Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1895)
- Date
- 1895-08-02
- Page
- Seite 367 (sequence 7)
- Language
- German
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367 Genossen; ein solcher gehört zu den schätzenswerthesten Gütern (Ab. 1, 6; 2,14): von dem Umgang der Menschen hängt ein gut Theil des menschlichen Glückes und Geschickes ab; wer mit Weisen umgeht, wird selbst weise; wer aber Thoren sich gesellt, wird Unglück haben (Spr. 13, 20); schließe dich nicht dem Bösen an (Tob. 3, 18); böse Gesellschast bringt nie Ehre (Ps. 119, 63)/ stets aber Gefahr (Liv. 13a); wer Unreinen sich anschließt, wird unrein; wer aber dem Reinen sich verbindet, wird rein sein —, geselle dich keinem Zornigen, du lernst leicht seine Wege und legest dir einen Fallstrick (Spr. 22, 24); geselle dich nicht Spöttern und freue dich nicht mit ihnen (Jer. 15, 17; Tob. 3, 18); geselle dich nicht Hoffärtigen (Sir. 13, 1), auch nicht den Reichen (Sir. 13, 2); geselle dich nicht Schlemmern, auf daß du nicht Schande bringst über deinen Vater (Spr. 28, 7)—; halte dich allezeit zu deinesgleichen (Sir. 13, 20): Heil dem, der nicht geht in den Rath der Frevler, nicht steht auf dem Wege der Sünder und nicht sitzt, wo Spötter sitzen (Ps. 1. 1); so du dich mit Frevlern verbindest, zerstört Gott deine Werke — Josaphat, der König von Juda, hat es erfahren: da er sich mit Ahab verband, entbrannte Gottes Zorn über ihn, und da er mit Ahasja ein Bündniß geschlossen, ward seine Flotte vernichtet; darum wehrte Sara ihrem Sohn Isaak Spiel und Verkehr mit Jsmael, dem ungestümen Sohn der Hagar, während Esau naturgemäß den Anschluß an Jsmael suchte (Gen. 28, 9) —; jeder sucht eben seine Art ans, wie der Vogel die seine: nicht umsonst hält es der Staar znm Raben, ec gehört zu seiner Gattung. Aber nur für den Weisen hat die Geselligkeit Bedeutung, nicht für den Untvissenden. Die Thora wird nur im Studium mit Genossen erworben — gleichwie Eisen an Eisen sich schärft, also das Wissen und Verständniß für die Lehre durch das Studium mit Gleichgesinnten; daher ist begreiflich und berechtigt das Wort: Viel habe ich von meinen Lehrern, mehr noch von meinen Genossen gelernt; darum sei man aber auch stets bemüht, die Ehre des Genossen genügend zu schätzen, sie sei so theuer wie die eigene. 3. Die herrlichste Blüthe der Geselligkeit ist die Freundschaft. Echte Freundschaft hat durchaus nichts gemein mit der Organisation des Pythagoräerbundes, i» welchem die Institution der Gütergemeinschaft mehr aus Furcht und Mißtrauen, als ans Seelengemeinschaft entstanden ist, weswegen sie schon von Epikur verworfen wurde; sie hat auch nichts gemein mit dem Zusammengehen einzelner Individuen zum Zwecke gemeinsnmenLebensgenusses;sie ist vielinehr das harmonische Zusammeuklingen derSeelen ohne jede andere Nebenabsicht und Rücksicht. Wohl giebt es Freunde, die sich als solche nur geberden; es giebt aber auch Freunde, die anhänglicher sind als ein Bruder (Spr. 18, 24); es liegt in dem Wesen des Freundes, daß er zu jeder Zeit liebt und so wird mit ihm ein Bruder für die Noth geboren (ib. 17, 17). Das herrlichste Beispiel solcher Freundschaft bietet die Geschichte Davids und Jonathans (1. Sam. 18, 1; 19, 1; 20, 11 ff). Das Wort „Adam" der Mensch bedeutet nach einer Auslegung: Liebe, Freundschaft, Brüderlichkeit. Schön ist das Gebet, das R. Jochanans zu sprechen pflegte: Es sei dir wohlgefällig, Ewiger, mein Gott und meiner Väter Gott, daß du in unseren Wohnungen iveilen lassest Liebe und Brüderlichkeit, Friede und Freundschaft! Aber auch das Band der Freundschaft erfordert gewisse Vorsicht: mache dich selten im Hause deines Freundes, auf daß er deiner nicht bald satt werde und am Ende dich haßt (Sp. 25,17); halte dir auch nicht zu viel Freunde in beinern eigenen Hanse, denn das Unheil kommt leicht. Künde nicht zu viel Freundes Lob, es könnte leicht Widerspruch erwecken. Zum Schluffe sei noch auf die herrliche Parabel von den drei Freunden, die der Mensch hienieden besitzt: Geld, Verwandte und gute Werke, und von dem verschiedenartigen Verhalten derselben am Tage des Gerichtes hingewiesen. Das Geld, au dem der Mensch zumeist hängt, es bleibt gleich daheim, wenn der Tod ihn gerufen; die Verwandten geben ihm das Geleit bis zum Grabe; nur die guten Werke allein, denen er zumeist die geringste Beachtung geschenkt, sie gehen mit ihm, geleiten ihn zum Throne des Allerhöchsten und weichen nicht, bis er Gnade gefunden. (Fortsetzung folgt.) Ueder Namensänderung. Von Rechtsanwalt Bernhard Breslauer. III. ^as nunmehr insbesondere die Namen der Juden anbelangt, so ist es mit diesen genau so, wie mit dem Namen aller andern Menschen. In der ersten Zeit waren es besonders religiöse Beziehungen, geistige oder auch körperliche Eigenschaften, welche die Namen zum Ausdruck brachten, z. B. Jmnnuel, Moseh, der übrigens noch sieben andere Namen gehabt haben soll?) Später schwand die Bezugnahme auf „Gesetz und Propheten" iminer mehr. Schon seit dem fünften und sechsten Jahrhundert vor Ehr. „folgte ein Jeder, wenn das Bedürfniß ihn antrieb, dem Fortgang der lebenden Sprache."1 2 *) Kein Geringerer als Zunz hat die Entwickelung jüdischer Namensänderung durch die Jahrhunderte hindurch verfolgt. In seiner mustergiltigen Schrift zeigt er, wie in jedem Jahrhundert neue Namen von den Juden angenommen wurden, wie neben die biblischen syrische, persische, griechische, römische, arabische, germanische, slavische, englische, französische, schweizerische, italienische und insbesondere deutsche Namen treten. Er bezeichnet es als uralt, daß Jllden europäische Namen führen, daß sie altbiblische im Stiche lasten, daß sie Namen ändern, übertragen und einftthren?) Aus dem Zeitalter von 1000 bis 1492 nach Ehr. führt er von arabischen Namen 20 männliche und 10 weibliche, von europäischen 103 männliche und 60 weibliche, und von deutschen sogar 150 männliche und 56 weibliche Namen an/) die von Juden geführt worden sind. In der That wird alles das, was Zunz in so überzeugender Weise dargelegt hat, durch die neueren Forschungen aus der Geschichte der Juden bestätigt und weiter befestigt. Um nur einzelne Beispiele herauszugreifen, führt das Judenschreinsbuch der Laurenzpfarre zu CöliE) (jetzt würden wir sagen das Grund¬ oder Hypothekenbuch des Köuigl. Amtsgerichts zu Cöln) eine Anzahl von jüdischen Grundstückseigenthümern aus den Jahren 1230 bis 1347 auf, welche deutsche Namen führen, ja, cs finden sich sogar eine ganze Anzahl von Namen vor, welche zugleich von andern in dem Grundbuch anfgeführten Personen christlichen Glaubens geführt wurden: Trofft von Aachen, Elisabeth de Livingus, Adolfus Jolin, Otniel Bruneck, Godschalk Beckere, Godelif aus Andernach, Jacob van der Trappen, Gumpert Schalnnt, Gutheil de Thine aus der belgischen Stadt Trvnd, Jursina Liebermann, Johanna Seckelin, Minna, Ehefrau des Kalonymos, Jacob Rufus und seine Frau Dulza, Isaak Nickelchen (Nekelin), Sampson von Muehlhausen, seine Frau Vromund und seine Tochter Offeuia; weibliche Vornamen wie Bruno, Odilia, Meliana, Mariana. Minna, und männliche, wie Alexander und Pipi» — sie Alle liefern den Beweis, daß man vor 1) Salverte I., pg. 9:>, 100. 2) Zunz S. 6. 8) Zunz S. 101. 4 *) Zunz S. 52 ff. 5) Das Judenschreinsbuch der Laurenzpfarre zu Cöln Unter Mitwirkung von Moritz Stern, herausgegeben von Robert Hoeniger. Berlin 1888.