde die Konferenz geschlossen, die auch diesmal wahrhaft gedeihliche Resultate erzielt und vor Allem bcn Zusammenhang aller auf dem Boden der historischen Reform stehenden Rabbiner Amerikas gefördert hat. O. Schl. Me Ginheitsbibel. Von Felix Wolfs, Lehrer in Ulm. einiger Zeit verglich ich behufs Ausarbeitung einer Lehr- * probe über „Gideon" eine Anzahl Lehrbücher der biblischen Geschichte, die beim israelitischen Religionsunterricht in Gebrauch sind. Hierbei fiel mir besonders auf, daß jedes derselben für die wörtlich angeführten Reden in den einzelnen Geschichten und theilweise auch für die Eigennamen einen anderen Wortlaut hatte. So lautet z. B. der Schlachtruf der Schaar Gideons bei Badt: „Das Schwert für den Herrn und Gideon", bei Stern: „Schwert für Gott und Gideon", bei Sondheimer: „Das Schwert gezogen für Gott und Gideon". Deckt sich nun auch der Sinn dieser drei Sätze vollkommen, so liegt doch in dem verschiedenen Wortlaut ein pädagogischer Verstoß, dessen unangenehme Wirkungen die Lehrer und in noch größerem Maßstabe die Schüler zu fühlen bekommen. Gesetzt den Fall, ein israelitischer Lehrer ertheile Religionsunterricht in X, wo die biblische Geschichte von Sondheimer in Gebrauch ist. Um den pädagogischen Anforderungen zu genügen, hält er sich beim Erzählen der biblischen Geschichten, soweit es direkte Reden und Eigennamen betrifft, genau an den Wortlaut des Lehrbuchs. Da wird er eines Tages nach Y versetzt, wo schon seit Jahren die biblische Geschichte von Stern eingeführt ist. Nun ist er gezwungen, die wörtlichen Reden und die Eigennamen nach diesem Buch zu zitiren; er darf nichts mehr von Jsak, Mose, Samuel rc. erzählen, sondern nur noch von Jizchak, Mosche, Schemuel rc. Man glaube nun ja nicht, daß es für den Lehrer etwa leicht sei, Namen und wörtliche Reden, die er jahrelang in diesem Wortlaut vorgetragen, plötzlich in einem anderen Wortlaut zu memoriren; denn erfahrungsgemäß lernen wir etwas uns vollkommen Neues weit sicherer auswendig, als einen Stoff, den wir früher schon in anderer Form eingeübt haben. Dieser Uebelstand, soweit er den Lehrer betrifft, ist jedoch der kleinere; unter dem größeren leiden die Schüler. Wie muß es dieselben verwirren, wenn sie in der Oberklasse einen Spruch, eine direkte Rede oder gar einen Namen in anderem Wortlaut als in der Unterklaffe memoriren müssen, und zwar einfach aus dem Grunde, weil dem Unterricht der Oberklasse in den meisten Fällen ein anderes Lehrbuch zu Grunde liegt als dem der Unterklasse. Der Eindruck, den ein schönes Bibelwort auf den Schüler gemacht hat, wird durch .derartige spätere Textveränderungen bedeutend abgeschwächt, ja vielleicht ganz verwischt; denn ein Ding, das heute so und morgen so genannt wird, das wird dem Kinde nicht zum feststehenden Begriff, das imponirt ihm auch nicht. Wie einheitlich sind in dieser Beziehung die evangelischen Spruchbücher und die Lehrbücher der biblischen Geschichte gehalten! So verschieden sie in Hinsicht auf die Auswahl, die Ausführlichkeit, die methodische Behandlung oder den religiösen Standpunkt des Verfassers sein mögen — in einem Punkt stimmen sie alle überein: in dem Wortlaut der direkten Reden und der Eigennamen, der sich genau an die Lutherische Bibelübersetzung anlehnt. Welch großer pädagogischer Vortheil liegt in dieser Uebereinstimmung, und welch Einigungsband bildet dieselbe für die Mitglieder der evangelischen Kirche! Ich meine nun, eine ähnliche einheitliche Bibelübersetzung herzustellen, sollte der deutschen Judenheit nicht allzuschwer fallen. Es wäre dies ein höchst verdienstvolles Werk, an dessen Ausführung sich geeignete Vertreter des freisinnigen und orthodoxen Judenthums in gemeinsamer friedlicher Arbeit betheiligen sollten (denn meiner Ansicht nach kann eine Bibelübersetzung gemäßigten Vertretern dieser beiden Richtungen keinen Anlaß zu tiefergehenden Meinungsverschiedenheiten geben). Eine Anzahl auserlesener, gründlicher Kenner des biblischen Grundtextes würde im Verein mit erfahrenen Schulmännern und Schriftstellern innerhalb eines Jahres sicher eine Bibelübersetzung Herstellen können, die allen billigen Ansprüchen auf Richtigkeit und volksthümlich-ungekünstelten Ausdruck entsprechen müßte. Der trockene, von der wörtlichen Uebersetzung herrührende Ton unserer heutigen Bibelübersetzungen müßte hierbei grundsätzlich vermieden und wie in der Lutherschen Bibel eine größere Uebersichtlichkeit hergestellt werden. An diese Einheitsbibel hätten sich natürlich in der Folge alle neu erscheinenden Lehrbücher der biblischen Geschichte, alle Spruch-, Konfirmations- und eigentlichen Religionsbücher in ihren Bibel-Citaten anzulehnen. Daß bei einem Werk, das für die Juden All-Deutschlands bestimmt ist und deshalb in großer Auflage erscheinen könnte, bei schöner Ausstattung ein billiger Preis zu erzielen wäre, liegt auf der Hand. Dann könnte unsere Bibel auch mehr und mehr in das jüdische Haus eindringen, wo sie heutzutage leider so selten zu finden ist, und vermöge ihrer kindlichen, zu Herzen gehenden Sprache die religiösen Interessen der deutschen Judenheit kräftig fördern. Dies mein Vorschlag. Wie die Sache einzuleiten und durchzuführen wäre, das zu erläutern überlasse ich einer berufeneren Feder. Mir lag nur daran, die Aufmerksamkeit derer, die an der Förderung des religiösen Lebens in Schule und Haus reges Interesse bekunden, auf einen Uebelstand zu lenken und einen Anstoß zu dessen Beseitigung zu geben. Geselligkeit und Geselligkeitsfreuden in Bidet und Talmud. Von Dr. Adolf Rosenzweig, Rabbiner in Berlin. II. 8 3. Häusliches und öffentliches Leben. Theilnahme bei Leid und Freud. Gastfreundschaft. 1. Das gesellschaftliche Leben erstreckte sich in ältesten Zeiten auf den Familienkreis. Ein ausgedehnterer Verkehr entwickelte sich erst unter dem Einflüsse der Königsherrschaft und später durch das Vordringen der griechischen Kultur. Zu dem Familienkreise gehörten, durch Sitte und religöse Anschauung angegliedert, auch die Sklaven, — Sabbathruhe lind Festesfreude galt auch ihnen, gleichwie den Gliedern der engeren Familie-

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