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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-07-19 · Heft 29 (19.7.1895) · p. Seite 348

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 29 (19.7.1895)
Date
1895-07-19
Page
Seite 348 (sequence 12)
Language
German
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348 Sprerhfaal. Verehrliche Redaktion! Ue Berichtigung des Herrn Dr. W. Sklarek in Nr. 27 Ihrer ge- 03 schätzten Zeitschrift, die Vornamen Bernsteins betreffend, legt mir die Nöthigung auf, zu betonen, daß ich es in diesem wie in jedem andern Detail an eifrigster Mühe, die Wahrheit zu erkunden, nicht habe fehlen lassen. Herr Philipp Wertheim schrieb mir am 21. Januar d. I. wie folgt: „Meine gestrigen mündlichen Mittheilungen erlaube ich mir nachträglich noch durch die Bemerkung zu vervollständigen, daß mein Freund Bernstein ausschließlich nur den Vornamen „Aron" geführt hat, und daß es entschieden auf einem Jrrthum beruht, wenn derselbe — wie ich glaube zuerst von R. Elcho — „David Aron Bernstein" genannt wird. Vielleicht beruht dieser Jrrthum darauf, daß der Vater des Schriftstellers den Vornamen „David" geführt, und daß der Sohn, nachdem er von der Universität Tübingen zum Ehrendoktor ernannt worden war, bisweilen bei Unterschriften zwei Buchstaben, und zwar D. A., dem Familiennamen vorangesetzt hat." So präzis diese Mittheilung war, habe ich ihr gleichwohl nicht allein auf die Autorität des Herrn Wertheim hin Vertrauen geschenkt, wie hoch ich auch seine Verläßlichkeit anzuschlagen Grund hatte. Zunächst ergab die Durchsicht sämmtlicher Briefe Bernsteins, die mir damals zugänglich waren — und damals waren reichlich an hundert in meinen Händen — daß er stets nur „A. Bernstein", ab und zu „Dr. A. Bernstein", aber niemals „A. D. Bernstein" gezeichnet hat. Das gleiche Resultat ergab die Durchsicht seiner Buchtitel. Er hat sich, wie inseinen Briefen, so auch als Schriftsteller, immer und ausnahmslos, so weit ich es irgend erkunden konnte, nur A. Bernstein genannt. Aber noch mehr: auch sämmtliche biographischen Notizen, die bei Bernsteins Lebzeiten gedruckt wurden, und die ich einsehen konnte, nennen ihn nur „A." oder „Aron" oder auch „Aaron", aber niemals „Aron David". So viel also stand fest: Herrn Wertheims Mittheilung, an sich glaubwürdig, weil sie von dem besten Freunde des Schriftstellers, einem auch von mir als höchst vorsichtig und zuverlässig erkannten Gewährsmann, ausging, war auch durch die private und öffentliche Namenszeichnung des Dichters, die Notizen, die von ihm herrührten oder die er gesehen haben konnte, bestätigt. Dem standen allerdings folgende Umstände entgegen: 1. Auf dem Titel der neuesten Auflage seiner Novellen steht „Aron David Bernstein". Das ist aber an sich eine höchst sonderbare Sache. Wie die Legende von den 1837 und 1838 geschriebenen Novellen und dem „Vater der Ghetto-Geschichte" in der Litteraturgeschichte einzig und ohne Beispiel dasteht, so die Thatsache, daß die Familie eines Dichters diesen nach dem Tode auf seinen Buchtiteln einen andern Namen führen läßt, als er selbst stets auf seine Bücher zu setzen pflegte. Hebbel hat zweifellos „Christian Friedrich" geheißen und Uhland zweifellos „Johann Ludwig", aber die Familien beider Dichter waren auch nach deren Tode der Meinung, daß „Friedrich" und „Ludwig" auch nun noch genüge. Ich sagte mir: wer so gegen allen litterarischen Brauch, oder sagen wir's ehrlich — gegen alle litterarische Pietät handelt, hat vielleicht auch auf die Feststellung, ob der Dichter wirklich so geheißen, nicht allzu viel Mühe gewendet. 2. In der handschriftlichen Biographie, die von der Familie Bernsteins herrührt, ist allerdings auch von „Aron David" die Rede. Das wäre sonst wohl ein Beweis, daß er wirklich so geheißen hat. Hier konnte ich der Angabe keinerlei Beweiskraft zusprechen. Dieselbe Biographie giebt zahlreiche, notorisch falsche Details, läßt die Ghetto- Geschichten 1840 erscheinen und Bernstein am 12. Februar 1882 sterben, während er in Wahrheit 188-4 gestorben ist!! Man sieht, ich konnte auch die Angaben wahrlich nicht für beweiskräftig dafür erachten, daß Herr Wertheim bezüglich des Vornamens im Jrrthum gewesen. Aber nicht, wie Herr Dr. Sklarek meint, allein auf Herrn Wertheims Autorität hin, sondern weil auch andere triftige Gründe für die Richtigkeit seiner Mittheilung sprachen, habe ich diese Mittheilung unter Berufung auf ihn wiedergegeben. Ist es also wahrlich nicht meine Schuld, wenn ich da eine objektiv unrichtige Angabe gemacht habe, so noch weniger meine Schuld, daß ich sie nicht berichtigen konnte. Ich erwähne dies, da Herr Dr. Sklarek die Nothwendigkeit seiner Berichtigung mit der Wendung „da dieser thatsächliche Jrrthum bisher nicht berichtigt worden" motivirt. Weder von ihm, noch Herrn Wertheim habe ich bisher eine solche Mittheilung erhalten. Auch von Herrn Wertheim nicht. Schließlich begrüße ich es mit Vergnügen, daß die Familie des Dichters es nun endlich — in zwölfter, nein, in dreizehnter Stunde! — und wenigstens bezüglich dieses Details, das ja allerdings nicht allzu erheblich ist, als ihre Pflicht erkannt hat, pietätvolle Bemühungen um den Nachruhm Bernsteins in soweit zu unterstützen, daß sie die Wahrheit erkunden hilft. Denn allerdings bedeutet, wie Herr Dr. Sklarek sehr treffend bemerkt, in den Augen jedes Unbefangenen „ein Schweigen seitens der Kinder von Bernstein eine Zustimmung zu den objektiven Jrrthümern", von denen seine Biographien bisher gewimmelt haben. Ich wollte namentlich, sie hätte es als ihre Pflicht erkannt, rechtzeitig der Legende über die Entstehungszeit seiner Ghetto-Novellen entgegenzutreten. Dann wäre mir die Abfassung der Essays über Bernstein eine minder mühevolle und vor Allem auch eine weit erquicklichere Arbeit gewesen. Hochachtungsvoll Berlin, 10. Juli. Karl Emil Franzos. -l- Geehrte Redaktion! der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes bringen Sie an Og leitender Stelle einen Artikel, welcher für die Veranstaltung billiger Schulausgaben der zeitgemäßen Gebetbücher eintritt. Es wird dabei hervorgehoben, daß der „Westfälische Gemeindebund" zuerst auf diesem Gebiete einen Schritt zum Bessern gemacht habe, da er sein neues Gebetbuch zu einem verhältnißmäßig billigen Preise abgebe und so seine Einführung in den Schulen ermögliche. Im Anschluß hieran erlauben wir uns. Ihnen ergebenst mitzutheilen, daß die Herausgabe einer ganz billigen Schulausgabe unseres neuen Gebetbuches schon seit längerer Zeit ein Gegenstand unserer Berathungen gewesen und von uns in Aussicht genommen ist. Das Buch dürfte vielleicht schon Ostern 1896 zur Ausgabe gelangen. Bielefeld, 15. Juli. Der Ausschuß des Verbandes der Synagogen-Gemeinden Westfalens. Moritz Katzen stein, Vorsitzender. * Sehr geehrter Herr Redakteur! für letzten Nr. S. 335 habe ich Folgendes zu bemerken. Herr Dr. Wiener schreibt: „Herr Dr. Köhler monirt auf S. 257, daß der Befehl Gottes an Noah auch von reinen Vögeln spricht, und meint, daß ich dieses wohl übersehen. Ich habe es nicht übersehen; ich konnte es einfach nicht sehen, denn es findet sich nicht in unfern Pentateuchausgaben." Wenn auch im Kap. 7. V. 3. der Gen. nur rplfö 2^ steht, so ist doch unwiderleglich klar, daß dies nur auf sich beziehen kann. Wn In Kap. 6. V. 20 sagt die Schrift: „Von den Vögeln nach seiner Art. . . zwei von jeglichem sollen zu dir kommen, und im Kap. 7. V. 3 heißt es: „Auch von den Vögeln des Himmels nimm dir, je sieben und sieben." Wäre hier nicht nach Dr. W's Meinung ein Widerspruch? Hingegen wenn im Kap. 7. V. 3 aus in V. 2 Bezug genommen wird, so ist das Schriftwort klar und deutlich. Gen. Kap. 8. V. 20 beweist ausdrücklich, daß auch bei Noah die Unterscheidung zwischen reinen und unreinen Vögeln vorhanden war. Dort heißt es: „Und Noah bauete einen Altar dem Ewigen, und nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und opferte Ganzopfer auf dem Altar." Hier hat doch Herr Tr. W. bestimmt das Schriftwort unserer Pentateuchausgaben übersehen. Letzterer Stelle wegen haben die Samaritaner und LXX auch in Kap. 7. V. 3 das Epitheton rein eingeschoben. . Hochachtungsvoll Dresden, 12. Juli. M. Auerbach. * (Mn Nr. 27 dieser Zeitung Seite 324, 1. Spalte 10. Zeile von unten i muß es statt „gerühmten" „gerügten" heißen. Karlsruhe, 8. Juli. Dr. Appel. Druck und Verlag von Rudolf Messe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz.in Berlin.

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