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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-07-12 · Heft 28 (12.7.1895) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 28 (12.7.1895)
Date
1895-07-12
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 Ausgabe Die Aue 467.79 m den mußt ie und 5h .60 M. ii "gaben fi'i stiegen, b- Es wäre unterst!!! g erschöpf nehmende ietet diese und Vor rigt haben anken uu. lterstützun- M, fü; Kranken schuß vo: 17,550 Wi 0 Frauen tt 4 Todt naben nni »tgeborene sraelitisch. itrben hiei 3 fander. isteskrante!dern und ftgenannte leinde, die n hat. — i Lehrer : Unter htige Beauerlicher Statuten n, Herr;-. trotz der für die msreicher der Kasse Provinzen — Zum semitische ■ii Kinder in Folge rluste erigarischer auch für >enen die it ihren " Eine oürdigeu hiesigen n dieser die edle -Hauses, visorisch »V2 Uhr e Schuleaträger emeinde, uneister, sonstige kgelangt dichtete) Worten lmf die Bedeutung des Tages hingewiesen wurde. Hierauf wurde der Schlüssel an den Vertreter der Stadt, Bürgermeister Willde, übergeben, welcher denselben nach einer kurzen Ansprache an den Oberrabbiner Dr. Frank überreichte, der nunmehr die Synagoge öffnete, worauf die gestgäste in dieselbe hineinströmten. Das neue Gotteshaus macht einen anz ausgezeichneten Eindruck, ist hell, geräumig, mit guter Ventilation, Gas und elektrischer Beleuchtung versehen. Die schönen Glasfenster;nd geschmackvoll verziert; das oberste mittlere runde trägt als Eiurssung den Spruch: „Haben wir nicht Alle einen Vater, hat uns nicht »■ in Gott geschaffen?" Die neue Orgel, die einen sehr schönen, vollen Ion hat, besitzt Motoren-Betrieb. In maurischem Stil gehalten ist das lllerheiligste, welches die Thorarollen birgt. Sehr schön ist auch der roße im Mittelpunkte der Decke hängende Kronleuchter, ein Geschenk es hiesigen israelitischen Frauenvereins. Der ganze Bau ist vom Bauleister Post-Hagen hergestellt worden. — Nach dem Einzuge in die Synagoge erschallte der Chorgesang „Machet die Thore weit", dann as Anzünden der ewigen Lampe durch den Oberrabbiner, worauf unter er Begleitung eines zweiten Chores das Einsetzen der Thorarollen in ie heilige Lade erfolgte. Nach dem ferneren Chorgesang „Wie lieblich st deine Wohnung, 0 Herr", hielt Oberrabbiner Dr Frank die Festrede. \n zündenden und begeisterten Worten, die den freisinnigen und tief mpfindenden, mit einer seltenen Nedegabe begnadeten Kanzelredner erennen ließen, wußte der Prediger die gespannt und ohne Ermüdung ruschenden Festgenossen tief zu erschüttern. In schwungvollen und zu Derzen gehenden Worten schilderte der Redner, wie die durch die drei 'eiligen Geräthe (goldener Tisch, goldener Altar und goldener Leuchter) ymbolisirten Eigenschaften in der Brust des Menschen Wurzel fassen nd zu guten Thaten sich ausweiten sollten. Zum Schluß dankte Redner Men, die an der Vollendung des neuen Gotteshauses mitgewirkt haben. Sen Beschluß der Feier machte der Chorgesang, „Wie herrlich sind deine Werke, 0 Herr", und das Weihgebet, woran sich das Gebet für Kaiser '.nd Reich schloß. — Im Abendgottesdienst, der um 7,/2 Uhr begann, ielt der Prediger der hiesigen israelitischen Gemeinde Hart mann die Lredigt; auch er wußte seine Hörer durch die Innigkeit des Tones und ^es Vortrages und durch den Inhalt der Rede zu fesseln. Am Samstag war der erste Morgen-Gottesdienst in der neuen Synagoge, in welchem wiederum Oberrabbiner Dr. Frank predigte. n Drisburg, 5. Juli Am 1. Oktober d. I. tritt Herr Hauptehrer und Prediger Lazarus nach einer 43jährigen segensreichen llmtsthätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand. Allezeit erfüllt von .'-er Hoheit seines Berufes, durchglüht von heißer Liebe zum heiligen Erbe er Väter gereicht er dem Lehrerstande zur Zierde, dem Judenthume ,ux Ehre. Den hohen Geist der Lehre zu erfassen und zu verbreiten, >ie Arbeit im schönsten und edelsten Sinne zu pflegen und zu fördern md die Saat von Liebeswerken auszustreuen war sein stetes Bemühen. Darum sind Schüler, Freunde, Kollegen, Gemeinde und Stadt in gleicher chebe und Verehrung ihm zugethan, darum geleiten ihn bei seinem Ausritte nur die herzlichsten und besten Wünsche Aller für sein ferneres Wohlergehen. Die Thätigkeit eines pflichttreuen, im Amte ergrauten Mannes läßt sich nicht im Rahmen einer kurzen Zeitungsnotiz schildern. Erwähnt sei nur, daß viele förderliche Einrichtungen in Gemeinde und Synagoge ihm zu verdanken sind. Seine christlichen Kollegen ehrten chn durch die Wahl zunl Rendanten der Lehrer-Wittwen- und Waisen- Kasse, welches Amt er 13 Jahre hindurch in hingebendster Weise verwaltete. Daß Freunde und nicht minder die Gemeinde es sich nicht nehmen lassen werden, den wackern und verdienten Schulmann und Seelsorger beim Abschiede würdig zu feiern, bedarf wohl keiner Erwähnung. Möge er sich eines recht langen, friedlichen Lebensabends erfreuen. Corbach, im Juli. Die Einweihung der neu erbauten Synagoge Hierselbst vollzog sich vor Kurzem unter Betheiligung der Staats- und städtischen Behörden sowie zahlreicher auswärtiger Gäste in würdiger Weise. Am Freitag Nachmittag 4^2 Uhr versammelten sich die Mitglieder der israelitischen Gemeinde in ihrem alten Gotteshause, um daselbst die Abschieds-Andacht zu verrichten. Alsdann rvurde die Gesetzesrolle in geordnetem Zuge bis zum Portal der neuen Synagoge gebracht Daselbst überreichte Herr Bauunternehmer Müller den Schlüssel dem Vorstande mit dem Wunsche, daß Gott das zu seinem Ruhme errichtete Gebäude fernerhin in seinen Schutz nehmen und vor Unheil und Gefahr bewahren möge. Im Namen des Vorstandes übergab die Schülerin Hedwig Kugelmann oen auf seidenen Kiffen ruhenden Schlüssel dem Bürgermeister der Stadt, Herrn Alb. Steinbrück. In herzlichen Worten sicherte Herr Bürgermeister Steinbrück die städtische Obhut zu. Nach einigen kurzen Dankesworten seitens des Kultusbeamten Herrn Bellack für den versprochenen Schutz, an welche derselbe Wünsche für das Wohlergehen der gesammten Bürgerschaft dieser Stadt knüpfte, erschloß Herr B. die neue Synagoge und weihte sie dem göttlichen Dienste mit den Worten: „Oeffnet euch, ihr Pforten, daß in euch einziehe Gerechtigkeit und Friedensliebe! Möge ein Jeder, der durch euch schreitet, in Demuth und Bescheidenheit vor Gott hintreten, möge Jeder beim Weggange aus diesem Raume Gottvertrauen und Hoffnungsfreudigkeit mit sich nehmen." Unter den Klängen der Orgel füllte sich nun der Gottesraum, und die Thoraträger nahmen Aufstellung zu je drei Mann zu beiden Seiten des Altars. In dem Augenblick, als der Eröffnungs- Choral „Es öffnen sich der Andacht heil'ge Pforten, wir treten ein, lobsingen Gott dem Herrn 2c." ertönte, erfolgte die Jnstallirung der Gesetzesrolle in das Allerheiligste. Cs folgte das Weihegebet und darauf der Choral: „Wenn Gott der Herr das Haus nicht bauet, vergeblich ist des Menschen Mühn". Die sich anreihende Predigt des Herrn Bellack machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck; Inhalt und Vortrag waren geradezu hinreißend. Mit Weihesegen und Gesang schloß die schöne Feier Am Sonnabend Morgen fand Festgottesdienst und Einweihung der von der Familie Schönthal gestifteten Gesetzesrolle statt.— Die am Sonnabend Nachmittag auf dem Schmalzschen Felsenkeller arrangirte weltliche Feier verlief aufs Beste. Die Synagoge selbst ist ein dem Zweck entsprechender, im byzantinischen Stile errichteter, würdiger Bau. Zur Hebung der Andacht trägt ein vom hiesigen Frauenverein gestiftetes und durch Herrn Orgelbauer Vogt Hierselbst aufgestelltes Orgelwerk wesentlich bei. Thora-, Altar- und Betpult-Decken in prächtiger Ausstattung sind den! bekannten Atelier der Frau Jenny Bleichrode in Berlin entnommen. Die Synagoge wird durch elektrisches Licht erleuchtet. Das Gotteshaus ist eine Zierde der Stadt und ein ehrendes Zeichen für die Opferwilligkeit der hiesigen Gemeindemitglieder # Karlsruhe i. B., im Juli. Die Bezirkssynagoge Freiburg i. B. hat in Verbindung mit vielen angesehenen Männern des Landes den folgenden Aufruf versandt: „Während der Tagung der Synode wurde in privaten Besprechungen auf die Nothwendigkeit eines Landes-Asyls für greise und sieche alleinstehende Personen hingewieseu. Diese Anregung hat allseitig Beifall gefunden und es wurde allgemein anerkannt, daß eine solche Anstalt längst schmerzlich vermißt werde. Man halte Umschau in Stadt und Land; man sehe, wie zahlreich Diejenigen sind, denen es an Hilfe und Pflege gebricht; denn selbst Nichtmittellose, aber Alleinstehende entbehren oft Abwartung und Pflege, und sie empfinden die Vereinsamung recht oft als Qual. Die vorhandenen städtischen und staatlichen Anstalten vermögen eine israelitische Landes-Anstalt nicht zu ersetzen, weil unsere Glaubensgenossen in den überwiegend meisten Fällen ritual bereitete Speisen und die religiösen Formen des Lebens nicht entbehren wollen. Die Unterzeichneten erlauben sich deshalb, diesen Aufruf zur Errichtung eines israelitischen Landes- Asyls den Synagogenrüthen des Landes empfehlend zu unterbreiten. Rückäußerungen über die Aufnahme des Aufrufs und darüber, ob der dortige Synagogenrath geneigt ist, Delegirte zu einer im Spätsommer d. I. nach Karlsruhe oder Baden zu berufenden Landesversanunlung zu entsenden, wolle man baldthunlichst an die Bezirkssynode Freiburg richten, welche das Weitere veranlassen wird." Oellerrrirli - Ungarn. B. Budapest, 8. Juli. Um einerseits so rasch als möglich über eine bedeutungsvolle Thatsache hinauszukommen und mit derselben einen Wendepunkt für die konfessionelle Agitation zu schaffen, andererseits aber, um den ganzen Komplex der sanktionirten kirchenpolitischen Gesetze mit einem Schlage in das praktische Leben einzuführen, hat der Ministerrath beschlossen, die Gesetze über die 0 bligatorische Civilehe, die staatlichen Matrikeln, die Religion der Kinder am 1. Oktober l I. ins Leben treten zu lassen. Das amtliche Blatt veröffentlicht nun die Durchführungsverordnungen, welche beredtes Zeugniß dafür ablegen, daß beim Vollzüge der kirchenpolitischen Gesetze von dem Staate mit weitestreicherwer Rücksicht auf die Konfessionen vorgegangen wird, und daß die einzelnen Verfügungen eine begütigende Tendenz ver-

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