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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-06-28 · Heft 26 (28.6.1895) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 26 (28.6.1895)
Date
1895-06-28
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 Aufteilung der Lehrer, Pensionsberechtigung und Versorgung der Hinterbliebenen, möglichst Befreiung von Nebenämtern, besonders vom Schächterunte, eine mehr auf das praktische Leben gerichtete Vorbildung im Seminar, ,'ine größere Agitation, besonders in Norddeutschland, für die Achawa oie Unterstützungskasse für jüdische Lehrer) und besonders die Schaffung 4ner Presse, event die Anlehnung an eines der vorhandenen jüdischen Zlätter, das sich verpflichten würde, die Interessen des jüdischen Lehrerrandes in entschiedener Weise zu vertreten. Die Versammlung stimmte n fast allen Punkten den Ausführungen des Redners bei und nahm so- >ann folgende Resolution an: Der Verein israel. Lehrer Mitteldeutschlands ält wiederholt die Gründung eines allgemeinen deutsch-israel. Lehrerundes im Interesse einer gedeihlichen Entwicklung des jüdischen Lehrerrandes in ideeller und materieller Beziehung für eine unumgängliche 'tothwendigkeit und erkennt dankbar die Initiative des D. I G.-B. in üeser Angelegenheit an. Er erwartet, daß alle jüdischen Lehrervereine, wn dem Grundsätze „Schließ an ein Ganzes dich an" geleitet, der gegebenen Anregung Folge leisten werden. Schließlich wählte die Verammlung Herrn Steinhardt-Magdeburg zum Vertreter für den demnächst zu berufenden Delegirtentage. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 23. Juni. Das Koalitions-Ministerium, dis so wenig eingehalten, was man sich davon versprochen hatte, ist vom Schauplatz verschwunden, und an dessen Stelle ist ein provisorisches Ministerium mit dem bisherigen Statthalter Grafen Erich Kielmannsegg an der Spitze, getreten. Als äußerst gelungen muß die Aeußerung Luegers über den Grafen Kielmannsegg bezeichnet werden; Dr. Lueger meint: „Wenn der Herr Graf sich bei den bevorstehenden Gemeinderathswahlen ebenso loyal benehmen wird, wie er sich in der letzten Zeit benommen hat, dann werden wir keine Opposition machen, fällt er aber in den alten Fehler zurück, den liberalen Herrn zu spielen, dann giebt's einen Kampf, einen gewaltigen Kampf, wie ihn eben nur die Opposition vermag" u. s. w., in echt Luegerischer Manier — es scheint jedoch, daß der bisherige Statthalter den „gewaltigen Kampf" nicht allzusehr fürchtet, da er den Antisemiten stets wirksam entgegengetreten. — Georg Schönerer veröffentlich in den „Unverfälschten deutschen Worten" seinen Austritt aus dem „Deutschen Volksverein" und erklärt, „auf die Führung jener Partei zu verzichten, welche bereits in ihrer Mehrheit daran gegangen ist, sich zu Grunde zu richten und dadurch die gerechte Sache unseres Volkes empfindlich zu schädigen. Ich kann mich also auch nicht freundlich zu jenen Parteigruppen stellen, die derzeit unter der Leitung Dr. Lueger's stehen, da diese Antiliberalen im „Volksblatt"- Vergani eine „Verkörperung moderner Korruption" als ihre journalistische Vertretung besitzen. Die bisher unter meiner Führung gewesene Partei stand achtunggebietend vor aller Welt da, und ist diese Partei nur durch Untreue, Abfall, Wortbruch und Verrath im eigenen Lager dem Untergänge geweiht worden. Meine wenigen Getreuen sind gewiß, so will ich hoffen, mit mir einverstanden, wenn ich zum Abschiede sage: „Besser ist's, um unsere nationalen Ideale ringend, zu erliegen, als in dumpfer Ergebung unter das Gemeine dahin zu wandeln!" Georg Schönerer." — Im Saale des „Hotel Müller" fand die diesjährige (fünfte) ordentliche Generalversammlung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus statt. Eine große Zahl brieflicher Zustimmungskundgebungen aus dem In- und Auslande gelangte zum Beginn zur Verlesung. Besondern Beifall erregte eine Zuschrift des Baron Leitenberger, in der es heißt: „Ich beklage es, der Versammlung nicht beiwohnen zu können, und dies umsomehr, als es mir ein Herzensbedürsniß gewesen wäre, im Kreise theurer und wackerer Gesinnungsgenossen in tiefer Trauer über die Entsetzen und Ekel erregende Ausbreitung des verruchten Antisemitismus, über die Waffenausrüstung für den harten Kampf zu berathen. Mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln müssen wir dahin wirken, daß unser geliebtes Heimathland in jene Bahnen zurückgeführt wird, die eines modernen, aufstrebenden Staates würdig sind." Konsistorialrath Schoepf schrieb, daß er mit ganzer Seele jedem Schritte zustimme, der den verfolgten Mitmenschen Erleichterung bringen könne. „Gottes Segen Ihrem humanen, echt christlichen Wirken." Der Vorsitzende, Baron Suttner, hob in seinem Thätigkeitsbericht hervor, daß alle seitens des Präsidiums im Vorjahre eingeleiteten Schritte, von oben eine Unterstützung der vom Verein hoch gehaltenen Bestrebungen zu erwirken, erfolglos gewesen seien, die Petitionen, Vorstellungen bei den maßgebenden Faktoren, bei der Negierung, sie blieben erfolglos, und die Vereinsleitung sei auf dem Standpunkt angelangt, daß die Hoffnung, daß von oben gegen die Ausschreitungen des Antisemitismus vorgegangen werde, eitel sei. — Dem Worte Antisemitismus gehe man auf der Regierungsbank mit größter Vorsicht aus dem Wege, und wenn einmal schon ein roher Exzeß verurtheilt wird, dann werden die gespannt auf die ministeriellen Erklärungen harrenden Staatsbürger aus den Worten des Ministers nicht klug und wissen nicht, sind mit dem Tadel die bösen Sozialisten oder die Antisemiten gemeint. Der Verein sei unter solchen Umständen ganz auf sicb angewiesen, und so arbeite er emsig und still fort, hauptsächlich darauf bedacht, die Massen für sich zu gewinnen. Die Mitgliederanzahl stieg auf 4520; wenn jedes derselben die Intentionen der Vereinsleitung nach besten Kräften unterstütze, dann werden die Früchte der Thätigkeit nicht ausbleiben. — Die Versammlung nahm den Bericht mit lebhafter Zustimmung auf. Mehrere Redner bezeichneten es als wünschenswerth, daß die Mitglieder sich au der Propaganda lebhafter als bisher betheiligen, denn die Situation sei bereits eine ernste, die Antisemiten in Wien gehen, wie Vorfälle der letzten Zeit darthun, zur That über, und wenn dein Verein auch in seinem Wirken, namentlich gegenüber Vorgängen des rohesten Brutalismus, die ein Einschreiten der Regierungsgewalt herausfordern, enge Grenzen gezogen sind, so sei doch zu hoffen, daß eine richtige Aufklärung, daß eine rege Betheiligung aller Mitglieder an der Agitation Abhilfe schaffe. — Lebhaften Anklang fand die Anregung des Präsidiums, eine Abtheilung für Rechtsschutz zu gründen, die in Fällen brutaler antisemitischer Ausschreitungen und Bedrohungen zu interveniren hätte. — In einer Versammlung des politischen Vereins „Donauklub" berichtete der gewesene Gemeinderath Dr. Stern über ein Stück, das in Innsbruck zur Verherrlichung der Pfingstwoche ausgeführt wurde und den Ritualmord behandelt. Die Versammlung vernahm mit Entrüstung diese Mittheilung; Herr Djörup gab, als Vorstandsmitglied des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus", die Erklärung ab, daß er diesen Fall dem Verein zur Kenntniß bringen werde, auf daß sich die juridische Sektion damit befasse. — Der antisemitische Gastwirth Danziger wollte den kaiserlichen Rath K. durch Uebersendung eines Geldbetrages bestechen, damit er wieder den Gasthof auf dem Staatsbahnhofe in Peust erhielte. Danziger wurde zu 200 fl. Geldstrafe verurtheilt. — Der Nabbinats- Asseffor der israelitischen Kultusgemeinde zu Wien, Herr Marcus Pollak, ist plötzlich im 6"i. Lebensjahre verstorben. — Der Verstorbene hatte viele Jahre als Rabbiner in Mährisch-Weißkirchen und Holleschau fungirt und erfreute sich allgemeiner Beliebtheit. Er wurde vor fünf Jahren als Rabbinats-Assessor nach Wien berufen. — Dem jüdischen Großgrundbesitzer David Bischitz in Pest wurde vom Kaiser der erbliche Adelsstand mit dem Prädikate „v. Heves" verliehen. — Aus Neichenberg meldet man das Hinscheiden des frühern Ortsrabbiners Salomon Pol lenk. Der Verstorbene erreichte das Alter von 84 Jahren. Bl. Budapest, 22. Juni. Mit rührigem Wetteifer werden allenthalben Bildungs- und Wohlthätigkeitsanstalten zur Hebung und Verbesserung der Zustände Hilfsbedürftiger ins Leben gerufen. Wir Juden Ungarns nehmen an diesen humanen Bestrebungen den regsten Antheil: das beweisen die in Budapest, Arad, Szegedin und andern größern jüdischen Gemeinden bestehenden Institute, Kranken-, Waisenhäuser, Volksküchen, Taubstummeninstitute, u. s. w. Muß es nicht um so mehr befremden, daß die Juden Ungarns bisher noch nicht die genügende Theilnahme auch ihren unglücklichen Glaubensgenossen in dem nordöstlichen Theile des Landes bewiesen haben? In dieser von Juden stark bewohnten Gegend besuchen tausende jüdischer, schulpflichtiger Kinder gar keine öffentliche Schulen, Hungersnoth und Seuchen, die gräulichsten Dinge hienieden, fordern das Mitleid der Mitmenschen heraus, — und dennoch ist für diese Bedauernswerthen, die in den verschiedenen Ortschaften ein schauerliches, jeder Beschreibung spottendes Dasein fristen, nichts geschehen. Der Grund hierfür wird wohl hauptsächlich darin zu finden sein, daß es bisher an einer nach außen kräftigern Anregung hierzu gefehlt hat. Der Jndifferentismus erstickte eine Bewegung im Keime, welche dahin abzielte, durch die Gründung eines jüdischen Schulvereines dem Schulmangel zu steuern. Mit aufrichtiger Freude müssen wir nun jene Meldung der Presse zur Kenntniß nehmen, daß ein Philanthrop, dessen „Anfang und

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