Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-07-19 · Heft 29 (19.7.1895) · p. Seite 343

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 29 (19.7.1895)
Date
1895-07-19
Page
Seite 343 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228094-3228124--51975-3272747
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

343 : Rabbine Gemeinde,^ jedoch sin - c Macht s zum Zu inden wir s tief ein und übe hts davon en Gegner w hier al » gern eni Gesetz ge Und wc orität de n Böhme, selbst au len? Aue! ntergrabei — Juden und z, mte. Elf und fried imend unl Rappopor tatt ihn ii Verkehren Rabbina tt auf den ehde lagen genug dei hegt m,' ie Einbuß : Rabbine en Stand a Bedenkei inter Fort ju nennen Böhm em D an dei schritt, da, er infolge genöthig reren Ver sind zun - glattwer age. Und o berufen desteirs sr hritt, das he Kultus!gen eine, e eine fei, Fortschritt »eigen, an > vor di, igens ver »statt mi; rpelbesuch. fern zu halten, den religiösen Angelegenheiten der Gemeinde kein warmes Interesse entgegenbringen und nur das als ihre Pflichterfüllung erblicken, wenn sie das Finanzielle in der Gemeinde gut verwalten? Ist das Fortschritt, daß der heilige Sabbath in den Gast- und Kaffeehäusern mit dampfender Cigarre und Kartenspiel gefeiert wird, während die Tempel an diesem Tage so leer sind, daß ohne die bezahlten Minjanleute nicht einmal die vorgeschriebenen zehn Personen zur Verrichtung des Gebetes aufzutreiben wären? Oder ist das etwa Fortschritt, alles Ueberkommene zu zerstören, das alte Gebäude ganz und gar umzuflürzen, ohne auf dessen Ruinen etwas Neues, dem Zeitgeiste Angepaßtes auszuballen? Dieser Fortschritt erinnert mich an eine Anekdote, die ich irgenwo von einem polnischen Juden gelesen habe. Derselbe kam einst nach Berlin und wollte in den Gelehrtenkreis Mendelssohns anfgenommen werden. Mendelssohn ließ sich mit ihm in ein Gespräch ein, um sein Wissen und Können zu prüfen. Als er ihn jeglicher Bildung bar fand, fragte er ihn, welche Fähigkeiten er in sich entdeckt zu haben glaube, um als Gelehrter auftreten zu wollen. — Wie, — antwortete der Gefragte, — genügt es etwa nicht, um gelehrt und gebildet zu sein, wenn ich sümmtliche Speisen, deren Genuß in der Bibel verboten ist, ohne mir Gewissensbiffe darüber zu machen, zu mir genommen habe? . . . Unter solcher Erschlaffung und Ermüdung des jüdischen Geistes und des jüdischen Lebens sieht Schreiber dieser Zeilen in der Anstellung konservativer Rabbiner in einigen Gemeinden Böhmens durchaus keine Gefahr für den vom Verfasser der „Briefe aus Böhmen" gepriesenen Fortschritt, da ja, wie er selbst zugiebt, die Rabbinen daselbst nicht den mindesten Einfluß auf das religiöse Leben zu üben vermögen. Eine andere Frage ist es, warum die Rabbiner selbst sich ihres Rechtes begeben, warum sie nicht alle wie ein Mann für die Geltendmachung ihrer Stellring und Würde auf religiösem Gebiete auftreten. Können und dürfen sie sich der Thaisache verschließen, daß die Ailtorität des Rabbiners in den böhmischen Gemeinden stark gesunken ist, daß sein Wirkungskreis sich nur noch auf den Religionsunterricht an den Schulen und die Abhaltung von Predigten auf der Kanzel beschränkt, die er zum großen Theil, und mag er die Beredtsamkeit eines Demosthenes besitzen, vor leeren Bänken und tauben Ohren zu halten gezwungen ist! Wohin soll das führen, wenn hier nicht Hilfe, schleunige Hilfe geschaffen wird!? Jeder einzelne Rabbiner für sich wird, trotz seiner Tüchtigkeit und seines umfangreichen Wiffens, diese Hilfe nicht berbeiführen können, weil seine Tüchtigkeit keine Anerkennung findet und sein Wissen gar nicht oder nur sehr wenig gewürdigt wird. Nur ein gemeinsames Vorgehen aller Rabbiner Böhmens, ohne Unterschied der Parteistellung und religiösen Anschauung, könnte dem Rabbiner das wiedergewinnen, was ihm mit Fug und Recht gebührt. Und wer wäre dazu berufener als der Rabbinerverband?! Ich meine durchaus nicht, daß der Rabbinerverband eine demonstrative Haltung gegen die Gemeindevorsteher einehmen soll, — nichts liegt mir ferner als dieser Gedanke! — Ich meine nur, daß der Rabbinerverband dieser Anregung näher trete, ihr sympathisch und wohlwollend begegne, und ich zweifle nicht daran, daß er den Schlüffe! zur Lösung dieser heiklen Frage, zur Zufriedenheit beider Theile und zur Herbeiführung eines ersprießlichen und gedeihlichen Wirkens des Rabbiners in seiner Gemeinde, finden werde. Ueber Namensänderung. Von Rechtsanwalt Bernhard Breslauer. ungefähr einem Jahre war es, als wieder einmal die Frage der Namensänderung, eine jener Fragen in der Oeffentlichkeit aufgeworfen wurde, welche ab und zu immer wieder auftauchen, kurze Zeit aber dann mit großer Heftigkeit behandelt werden, um alsbald wieder von der Tagesordnung zu verschwinden. Zeiten besonderer Erregung pflegen es zu sein, welche solche Erscheinungen Hervorrufen. Daß dann auch die öffentliche Debatte über jene Fragen besonders erregt geführt wird, ist selbstverständlich; denn Niemand nimmt darauf Rücksicht, daß es sich um tiefer liegende Angelegenheiten handelt. Jeder glaubt in derr Kampf eingreifen zu dürfen, weil gerade der Kampf geführt wird. Wissenschaftliche Fragen werden aber iricht dnrch die Heftigkeit der Debatten zur richtigen Lösung gebracht, und deshalb verbot es sich damals, in den Kampf der Meinungen einzutreten. Jetzt, da wieder Rrihe eingetreten ist, da der Streit selbst fast vergessen ist, empfiehlt es sich, diese Frage wieder einmal gründlich zu untersuchen. So lauge die Welt steht, giebt es Namen. Alle Denkmäler aus den Uranfängen nienschlicher Existenz, alle Ueberliesernngen aus grauer Vorzeit bestätigen dies. Nachdem, wie die Bibel lehrt, Gott das Licht Tag und die Finsterniß Nacht genannt (Mos. 1, V. 5) hat, war es Aufgabe des Menschen geworden, den belebten Wesen Namen zu geben. „Wie immer der Mensch ein belebtes Wesen benennen wird, das sei sein Name.") Und nicht nur die Bibel, auch alle andern Denkmäler frühester Zeiten bestätigen, daß die Menschen Namen gegeben, Namen geführt haben. Stciuinschriftcn und Bilderschriften führen die Namen ihrer Erbauer, die Namen großer und kleiner Führer der damaligen Völker auf. Ja, wenn cs erst dem erfinderischen Geist der Gelehrten geglückt sein wird, Runen und Zeichen auf Stein, Gehörn und Knochen, Die ersten Versuche menschlicher Geistesreproduktion zu entziffern, ailch dann iverden wir wieder die Namen von Menschen erkennen, welche jene Versuche gemacht, ihren Herzen nahe gestanden, oder die ihre staunende Verwunderung erregt haben. Und das ist etwas so Natürliches, daß man sich tvnndern müßte, wenn es nicht der Fall iväre. Die Nächsten zu bezeichnen, so daß sie sich von einander unterscheiden lassen, ist, abgesehen von allen Regungen des Herzens und des Verstandes, so zwingend nothwendig, daß die Menschen ohne die Fähigkeit, solche Unterscheidungen zu machen, wohl nicht lange Zeit nebeneinander werden gelebt haben können. Deshalb hat auch der Erste, welcher gefragt worden ist oder sich selbst gefragt hat, was denn eigentlich die Namen der Menschen für einen Zweck hätten, der Verfaffer des Corpii8 juris, die natürliche und noch heute richtige Antwort ertheilt: die Namen sind erfunden, um die Menschen zu bezeichnen; sie sind erdacht worden, damit die einzelnen Menschen sich erkennen können.") Jahrtausende sind verstrichen, seitdem die ersten Namen gebildet worden sind. Unzählige Menschen sind über die Erde gegangen; Alle mußten Namen gehabt haben, damit sie sich gegenseitig bezeichnen und erkennen konnten. Und da ist es wiederum durchaus natürlich, daß auch unzählige Namen erfunden worden sind. Zuerst waren es wohl Beinamen, die sich die Menschen gaben. Irgend eine körperliche Eigenschaft oder Fähigkeit* * 3), die besonders den Einzelnen auszeichnete, gab wohl die Veranlassung dazu, den Beils Mos. 1, 2, 19. 2) Inst. II. 20 de legat. § 29 Cod VII. 14. 3) Meir der Leuchtende, Bruno der Glänzende, Regina die Reine.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.