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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-07-12 · Heft 28 (12.7.1895) · p. Seite 332

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 28 (12.7.1895)
Date
1895-07-12
Page
Seite 332 (sequence 10)
Language
German
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332 * 1 IMBQMj [PnuffTTW 1iiümwniiniiiry; 1 1 FEUILLETON 1 j nrainkjninujtu.' SQWWMW — t^^au:t*xir»nujtiuniitijn*nt>iii'.iitNJinru^iniiLKii(mnm;i:ii'jmn»nimiiinimin»niLMi;)iiiviirwri ... mmumwiH ■ -- -•ür-..- -. - 1 1—1 t.— Ver starke Simson. Eine Erzählung von Elise Orszeszko. (Fortsetzung.) n diesem Bioment, im Rausche des Triumphs, in dem freudigen Gefühl, daß er sich und sein Vaterland gerettet hat, wird Schimele so schön, wie ihn selbst die ihn immer bewundernde Zipa noch nie gesehen hat. Mit seiner merkwürdigen Waffe in der Hand, mit einem zuckenden Lächeln ans den Lippen, welche beim Oeffnen eine Reihe schneeweißer Zähne zeigen, in dem weißen Mantel, der ihm von der Schulter herubwallt, mit dem goldenen Helm, dem Federbusch mit Diamanten, die regenbogenförmige Strahlen auf seine Stirn werfen, singt er mit voller überströmender Seligkeit eine Hymne des Ruhmes und der Freude. Er dankt seinem Gott, daß er ihm geholfen hat. die „mächtigen Tausende" zu besiegen. Ob zn den Füßen Simson's wirklich „Tausende" besiegt lagen? Ob die Waffe, mit der er sie bekämpft hat, wirklich ein Eselskinnbacken, oder vielmehr der eines Ochsen war? * Das ist das Geringste. Genug, daß Simson in diesem Augenblicke schön, mächtig, berauscht, glücklich war, und daß, da der Vorhang herunterfiel, Josel, der Regisseur, anfing zu rufen: „Still, scht", und da er sah, daß er mit dem Rufen nichts mehr durchsetzen konnte, aufstand und in den finster» Theil des Saales hineinging. Dort blieb er einen Augenblick und kam alsbald mit einem kleinen Jungen zurück, welchen er an der Hand zur Thür der Höhle führte, in der der kleine Junge auch verschwand. Das arme Kind, es hatte noch nie auf einmal so viele Leichen gesehen! Die todten Philister erschreckten ihn sehr, und als gar Einer von ihnen, ich glaube der Minister des Königs, sich während der langen Arie Simson's zu bewegen anfing, wahrscheinlich um sich eine bequemere Lage für die ewige Ruhe auszusuchen, da schrie der Junge aus Leibeskräften auf- Seine Gefährten folgten seinem Beispiel, und es entstand ein Chor, der in dem ursprünglichen Scenarium der Oper nicht vorhergesehen war. Josel beruhigte jedoch die Bewegung, indem er den Führer derselben einem absoluten Ostracismus aussetzte. Kaum war Josel wieder auf seinem Platz, so ging der Vorhang zum dritten Mal auf. In der Mitte der Bühne steht etwas, glaubt aber nicht, es sei ein Zelt, wo man Sodawasser verkauft, oder ein Zeitungskiosk! Nein! Es ist der Palast, in welchem die schöne, verlockende Philisterjungfrau Delila wohnt. Die Pforten des Palastes sind offen und verziert durch Portieren von Kattunvorhänge», welche am Rande gezackt sind, ganz wie in den Zelten für Sodawasser. Von der einen Seite des Palastes ist die Wand blind, auf der andern hat sie ein Fenster. Hinter dem Vorhang auf einem Rohrstuhl sitzt Delila, herrlich geschmückt. Sie blickt mit ihren großen, kindlichen Augen, die wie Vergißmeinnicht in einem Bouquet von Pfingstrosen aussehen, auf das Publikum. Dann steht sie auf, kommt hinter dem Vorhang vor und fängt zu singen an. Ein ganz schön sich entwickelnder Baß! Sie singt, daß sie durch ihre Reize den Simson verführen müffe, um ihm dann das Geheimniß seiner merkwürdigen Kraft zu entlocken. Delila bewegt sich ein wenig ungeschickt in dem langen Kleide, die großen Reifen der Krinoline geniren sie sichtlich, aber am meisten ist ihr der Rosa-Fächer, den sie in der Hand hält, unbequem; sic weiß nicht, was sie damit anfangen soll. Die wollenen Locke», die auf ihre Stirn und Schultern fallen, vermehren noch die Hitze, die sie schon fühlt, ob der tausend Angen, die auf ihr ruhen. Deshalb zittert auch ihre Baßstimme und fängt an, so niedrig zn sinken, daß sie schon nicht mehr ans einer zarten Frnnenbrnst konnnen kann, und in den blauen Augen schimmern Thränen unaussprechlicher Qual. Aber dies Alles bedeutet nichts! Schimele hat in seinem Lebe» noch keine so schöne Frau gesehen wie diese Delila! Ob er beim Eintritt auf die Scene wirklich die Delila, die dort stand, erblickt hat? Ich weiß es nicht. Doch habe ich später gehört, daß Schimele auf der Bühne anstatt des rothcn Gesichts Meier's und statt seiner blauen Augen ein schwanenweißes Antlitz mit schwarzen Haaren und mit zwei flammenden Augen, ivie öwei Sterne, gescheit haben soll, die auf ihn blickten. Er sah in diesen flammenden Angen die Thräne des Träumers schimmern und die Gluth der Leidenschaft; die Gestalt, die vor ihm stand, war schlank und geschmeidig, ein Gebild wie aus Himmelshöhen! Was Schimele in diesem Augenblick fühlte, hatte er nie zuvor gefühlt und könnte er auch nicht beschreiben. Wenn er sich der reizenden Gestalt näherte, welche seine Angen sahen, da sang er so warm und weich, so stürmisch und flehend, daß Delila ihre Augen weit vor Verwunderung öffnete rmd sich fast fürchtete, weit» sie ihm die Hand reichen sollte. Schimele ergriff mit einer gewaltigen Bewegung der Freude die Hand, welche den Fächer hielt, und drückte Delila an seine Brust, so innig und küßte sie so herzlich, daß sie ganz erschrocken sich aus seinen Armen losriß und sich auf einen von den Stühlen setzte, die vor der Galerie ihres Palastes standen. Schimele kam ein wenig zu sich, setzte sich auf den andern Stiihl, und das Duett begann. In diesem Duett entschied sich Simson's Loos. Er war zwar anfangs verschlossen, aber die Reize der Delila konnten den ausdauerndsten Widerstand besiegen. Vergeblich stand er vor ihr und sang mit der überzeugungsvollsten und stehendsten Stimme: „Dos is nit Dei Geschäft." Die verführerische Kokette wußte, daß es ein wichtiges Geschäft für sie war. Sie sang so lange mit ihrem Baß. Schimele aber hörte nur den schönsten Mezzo-Sopran daraus. Delila schaute ihn mit kindlichen Augen an. Schimele aber sah zwei strahlende schwarze Diamanten, — bis Simson. ermüdet durch den Kamps und besiegt durch die Liebe, die Haare in seine Hände nimmt und sie der Zauberin zeigend, sang: „In ihnen liegt meine Kraft!" Delila steht nun auf, winkt mit dem Rosa-Fächer, rückt die rothe Rose zurecht, wischt den Schweiß von dem rothen Gesicht ab und reicht die Hand dem besiegten Helden. Ein wiederholter Kuß und wiederholter Schrecken Meier's. der nicht begreifen kann, warum Schimele ihn mit einer solchen Zärtlichkeit umarmt und so stark seine Lippen die seinen drücken. Dann verschwindet das verliebte Paar in dem Palast der Verführerin hinter dem gezackten Vorhang. Wieder erscheinen die Philister, aber was sehen wir? Dieselben, die in dem dritten Bilde von der Hand Simson's gefallen sind. Nach dem Anferstehen muß natürlich ihr Haß gegen den Mörder noch viel größer sein. Sie erwarten Delila, sie schleichen sich vor die Thür ihres Palastes, sehen durch das Fenster, tauschen untereinander geheime Zeichen aus. . . . Aber da ist sie ja! Sie kommt hinter dem Vorhang hervor, in der einen Hand hält sie den rothen Fächer, in der andern einen Büschel Haare, rabenschwarz. Unter

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