Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1895)
- Date
- 1895-08-02
- Page
- Seite 371 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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371 | re -II-— kein. eit Mänwr § des ©c : und Ba.l gebaut uns Äelock üb i ck Feuer in »me. müthig er-- ntze treiben, > hart cti;i Alle!" Stille, li im Augen ,md wand c l, „Sie sind 'iug!" et. sah. w e t erhoben i igt mit n - vor, iiimi jmeidig liüi] imm stürne Kurt ei »er stürz ii ß mit d u m, „mach! - lild, „ninii n und sich g war, der gewahrt, er >en mir belauern sie,' „Hier meine Karte," wandte er sich nun an Wolkner, dessen Bemühungen, Kurt zurückzuhalten, ihm nicht entgangen zu sein schienen. „Erfolgt bis morgen Mittag nichts von Seiten dieses — Herrn, so weigere ich mich später meinerseits. Ich schlage mich grundsätzlich nicht mit brutalen Feiglingen." Wieder wollte Kurt sich auf ihn werfen, doch eine lebendige Mauer hatte sich zwischen ihn und seine Gegner geschoben. Keuchend ließ er sich auf einen Stuhl sinken. „Auspeitschen muß man die Kanaille!" murmelte er knirschend. „Ihr werdet Euch in aller Form schlagen," sagte einer der ältesten Studenten, „das bist Du ihm und uns schuldig." „Ich schlage mich nicht," beharrte Pinnowitz. „Darüber wirst Du morgen hoffentlich anders denken," meinte ein Anderer. „Die Affaire muß beigelegt werden," behauptete ein Dritter. „Heut ist nichts mehr zu machen," sagte Wolkner, „schade, daß der schöne Abend so enden mußte! Komm mit nach Hause, Piuuowitz, erst wollen wir mal drüber schlafen, morgen ist noch ein Tag." Er zog den widerstrebenden Kurt mit sich fort und brachte ihn nach Hause, blieb auch auf seinen Wunsch bei ihm. Am nächsten Morgen wurden die jungen Leute durch den Telegraphenboten aus kurzem unruhigen Schlunimer aufgeschreckt. Kurt las noch halb im Schlaf die ihm übergebene Depesche. Sie lautete: „Komm sofort, Papa schwer erkrankt." „Oh weh, das ist schlimm," meinte Wolkner. „Da mußt Du gleich reisen. In einer Stunde geht der Eilzug." Kurt war schon aus dem Bett gesprungen und irrte wie hilflos im Zimmer umher. Sei» Freund half ihm in die Kleider und packte auch eilig seinen kleinen Handkoffer. Der Hausdiener wurde um einen Wagen geschickt. „Und was wird nun aus Deiner Affaire?" fragte Wolkner als Kurt nach dem Genuß einer Tasse Kaffee sich einigermaßen besonnen hatte. „Welche Affaire?" Er starrte den Freund an, als verstehe er ihn nicht. „Nun ja, die Geschichte mit dem Italiener. Du weißt, Du warst gestern etwas — etwas erregt. Jedenfalls erwartet er Deinen Kartellträger." „Ich schlage mich nicht mit Juden," beharrte Kurt wie ein E eigensinniges Kind.! „Du mußt! Gleichviel, ob Jude oder nicht, Du hast zugleich! den Studenten und nebenbei einen höchst ehrenwerthen Mensche»! unglaublich beleidigt. Du mußt ihm Satisfaktion geben." j „Fällt mir nicht ein!" i „Willst Du den „Feigling" auf Dir sitzen lassen? Dann bist i Du hier und auf jeder Universität einfach unmöglich."! „Hoho!" rief Kurt höhnisch, „das wollen wir doch erst mal j sehen. Uebrigens habe ich jetzt keine Zeit zu dergleichen."! „An der Sachlage ändert keine Zeit etwas. Der Mensch hat ' sich wundervoll benommen. Du hast ihn geschraubt, bis er es nicht mehr überhören konnte; er hat Dich lange genug geschont. Die Schuld liegt nur an Dir, darüber sind sich Alle einig." „So mag er warten, bis ich wiederkomme." „Du hast gehört, wie er darüber denkt." „Einerlei. Jetzt muß ich nach Hanse. Die Sache scheint ernst; Mama riefe mich sonst nicht." „Sicherlich mußt Du sofort reisen! Allein Du kannst mir Vollmacht geben." Kurt machte eine zornige Bewegung, als verscheuche er ein lästiges Insekt. „Ich schreibe Dir darüber. Jetzt bin ich zu zerstreut. Vorläufig wird der Judenjunge sich gedulden müssen; man kann ihn immer noch gelegentlich moros lehren, das läuft nicht weg." Da in demselben Augenblick der Wagen vorfuhr, ergriff er seinen Koffer und stürmte mit kurzem Lebewohl aus der Thür. Pinnowitz kehrte nicht mehr auf die Universität zurück. Sein Vater starb, und eine Bergeslast von Arbeit wälzte sich damit auf ihn, den ältesten Sohn. Wolkner mochte ihn, zumal die kurze Frist längst vcrfloffen war, in der tiefen Trauer nicht damit kommen. Und als es feststand, daß Kurt gar nicht mehr weiterstudirte, hielt sein Freund sich auch nicht für berufen, sich ferner mit der ihm selbst höchst peinlichen Angelegenheit zu befassen. Was ging sie i h n im Grunde auch an? Mochte Kurt selbst sehen, wie er sich damit abfand. Doch ich fahre in meiner Erzählung fort. Adele und ich waren zwei Tage bei einer befreundeten Familie gewesen. Hans Ulrich blieb unterdeß mit seiner bewährten Bonne zu Hause. Er war völlig gesund, als wir ihn verlassen hatten. Die Tage waren auffallend schwül, und der Knabe sah sehr erhitzt aus, als wir heimkehrte». „Er wird einen Schnupfen bekommen," meinte die Bonne. „Fehlt Dir etwas?" fragte die Mutter ihn besorgt. „Ich weiß nicht, Mama, ich bin so müde," antwortete der Kleine. Wir brachten ihn zu Bett. „Hast Du Halsweh?" fragte Adele, „komm, laff' mich hineinsehen! — Zu sehen ist nichts," meinte sie dann, „nur die Bänder sind leicht geröthet. Gott gebe, daß es nur ein Schnupfen wird." „Was sollte es sonst wohl sein?" suchte ich sie zu beruhigen, „man hört ja gar nichts von ansteckenden Krankheiten hier herum." „Doch, gnädiges Fräulein," wollte die Bonne berichtigen, ein warnender Blick von mir ließ sie verstumme», auch Adele war bereits aufmerksam geworden. „Sie sprechen von Diphtheritis?" forschte sie. „Liebe Adele," wandte ich ein, „beunruhige Dich doch nicht, ehe es »öthig ist. Wir wollen die Nacht bei Hans Ulrich bleiben. Wenn er schlechter wird, senden wir sofort zum Arzt." „Zu welchem? Der Professor ist noch nicht zu Hause." „Vorläufig natürlich zu Doktor Schnitzler in Herrenstein, Du kennst den alten Herrn ja." „Was wird Kurt dazu sagen? — Wie mißlich, daß er gerade jetzt abwesend ist!" „Ein Telegramm würde ihn sehr schnell herbringe». Sobald Hansi's Zustand sich besorglicher gestaltet, rufst Du ihn." Die ersten Stunden verliefen ohne Zwischenfälle. Wir saßen im Kinderzimnier; die Bomic hatte sich nebenan aufs Bett gelegt. Der Knabe sah erhitzt aus und warf sich oft herum, doch bot sein Zustand keinen bedrohlichen Anblick. Mit einem Mal richtete er sich auf. „Mein Hals thut mir weh," klagte er weinerlich mit etwas heiser»! Ton. Erschrocken sahen wir uns an. Adele hob ihn aus dem Bettchen; sein Athem schien kürzer zu werden. „Sofort einen reitenden Boten an die nächste Station," rief Adele mir zu. Die Bonne eilte herein und erinnerte uns, daß dort kein Nachtdienst sei. „Dann gleich einen Wagen nach Herrenstein! Wilhelm soll die beiden Braunen vor den Jagdwagen spannen." „Die hat Dein Mann ja mit, Adele!" sagte ich, nun ebenfalls beunruhigt. „So soll er die Rappen nehmen und die Kalesche, aber rasch! Der Doktor muß sofort heranskoinmen."