Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1895)
- Date
- 1895-07-12
- Page
- Seite 334 (sequence 12)
- Language
- German
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334 im Mittelalter schlichen wird (Judenbnrg, Judendorf, Judenbera, Rabbi-Quelle und dergleichen), linb der Volkspsychologe, der sich die eigenthnmliche Abart von Antisemitismus, die man in den Alpei!-! ländern findet, auf seine Weise zurechtlegen kann. Mit dem modernen Antisemitismus in Deutschland (Risclms communis) hat der Judenhaß dieser Lander nichts gemein. Er ist naiver, harmloser und ungefährlicher. Der Jude ist für diese Leute noch etwas Mythisches oder auch Mystisches, ein Fabelgebilde, mit dein maii Kinder und Furchtsame schreckt, so etwa der oielberufene Riickertsche * Jude, der durch ben Wald geht mit einem großen Sack auf dem j Rucken, in dem er alte Kleider, Hasenfelle, am (Silbe gar auch kleine! Ehristeiikinder trägt. Diese unselige Vorstelluiig wurzelt tief im Volksgeniüthe; sie hat religiösen Hintergruiid, aber iiichts von politischeiii | oder nationalökonomischem Beigeschmack. Das eiiizige Physiognomische Erkennungsmittel ist für den Bauer die krumiiie Nase des Inden. Diese nurß aber schon sehr kühii geschwungen sein, um den Seiiiiten 1 wirklich ans dem Schwarm iiioderner Touristen herailsznerkeimen, und i oft genügt auch nicht einmal dieses physiogiiomische Merkmal, wie ich es in deni wniiderlieblicheii Zell am See selbst miterlebt habe.; Wir waren dort unserer Drei. Hub zwar alle Drei geaichte j Glaubensbrüder. Unsern Nachmittagskaffee pflegten wir in dem am : andern Ufer des Sees prachtvoll gelegenen Thuniersbach zu nehmen. wo die Wirthin und ihr hübsches Töchterlein rasch mit Nils sich besreuildet bat teil. Sie waren echte Natnrkinder, rechte Tiroler Art, gntmüthig, liebensiviirdig, dabei aber auch aufs Geldverdienen erpicht. Eines Nachiiiittags — wir saßen eben beim dampfenden Mocca — | kam ein junger Mann im Tiroler Kostüm in den Garten und setzte j sich bescheiden in eine andere Ecke. Nachdem Mathilde — so hieß! das Wirthstöchterlein — ihm das verlangte Glas Bier gebracht, kam j sie wieder an unserm Tisch vorbei und erzählte uns leise: „Sehen Sie, der Herr hat mich gestern eingeladen, mit ihm in den Cirkus zu gehen. Ein Jude!" Und dann ging sie. Ihre Betonung des Ausrufs: „Ein Jude!" laßt sich aber gar nicht wiedergeben. Es lag! so viel Schelmerei, so viel allerliebste Nichtswürdigkeit darin, daß es zuni Mindesten sehr thöricht gewesen wäre, dem lieblichen Kind der Berge dieserhalb zu grollen. Am Abend desselben Tages saßen wir Drei wieder vergnügt; zusammen in einem Bierlokal in Zell am See und resumirten die Freuden unb Leiden des Tages. Wir hatten eben gezahlt und; wollten gehen, da öffnete sich die Thür, und eine lustige Gesellschaft j trat ein. die uns noch eine Weile zum Bleiben veranlaßte. Der! Mittelpunkt dieser fröhlichen Gesellschaft war der junge Herr in dem j Tiroler Kostüm, den wir schon am Nachmittag in Thuniersbach gei sehen hatten. Unsere Neugierde war natürlich rege geworden, wir i erkundigten uns bei dem Wirth des Lokals, der den Mann genau; kannte, und dieser erzählte uns nun, daß das in Rede stehende verehrte Subjekt — ein gutkatholischer Reisender mit Heiligenbildern ans dem erzkatholischen Brixen sei! Wahrhaftig, die Weltironie des! Zufalls zeugt wichtiger als alle klugen Beweisgründe gegen die! Thorheit des modernen Judenhasses!! Das Komischste an der Sache war allerdings dies, daß unser! Trifolium aus einem sehr bekannten Rabbiner, einem sehr thatkrästigen! Ansschußinitgtiede des „Tentsch-Jsraelitischen Gemeindebundes" und! dein Redakteur eines jüdischen Blattes sich znsamiiiensetzte. Uiid dieser! primär-semitischen Trias gegenüber wurde der Händler mit Heiligen-! bildern aus Brixen als Jude angesehen!! Auch sonst ist Nils ailf dieser Alpenreise in Städten und Dörfern,! auf Seen unb Bergen, manches Intermezzo passirt, das uns, hätten j wir je daran vergessen, immer wieder an unser Judenthum erinnert! hätte. Wir haben aber nie feiner vergessen. Und als der Eine von I uns Dreien in der Gegend der Tauern die Schnückenhöhe bestieg im dort im strömenden Regen ankani, sandte er uns sofort ein Telegramm das nur die drei Worte eiithielt: „Einhebung sämmtlicher Taureil! Das hübsche Wortspiel mag ben ungrammatischen Plural entschuldigen Der Mann hat auch ohlie Grammatik seine Tauroh tief im Herzen Nichts erscheint aber alberner und erbärmlicher als das Treiben solcher Touristeii, beneu man ja auf Schritt und Tritt begegnet, di ihr Jiideiithnm gar zu gerii verleugnen iiiöchten. Solange es kein Nasenfutterale giebt, ist das allerdiiigs oft recht beschwerlich. Imme aber bleibt es eine Thorheit, uni teilt härteres Wort zu gebrauche!. Und fliehst du bis tief in die Hochalpennatur und lässest dich niede am Fuße gewaltiger Bergfirnen: Du bist unter tausend Wanderer! doch der Jude, und sie sehen dich fragend oder verwundert an, wem du mitten im Schooße der Statur auch mit ihnen ein Kind der Natu fein willst. Und flöhest du bis an den Rand des Meeres: siehe, de Haß ist auch da und würde dich erreichen, selbst wenn du Flügel de Morgenröthe nähmest unb in Helgoland oder gar in Borkum dich ii die Fluthen tauchtest. Und da du dem höhnischen Gesellen bocl nirgends entgehen kannst, so stelle dich ihm überall kühn gegenübemit jener freudigeii Zuversicht, mit jenem erhabenen Stolz, aber aud mit der demüthigen Bescheidenheit, die ein sester Glaube und ein große geschichtliche Vergangenheit uns geben. Nein, es ist dafür gesorgt, daß wir unseres Judenthums nie unk nimmer vergessen. Ich habe seiner inmitten der gewaltigen, schnee bedeckten Bergriesen gar oft gedacht, und oft kleidete sich angesichü der erhabeiien, zu andachtsvoller Stimmung zwingenden Naturszeneriei! all' mein Denken und Sehnen in die Worte des Dichters: Auf der Erde, da wohnen uns eivige Schergen; Ich hebe mein Aug' zu den Bergen, zu den Bergen, Ich senke es nieder zum Schilfe, zum Schilfe, Und frage Dich: Herr, wo bleibt meine Hilfst 0. Ix. Literarische Mittheilungen. Dr. A. Rothenbücher, Sohar, Talmud und Anti femiten. Berlin, Neufeld & Henius. 1 Mark. Die Anschuldigung, die im Xantener Prozeß aus Unkenntniß oder Lügl erhoben wurde, daß im Sohar, der vollendetsten aller kabbalistischen Schriften zum Christenmord aufgefordert werde, veranlaßte einen „alten Schulmann", wie sich der Verfasser (Direktor der höheren Mädchenschule in Kottbus) selbst nennt, die einschlägige Litteratur über die Kabbala und den Sohar griinblid zu studiren. Das Resultat seines Studiums, das sich vornehmlich au) Bloch's „Geschichte der Kabbala", Tholuck's „Wichtige Stellen dee Sohar" und Joäl's „Religionsphilosophie des Sohar" gründete, giebt uns der Verfasser im ersten Theil seiner Schrift; er kommt zu dein Ergebniß, daß trotz der phantastischen, schwärmerischen Art in Form und Inhalt durch das ganze Buch Sohar ein hoher sittlicher Ernst weht, der allem Niedrigen und Unedlen fern bleibt. — Das zuchtlose Treiben der Antisemiten, das dem Verfasser hier so recht vor Augen trat, bewog ihn sodann, die weiteren Behauptungen der Antisemiten auf ihre Berechtigung zu prüfen. Diese Untersuchungen bilden den zweiten Theil der Broschüre. Als eine haltlose Verläumdung erkennt der Verfasser zunächst mit Dr. v. Luschan die Behauptung, daß die Juden eine besondere Rasse bilden, die keinen Theil an der Kulturarbeit des deutschen Volkes nehme; als gleich wahrheitswidrige Behauptungen erscheinen ihm die Vorwürfe, daß die Juden vornehmlich dem Wucher obliegen, daß die jüdische Religion selbst zum Meineid (in dem Koluidre-Gebet) ansfordere; zum Schluß giebt der Verfasser die bekannte Erklärung der Rabbiner Deutschlands vom Februar 1893 über den Talmud wieder. — Der dritte Theil bringt eine zutreffende, auf Akten und Gutachten sich stützende Charakteristik der drei Hauptankläger gegen den Talmud, Brimann, Ecker und Rohling, und zeigt, wie der Haß die Antisemiten zur Lüge, ja zur Fälschung treibt. Mit besonderer Entlastung : essischer Kamen . er ruh: ultden," 'Zrabe e Keimath Größe i stränkeh inaus Dei * (athan 1 ,errlich v er Har ntwort uf Ert ainmiu welcher ^reunds nhließlü ie Ant; i erden" es Ant n Krei wleran runrdru ründur ich er Se chimpfr er chr er den lithin Zerwal Au ch in! reien L tngerec aben. Zukunft Glaubei as Wo ein, jei ie ersel tzchr v? W die jüt ringen spracht •it lernt seder. nr wo He Koah c berseht enn e len. 7, 5 atze d Grscheir Ar )r. Gr der in y rpithet .usgen