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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-07-05 · Heft 27 (5.7.1895) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 27 (5.7.1895)
Date
1895-07-05
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 iefe hoch ch gewesen Ltiftungs. ie Lebensdie Ver kppellirew , die des st-! General i^ung der Dr. med die Wirk chst seiner Vereins; ans dü;t verhält hten. Der!n Verein erein. Er elbar den che Eltern )and werke ie Knaben .'zeit durch auch die iefe Einneu wirtwirksame cend ihrer ie in dem thätigung ürtich am inen Heini seit einer rriode ist nen, daß 18 ist die eben, als ird. Die Freilich kennt, in heit, das d müssen . sowohl als auch i sah es sich die 1 Mielhe, Der Vor ung, bersten herbergte iehrlinge. ern und m Unterführung n richtig Köln in nzt, weil effere ist.;lbst von Lehrlinge Auch in sie demverbliche en Im Z000 M. ssant z» lsichtigea rnziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, so daß er jedes Mal mit einem Defizit rechnen mußte. Aber er ist in der glücklichen Lage, einen guten Freund zu besitzen, der sich stets bereit finden ließ, das jedesmalige Defizit zu decken. Dieses Jahr mußte er 1060 M. zuschießen. Den Namen des Wohl-! rhäters verschwieg der Vorstand. Er wird wohl nicht genannt sein | wollen, um so größeren Werth hat seine That. Der Fond Zur Errichtung eines eigenen Heims beträgt 12,132 M. Ein im Winter zu seinen Gunsten veranstaltetes Konzert führte ihm das nette Sümmchen von 3357 M. zu. Möge der Verein, der vielen jungen Leuten zu einer sicheren Lebensstellung verhilft, auch ferner gedeihen! (VO Beuel, 26. Juni. Am 23. d. M. fand in Beuel die zweite Konferenz des Kölner Bezirks des Vereins der Rabbiner und jüdischen Lehrer in Rheinland und Westfalen statt. Bei Beginn der Konferenz ertheilte der stellvertretende Bezirksvorsteher Herrn Dr. Lazarus das Wort zur Begrüßung der Anwesenden. Von der Stellung des jüdischen Lehrers in Schule und Gemeinde ausgehend, ging der Redner dazu über, rühmend hervorzuheben, daß zahlreiche Beueler Ge-! nleindemitglieder durch ihr Erscheinen zur Konferenz ihr warmes Interesse! für unseren Verein im Allgemeinen und den jüdischen Religionsunterricht * im Besonderen an den Tag gelegt hatten. Es war dies ein schöner Beweis^davon, daß Eltern und Lehrer sich einig sind in der Ausübung ihres Erziehungsgeschäftes und wohl bewußt, daß der Lehrer nur mit Unterstützung der Eltern auf eine erfolgreiche Thatigkeit rechnen kann, j Sodann hielt Herr Lehrer Heilberg eine Probelektion über: „Daniel und j seine Genossen." Dieselbe entsprach allen Anforderungen, die an eine! Lehrprobe gestellt werden müssen. Leuchtenden Auges hingen die Kinder! an dem lebendigen Vortrag des Lehrers und folgten mit gespannter Auf- ■ merksamkeit der Erzählung. Die an die Kinder gestellten Fragen wurden j mit gutem Verständniß korrekt beantwortet. Man merkte hieran, daß; die Kinder die aus der Erzählung gezogenen Lehren gut verstanden und; erfaßt hatten. Es folgte dann Berathnng und Genehmigung der Statuten.! Nachdem man die nächste Konferenz auf den 15. August festgesetzt hatte! und als Ort der Versammlung Köln bestimmt worden war, wurde! die Versammlung geschlossen. Die Theilnehmer fuhren hierauf nach! Godesberg und verbrachten am herrlichen Rhein ein gemüthliches! Stündchen. rt. Wiesbaden, 28. Juni. Vor einigen Tagen starb im hiesigen! städtischen Krankenhause ein Mann, der angegeben hatte, er heiße Willy i Randow und sei Jude. Die Leiche wurde daher auf dem israelitischen - Friedhofe hier beerdigt. Kurze Zeit später erschien ein Mann im Kranken-! Hause, der sich nach seinem Sohne Karl Braun aus Esten erkundigte. j Ein solcher befand sich indessen nicht im Krankenhause. Nach eingehenden! Erörterungen ergab es sich, daß der als Willy Randow beerdigte Mann kein anderer gewesen sein könne, als jener Karl Braun aus Esten. Er war, ein verkommenes Subjekt, lange Jahre in der Welt herumgeirrt,! ohne daheim etwas von sich hören zu lassen. Neuerdings erst hatten j die Eltern von ihm die Nachricht erhalten, er sei zum Judenthum übergetreten und befinde sich im Krankenhause zu Wiesbaden. Gestern wurde die Leiche ausgegraben und auf dem christlichen Friedhofe beigesetzt. 0 Laupheim (Württemberg), 1. Juli. Auch hier wurde am ersten Tage Schabuoth der Konfirmations-Akt in feierlicher Weise von unserm eben erst neu installirten Rabbiner, Herrn Dr. Treitel, an fünf Konfirmandinnen vollzogen. Die Feier begann mit stimmungsvollen Liedern seitens des hiesigen gemischten Synagogenchors: „Dies ist mein Bund mit ihnen" und „Es keimet, von Gottes Hand gesät, die Saat in tiefem Grunde". Dann sprach eine der Konfirmandinnen ein auf den Weiheakt sich beziehendes Gebet, das sie selbst ausgearbeitet hatte, und! darauf legten die jungen Mädchen treffliches Zeugniß ab von dem, was! sie in Religionslehre und Geschichte während der Zeit der Vorbereitung j in sich ausgenommen hatten. Hierauf sprach eine Konfirmandin das Schlußgebet, worauf der Chor den Psalm 115, V. 13 -15 zum Vortrag brachte. Alsdann hielt Rabbiner Dr. Treitel eine Ansprache an die Mädchen, wobei er auf Ruth, als Vorbild für die Töchter in Israel in mancherlei weiblichen Tugenden, hinwies. Die Bedeutung der Konfirmation selbst wurde unter dem Bilde des Opfers der Erstlinge näher dargelegt. Alsdann ertheilte er den üblichen Priestersegen und übergab schließlich jeder Einzelnen außer einem einen Weihespruch enthaltenden Konfirmandenschein noch ein Michael Sachs'sches Gebetbuch, welche Gabe ihm durch eine hier bestehende Schulstiftung ermöglicht worden war. Die ganze weihevolle Feier machte auf alle Anwesender! einen erhebenden Eindruck. A. Kirchen (Baden), 2. Juli. Die hiesige kleine Gemeinde ist genöthigt, die Synagoge zu restauriren. Da die Mittel dazu ein wenig knapp bemessen find, hat sie sich an einige Schwestergemeinden gewendet, sie möchten eine Beihilfe leisten. Daß dieser Aufruf überall Gehör fand, wäre als selbstverständlich nicht erst berichtet worden — wenn nicht ein Anderes geschehen wäre Der Synagogenrath hat sein Bittgesuch auch dem Großherzog vorgetragen, und soeben geht die Nachricht ein, daß unser Landesvater, der alle seine Bürger mit gleicher Huld empfängt, auch unserer Bitte sein Ohr nicht verschlossen, vielmehr die Summe von Einhundert Mark uns zu bewilligen geruht hat! — Wir vermögen unfern Dank nicht besser zu bekunden, als indem wir unsere Glaubensgenossen diesen Beweis der gerechten Güte Großherzogs Friedrichs künden, damit auch außerhalb seines Landes frohe Herzen für ihn zum Himmel beten! Oesterreich - Angarn. LH Wien, 1. Juli. Mit großem Interesse folgte man hier dein Verlaufe des Saybuscher Prozesses, der nun am 26. Juni beendet wurde. Es wurden sammtliche Angeklagte des Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit schuldig gesprochen und Hylinski, Olszewski, Giercuszkiewicz, Staszkiewiez, Fabrowicz, Toderski und Anton Gabryel zu sechs Wochen schweren Kerkers, verschärft mit einem Fasttag in der Woche, der Angeklagte Tomalski zu drei Wochen, Wanklowski zu vierzehn Tagen, Grzegorezyk zu zwei Monaten schweren Kerkers, ebenfalls verschärft mit einem Fasttage in der Woche, verurtheilt. Bei sämmtlichen Angeklagten wurde als mildernd angenonunen, daß sie von Andern aufgehetzt wurden und im Affekte und auf Erdichtetes bauend, gehandelt haben. Deswegen wurde das geringste Strafausmaß angewendet. Bei den ersten sieben Verurtheilten wurde ihr jugendliches Alter unter 20 Jahren berücksichtigt. Interessant ist, daß, als der Vorsitzende das famose Gubernialdekret aus dem Jahre 1800 verlesen wollte, dies vom Staatsanwalt Dr. Sulkowski mit der Begründung abgelehnt wurde: „weil nach den Staatsgrundgesetzen alle Bürger vor dem Gesetz gleich sind und allen Staatsbürgern die Freizügigkeit gewährleistet ist. Dieses Dekret fei daher für diese Verhandlung gleichgiltig, weil sich Niemand auf Unkenntniß der Staatsgrundgesetze berufen könne." Ferner führte der Staatsanwalt aus: „es sei merkwürdig, daß trotz der emsig geführten Untersuchung — es wurden über 200 Zeugen vernonnuen — blos einige wenige Zeugen aufgebracht werden konnten. Dies beweise, daß in Saybusch eine gewisse Solidarität bezüglich der Verhinderung der Entdeckung der Verbrecher herrsche. Es unterliege keinen! Zweifel, daß die Angeklagten nicht aus eigenem Antriebe handelten, daß hinter ihnen Andere, bis jetzt Unentdeckte geblieben. Diesen Angeklagten, selbst ariue Teufel ohne Dach und Wohnung, welche von einem Tag auf den andern leben, ist es gleichgiltig, ob ein Jude in Saybusch wohne oder nicht. Empören muß es geradezu in diesem Falle, daß diese angeblich biedern Saybuscher Bürger arme Teufel entsenden, selbst aber feige im Versteck bleiben. In diesem Falle wurden die Staatsgrundgesetze mit Füßen getreten. Eine Verurtheilung wird beweisen, daß die Straße kein Recht habe, den übrigen Bürgern Gesetze zu diktiren." — Anläßlich der Auszeichnungen, die der Kaiser in Anerkennung verdienstlicher Leistungen bei Abwehr und Bekämpfung der Cholera in den Jahren 1893 und 1894 verliehen hat, erhielten das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens der inspizirende Amtsarzt in Brünn, Dr. Salomon Spitzer, das goldene Verdienstkreuz mit der Krone Dr. Alois Lö wy in Nisko u. A. ui. Ferner erhielt der Landwehr-Bezirksfeldwebel Isaak Schön Herz das silberne Verdienstkreuz mit der Krone. LH Wien, 1. Juli. Wie s. Z. gemeldet, war in der letztwiüigen Verfügung des verstorbenen Baron Königswarter der Passus enthalten, daß in dem Falle, wo einer seiner Söhne oder Enkel vom väterlichen Glauben abfalle, dieser eine Million Gulden zu zahlen habe. Nun hat thatsächlich kurz nach dem Tode seines Vaters Baron Herrmann nebst seiner Gattin und seinem Kinde die Taufe empfangen. Die Familie Königswarter bestand auf Auszahlung der Million nicht für sich — sondern der ganze Betrag wird den Intentionen der frommen Baronin gemäß an humanitäre Institute vertheilt; u. zw. erhalten je 100,000 fl. die im Jahre 1821 gegründete Armenanstalt der

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