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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-07-19 · Heft 29 (19.7.1895) · p. Seite 345

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 29 (19.7.1895)
Date
1895-07-19
Page
Seite 345 (sequence 9)
Language
German
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345 große Zahl von Thiernamrn fuhren, so irrte man. Nach Zunz') führten die alten Hebräer 30, die deutschen Juden 12 und die deutschen Christen 50 Thiernamen. Interessant ist, daß gerade die uncivilisirten Völker ihre Namen nach denjenigen von Thieren bildeten, wie die Indianerhäuptlinge brauner Bär, schwarzer Falke, und dergleichen heißen. Von Pflanzen: Wald, Horst, Hain, Laube, alle Blumen, alle Pflanzen, alle Sträucher, alle Zweige — sie alle mußten zur Bildung von Namen mit dienen. Waren doch selbst Palme, Sykomore, Weide, Weinstock, Oelbaum, Lotosblume und Lilie — Kosenamen ägyptischer-, auch Palme (Thamor) und Zimmt (Kerzia) solche jüdischer Mädchens. Von Mineralien und Metallen: Stein und Salz, Gold und Silber, Kupfer und Eisen, Zinn und Zink, selbst Bronze und alle Verbindungen derselben. Um ein Beispiel anzuführen, so giebt es in Berlins folgende 48 Familiennamen, in denen das Gold eine Rolle spielt: Gold, Goldack, Goldacker, Goldanner, Goldapp, Goldapski, Goldbach, Goldbarth, Goldbanm, Goldbeck, Goldberg, Goldberger, Golde, Goldman», Goldenberg, Goldenbohne, Goldenring, Goldfeder, Goldfeld, Goldfluß. Goldfreund, Goldfuß, Goldgräber, Goldhammer, Goldhan, Goldheim, Goldhorn, Golding, Goldmünz, Goldnau, Golduer, Goldowski, Goldsche, Goldscheider, Goldschild, Goldschlag, Goldschmid, Goldspiel, Goldspohn, Goldstab, Goldstand. Goldstanb, Goldstein, Goldstrom, Goldstücker, Goldwasser und Goldweid. Vom Zurufen und Befehlen: Bleibtren, Bückendahl, Füllkrng, Griepenkerl, Hebenstreit, Liebetraut, Lcberecht, Machemehl, Habenichts, Habedank, Wehrenpfennig, Willkomm, Thudichum und Zuckschwert, Geh und Lauf. Von Scherz und Witz, Spott und Schimpf: Pinkcpank, Klinkerfuß, Bebber und Hasenfuß, Stutzer, Stickelehne, Rehfisch, Ochsenkopf, Drache und Lindwurm, Kistenfeger (Dieb), Klapperbein, Fornefett. Von zufälligen Begebenheiten: Stubenrauch, Habernickel, Weißmant el. Von einzelnen Worten und Silben: Abc und Bea, Arge, Hub, Hug, Kah, Lah, Leh, Lie, Loh, Mie, Ney, Nuhn, Pe», Pie, Rüh, Schi, Sie und Sy, Tui, Uth, Vay. So merkwürdig es erscheinen mag, Alles, was der Mensch sah, was er fühlte und dachte, mußte herhalten, um einen Namen abzugeben; Und bei all diesen Verschiedenheiten, die sich durch alle Völker und Zeiten verfolgen lassen, in einer Anzahl, daß fast die Uebersichtlichkeit verloren geht, ist es nicht zu verwundern, daß die Namen wie Alles, was menschlicher Erfindung seine Entstehung verdankt, der Veränderung unterlagen. Andere Zeiten, andere Sitten und Anschauungen, und den Namen folgten diese Sitten und Anschauungen ebenso wie alles Andere. (Fortsetzung folgt.) Zunz: Namen der Juden. Leipzig 1837. pag. 107. 2) Heinrich Brugsch: Die älteste Frau, Sonntagsbeilage der „Vossischen Zeitung" Nr. 27 v. 17. Januar 1892. a) Berliner Adreßbuch von 1892. S. 381/4. » HMüiwnuaiii MMMl M!^iiiHuniniMiii»uuiMUiüliiiiiMiiiiiiar,iii!itürKiiJ<:i:i.:k.inr.i^'i. ii^iwniu-ii.'iiniiiMiiuiiiiW w UMXlMilKft lwmMuMtAüi I 1 FEUILLETON 1 3 m iminwmam MWuM M g*i*aiMRiirwnii><»»ii;tuiririüjiiiiiiiKunfn tLKiiiiiüüiririimH;iiuuirnrnimiiiiiiKitnwim<iimiHun»niLMiiiiiimirHmtm?i:p<*»g -^-1 1—I mmntnmmigre tiPTOErFsTnsS l-^ Der starke Srmson. Eine Erzählung von Elise Orszeszko. (Schluß.) ach beendigter Vorstellung zogen die Künstler ihre Theaterkostüme nicht ans, sondern ergänzten sie durch verschiedene drollige Zusätze, und da sie ein wenig müde waren, tranken sie in der Garderobe ein paar Flaschen Meth und stimmten einen heitern, lauten Chorgesang an. Mit diesem Gesang zogen sie ans die Straßen hinaus in die Häuser der reichen Kanfleute und begüterten Hausbesitzer. Dort erwartete sie ei» reichliches, schönes Gast mahl, dort konnten sie die ganze Nacht lang singe», tanzen, sich des Pnrimfestes freuen. Aber in Mitte dieser lärmenden und heiteren Gesellschaft, die gerade jetzt mit Gesang und Lärm die breiten Treppen ersteigt, die zur Wohnung des.Kaufmanns Rosenfeld führen, können wir Schimele nicht finden! Dort durch die dunkle Straße, die hier und da nur durch das matte Licht einer Lampe beleuchtet ist, schreitet langsam eine schlanke, männliche Gestalt. Wenn sie air den Laternenpfeilern vorübergeht, schimmert sie von Scharlach, Diamanten und Gold, mit welchem sie ganz bedeckt ist. Wenn sie aber in die dunklen Winkel kommt, wo ihr langer Mantel noch weißer durch den Wind weht, sieht sie aus wie ein Gespenst. Einsam ist die Gestalt, aber nicht traurig. In den würdigen Schritten erkennt man eine seltene Leichtigkeit und Kraft, und aus seiner Brust klingt einmal leise, einmal laut, eine große Arie des Triumphes hervor. Schimele, nachdem er die Philister und sich selbst durch die eingestürzte» Wände des Palastes zerschmettert hat, — ist wieder auferstanden, wurde wieder sehend, vergaß alle Demüthigungen und Qualen und hörte keinen Augenblick auf, der „starke Simson" zu sein. Im Gegentheil, wenn er jetzt so durch die Gäßchen schreitet, zwischen den Mauern mit den finstern Häuschen, ziehen mit ihm die Gedanken all der großen Thaten, die er vollbracht hat, und er ist übervoll von Stolz und Freude. Manchmal nur schimmert in seinen Gedanken die Erinnerung an die verführerische Delila, — dann drückt eine unbekannte Sehnsucht, ein unbekanntes Leid auf seinem Herzen. Aber gleich erinnert er sich der geretteten Juden, die er von Thränen und Verwüstungen befreit hat; er hebt seinen Kopf hoch empor, lächelt, singt lauter, freudiger und schreitet über das unbequeme Pflaster der dunklen Gasse, wie über Lorbeeren. So geht er durch die Boulevards und kommt in die enge Gaste hinein. Mechanisch aus Gewohnheit wendet er sich seiner Wohnung zu und denkt gar nicht daran, was er thut; immerfort singend nimmt er die Klinke der niedrigen Thür in die Hand und bleibt an der Schwelle seines Stübleins stehen. In der Stube neben dem Tische brennt eine Lampe, von welcher ein gelber, stinkender Rauch ausgeht. Grau und niedrig sind die Wände, die Bette» voll von Federkissen, auf dem Koffer und auf dem Fußboden liegen alte Kleider herumgeworfen, zerriffen und schmutzig; ein paar größere oder kleinere menschliche Gestalten liegen schlafend hier und dort umher. Das Alles bildet in der Dunkelheit ein Chaos, seinen Gedanken und Augen fast unverständ-

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