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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-07-05 · Heft 27 (5.7.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 27 (5.7.1895)
Date
1895-07-05
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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-.9. Jahrgang, «r. 27. Berlin, 5.3uli 1895. Weikage gur „Aktgemeinen Zeitung des IuöentHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. B. Berlin, 1. Juli. Der Vorsitzende, Herr Hermann Landsberger, eröffnete die Sitzung der Repräsentanten Versammlung am 30. Juni um 11 Uhr. Nach Verlesung und Genehmigung des Protokolls der letzten Sitzung und nach Mittheilungen unwesentlicher Natur referirte Herr Mannheimer über die Vorlage, betreffend Schenkung einer Parzelle des Grund st ücks Augu ststraße 17 durch Herrn Louis Sachs an das jüdische Krankenhaus. Die betreffende Parzelle soll zu einer Gartenanlage benutzt werden, und bewilligte die Versammlung die hierfür erforderliche Summe von 1500 Mark, sowie 50 Mark jährliche Unterhaltungskosten. Außerdem stattete die Versammlung dem Geschenkgeber ihren Dank ab. lieber die Vorlage, betreffend Ankauf des Grundstücks Lützowstraße 16 und einer Parzelle des Grundstücks Potsdamerstraße 116b für den Neubau einer Synagoge referirte Herr Fränkel. Das Grundstück hat ein Areal von 251 Quadratmetern, der Preis beträgt 500,0000 Mark. Nach unwesentlicher Debatte erklärte sich die Versammlung mit der Vorlage einverstanden. Es wird also demnächst im Westen eine neue Gemeinde-Synagoge errichtet werden. Das ist das erfreulichste und wichtigste Resultat der letzten Repräsentantensitzung! Für Reparaturkosten der Orgel in der neuen Synagoge wurden 700 Mark bewilligt, für Beschaffung von Subsellien in dem Erziehungshause zu Pankow und Einrichtung eines Lehrerzimmers wurden 1766 Mark ausgesetzt. Hinsichtlich der ausgeschriebenen Submission für den Anbau an das Erziehungshaus in Pankow sind drei Offerten eingangen, von denen die billigste 8993 Mark beträgt. Die Versammlung erklärte sich damit einverstanden, die Arbeit dem Mindestfordernden zu übertragen. Frau Johanna Jtzig hat durch letztwillige Verfügung ihr gesammtes Vermögen im Betrage von etwa 22,000 Mark der jüdischen Gemeinde vermacht, und zwar zu gleichen Theilen für das Krankenhaus und die Altersversorgungsanstalt. Die Versammlung acceptirte die Schenkung, vorbehaltlich der landesherrlichen Genehmigung. lieber die Rechnungsabschlüsse verschiedener Spezialverwaltungen wurde Bericht erstattet, und wurden die Abschlüsse seitens der Repräsentantenversammlung sämmtlich für richtig befunden. Der Rechnungsabschluß des Erziebungshauses zu Pankow ergiebt eine Minderausgabe von 23.65 Mark, der der Synagoge Kaiserstraße von 715.15 Mark, der neuen Synagoge von 3557 36 Mark, der alten Synagoge von 1611.86 Mark, des Reichenheimschen Waisenhauses von 7524.32 Mark. Zum Schluß der öffentlichen Sitzung theilte Herr Martin Simon als Referent mit, daß die beschlossene Centralstelle für Wohlthätigkeitseinrichtungen bereits im Oktober d. I. ins Leben treten werde. Ein Beamter ist bereits mit einem Jahresgehalte von 1600 Mark angestellt, mit der Anstellung eines Andern für den Jahresgehalt von 2400 Mark erklärte sich die Versammlung gleichfalls einverstanden. Auch diese Mittheilung ist eine sehr erfreuliche. Es folgte eine geheime Sitzung. L2 Berlin, 3. Juli. Der „Akademische Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" an der Universität Berlin wird auch im laufenden Sommer-Semester seiner Aufgabe, die Kenntniß der Wissenschaft des Judenthums unter den Studierenden der Berliner alma mater zu verbreiten, gerecht. Am 11. Juni sprach im Verein das Ehrenmitglied desselben Herr Dr. I. Müller über die Verordnungen des „Rabbenu Gerschon." Die Arbeit des Vortragenden, welcher die Resultate seiner Studien streng sachlich vortrug, erntete allgemeinen Beifall. — Am 18. Juni sprach Herr Dr. Hochfeld über „die Grundlinien zu einer Geschichte des Gesetzes" und am 25. Herr Zahnarzt Lipschitz über „Sozialpolitik und Humanität im Pentateuch." Herr cand. phil. Warschauer wählte als Thema für den 2. Juli „Uebersicht über die Geschichte der jüdischen Philosophie." Dieser Vortrag, dem bis zum Semesterschluß noch eine Reihe anderer folgen, wird bereits im neuen Vereinslokal, Luisenstr. 96, gehalten werden. Der Besuch dieser Vortragsabende steht allen Studierenden frei. mf. Berlin, 3. Juli. Heute findet die Enthüllung des Denkmals Ludwig Träubels im Garten der Charitee statt, deren dirigirender Arzt der Verewigte im Jahre 1853 wurde. Traube starb am 1J. April 1876 in Berlin, nachdem ihm seine Gattin 11 Wochen vorher im Tode vorangegangen war. Der Verstorbene hatte gewünscht, daß eine Lobrede jeglicher Art an seinem Sarge vermieden werde. Auf den Wunsch der Angehörigen nahm Professor Lazarus bei der Trauerfeier allein das Wort, und er rief dem Todten, dessen Bitte erfüllt wurde, nur einen kurzen Scheidegruß nach, indem er den 90. Psalm rezitirte: „der in uralten Tagen als ein Gebet Mosis, des Gottesmannes, gedichtet ist". Ludwig Traube ruht auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee. Den in seinem Todesjahre von Leyden (Berlin 1876) und Freund (Breslau 1876) veröffentlichten Gedächtnißreden auf Ludwig Traube entnehmen wir noch Einiges über den Lebensgang und die wissenschaftliche Bedeutung des Verewigten. Ludwig Traube war am 12. Januar 1818 zu Ratibor geboren. 1841 ließ er sich in Berlin als Arzt nieder und beschäftigte sich hauptsächlich mit experimentellen Studien an Thieren, durch welche die Begründung der experimentellen Pathologie in Deutschland auf ihn zurückzuführen ist. 1857 erlangte er eine außerordentliche Professur an der Universität, 1862 wurde er ordentlicher Professor an der Pepini^re, dem militärärztlichen Bildungsinstitut, aber erst 1872 an der Universität. Zu seinen wichtigsten wissenschaftlichen Arbeiten gehörten die über Digitalis und die Fiebergrade, durch welche er der Begründer der wissenschaftlichen Thermometrie wurde. Als klinischer Lehrer hat Traube seine exakte wissenschaftliche Methode, die genaue Beobachtung und Untersuchung durch zahlreiche Schüler in Norddeutschland allgemein verbreitet. So konnte Lazarus, bevor er am Sarge Traube's im Geiste der altjüdischen Religion das letzte Gebet verrichtete, mit Recht ausrufen: „Das Licht hat nicht unter dem Scheffel gestanden; sein Lehramt und seine Wirksamkeit hat Traube's Wollen und Können Vielen durch viele Jahre offenbar gemacht." Gelegentlich der heutigen Feier wird Prof. Dr. Bernhard Fränkel die Büste Traube's mit einer kurzen Ansprache an Geheimrath Spinola als Direktor der Charitee übergeben. Eine eingehende Würdigung des großen Mannes, der zugleich sein Lehrer war, hat sich Geheimrath Leyden zur Eröffnung seines Winterkollegs Vorbehalten. * Berlin, 3. Juli. Die „Kreuzztg." Nr. 298 schreibt über den Prozeß Mellage und den Fall de JongeFolgendes: „Leider können wir auch die Negierung nicht von dem Vorwurf freisprechen, daß sie die betheiligten Beamten nicht mit gleichem Maße gemessen hat. Während gegen die durch den Alexianerprozeß belasteten Medizinalbeamten — mit Recht — energisch vorgegangen wird, ist seiner Zeit dem Kreisphysikus Dr. Abraham Baer wegen seines vom Gericht als leichtfertig bezeichneten Verhaltens im Falle de Jonge nicht ein Haar gekrümmt." Jetzt schreibt zu diesen Ausführungen die „Berl. Korresp." des Ministers von Köller: Es ist zu bemerken, daß der Bezirksphysikus Geheime Sanitätsrath Dr. Baer, als aus Anlaß des Falles de Jonge in den Gründen einer gerichtlichen Entscheidung Vorwürfe gegen ihn erhoben waren, selbst den Antrag gestellt hat, die Disziplinaruntersuchung gegen ihn einzuleiten. Dieser Antrag ist indessen abgelehnt, nachdem die Wissenschaftliche Deputation für das Medizinalwesen in einem eingehend begründeten Gutachten vom 13. Dezember 1893 sich dahin ausgesprochen hatte, daßDr. Baer in dem Fall de Jonge korrekt und mit der nöthigen Vorsicht den bestehenden Bestimmungen gemäß verfahren habe, und daß die entgegenstehende Auffassung auf irrtümlichen Voraussetzungen über medizinisch-technische Fragen beruhe. fg. Berlin, 1. Juli. Die Sonntagsnummer eines hiesigen Antisemitenblattes brachte unter der Spitzmarke „Jüdische Aerzte und christliche Patienten" eine Notiz, nach welcher der im Norden wohnende jiidische Arzt Dr. Jacoby sich des Nachmittags geweigert habe, zu einer an-

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