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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-07-12 · Heft 28 (12.7.1895) · p. Seite 333

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 28 (12.7.1895)
Date
1895-07-12
Page
Seite 333 (sequence 11)
Language
German
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333 n Kleide, n »leisten Mein; sic ocken, die Hitze, die Deshalb iken, daß en kann, >er Qual. i gesehen rklich die roch habe s rothcn enweißeS!gen, wie ir sah in lent und nb, war i! Was gefühlt reizenden irm und oeit vor >ie Hand ,»ng der elila an schrocken Stühlen > Stuhl, ar zwar m a»sihr und »Dos es ein n Baß. darans. der sah!t durch Hände n liegt tickt die sicht ab c's, der ärtlich- Dann ührerin .'selben, > sind. Rörder ch vor unterkommt rothen Unter den Philistern herrscht eine unbeschreibliche Freude. Der König selbst drückt die Hand Delila's dankerfüllt. Die Ritter ziehen die Schwerter aus der Scheide, und mit einem Wuthgeschrei werfen sie sich ans den aus dem Palast kommenden Simson. Simson aber ist gar nicht wieder zu erkennen. Ohne Helm, ohne Haare, ohne weißen Mantel fällt er in die Hände seiner Feinde, die ihn ohne Ceremonie blenden. Der Vorhang fällt, in dem Auditorium herrscht Grabesstille des Entsetzens, und nur ans den Winkeln hört man ein leises Schluchzen! Mit Recht weinen diese mitleidsvollen Seelen. In der Garderobe auf der Bank, auf welche ihn die Philister hingesetzt haben, sitzt Sinison, todtblaß, schwer athmend, mit geschlossenen Augen. „Rebbe," spricht Moische zu ihm, „seht Euch den Palast an, den Ihr stürmen sollt auf der Bühne. . . . Vielleicht ist er zu schwer sür Euch, inan kann ihn kleiner machen." Aber aus der Brust Schimeles hörte man »urStöhnen undAechzen! „Die Feinde haben meinen Augen das Licht entzogen," lispelt er schmerzvoll, „ich bin blind, meine Augen werden nie mehr herrliche Werke des Ewigen sehen." „Hörst Du," rufen die Philister sich einander zu und tauschen verwunderte Blicke mit einander. „Er glaubt, wir haben ihn wirklich geblendet!" Plötzlich geht Delila durch die Garderobe. Schimelc hat das Rauschen ihres Kleides gehört und hebt die Augenlider auf. Seine Augen werfen Blitze des Grolles und der Verzlveiflnng, die Wangen werden dunkelroth. „Was hast Du mir gethan? was hast Du mir gethan? Du hast mich vernichtet! Ich habe durch Deine Schlauheit meine Augen verloren, ich bin in die Gefangenschaft gekommen und bin verloren!" Indem er diese Worte immer lauter und lauter schreit, ballt er die Fäuste und wirft sich auf Delila, die erschrocken den Fächer aus der Hand fallen läßt und entläuft in den weitesten Winkel der Garderobe, wo sie sich hinter den blumengemusterten Schlafrock eines judäischen Greises verbirgt. Moische mit seinen breiten Schultern stellt sich vor Meier, und da er nicht wagt, seine Hand gegen den gelehrten Mann zu erheben, streckt er sie nur vor sich hin und ruft mit einem Ton milder Ueberredung: „Rebbe, aj way, Rebbe!" Aber die Exaltation Schimeles dauert nur ganz kurze Zeit und verwandelt sich in einen traurig liefen, dumpfen Schmerz. Er sinkt auf die Bank, läßt die Hände fallen, schließt die Augen und fängt zu jaimnern an: „Oh! Oh! ich habe auf Dein Gesicht wie auf eine Blume des j Paradieses gesehen, Dein Mund war für mich ein Honigstroiu,; Deine Augen brannten vor mir wie eine Flamme, vor welcher mein I Herz zerfloß! Du hast mir aber Böses zugefügt! Ich bin ja doch verloren, Delila!" Niemand bemerkt mehr die wehmnthigen Klagen des erblindeten Helden, mit Ansnahme von Delila, die, ihren Kopf von den falschen Locken und Blumen frei machend, mit Furcht auf ihn hinschielt! Auf der Bühne steht jetzt ein ganz anderer Palast als vorher; er hat Pappepfeiler, die durch ein Pappgesims verbunden sind. Rings um die Pfeiler sitzen die Philister. Sie freuen sich, jubeln und singen und, um die Festfreude noch zu erhöhen, befehlen sie, den erblindeten Gefangenen noch in den Palast zu führen. Simson, der Held, wird durch zwei gemeine Soldaten vorgesührt und steht mm mit geschlossenen Augenlidern rächt furchtsam aber todtblaß da. Schaut ihn nur gut an, es scheint, daß sein Gesicht in dieser einen Stunde magerer geworden ist. Die blassen Wangen sind eingefallen und die geschlossenen Augen sind dunkel umringt. Man könnte sagen, daß das Gesicht durch Leidenschaft, Haß und Verzweiflung verzehrt scheint! > Die Philister spotten und machen die unglaublichsten Scherze mit ihm. Sie erzählen ihm von den Verwüstungen und der Rache, die sie an seinem Lande nehnien. Und er, der erblindete Gefangene, der kraftlose Athlet, kann sei» armes, verrathenes Vaterland nicht mehr vertheidige»! Vergeblich weinen dort seitwärts die judäischen Greise, vergeblich füllen mit ihre» Wehklagen die Luft die judäischen Weiber, und die tapfersten ihrer Männer lassen vergeblich ihr Blut auf den weiten, verödeten Gefilden Judas dahinströmen. Simson wird die väterliche Erde nicht mehr mit seiner Brust schützen, der die ganze Macht genommen ist, er wird die blitzenden Waffen, die gegen die Feinde gerichtet sind, nicht mehr sehen mit seinen Augen, weil ihnen das Sonnenlicht entzogen ist! — Schimele hört die Scherze, die Verspottungen und die triumphirenden Erzählungen seine Feinde und hebt langsam seinen Kopf empor. Hernmtappend mit unsicher wankendenl Schritt kommt er aus dem Palaste heraus, stellt sich auf die andere Seite der Pfeiler und fängt zu singen an. Aber mit welchem tiefen, grenzenlosen Schmerze ist seine Stimme erfüllt! Welch' eine hohe Skala von Tönen gelingt ihm anznschlagcn! Wie verzweiflnngsvoll ruft und fleht er! Er betet zu dem Gotte seiner Väter um Kraft, um seine frühere Riesenkraft, die er nur auf kurze Zeit besitzen möchte, nur auf einen, einen, einen ganz kurzen Augenblick! Und also rufend hebt er die zitternden Hände in die Höhe und das blasse Gesicht mit den geschlossenen Angen, mit den einen märtyrerischen Ausdruck tragenden Zügen! In der That, wenn er so vor uns steht, eingerahmt von de» Eretonvorhängen, beleuchtet durch die kleine Lampe mit dem schmalen Cylinder, die einer von den Philistern ihm dicht vor das Gesicht hält, hat er das Aussehen eines Mürthrers, aber eines solchen Märtyrers, der „den Schmerz von Millionen mit leidet!" Die ihm so dicht vor das Gesicht gehaltene Lampe, die wahrscheinlich das Bild besser beleuchten soll, berührt ihm fast die Wange. Er rückt sie mit einer energischen, grollenden Bewegung ab, ergreift mit beiden Händen die Pfeiler, schüttelt sie und stürzt sie aus die Philister, welche alle mit großem Geschrei zu Boden fallen. Alle sind todt—auch Simson! Die Leichen der Gefallenen liegen unter den Trüminern des Palastes und strahlen zwischen den sie erdrückenden Pfeilern mit der rothen, gelben und grünen Farbe ihrer Kleidung hervor. Der Vorhang fällt, das Publikum applaudirt wie rasend. Die vornehme und getvöhnliche Gesellschaft des Publikums der beleuchteten Bänke einigen sich in dem einen großen Gefühl des Beifallsjubels! Sie rufen den Simson, den König, die Delila, die jüdüischen Greise, — und Josel, der Regisseur, hat gar nichts dagegen eiuzuwenden und denkt gar nicht daran, den Lärm zu bändigen. Er hat sich an den Rand der Bühne gelehnt und steht traurig da, weil schon das Ende des Festes herannaht, dessen Gedanken durch ein paar Monate ein wenig Freude in das mühselige, sorgenvolle und monotone Leben der armen Gemeinde gebracht hatten. (Schluß folgt.) Unterwegs. ii. ii den letzten Woche» habe ich Steiermark, Salzburg und einen großen Theil von Tirol durchwandert, init großem Genuß, ^$3 freilich aber nur mit geringer Ausbeute für spezifisch jüdische Reisebriese. Hier kann höchstens der Historiker oder Volkspshchologe Ausbeute finden nach der erwähnlen Richtung: Der Historiker, der ans den vielen Namenzusaiuinensetzungen auf große Judenansicdlungcn

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