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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-08-09 · Heft 32 (9.8.1895) · p. Seite 377

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 32 (9.8.1895)
Date
1895-08-09
Page
Seite 377 (sequence 7)
Language
German
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377 er öffnete die Sitzung mit einer herzlichen Begrüßung der Versammelten, insbesondere der neu eingetretenen und der zum ersten Male an den Berathungen theilnehmenden älteren Mitglieder, gedachte des im abgelaufenen Jahre rerstorbenen Mitgliedes Dr. Löwenmayer s. A. aus Sulzbürg sowie des durch seine Berufung nach Fürth aus dem Konferenzverbande ausgeschiedenen Herrn Dr. Deutsch und schloß seine Ansprache mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Prinzregenten, an den ein Huldigungstelegramm abgesandt wurde. Nachdem Herr Dr. Werner-Bamberg die Versammlung Namens der von ihm vertretenen Kultusverwaltung begrüßt hatte, wurde die Konferenz eröffnet und zum Vorsitzenden Dr. Eckstein, zum stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Cohn-Jchenhausen und zum Ehrenpräsidenten Dr. Wern er - Burgebach gewählt. Als Schriftführer fungirten Dr. Bamberger und Dr. Cohn. Im Anschluß an den Bericht des geschäftsführenden Ausschusses, den Dr. Cohn-Jchenhausen erstattete, wurde beschlossen, die auf Anrathen des Kultus-Ministeriums begonnenen Verhandlungen, behufs Anschluß der Pensions- und Relikten- Kasse der Rabbiner an den Pensionsverein für berufsmäßige bayerische Gemeindebeamte fortzusetzen, die geeignet erscheinenden Maßnahmen den Konferenzmitgliedern zu unterbreiten und erforderliche Schritte bei der hiesigen königlichen Staatsregierung, eventl. auch beim Landtag zu unternehmen. Die Debatte über die vom geschäftsführenden Ausschuß vorgeschlagene Einsetzung einer ständigen Kommission für die Theorie des jüdischen sStaatskirchenr echts in Bayern führte zu dem Beschluß, eine Kommission (Kohn, Meyer-Regensburg, Werner-München) zu ernennen, die den Mitgliedern in Fragen des jüdischen Staatskirchenrechts Auskunft ertheile, die vorhandenen Mängel in den Kompendien des jüdischen Staatskirchenrechts zusammenstelle, dem Plenum Bericht erstatte und ihm Anträge aus diesem Gebiete vorlege. Die Sitzung des zweiten Tages wurde von dem Vorsitzenden Dr. Eckstein mit der Verlesung eines aus der Geheimkanzlei des Prinzregenten eingelaufenen huldvollen Antworttelegrammes eröffnet. (Wir haben dasselbe bereits veröffentlicht. Red.) Von den Beschlüssen ist namentlich derjenige hervorzuheben, nach welchem die zukünftigen Konferenzen auch Vorträge und Referate aus dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft in den Kreis ihrer Berathungen ziehen sollen. Doch soll alles, was in das Gebiet der Bibelkritik und Halacha-Kritik eingreift, ausgeschlossen sein und die Themata sollen rechtzeitig dem geschäftsführenden Ausschuß angemeldet werden, der über die Aufnahme in das vorzuschlagende Berathungsmaterial beschließt. Dr. Stein berichtet über die bisherige Thätigkeit der durch Krankheit ihres Vorsitzenden nicht zum Abschluß ihrer Arbeiten gelangten Kommission zur Ausarbeitung eines Normallehrplans fürdenNeligionsunterricht an den Gymnasien und legt einen außerordentlich gründlich ausgearbeiteten Plan vor, der formell wie inhaltlich die vollste Anerkennung der Konferenz findet. Dr. Ziemlich legt werthvolles Material zur Statistik und über die Pensa des Religionsunterrichtes an den Gymnasien des Königreiches vor. Zur weitern Förderung der Angelegenheit wird wiederum eine Kommission gewählt, die unter Zugrundelegung der beiden der Konferenz übergebenen Referate die Ausarbeitung eines Normatives bewirken, die Ergebnisse ihrer Berathungen als Grundlage für die nächstjährigen Verhandlungen schriftlich niederlegen und den Mitgliedern vor der Konferenz behufs Vorbereitung der Berathungen mittheilen soll. Die bisherigen Mitglieder, die Herren Dr. Groß, Dr. Mayer-Zweibr., Dr. Stein und Dr. Ziemlich, werden wieder gewählt. An Stelle des Herrn Dr. Meyer-Regensburg, der mit Rücksicht darauf, daß er schon der staatsrechtlichen Kommission angehört, bittet, von seiner Wiederwahl absehen zu wollen, wird auf dessen Vorschlag Dr. Kohn gewählt. Dr. Ziemlich's Referat und Anträge über den Religionsunterricht an den höheren Töchterschulen, eine Resolution Dr Meyer über die Nothwendigkeit der Vermehrung der jüdischen Volksschulen sowie eine von Dr. Cohn-Jchenhausen gegebene Anregung behufs Ausarbeitung eines deutschen Lesebuches für jüdische Elementarschulen werden nach eingehender Besprechung als Berathungsmaterial für die nächstjährige Konferenz zurückgestellt, die in Nürnberg stattfinden soll. Der geschäftsführende Ausschuß wurde wiedergewählt. In Verbindung mit der Rabbiner-Konferenz fand eine zahlreich besuchte Sitzung des Ausschusses des „Landesvereins zur Unterstützung nothleidender israelitischer Kultusgemeinden in Bayern" statt. Den Vorsitz führte Herr Justizrath Gunzenhäuser-Fürth, der über die bisherige Thätigkeit des Ausschusses berichtet und durch den Kassier, Herrn Rabbiner Dr. Neubürger, der über die bisherige Einnahme und die gezeichneten Jahresbeiträge Bericht erstatten ließ, wovon (z. T.) mit sehr großer Befriedigung Kenntniß genommen werden konnte. Das Vermögen des Vereins besteht bereits aus ca. 10,000 Mark. Als wichtigstes Ergebniß der Berathungen ist die einstirnmige Annahme der von Herrn Justizrath Josephthal-Nürnberg nach längerer, Begeisterung für das Judenthum bezeugender Rede beantragten Prinzipien für die Gewährung von Unterstützungen zu nennen. Demzufolge soll es Aufgabe des Landesvereins sein, die in den Statuten deutlich dekanntgegebenen Zwecke, insbesondere den Religionsunterricht sowie die Errichtung und zweckmäßige Erhaltung der Gemeinde- Institutionen (Mikwaoth, Synagogen, Schulhüuser u. s. w.) zu fördern. Diese Institutionen hob Herr Justizrath Josephthal besonders hervor. Die näheren Bedingungen für die Wirksamkeit des Landesvereins in dieser Hinsicht werden im Einzelnen genau festgestellt. $ 3 Ziffer 4 der Statuten lautet: „Anregung und Förderung der Bildung neuer Gemeinden an Orten, wo solche trotz vorhandenen Bedürfnisses noch nicht bestehen, sowie der Zutheilung von Orten, wo Israeliten ohne Kultusverband wohnen, zu isr. Kultusgemeinden." Hierzu beantragt Dr. Meyer- Regensburg. der Vorstand soll ermächtigt werden dahin zu wirken, daß in Straubing, Passau, Landshut zunächst israelitischer Religionsunterricht eingerichtet und die Bildung einer Kultusgemeinde angeregt werde. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Ein am Abend des ersten Konferenztages von der Kultusverwaltung Bamberg zu Ehren der Gäste veranstaltetes Souper hielt die Rabbiner und eine größere Anzahl von Gemeindevertretern in fröhlichem Verein mehrere Stunden zusammen, während deren die Herren Dr. Werner- München auf die Kultusverwaltung Bamberg, Dr. Cohn-Jchenhausen auf die Vertreter der Gemeinden, Justizrath Gunzenhäuser auf die Rabbiner toasteten. Dabei bezeichnete der Letztere als den Zweck des Landesvereins, daß die Rabbiner und Vorstände Zusammenwirken, das Judenthum und seine Institutionen zu erhalten: „Wir sind Juden und wollen dahin wirken, daß wir auch Juden bleiben." Bamberger- Würzburg brachte ein Hoch aus auf die zu ihrem eigenen und der Anwesenden Bedauern am Erscheinen verhinderten Mitglieder der Konferenz und des Landesvereins - Ausschusses. Mögen die Berathungen dem Judenthum und dem Baterlande zum Heile gereichen! Sechste amerikanische Sabkiner -Konferenz. Nochester, im Juli. Sie sechste Jahresversammlung der Central-Konferenz amerikanischer Rabbiner fand unter dem Vorsitz des allverehrten Dr. Jsaac M. Wise am 10. Juli hier unter ungewöhnlich zahlreicher Betheiligung statt. Rev. Dr. M. Landsberg begrüßte die Anwesenden j in warmen Worten, und nachdem ihm Dr. Gottheil gedankt hatte, j hielt der greise Präsident Dr. Wise seine Ansprache, die einen tiefen Eindruck machte. Alsdann wurde zur Geschäftsordnung übergegangen. Am ersten Sitzungstage wurde zunächst der Bericht des Publikations- Komitees über die Einführung des allgemeinen Gebetbuches (Union Prayer Book) verlesen, das, erst im letzten Jahre erschienen, bereits in 55 der bedeutendsten Gemeinden der Union eingeführt ist. Rev. Dr. Stolz übergab hierauf dem Publikations-Komitee ein von der Gesellschaft der amerikanischen Kantoren verfaßtes Gesangbuch, das mit seinen sehr einfach gewählten Melodien der Gemeinde das Mitsingen ermöglichen soll. Ein zweites von größerm Umfange bereitet die Gesellschaft amerikanischer Kantoren vor. Die Verlesung des historisch werthvollen Gutachtens von Prof. G. Deutsch über „die Gesetzesrolle" beschließt die Vormittagssitzung. Am Nachmittag wurden die Berathungen wieder ausgenommen und nach längerer Diskussion 200 Dollars zum Druck des Gesangbuchs bewilligt. Darauf wurde der folgende Lehrplan für Sabbathschulen vorgelesen: Im ersten oder Elementarjahr biblische Unterweisung in den Erzählungen der Genesis, ethischer Unterricht, verbunden mit biblischer Geschichte und unter Anwendung auf die verschiedenen Lebenssphären; außerdem die Elemente des Hebräisch-Lesens. Jur zweiten Jahre biblische Geschichte über das Judenlbmn, die zehn Gebote,

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