Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1895)
- Date
- 1895-07-05
- Page
- Seite 324 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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324 der Gefühle, die sich in Resignation vorher besänftigen, jetzt aber wieder aufschnellm, und man sieht auch, wie die Muskeln des Helden sich dehnen unter den in fesselnden Schnüren. Plötzlich durchläuft ihn ein Schauer vom Kopf bis znr Zeh' und die Fesseln fallen herunter, wie ein zerrissenes Spinngewebe; bevor noch die Philister zu sich kommen können, bückte er sich und ergreift einen Eselskinnbacken. Eine Armbewegilng, einen Augenblick — und die ganze Philister-Armee stürzt zu Boden, der Herrscher aber verschwindet, sich schmachvoll durch die Flucht rettend. (Fortsetzung folgt.) erscheint mir doch unglaublich. Wenn Herr Professor Smend sich in der Anmerkung z. St. auf Lagarde beruft, so erscheint seine Bemerkung im Texte noch unerklärlicher. Denn dieser läßt sich am Schluffe seiner -Abhandlung „Purim" (in den Abhandlungen der Kgl. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen 1887) also aus: „Das Fest aller Seelen, die uns leben und mit uns leben, ein Fest, das die alten Eranier gestiftet, wurde unter den Juden zu einer mit albernen Späßen verzierten, den Haß und den Hochmuth predigenden Schlemmerei, bei der es darauf ankam, recht gründlich betrunken zu sein." Unerklärlich erscheint es mir auch, wenn Herr Professor Smend in derselben Anmerkung sagt: „Noch merkwürdiger ist, daß das Tempelweihsest den Ritus des heidnischen Festes annahm, zu dem es seinem Wesen nach im schärfsten Gegensatz stand. Ihr ganz ergebener Karlsruhe, 28. Juni. Rabbiner Dr. Appel. Fitterarische Mittheilungen. Kautsch, E.: Die heil ige Schrift des Alten Testaments Freiburg 1894. I. C. B. Mohr. Eine neue Uebersetzung der Bibel, herausgegeben von einem so bedeutenden Forscher in Verbindung mit anderen namhaften Orientalisten, darf wohl Anspruch auf besondere Beachtung machen. Es war bei diesem Unternehmen in erster Linie auf eine richtige Wiedergabe des Grundtextes abgesehen, sodann darauf, gebildeten Lesern den Inhalt der Bibel „in klarem, heutigem Deutsch" zu vermitteln. Daneben verfolgte der Herausgeber die Absicht, auch bibelfreundliche Laien über die wirklichen Ergebnisse der wissenschaftlichen Bibelkritik in zuverlässiger Weise zu unterrichten. Von diesem Standpunkte aus muß man das Werk als eine sehr gelungene Arbeit bezeichnen. Die Uebersetzung ist gut, klar und fließend, die Beigaben besonders der Abriß der Geschichte des alttestamentlichen Schriftthums zur Orientirung über die wichtigsten Fragen der neueren Bibelkritik sehr werthvoll, auch selbst wenn man nicht allen Resultaten des Verfassers mit Bezug auf seine Auffassung von dem Entwickelungsgange der biblischen Theologie zuftinimt. Die Darstellung ist eine durchaus würdige und kann Niemand, auch den nicht, der auf entgegengesetztem Standpunkt steht, verletzen. Die äußere Ausstattung ist einfach, aber dem hohen Zweck durchaus entsprechend. Kprechsaal. Sehr geehrter Herr Doktor! ^Mn Nr. 21 Ihrer geschätzten Zeitschrift „Allgemeine Zeitung des C& Judenthums" findet sich in einem Artikel über A. Bernstein die Behauptung, daß derselbe nicht Aron David, sondern nur Aron geheißen- Da dieser thatsächliche Jrrthum bisher nicht berichtigt worden, ein Schweigen seitens der Kinder von Bernstein aber eine Zustimmung zu diesem objektiven Jrrthum bedeuten könnte, ersuche ich Sie hierdurch ganz ergebenst, in einer der nächsten Nummern Ihrer Zeitschrift berichtigen zu wollen, daß mein Schwiegervater der Schriftsteller A. Bernstein nach zwei in meinem Besitze befindlichen gerichtlichen Dokumenten die Vornamen Aron David hatte. Herr Wertheim, auf dessen Autorität hin der Herr Verfasser des fraglichen Artikels die Behauptung gemacht, hat sich, wie er mir schreibt, nachträglich selbst davon überzeugt, daß seine Mittheilung eine irrthümliche gewesen. Hochachtungsvoll Berlin, 26. Juni. Dr. W. Sklarek. * Sehr geehrter Herr Redakteur! ^^^estatten Sie mir als ein Beispiel der von Herrn Dr. Babad in Nr. 25 yr der „A. Ztg. d. I." gerühmten „Unkenntniß des Judenthums seitens christlicher Theologen" Folgendes anzuführen: Herr Professor Dr. Rudolf Smend in Göttingen schreibt in seinem Lehrbuche der alttestamentlichen Religionsgeschichte (Freiburg i. B. und Leipzig 1893) S. 331: Noch in viel späterer Zeit ist das Purimfest, das ursprünglich ein heidnisches war, zu einem der heiligsten jüdischen Feste gemacht, weil es eben in der Diaspora einmal aufgekommen war." Wann und wo ist das Purimfest zu einem der heiligsten jüdischen Feste gemacht worden? Sollte Herr Professor Smend etwa Purim mit Jom Kippurim (3. B. M. 23, 28) oder Jom Hakkippurim (ibick. V. 27) verwechselnd das * Geehrte Redaktion! i\ rlauben Sie, daß ich Sie mit einigen Zeilen behellige. Vielleicht könnten dieselben, zum Nutzen und Frommen einer ganzen Anzahl den Kampf ums Dasein „hart kämpfender Mitschwestern" dienen. Ich meine eine Reihe von israelitischen Damen, die an der Spitze von Erziehungsanstalten für junge Mädchen stehen. Verschiedentlich habe ich Gelegenheit gehabt, eingehende Unterhaltungen mit Vorsteherinnen solcher Institute zu haben, und bei fast allen fand ich die gleichen Klagen; nämlich daß der größte Theil der bessern jüdischen Familien ihre Töchter mit Vorliebe christlichen Instituten anvertraut: „Ich bin," so sagte mir die Dame, „ganz gewiß nicht intolerant oder engherzig, und nichts würde mir mehr Freude und Genugthuung bereiten, als wenn wir endlich so weit wären, daß der Mensch nur als Mensch gilt, daß das religiöse Bekenntniß kein Hinderniß mehr im Verkehr mit dem Mitmenschen sein würde. Haben Sie aber je gehört, daß eine christliche Mutter ihr Kind einer israelitischen Anstalt anvertraut? Ganz sicher nicht." Warum also, so lange es gut geleitete, sich des besten Rufes erfreuende israelitische Häuser giebt, die Kinder in Verhältnisse bringen, in denen sie sich nur selten vollständig wohl fühlen, in denen sie so manchen versteckten, oft sogar recht offenen Bosheiten ausgesetzt sind? Selbst der wohlwollendstem freidenkendsten Vorsteherin ist es nicht immer möglich, die israelitischen Zöglinge vor Kränkungen von Seiten ihrer christlichen Gefährtinnen zu schützen. Haben mir doch solche ganz unumwunden erklärt, daß sie keine israelitische Zöglinge aufnehmen, nicht weil sie selbst Vorurtheile hegen, sondern nur im Interesse der jungen Mädchen, die, wie die Erfahrung sie gelehrt habe, ihres Glaubens wegen immer wiederkehrenden Unannehmlichkeiten ausgesetzt sind. Nun wird den jüdischen Anstalten der Vorwurf gemacht auf der einen Seite, daß die Kinder zu anspruchsvoll erzogen würden, und anderseits, daß nicht genug auf feine Manieren geachtet werde. Sehr häufig habe ich junge Mädchen beobachtet, die in christlichen Häusern erzogen waren, und auch solche, die „the finishing oucli“, wie der Engländer sagt, in gut geleiteten jüdischen Häusern erhalten hatten, und ich muß gestehen, daß sich die Wagschale entschieden zu Gunsten der jüdischen Institute neigte. Was nun die feinern Manieren anbetrifft, so will mir auch dieser Vorwurf gänzlich ungerechtfertigt erscheinen. Es sind mir eine ganze Anzahl jüdischer Pensionsvorsteherinnen bekannt, die nach jeder Richtung in ihrem Denken und Handeln wirkliche Damen sind, warum sollten sie also weniger befähigt sein als Damen andrer Konfessionen, ihre Zöglinge zu beeinflussen. Ich muß gestehen," fährt die Dame fort „daß ich ich mich schon öfters gefragt habe, ob es nicht in den Augen der sich für die Sache interessirenden Welt ein recht sonderbares Licht auf die israelitische Erziehung werfen muß, wenn Eltern, die ihre Kinder gern in guten Häusern untergebracht sehen möchten, sich veranlaßt fühlen die Töchter christlichen Instituten anzuvertrauen mit Uebergehung gleichwerthiger israelitischer Anstalten; gleichviel ob dieselben rituell oder nicht geführt werden. Gebe der Allgütige, daß wir recht bald dahin gelangen, daß der Werth oder Unwerth des Menschen nur nach dem bemessen wird, was er thut, wie er handelt, nicht nach seinem Glaubensbekenntniß. Möchte doch Jeder, weß Glaubens er sei, stets daran denken, daß er die ernste Verpflichtung hat, durch sein Leben zu helfen, daß dereinst die Zeit „des Messias", das heißt, das Gottesreich auf Erden zur Wirklichkeit werde." Soweit die Dame. J. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.