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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-07-12 · Heft 28 (12.7.1895) · p. Seite 335

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 28 (12.7.1895)
Date
1895-07-12
Page
Seite 335 (sequence 13)
Language
German
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335 bestieg im elegrannn Sauren! schuldigert nt Herzen ls Treibe: segnet, di e es kein . Imme ebrauchei. )ich niede Länderer! an, wem der Natu siehe, de Flügel de m dich ii ellen bod gegenübeaber aud und ein s nie uni :n, schnee anc;efxcfttv rszenerien G. K. ) Lln t i oder Lügi Schriften »ulmann" bus) selbst griinblid imlid) auf ellen bcc ete, gieb! : zu dem in Form her Ernst zuchtlose »r Augen itisemiten ilben den; erkennt daß die [turarbett uptungen t Wucher dem Kolbekannte über den mf Akten;er gegen Haß die rer Entrüstung weist N. in seiner Auseinandersetzung auf das Benehmen des hessischen christlichen Geistlichen hin, der in seinem Fanatismus den '(amen des im Kriege gefallenen Juden Moses Frankel aus der Tafel . er ruhmreichen Todten entfernen ließ: „Ist kein Perikles mehr zu > irden," - so ruft der Verfasser aus —, „der jene Helden aus dem Grabe erstehen läßt und ihren Preis allen Sphären kündet, wie sie ihr Heimathland errettet und es zu einem hellleuchtenden Ruhmestempel der Größe und der Mannestugend erhoben haben! Ich rufe dir, Moses stränkel, weihend deinen Antheil an dem Heldenruhme über das Grab maus in das Jenseits nach! Gott segne dich!" Der Verfasser wendet sich sodann einer Besprechung von Lessings ' (athan zu, in dem die Ideen des Guten, Wahren und Schönen aufs 'herrlichste verkörpert sind; er glaubt die Frage, warum der Dichter aus er Hauptperson des Dramas einen Inden gemacht habe, damit bentworten zu können, daß die höchste Stufe sittlicher Vollkommenheit ns Erden derjenige erreicht hat, der trotz aller Hemmnisse, die ihm Abammung und Religion entgegenstellten, sich zu dem Seelenadel erhebt, welcher allen Nebenmenschen, selbst dem Herrscher des Landes, seine Freundschaft begehrenswerth erscheinen läßt. (Der Verfasser identifizirt nhließlich Nathan mit dem Jesus der drei ersten Evangelien und fordert ne Antisemiten auf, „Brüder der Glaubensgenossen des Juden Jesu zu werden".) — Im Schlußkapitel zählt R. als Heilmittel gegen die Seuche es Antisemitismus auf: 1. Unablässige Hinweise in der Familie und n Kreise der Bekannten auf die erhabenen Ideen der Nächstenliebe, Toleranz und Gerechtigkeit. 2. Energisches Auftreten gegen die Berkumdungen der Antisemiten in Wort und Schrift, insbesondere Beründung von Abwehrvereinen auch in kleinen Städten. 3. Nnaufhöricher Hinweis auf die Verschiedenheit der Rechtsprechung bei Bechimpfungen der jüdischen Religionsgesellschaft und bei Beschimpfungen er christlichen Bekenntnisse. 4. Ehrliche und ernstliche Durchführung er den Juden ebenso wie allen andern Bürgern zu stehenden Rechte, lithin Anstellung von Deutschen jüdischen Glaubens auch im Lehr- und .Zerwaltungsfach, in der Diplomatie und dem Militärdienst. Aus der von häßlichen Leidenschaften durchwühlten Gegenwart hebt ch in wahrhaft herzerfreuender Weise das Bild des edlen, vorurtheilsreien Lehrers ab nnd entschädigt uns für manche Lieblosigkeit und lngerechtigkeit, die wir seit mehr als einem Jahrzehnt zu erdulden aben. Die schöne Schrift stärkt unser Vertrauen auf eine glücklichere Zukunft, in der alle Deutschen ohne Unterschied des Standes und Glaubens ihre Kräfte werden vereinigen können in eifrigem Bemühen um as Wohl des gemeinsamen Vaterlandes. Möge es dem Verfasser beschieden 'ein, jener Zeit sich noch zu erfreuen, möge seine Schrift dazu beitragen, ie ersehnte Zeit recht bald herbeizuführen! Dr. S. Adler. Kprechsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ä ch danke Herrn Dr. Köhler aufrichtig für die vielfach anerkennenden f* Worte, die er mir persönlich in seinem interessanten Aufsatze über die jüdischen Speisegesetze" gewidmet. Es ist immer räthlich und nuhringend, auch die divergirenden Ansichten, sofern sie nur in verständiger Sprache zum Ausdruck kommen, über einen wichtigen Gegenstand kennen u lernen, und dies um so mehr, wenn sie aus einer so geistvollen Zeder, wie die des Herrn Dr. Köhler es ist, fließen. Doch gestatlen Sie nr wohl einige unerläßliche Gegenbemerkungen. Herr Dr. Köhler monirt auf S. 257, . daß der Befehl Gottes an toah auch von reinen Vögeln spricht, und meint, daß ich dies wohl bersehen. Ich habe es nicht übersehen; ich konnte es einfach nicht sehen, enn es findet sich nicht in unfern Pentateuchausgaben. Während Gen. 7, 2 von reinem Vieh spricht, ist im unmittelbar darauf folgenden -atze das Geflügel ohne dies Epitheton gelassen. Dieselbe auffallende Erscheinung wiederholt sich id. 83) Auch scheint ihm (S. 2)5) der Schwerpunkt dessen, was ich gegen )r. Güdemann's Auslassungen vorgebracht, in der Hast des Augenblicks der im Drange der Gedanken entgangen zu sein?) Zudem kann man 1) Nur die Samaritaner und LXX. haben auch bei den Vögeln das Epithet „rein". 2) Es ist auch wohl Keiner, vielleicht auch nicht die Hpperorthodoxie ausgenommen, so naiv, die diesbezüglichen Stellen (B. Mezia S. 59b), zugeben, daß der Talmud mancher, für die rohen, primitiven Zeiten berechneten, strengen Maßregel des Mosaismus (der, nebenbei bemerkt, keineswegs in sich selbst adäquaten Fortschritt und Ausbau ausschließt) ein milderes Gepräge verliehen, wie es die größere Civilisation und Kulturentwickelung der spätem Jahrhunderte zuließ oder erheischte. S. 258 bemerkt Köhler: . . Es hält schwer, für den Hasen auch nur einen Grund für das diesen betreffende Speiseverbot zu errathen." Ich habe aber doch in meinem Buche ausdrücklich auf die Meinung der alten Aerzte hingewiesen, die das Blut des Hasen für dick und Melancholie erzeugend erklären. Zudem möchte ich hier noch Wessely's Worte eitiren, die ein strikt ethisches Motiv betonen: i£2i"T 'HED- W'tivnb “isn ns nsiD repsn nnnsne? wen •m nr: -ran nret i’x crasi Was die gewichtige Rolle anbetrifft, die Kilajim nach Kohler's Ansicht in der talmudischen Entwickelung der spezifischen Speffegesetze gespielt haben soll, so habe ich keineswegs ganz unterlassen (s. nt. Buch S. 41 und 86 Anm. a), auf dieses Moment hinzuweisen. Doch schien es mir von keiner großen Bedeutung. Ich bin nun einmal ein solcher „Zunftgelehrter", daß ich auf einer bloßen, schattenhaften Hypothese, selbst wenn sie die geistvollste der Welt ist, kein riesiges Gebäude errichte. Und die von ihm fettgeschriebenen Worte vom Targum Jeruschalmi'tz „Getreide und Stroh zusammeugekocht" zeigen doch nicht gerade, daß dieses an „Kilajim" gedacht. Getreide und Stroh sind nicht heterogene, sondern homogene Substanzen. Ueber die Essener habe ich, trotz des seligen Frankens bekannten Konjekturen, meine eigenen Ansichten. Meines bescheidenen Dafürhaltens können die Essener nicht im Entferntesten mit den Pharisäern in Verbindung gebracht werden; denn zwei ihrer charakteristischen Züge sind: Enthaltung von der Ehe und Fernhaltung vom Opferkultus, was nicht sehr pharisäisch klingt. Daß sie den Sabbalh strenger hielten und weiße Gewandung, Morgenbäder, Pflanzenkost :c. ihre Lebensregeln waren, ist dies so frappant pharisäisch? Z Was Kohler's Hinweis auf Chul. 104 und Edujoth 5, 2 anbetrifft, so habe ich ja in meinem Buche S. 98 ausdrücklich bemerkt, daß nicht Schamai und Hillel (die Lehrer), sondern deren Schüler (Beth Schamai und Beth Hillel» sich mit der Materie befaßten. Da das Nasiräat (als ob dieses je innerhalb einer anerkannten jüdischen Partei eine a priori angepriesene Institution gewesen wäre!) und das Streben nach spezifischer Priesterreinheit auch für den Laien (wie ist eine solche mit den nothwendigen Leichenberührungen unb dem Nichtvorhandensein der „rothen Kuh" und anderer „Lustrationen" verträglich?) nach Kohler's Ansicht nun einmal überall zu spuken scheinen, so ist es auch kein Wunder, daß er (aus Seite 268 d. Zeitung) auch vom Geflügel viel zu berichten weiß, was mit den Thatsachen keineswegs übereinstimmt. Seiner Behauptung entgegen wurde im alten Israel, wie aus der Bibel erkennbar, Geflügel vielfach genossen, und ebenso im nachbiblischen Zeitalter, wie aus allen Quellen und namenll lich dem Talmud ersichtlich. Freilich wurde Geflügel nicht so häufig, und gewiß nicht häufig von den Mittel- und untern Klassen, gegessen. Nicht immer waren Anlehnungen an priesterliche oder sonstige Ueberlieferungen, sondern zumeist Exegese und akademische Disputationen die Quellen der rabbinischen Speise- und vieler anderer Satzungen. Uebrigens kommt man, nteines Dafürhaltens, mit der Annahme, daß etwa der dem Wesen nnd Wirken des Judenthums so schnurstracks zuwiderlaufende Astarte-Kultus oder Ahrimanismus altjüdische und talmudische Gesinnungen und Observanzenh) erzeugt oder überwiegend beeinflußt, doch auf welche Dr. Güdemann anspielt, für mehr als ein phantastisches Märchen zu halten (s. nt. Buch S. 385 N. 2). 3) Auch wenn dessen diesbezüglicher Satz nach Kohler's Auffassung genommen wird, ist er für diese eine nur wackelige Stütze. Denn das Targ. Jerusch, beliebte hier, wie sonst so oft, nur zur Erklärung des JTDTED solch weithergeholte Interpretation. Z Essäer waren 'nur eine kleine Partei und zwar eine solche, die weder mit den Saddueäern noch mit den Pharisäern hielt und in einer einfachen, natürlichen, bedürfnißlosen, kontemplativen Lebensweise, am Ruhetage strenger befolgt, das Heil des Menschen und die Regeneration des Menschengeschlechts erblickte. ->) Ich brauche nicht zu sagen, daß der Glaube an Dämonen und dergleichen mehr, den der Talmud selbst als importirt bezeichnet.

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