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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-08-09 · Heft 32 (9.8.1895) · p. Seite 378

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 32 (9.8.1895)
Date
1895-08-09
Page
Seite 378 (sequence 8)
Language
German
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378 Erklärungen von Stellen des Leviticus und der jüdischen Feste, Uebung im korrekten und fließenden Lesen, Uebersetzungen aus dem Gebetbuch. Im dritten Jahre: biblische Geschichte, das Judenthum, die Pflichten gegen Gott und die Eltern, Lesen der Bibel in englischer Sprache, Uebersetzung des Abendgebets, Thoralesen. Im vierten Jahre: das Judenthum, Eintheilung der Bibel, Namen und Inhalt, die heilige Zeit und ihre Bedeutung, die Pflichten gegen sich und seine Mitmenschen, Bibellesen, Erklärung der Psalmen im Gebetbuch mit Rücksicht auf die Feste, Uebersehung der Genesis soweit als möglich. Im fünften und letzten Jahre: Geschichte von Esra und Nehemia, das Judenthum in Bezug auf Gott und sein Verhältniß zu den Hebräern, Israels Hoffnung für die Menschheit, Gebete für den Gottesdienst, Bibellesen und Erklärung von Stellen aus Esra und Nehemia. — Unterweisung in jüdischer Geschichte und der bedeutender Männer von Moses bis zur Jetztzeit, die doktrinären Beziehungen des Judenthulns zu den heutigen Religionen werden gleichfalls erörtert. Daran schloß sich eine außerordentlich interessante Rede des Dr. Emil G. Hirsch aus Chicago über: „Die Bedeutung und Tendenz der Reformbewegung im amerikanischen Judenthum." Der Redner schloß seine Ausführungen mit folgenden Worten: „Der Radikalismus dreht sich nicht um den Punkt, daß ein Symbol angewendet werden soll oder nicht, sondern er sagt, daß das Symbol eine Sprache reden muß, die man versteht. Sobald es zur Versteinerung wird, hört es auf, als ein Schatz der Synagoge aufbewahrt zu werden. Die Radikalen treten mehr für das jüdische Bewußtsein ein als die Orthodoxen Unter dem jüdischen Bewußtsein verstehen wir eine thränenfeuchte Vergangenheit, durch welche der Himmel der Hoffnung und das Zeichen des Bundes zwischen Gott und dem Menschen hindurchscheiut. Das jüdische Bewußtsein liegt im Allgemeinen in der Verbindung der jüdischen Rasse. Der radikale Jude ist mehr darauf bedacht, ein Jude zu sein, als jene, die es ihm streitig machen wollen. Es ist wahr, daß ohne einen Sabbath kein Judenthum ist. Der Sabbath ist die große Verkündigung seiner Grundideen. Er illustrirt die Würde der Arbeit und die Freiheit der Ruhe mit dem Gedanken, daß das Werk wohlgethan war, so, wie es Gott that am Ende der Schöpfungswoche. Ich weiß, daß die Welt verschiedene Tage einsetzte, um diesen Gedanken zu symbolisiren. Können wir den alten historischen Sabbath haltend Das Judenthum ist keine Religion, die durch einen Vertreter ausgeübt werden kann. Eure bezahlten Sänger können es nicht für Euch halten. Wenn wir den alten Sabbath halten können, so wollen wir es thun, können wir es aber nicht, so laßt uns den neuen halten. Ich gebe zu, daß, was von Sinnlichkeit und Materialismus im Judenthum ist, in der Thatsache begründet ist, daß wir keinen Sabbath haben. Das Judenthum ist die Erlösung der Menschheit, und, das Echo der Geschichte und der Märtyrer aufnehmend, ruft auch der Radikale: „Höre, Israel, der Ewige ist ein einiger, einziger Gott!" — Reicher Beifall lohnte den geistvollen Redner. Am Abend desselben Tages fand in den prächtigen Räumen des Eureka-Klub das Festmal statt, das die Gemeinde zu Rochester den Mitgliedern der Konferenz gab. Max Löwenthal, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, hielt die Begrüßungsrede. Ihm dankte der verehrte Präsident des Hebrew-Union-College in Cincinnati, Dr. Wise. Im Laufe des Abends sprachen ferner Dr. Gottheil, Dr. Hirsch, Dr. Landsberg u. A. Am nächsten Tage wurde die Sitzung um 10 Uhr Vormittag wieder eröffnet. Der Obmann Dr. Stolz verlas den Bericht des Komitees für die Mission unter den Jude n. Der Bericht wurde angenommen, die Diskussion darüber aber aufgeschoben, bis Dr. Moses seine Schrift: „Missionsbemühungen im Judenthum" verlesen haben würde. Sodann folgte die Diskussion über die Stellung der jüdischen Reform zur nachbiblischen Litteratur. Der Bericht des betr. Komitees sagt, daß die ganze nachbiblische Litteratur, mit Einschluß des Talmud, der Kasuisten, Responsen, Kommentarien, vom Standpunkt des reformirten Juden nur als historische Litteratur angesehen werden kann und als solche von unschätzbarem Werth sei. Ein großes Verdienst der Reform sei, daß sie das historische Bewußtsein geweckt habe. Je stärker dieses Bewußtsein geworden sei, desto fester habe man an dem Grundsatz gehalten, sich in allen religiösen Dingen in keiner Weise autoritativ von der Litteratur der Vergangenheit bestimmen zu lassen. Dieser Bericht rief eine große Bewegung hervor und wurde nach erfolgter Abstimmung dem Komitee zurückgegeben. Hierauf sprach Dr. Mann, ehemals Pastor ander Unitarian Church in Rochester, von dem guten Einvernehmen, daß er immer zwischen Jaden und Christen gesehen hätte und wünschte das Fortbestehen derselben für alle Zeiten. Das Komitee für Aufnahme von Proselyten legte den folgenden Bericht vor. Der Bewerber soll die folgenden Fragen beantworten: 1. Ist es Ihr ernster und aufrichtiger Wunsch, ein Mitglied des jüdischen Glaubens zu werden? 2. Wählen Sie diesen Schritt aus eigenem, freien Willen? 3. Welches sind die Grundsätze des Judenthums? 4. Glauben Sie an diese Sätze? 5. Nehmen Sie diese Sätze als Glaubensbekenntniß an? 6. Wollen Sie mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele nud ganzem Vermögen die hohen, moralischen und religiösen Ziele, die sie lehren, verfolgen? 7. Ist es Ihre ernste Absicht und Ihr frommes Bemühen, als Jude zu leben und die heiligen Gesetze der jüdischen Religion zu halten? 8. Sind Sie gezwungen oder ungenügend überzeugt veranlaßt worden, diese Erklärung abzugeben? 9 Ich fordere Sie nun auf, ein feierliches Bekenntniß über alles dieses vor Gott und den hier Versammelten abzulegen. (Hierauf folgt das Glaubensbekenntniß) 10. Geben Sie mir, dem Rabbiner, in Gegenwart dieser Zeugen, drei Rabbinern, das feierliche Versprechen, daß Sie standhaft in Ihren Pflichten als Jude bleiben werden, so helfe Ihnen Gott?" Die Erklärung der Annahme des jüdischen Glaubens lautet: 1. Ich glaube mit einem aufrichtigen und standhaften Glauben, daß es einen einigen und einzigen Gott giebt, den Schöpfer, Erhalter und Herrscher der Welt. 2. Ich glaube mit einem aufrichtigen und standhaften Glauben, daß der Mensch, nach dem Ebenbild Gottes, unschuldig und rein geschaffen, mit Vernunft, Gewissen und freiem Willen begabt und fähig ist, über die Sünde zu triumphieren und sich zur Vollkommenheit zu entwickeln. 3. Ich glaube, mit einem aufrichtigen und standhaften Glauben, daß die Seele des Menschen unsterblich ist, und daß Rechtschaffenheit belohnt und Schlechtigkeit bestraft wird. Dir, o Herr, gehört die Gnade, denn Du wirst Jeden nach seinen Thaten belohnen. 4. Ich glaube mit einem aufrichtigen und standhaften Glauben an die allgemeine Vaterschaft Gottes und an die allgemeine Brüderschaft der Menschen Dieses wahr zu machen, ist das wahre, große Ziel, die Hoffnung und Mission Israels. Und an jenem Tage wird Gott König sein über die ganze Erde. Gott wird einzig sein und sein Name ist einzig. Es folgt nun die Rede des Rev. Dr. Jsaac S. Moses: „Missionsbestrebungen im Judenthum." Der Redner führt aus, daß das Judenthum auch eine Missionsreligion sei und daß gerade die jetzige Zeit diesen Bestrebungen besonders günstig wäre, weil die Zahl Derer, die sich von dem Dogma lossagt, von Jahr zu Jahr wächst. Sie suchen ein Ideal, das sie mit Begeisterung erfüllt, das ihre Kräfte für deu Dienst der Menschheit heranzieht. Der Redner bezeichnet als Ausgangspunkt der Mission das Haus; die erste Aufgabe sei, die Juden erst zu wirklichen Juden zu machen. Er verlangt 1. die Mitgliederzahl der Gemeinden soll erhöht werden, dadurch, daß Jeder, gleichviel welchen Beitrag er zahle, ein Mitglied der Gemeinde werden könne. Der Frau soll ein größeres Feld für ihre Thätigkeit eingeräumt werden, um so mehr, als sie oft ganz besondern Ernst und Liebe zur Sache an deu Tag legt. 2. Jede Gemeinde soll das Missionswerk auch außerhalb der Grenzen ihres Tempels fördern und, wie die christlichen Gemeinden, Missionsschulen errichten. 3. Ferner sollen Zweigsynagogen eingerichtet werden in Ortschaften, wo die Juden nicht zahlreich oder vermögend genug sind, sich eigene zu bauen. 4. Noch nöthiger ist die Mission in den Städten, wo nur vereinzelte jüdische Familien wohnen, weil diese, wenn sie sich selbst überlassen sind, der jüdischen Sache leicht verloren gehen. Sabbathschulen und Kanzeln sollen errichtet werden und diese sollen wöchentlich Predigten erhalten, die zu diesem Zweck von der Rabbiner- Konferenz veröffentlicht werden. 5. Die Errichtung von jüdischen Mädchenschulen zur Vermeidung des katholischen Einflusses, dem die Mädchen beim Bestich katholischer Schulen ausgesetzt sind — Alsdann spricht Dr. D. Philipson über „American Judaica“. Er sagt, daß die jüdisch-amerikanische Litteratur noch sehr klein sei, das erste Buch eine hebräische Grammatik, erschien im Jahre 1735. Nachmittag 3 Uhr wird die Sitzung mit der Verlesung verschiedener Komiteeberichte wieder eröffnet. Der Vorschlag des Publikations- Komitees, eine Hälfte des Ertrages des Gebetbuches zu einem Fond für altersschwache Rabbiner zu bestimmen, wurde angenommen und das Komitee für das nächste Jahr neu gewählt. Dr. Berkowitz berichtete über das Wachsthum und den Erfolg der Sommerschulen in den Ver-

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