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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-07-19 · Heft 29 (19.7.1895) · p. Seite 344

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 29 (19.7.1895)
Date
1895-07-19
Page
Seite 344 (sequence 8)
Language
German
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344 namen zu bilden. Später waren es Vornamen, mit denen sich die Menschen riefen und die sie sich untereinander gaben. Jahrhunderte hindurch kannte man keine Familien- oder Geschlechtsnamen. Wohl wurde hier und da in einer Herrscher-Dynastie oder sonst ein besonders hervorragender Mann nach seinen Vorfahren benannt und so durch Uebertragung auf die Kinder und Nachkommen gewissermaßen ein dem Geschlecht angehöriger Name gebildet. Familiennamen im eigentlichen Sinne hat (in Deutschland wenigstens) erst das zwölfte Jahrhundert n. Chr. gezeitigt. Es liegt auf der Hand, daß dies zunächst bei den hervorragendsten Familien, denen der Fürsten, der ersten ihrer Beamten und Ritter, dem Adel geschah. Erst ganz allmälig folgten die übrigen Familien diesem Beispiel, Dann aber war kein Halten mehr! Jede Familie, bis herab zu denen der Pfeifer und Tänzer des „unehrlichen Volkes", suchte den Namen, bis schließlich die Erkenntniß von der Nothwendigkeit der Familiennamen zum Durchbruch kam und mit Zwang die Annahme derselben da gefordert wurde, wo sie bisher noch nicht zur Gewohnheit geworden war. Wie aber sollte die Menschheit dem Bedürfniß genügen? Woher sollte sie alle diese Namen nehmen, die jetzt erforderlich waren? Das ganze göttliche und menschliche Leben mußte durchforscht werden, um immer wieder neue Namen herzugeben. Nichts auf der großen, weiten Welt giebt es, das nicht zu einem Namen herhalten mußte. Um »ur ein kleines, durchaus nicht erschöpfendes Bild von der Unzahl der Namen zu geben, die Menschen geführt haben oder noch führen, sei ohne jeden Anspruch auf Erschöpfung des Gegenstandes hier nur Folgendes über die Bildung von Namen mitgetheilt^: Namen werden abgeleitet: Von Gott und den sämmtlichen Gottheiten aller Völker: sieben Herrgott findet sich Engel und Teufel; neben Zeus und Venus, Hebe und Phoebus, jetzt Feibusch. Von geistlichen Aemtern und Würden: Kardinal und Bischof, Pastor und Prediger, Nonne und Klausner, Küster, Chasan. Von allen Staatsämtern und Würden: Kaiser und König, Herzog und Graf, Rathmann und Richter, Schulze und Schöffe. Vom menschlichen Körper, körperlichen Vorzügen und Gebrechen:' Haupt, Mund, Lippen, Ohr, Nase, Zahn, Brust und Herz; Stark und Lang, Groß und Dick, Krummer und Lahmer, Dürr, Fett und Plump. Von Kräften und Schwächen der Seele, Tugenden und Lastern: Liebe, Haß, Kummer, Zorn, Trost, Muth, Schönheit, Zänker und Greiner, Fleiß, Gier, Grimm und Verdruß. Vom Lebensberuf, den Stellungen und Beschäftigungen: Alle Gewerbe und Handwerke: Brauer, Bäcker, Bader, Diener, Müller und Wühler, Färber, Fischer, Fleischer, Schuhi) A. Fr. Pott: Der Personennamen insbesondere der Familiennamen. Leipzig 1853. F. D. Wardo: Ueber deutsche Vornamen und Geschlechtsnamen. Berlin und Stettin 1800. Carl Einert: Ueber das Recht der Namensführnng und Namensänderung mit Erörterungen einzelner Materien des Civilrechts. Dresden und Leipzig 1890. A. F. C. Villmar: Die Entstehung und Bedeutung der deutschen Familiennamen. Marburg 1855. Eusebe Salverte: Essai historique et philosophique sur les noms d’hommes. Paris 1824. Hoffmann v. Fallersleben: Braunschweig'sches Namensbüchlein. Braunschweig 1867. Georg Büchmann: Ueber den Berliner Adreßkalender. Berlin 1862 F. K. Kraus: Real-Encyklopädie des christl. Alterthums. 12./13. Lieferung. Freiburg i. S. 1885. Bon deutschen Familiennamen und Namenbüchlein. Erfurt 1871. wacher und Schuster, und wie sie alle heißen. Auch Meier gehört hierher, wobei jedoch zu bemerken, daß der jüdische Namen Meier nicht aus dem lateinischen Uajor stammt, wie der im Mittelalter und besonders bei der Ackerbait treibenden Bevölkerung entstandene deutsche Name, sondern nach dem hebräischen Worte m e - i r leuchtend gebildet ist. Bon der Kleidung. Tracht und Schmuck: Pelz, Kappe, Mantel, selbst Hose, Hut, Haube, Knopf, Schuh und Stock, Zwirn, Flohr, Perl, Ring, sogar Brache. Von Geräthen für Haus, Acker und Handwerk: Forke. Harke, Hammer, Kolben, Lampe, Nagel, Pfahl, Pflug, Sack, Teller, Messer und Gabel, Tasse und Topf, Tisch und Stuhl, Bett, Dreifuß und Federwisch. Von Geld, Maß und Gewicht: Münze, Gulden, Kreuzer, Dreier, Schilling, Heller, Mark, Thaler, Elle, Pfund und Loth: Von Lebensmitteln: Mehl, Kuchen, Reis, Gries, Schinken, Hering, Pfefferkorn und Käse. Rindfleisch und Gänsefleisch, alle Weine, alle Biere, selbst Kompost oder Ko mb st. Von Spiel und Musik: Sänger, Tänzer, Pfeiffer, Springer, Flöte, Klavier, Pauke. Vom Kriegswesen, Schifffahrt und Jagd: Ritter und Reiter, Soldat und Wehrmann, ja Landwehrmann, Harnisch, Panzer, Helm, Spieß, Pfeil und Bogen, Flinte und Pistol und Bombe. Seemann und Kahn, Boot und Boje, Träger, Weidmann und Vogler. Von Feuer, Wasser und Erde: Feuer, Brand, Flamme, Funken und Rauch, See, Strom und Bach und alle Flüsse der Welt, Land, Platz, Ort, Damm, Berg, Grube, Fels, Stein, Sumpf und Moor, Acker, Wiese und Haide. Vom Wetter: Sturm, Wind, Regen, Ungewitter, Brausewetter, Frost und Nebel und Thau. Von Ländern, Städten unb Orten: Unmöglich alle aufzuzählen! Die meisten Fainiliennamen werden hiervon abgeleitet; zwar nicht immer so, daß der Namen direkt entlehnt wird, auch gewisse Stellen und Plätze in jenen Städten oder Orten müssen bei der Namensbildung mithelfen: Am Ende, Am Berg, Am Thor: An der Eck, Zum Brunnen, Grasmeier, An den Straßen, Von den Treppen, Ans dem Winkel, und dergleichen mehr. Bemerkenswerth ist hierbei, daß Familiennamen, die von Städtenamen abgeleitet sind, wie Berliner, Pariser, Wormser, nicht die Abstammung der Namensträger oder seiner Vorfahren ans jener Stadt andenten sollen. Diese Namen haben sich vielmehr im Mittelalter bei den Handwerksgesellen gebildet, welche auf der Wanderschaft überall da/ wo sie einkehrten, mit dem Orte ihrer Herkunft: der Prager, der Wiener, der Schweriner, bezeichnet wurden. Anderseits giebt es eine Reihe von Familiennamen, welche den Stadt- oder Ortsnamen einfach wiederholen: Landau, Berlin, Worms, Posen, Virchow, Minden. Familiennamen werden ferner gebildet von den Jahreszeiten, Monaten und Tagen: Lenz. Frühling, Sommer, Herbst, Winter, März, Mai, Juni, und alle Tage der Woche. Von Thiereu: Schöps, Schaf, Lamm, Ochs, Rind und Stier, Kalb und Kuh, Wolf, Fuchs und Hase, Esel/Katze, Schwein; die Zahl der von Thieren abgeleiteten Namen ist viel größer, als man in der Regel annimmt; und es werden diese Namen bei allen Völkern, von allen Menschen ohne Unterschied des Glattbens geführt. Wenn man daher glaubt, daß die Juden eine besonders

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