Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1895)
- Date
- 1895-07-26
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3228094-3228125--52004-3272777- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
3 und durch ingerichtete Stoffgebiet. >, Sünden- > und der ll Muhr, An den in Berlin mo benutzt. )er Jahren Anmaßung en." Der hen. Hier Biographie seite seiner Nichte des berechtigte, Stich eine önche" bemalte Bild re Verkörhaben die usirer und ann ganz mehrerer Genossen Ministerzen, durch er Juden- 'ig, müßte r Polemik, tthssession ein hatte, der Antiden habe; ach Wien ausgesetzt t sich dies e fühlbar, erledigte »Lehrern: Elbogen, c. Jakob ' für die atsmittel- A. m. - >ig Baron t David Redlich, k u. v. A. gelangten Ehrenmitische velche mit in Arier ihm von henschrift wäre, die haftlichen modernen Die Forlng des richt dem lauteren Quell der Liebe zur Wissenschaft, sondern seien von der stillen Hoffnung diktirt, daß sich in den alten Büchern Handhaben würden finben lassen, um die gehässigen Verfolgungen der Juden zu rechtfertigen, aber dem sei, wie es wolle, das Judenthum könne in Wirklichkeit durch solche wissenschaftliche Erforschungen nur gewinnen; der Talmud, dieses „Pompeji der alten Litteratur", müsse übersetzt, die jüdischen Ideen und traditionell müßten llar gelegt werden. Der „Warschawski Dnewnik" greift nun diese Ausführungen begierig auf und meint, wenn die Juden die Uebersetzung des Talnluds und ihrer anderen alten Schriften nicht r.ar nicht fürchteten, sondern sogar wünschten, so seien sie selbst die Ersten dazu, diesen Gedanken auszuführen In ihrer Mitte befinden sich genug S pezialisten, welche einer solchen Arbeit gewachsen wären, und an Geld r'ürde es für einen solchen Zweck ja auch nicht fehlen. Mit diesen Auss chrungen des Warschauer Kollegen ist aber wieder der Petersburger Grashdanin" nicht einverstanden, indem er schreibt: „Die genaueste I ebersetzung des Talmuds und anderer jüdischer Religionsschriften durch , uben selbst würde zu nichts führen, da eine solche Uebersetzung immer d'r Parteilichkeit und Fälschung würde verdächtigt werden. (Der , Grajhdanin" scheint die Kampfesweise der Antisemiten ganz gut studirl > l haben). Nach unserer Meinung müßte man eine gemischte, wenn möglich, sogar internationale Kommission aus kompetenten jüdischen Gel hrten und christlichen Orientalisten bilden, welche sich mit gemeinsamen Kräften an diese gigantische Arbeit machen, und dann würde es vielleicht l ichter sein, die schicksalsschwere Frage zu entscheiden." — Die Karäer laben in der vergangenen Woche in Tschufut Kaleh das Jubiläum! >rer hundertjährigen Angehörigkeit zu Rußland unter allgemeiner Theilahme auch seitens der Behörde gefeiert. Aus diesem Anlasse haben sie euch beschlossen, ein Zufluchtshaus für Arme zu gründen und bereits für < lesen Zweck 30,000 Rubel gesammelt. Im Oktober soll dieses Heim! ereits eingeweiht werden. Der Chacham der Karäer Pompulow ist nach Petersburg und Odessa abgereist, um die dortigen Humanitären Institute t nnen zu lernen und um dieErlanbniß zur Eröffnung des Seminars a erlangen, für das die Karäer bereits 60,000 Rubel zusammengebracht rbeu. — Ter „Kiewlanin" veröffentlicht folgende Mittheilung: Der -ttaalsrath hat endgiltig beschlossen, daß die Eröffnung der Hochschule nr Medizin für die Frauen im Januar 1897 zu Petersburg rnttfinden sollte. Ausgenommen werden nur Damen über 20 und nter 35 Jahren, die ihre Studien in den Sekundärschulen des Staate l eendet haben und zu einer der vom Staate anerkannten christlichen Neigionen gehören. Der „Woschod" begleitet diese Nachricht mit folgenden Betrachtungen: Viele Jahre hindurch war die Gründung dieses Instituts \w\ große Hindernisse gestoßen. Unter den Personen, die einen großen -lntheil hatten an der Durchführung des Projektes und durch freiwillige Gaben zur Ausführung desselben beigetragen, zählt man eine ziemlich roße Anzahl von Juden. Daher ist der Beschluß des Staatsraths, den Jüdinnen den Zutritt zu der Anstalt zu versagen, ein hervorragend rauriges Symptom. Amerika. n. New-Uork, 15. Juli. Im Laufe der vorigen Woche fand die Prüfung der das jüdisch-theologische Seminar besuchenden Zöglinge!alt. Besonders interessant waren die Beweise der Tüchtigkeit der höheren Klassen der Talmudstudirenden, welche von dem geschulten oalmudisten Dr. Jaffe unterrichtet werden. Die Rabbiner Dr. K Köhler mb Dr. Davidsohn sowie Herr M. Ellinger waren bei der Prüfung llgegen. Die Diskussion, welche sich nach dem Lesen mehrerer Stellen es Traktats Nesikin, welcher von Schadenersatzklagen und Schadenersatzansprüchen handelt, entwickelte, legte ein beredtes Zeugniß für die Gediegenst des Unterrichts ab. Die Schüler waren mit den Fragen, welche den 'formen unterbreitet sind, durchaus nicht zufrieden; Vieles, was der Talmud als Norm ausstellt, stellten sie in Frage und legten dadurch as Zeugniß ab, gründlich eingedrungen zu fein in die Rechtsfragen, ie dort behandelt werden, sowie dafür, daß ihr kritischer Sinn durch as Talmudstudium reichlich geschärft und geweckt sei. Die Schüler beuchen selbstverständlich auch öffentliche Schulen, wo sie sich allgemeines Wissen aneignen. Einer der Zöglinge hat kürzlich in der öffentlichen schule, welche er besucht, einen Preis erhalten. Die Prüfung fand in; tm Bibliotheksränmlichkeiten statt, in welchen sich eine ungemein reiche Büchersammlung talmudischen, jüdisch-litterarischen und allgemein-theologischen Inhalts befindet. Bekanntlich stammt dieselbe aus dem Nachlaß des verstorbenen berühmten Gelehrten Dr. David Cassel.? Rio de Janeiro, im Juni. Der Jahresbericht der 21. I. U. von 1894 meldete, daß die Jewisli Golonization Association das Centralkomitee mit der Wahl des Lehrerpersonals an den schon gegründeten oder noch zu gründenden Schulen der russischen Kolonieen in der argentinischen Republik beauftragt hatte. Die 2llliance hat schon mehrere ihrer Lehrer nach Argentinien geschickt, die der spanischen Sprache, der Landessprache und daher auch der Unterrichtssprache, mächtig sind Soeben ist eine Schule in Clara inmitten einer Gruppe von Kolonieen gegründet worden. Das Centralkomitee hat darüber folgende Mittheilung empfangen: Am 27. 2lpril waren die Bau- und Einrichtungsarbeiten im Schulgebäude zu Clara beendigt, und die Schule wurde eröffnet. Die neuen Bänke waren in zwei Reihen aufgestellt. Die Anschauungsbilder und die zoologischen Bilder, die geographischen Karten und die Schreibtafeln waren an den Wänden aufgehängt. Ich habe darauf gesehen, daß auch ein Bild von Baron Hirsch angebracht wurde, damit die Söhne der Kolonisten früh den Namen ihres Wohlthäters kennen und segnen lernen. Da die Schule ziemlich weit von den einzelnen Kolonieen entfernt ist, hatte ich im Anfänge viel Schwierigkeiten zu überwinden, um Schüler zu bekommen. Ich bin selbst vier bis fünf Kilometer weit gelaufen und habe die Kinder im Hause ihrer Eltern aufgesucht. Vom ersten Tage an mußte man die Schüler gewinnen, um ihnen die Schule lieb zu machen. Ich habe damit begonnen, die Mädchen auf die rechte, bte Knaben auf die linke Seite zu setzen. Dann nahm ich das Bild von Baron Hirsch in die Hand, ich erzählte ihnen von diesem großmüthigen Philanthropen, der so vielen unglücklichen russischen Familien einen sicheren und unabhängigen Broderwerb gewährt, indem er ihnen den Ackerbau erleichtert. Dann gab ich ihnen die erste Lesestunde. Einige Schüler konnten schon ein wenig buchstabiren. Der Nachmittagsunterricht wurde durch ein wenig Schreiben und Sprechübungen ausgefüllt. Ich hatte es ferner so eingerichtet, daß das Hebräische gleich vom ersten Tag gelehrt werden sollte, und habe wirklich einen jungen Mann angestellt, der in einem Dorf der Kolonie eine Talmud-Thora hielt. Im Allgemeinen ist das Betragen der Schüler gut. Ein sehr gutes Zeichen ist, daß die Eltern sich Mühe geben, ihre Kinder sauber und nett in die Schule zu schicken. Die Schülerzahl wächst von Tag zu Tag. 2lm 28. 2lpril, dem Tage der Eröffnung, hatte ich nur 10 Knaben und 13 Mädchen, am 26. Mai hingegen hatte ich 69 Schüler, 31 Knaben und 38 Mädchen. In einigen Monaten werden unsere Schüler spanisch schreiben und sprechen, obgleich ihnen diese Sprache bisher noch schwer erscheint. Es giebt so wenig Beziehungen zwischen dem spanischen unb dem deutschen Jargon. Wie immer zeigen die Mädchen mehr Geschick und mehr Eifer als die Knaben. Asien. 8 Bagdad, 6. Juni. Der Monatsbericht der 2l. I. U. bringt folgenden Bericht von hier: „Unsere Glaubensgenossen in Solimanieh sind der Gegenstand eines heftigen 2lngriffs von Seiten ihrer muselmännischen Mitbürger, der schiitischen Sekten, gewesen 2lm Sonnabend, den 18. Mai, Nachmittags, gingen einige Israeliten auf dem Lande bei Solimanieh spazieren. Sie begegneten einigen 30 Muselmännern der gebildeten Klasse. Es wurden Beschimpfungen ausgetauscht und bald folgten Schläge. Natürlich wurden unsere Glaubensgenossen sehr mißhandelt. Um den Verfolgungen, die sie erwarteten, zu entgehen, verbreiteten die 2lngreifer das Gerücht, daß die Juden den mohamedanischen Glauben beschimpft hätten. Es ist dies eine Verleumdung, der die Juden in jener Gegend oft zum Opfer fallen. Will sich ein Muselmann an einem Juden rächen, ihn daran verhindern, sich zu beklagen, wenn er ihn mißhandelt, einer ihn drückenden Schuld entgehen, greift er zu dieser Verleumdung, um Jenen zu Grunde zu richten. Hütten wir nicht eine ebenso duldsame wie aufgeklärte Regierung, das Leben der Juden würde zur Unmöglichkeit in diesen Gegenden. Die besagte Anklage rief große Erregung in der mohamedanischen Bevölkerung hervor. Einige Notablen der israelitischen Gemeinde begaben sich, Unruhen befürchtend, zu dem schiitischen Häuptling der Ortschaft, dem Scheik Said, versicherten ihm die Unschuld der Juden und erbaten seinen Schuh. Der Scheik beruhigte sie. Leider, sei es, daß er seine Getreuen nicht bändigen konnte, oder sei es, daß er ihre fanatischen und gehässigen Gefühle theilte, kurz, er hieß ihre verbrecherischen 2lbsichten gegen die Juden gut. Wie dem auch sei, zehn Tage hindurch blieb die Erregung in der Zunahme und artete endlich in verbrecherische Handlungen aus. Am