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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-07-19 · Heft 29 (19.7.1895) · p. Seite 339

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 29 (19.7.1895)
Date
1895-07-19
Page
Seite 339 (sequence 3)
Language
German
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339 m Dienst Soldaten ie Synaobligaten Zestroretzk unter der ie Juden .m Jahre aisteriums für fremde sie Juden nen. Im Opfer der mg eines In dieser dienst ab- Neujahrs- Synagoge igen ausrübten die rwaltung. : in dieser nsch hegte, orthodoxen in Senate, > führten, i Glauben lber dieser nnern die : lebenden rlleicht nie den. Erst sagten die tersburger s Krieges enat fand etzung der Dauses an. lich: „In nat einen da dieses g." Daß Verfolgten vollte der edoch den ,t herausk des rßens. ferenz der gemeinden en vorauf- >e Sitzung ion, Herr nelten und mng unter Königsberg r Provinz t warmen, ) eine hini des Bernd knüpft »aran den Wunsch, daß es dem Herrn Dr. Wolffberg beschieden sein nöge, den Rest seines Lebens in rechter Befriedigung zu verleben. — Herr Prediger Scherbel-Gumbinnen beging im laufenden Jahre sein 15 jähriges Amtsjubiläum, Herr Rabbiner Weinberg-Insterburg seinen 70. Geburtstag. Die Schulinspektion hat in beiden Fällen Veranlassung genommen, den Herren die Wünsche der jüdischen Lehrerschaft unserer Provinz auszusprechen. Für die in letzter Zeit vakant gewordenen stellen in der Schulinspektion wurden im Einverständniß mit dem Perbandsausschuß neu gewählt die Herren Rabbiner Dr. Ehrlich-Tilsit, Prediger Gallandt-Lötzen und Rabbiner Dr. Pick-Königsberg. Aus dem Bericht des Vorsitzenden über die Thätigkeit der Schulinspektion im verlassenen Jahre geht hervor, daß dieselbe durch persönliche Hindernisse?>er Mitglieder und zahlreiche Vakanzen verhindert war, Inspektionen wrzunehmen. Doch ist für das neue Verwaltungsjahr die Aufnahme )er Inspektionsreisen wieder zu erhoffen. Nach Festsetzung der Tagesordnung für die Konferenzverhandlung und Vorbesprechung einzelner Gegenstände derselben schloß die Sitzung um Vs9 Uhr Abends. Dienstag den 4. Juni, Vormittags 9 Uhr, begann die Konferenz im ^aal des Artushofs. Zu derselben waren 40 Lehrer und 29 Gäste erschienen. Der Vorsitzende der Schulinspektion eröffnete die Sitzung und »egrüßte die Erschienenen und besonders die anwesenden Vertreter der tönigsberger Synagogengemeinde, die Herren Rechtsanwalt Holz, kommisfionsrath Laser, Kommerzienrath Cohn vom Vorstand und. Herrn laser Eichelbaum von der Repräsentantenversammlung. Ersterer gab >en Wünschen der Synagogengemeinde Königsberg auf eine erfolgreiche, egensvolle Arbeit in längerer Rede Ausdruck, wies besonders auf die oppelte Aufgabe des gegenwärtigen jüdischen Religionslehrers hin,;ämlich die Jugend für die altväterliche Religion zu erwärmen und .leichzeitig im Geiste der Neuzeit zu erziehen, und sprach die Hoffnung .ns, daß es der jüdischen Lehrerschaft durch eigene hingebende Arbeit an ie Bildung der Kinder gelingen wird, diese schwierigen Aufgaben zu ösen. — Bon Seiten des Verbandes war das Ausschußmitglied Herr 3. Holz-Insterburg erschienen. Die darauffolgende Wahl des Bureaus rgab: Rabbiner Dr. Bamberger - Königsberg Vorsitzender, Rabbiner Dr. Rülf-Memel, stellvertretender Vorsitzender, Kantor Bähr-Tilstt und Laisenhaus-Jnspektor Peritz-Königsberg, Schriftführer, Kultusbeamter Zchüler-Guttstadt und Prediger Sturmann-Osterode, Beisitzer. Die igentliche Konferenzarbeit leitete Herr Rabbiner Weinberg durch Gebet in. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete der Bericht des Voritzenden über die Thätigkeit der Schulinspektion. Derselbe gedachte dabei m Besondern auch der auf Anregung des Verbandsausschuffes herausegebenen Schrift über die Schulverhältnisse in den Religionsschulen der lerbandsgemeinden, die allgemein soviel Beifall, aber leider noch nirgends Nachahmung gefunden haben. Hierauf folgte Nr. 2 der Tagesordnung, der Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. P i ck - Königsberg über die Verwendung der midraschischen Erzählungen im biblischen Religionsunterricht. Der Vortrag ging einntend von dem Gedanken aus, wenn die Religion ihr eigentliches Ziel, ie religiös-sittliche Vollkommenheit des Menschen, erreichen soll, so muß er Unterricht in derselben mit der größten Sorgfalt behandelt werden. Zur Beleuchtung dieses Satzes wurde an einigen Beispielen gezeigt, wie m Volke Israel, im Gegensätze zu andern Völkern des Alterthums, die sligiös-sittliche Erziehung und Bildung der Jugend als die wichtigste ationale Angelegenheit aufgefaßt und betrieben worden ist. Wenn andere alte Völker ihren höchsten Stolz darin gesetzt, ihre nnder in möglichster Vervollkommnung der Muskelkraft als Athleten nd Gladiatoren auszubilden und ihren Ruhm darin gesucht, dieselben inst auf den olympischen Spielen lorbeerbekränzt als Sieger Hervorehen zu sehen, so hat Israel in der bessern Erkenntniß dessen, was dem herrschen als dem Ebenbilde Gottes ziemt, in der Erkenntniß, daß derjenige ein wahrer Held und Sieger, der seine Leidenschaften zu bechmen versteht, so hat Israel seine Kinder zu Athleten und Gladiatoren t der Gottesfurcht wider die bösen Triebe und Neigungen in der ^genen Brust auszubilden gestrebt. Ein solches Ergebniß, so wird weiter ausgeführt, fei aber nur durch en besten Unterricht in der Religion und Geschichte zu erzielen. Der ffte wäre jedoch der, welcher alle pädagogisch zulässigen Mittel in Anwendung brächte, um denselben zu beleben und so der Jugend ein dauerndes, warmes Interesse für Religion, Schriftthum und Geschichte des Judenthums einzuflößen. Als ein wirksames Mittel hierzu wird die Agada im Talmud und Midrasch bezeichnet, die in ihrer Auslegung des heiligen Schriftwortes den Glauben, die geschichtliche Erfahrung, die sittliche Welt- und Lebensanschauung des Judenthums mit lebendiger Farbenfrische abspiegelt. Grundsatz bei Verwendung derselben im Religions- und biblischen Geschichtsunterricht sei die möglichste Vorsicht in der Auswahl der agadischen Stücke, daß nur solche mitgetheilt würden, die nach Maßgabe der religiösen, ethischen und historischen Nützlichkeit sich als wirklich erklärend und ergänzend erweisen, während solche von zweifelhaftem pädagogischen Werthe von dem Gebrauch beim Unterricht ausgeschlossen werden müssen. Nachdem die Wirkung dieses Grundsatzes an verschiedenen Fällen durch einige dogmatische, ethische und historische Stücke aus der Agada dargethan wird, schließt der Bortrag mit den Worten: So nützlich und förderlich nun die Agada für den Religions- und biblischen Geschichtsunterricht ist, so kann sie andererseits pädagogisch von schädlicher Wirkung sein, wenn mystische, dunkle Stücke aus derselben verwendet werden. Denn in der heiligen Schrift ist mit göttlicher Weisheit Licht und Schatten, Hell und.Dunkel nach richtigem Verhältniß vertheilt: Das Helle ist für den Verstand, das Dunkel für dasGemüth; wenn aber der Lehrer auf das Dunkel in der heiligen Schrift auch mystisches Dunkel aus Talmud und Midrasch häuft, so erzeugt das mit der Zeit im Herzen der einen Schüler religiösen Fanatismus in den Herzen der anderen Skeptizismus, Gleichgiltigkeit und Spottsucht. Es müssen daher die agadistischen Stücke für die Religionsschule mit Vorsicht ausgewählt werden, und es wäre sicherlich sehr verdienstlich, wenn eine kundige Hand die für die Religionsschule brauchbaren Stücke wenigstens für die fünf Bücher Mosis nach pädagogischen Grundsätzen auswählen und zusammenstellen würde. Es wäre dies eine wesentliche Förderung der jüdischen Religionsschule. Das Referat über Nr. 3 der Tagesordnung „Wie verhält sich der jüdische Lehrer den Angriffen der antisemitischen Agitation gegenüber?" hatte der Gemeinde-Sekretär Klein-Königsberg übernommen. Einleitend begründete der Referent seine persönliche Berechtigung zur Stellungnahme in dieser Frage unter Hinweis auf 1. Buch Mosis, Kapitel 23, Vers 4 mit seiner engen Verbindung mit dem jüdischen Lehrerstande seit länger als drei Jahrzehnten. — Zum Leitmotiv seiner Ausführungen nahm derselbe einen Satz aus den Sprüchen der Väter — Perek 1, Vers 17. — „All meine Lebenslage bin ich unter Weisen ausgewachsen, und ich habe nichts Besseres für den Menschen gefunden als Schweigen. Die Erforschung der Lehre ist nicht die Hauptsache, sondern die Ausübung, und wer viel Worte macht, bringt Fehler zu Wege." Referent suchte nachzuweisen, daß, wenn es für jeden Juden gelte, durch einen religiös-sittlichen Lebenswandel die Anfeindungen der Judenhasser zu widerlegen, ganz besonders der jüdische Lehrer, der in Wahrheit die Juden nach außen repräsentire und der Erbe des Priesterthums in Israel geworden, berufen sei, durch Verwirklichung des Bildes, welches der Prophet Maleachi Kap. 1 Vers 20 und 21 entrollt, sich als einen Gottesboten zu bethätigen. Wirke der jüdische Lehrer in diesem Geiste, so werde der Antisemitismus von vornherein auf das Wirksamste bekämpft, ja, finde überhaupt keinen Boden. Sodann sei es aber nach seinem Dafürhalten nicht Ausgabe des jüdischen Lehrers, jeder antisemitischen Versammlung beizuwohnen; er vergebe dadurch nur seiner Würde, zumal in solchen Versammlungen meist nicht die Trefflichkeit der Ausführungen pro und contra den Sieg davon trage, sondern die rohe Gewalt. Die Agitatoren von Profession sprechen in den meisten Fällen wider besseres Wissen, und wer ihnen entgegentreten wolle, müsse sich eines sicheren Schutzes bewußt sein, da er sonst vor persönlichen Insulten nicht sicher sei und im günstigsten Falle von der Rotte der Anhänger des Agitators - meist anrüchigen Subjekten — nieder gejohlt werde. Dagegen solle der jüdische Lehrer nicht schweigen, wenn er in seiner Eigenschaft als Jude unverschuldet angegriffen wird, vielmehr die Angriffe an der Hand der reichhaltigen Litteratur: Antisemiten-Spiegel u. s. w. — widerlegen. Stets aber müsse sich der angegriffene Jude und insbesondere der jüdische Lehrer fragen, ob er auch redegewandt und schlagfertig genug sei, um die Angriffe wirksam zu widerlegen. Selbst die gelungene Abwehr sei in den meisten Fällen noch von zweifelhaftem Erfolge, da man es mit Gegnern zu thun habe, die nicht widerlegt sein wollen; ein mißlungenes Eingreifen in derartigen

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