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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-06-28 · Heft 26 (28.6.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 26 (28.6.1895)
Date
1895-06-28
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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mdau gebeiten die 'i9. Jahrgang. Nr. 26. Lerlitt, 28. Inni 1895. (S. B. M idniß aus^ Versbau ssen. ltnden der A. IV htigen zu Beite 27U t von der m Schulht wurde genießen. rliZroel^. jemaliger chme folv Rubrik s Hand- Pankow ls nicht, öglingen r-Verein auch die lich nicht chtigung. Münzhof, )zu uns erstand.!st Herr- Herrn irtrages abbiner- 8. ir dort- »abeten" ß nämliänner) cht das rlsdann habeten gerade rring. Der Gemrlndebole. VWerkage zur „Akkgemeinen Zeitung öes Iuöenthurus". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. R. Berlin, 21. Juni. In der zahlreich besuchten Sitzung der Wissenschaftlicher Vereinigung jüdischer Schn lmänner zu Berlin hielt Herr Landesrabbiner Dr. Feilchenfeld aus Schwerin i. M. einen höchst interessanten Vortrag über: Die Methodedes religiösen Unterrichts, besonders oes biblischen Geschichtsunterrichts. Von eigentlichen methodischen Vorschriften hält der Herr Vortragende nicht viel. Da die Schüler seiner Anstalt wöchentlich nur 2—3 Religionsstunden haben, so theile er jede Stunde in 2 Hälften. Eine halbe Stunde werden Gebete genommen, üne halbe Stunde biblische Geschichte. (Hieraus ist schon zu ersehen, daß oer Herr Landesrabbiner ein entschiedener Anhänger des hebräischen Gebetes ist. Das erste Jahr diene zur Erlangung einer verhältnißmäßigen Lesefertigkeit, am Schlüsse des Jahres seien bereits kleinere, wichtige Gebetstücke zu übersetzen. Die Anwendung nur deutscher Gebete zur Erbauung hält der Vortragende nicht für berechtigt, da alle derartigen Gebete, weil sie sich nur auf die allergewöhnlichsten Lebensbedingungen erstrecken, zu sehr ins Triviale fallen. Die hebräischen Gebete dagegen erwecken den Sinn wahrer Frömmigkeit, denn sie erhalten weniger Bitten als Lobpreisungen Gottes. Während aber in den meisten Wissenschaften das Wissen an und für sich genügt, ist bei den religiösen Gebeten die häusliche Anwendung derselben die Hauptsache. In den späteren Jahren ist vor Allem auf das kulturelle Bedürfniß Rücksicht zu nehmen. Auch das Nothwendigste der hebräischen Grammatik möge im Anschluß an das Uebersetzen getrieben und erst in den letzten Jahren systematisch zusammengestellt werden. In Bezug auf den biblischen Geschichtsunterricht ist streng darauf zu halten, daß selbst die jüngeren Kinder sich nicht am Unterricht christlicher Schüler auch des alten Testaments betheiligen, da die Behandlung dieser Stoffe von Seiten der christlichen Lehrer eine spezifisch christliche ist und gerade bei jüngeren Kindern die einmal erhaltenen Eindrücke dauernd haften. Was den Lehrgang im biblischen Geschichtsunterricht betrifft, ist es durchaus nicht nöthig, die gewöhnliche chronologische Reihenfolge zu beachten. Man bringe zunächst demKindesgemüth leicht faßliche, möglichst anschauliche Erzählungen, beginne also z. B. nicht mit der Schöpfung. Auch im ersten Jahre erzähle man bereits von Gideon, einiges von David, von Ruth und Esther. Man soll sich nicht streng an die Sprache der Bibel halten, denn diese sei nicht für Kinder geschrieben. Wenn man auf recht kindliche Weise erzählt, spart man auch manche unnütze Erklärung. Das Bibellesen ist zu verurtheilen, weil nicht nur den Kindern, sondern auch vielen Erwachsenen das rechte Verständniß für die Bibel fehlt. So Viele glauben die Bibel zu verstehen, weil sie nicht gewohnt sind, sie zu verstehen. Alsdann klagte der Herr Redner über häufig falsche Ausdeutung der biblischen Erzählungen. Es würde uns zu weit führen, auf die vom Herrn Rabbiner angeführten einzelnen Beispiele einzugehen. Als Hauptmoment seiner Ausführungen ergab sich, daß der Lehrer möglichst die guten Seiten der biblischen Charaktere zu schildern habe, das Schlechte heben schon unsrer Gegner sattsam genug hervor. Wo schlechte Eigenschaften des Volkes Israel erwähnt werden, soll man zu milder Beurtheilung derselben anregen und über die Darstellung der schlechten Bolkszüge nicht der vielen das Volk Israel lobenden Aussprüche der Bibel zu erwähnen vergessen. Ferner ist noch auf die Einprägung passender Bibelsprüche und Thatsachen großes Gewicht zu legen, während die Zahlen nur eine geringe Rolle spielen. Nachdem der Herr Vortragende dann noch in ähnlicher Weise sich über den Unterricht in der jüdischen Geschichte geäußert, schloß er seinen höchst belehrenden Vortrag, der von den Mitgliedern der Vereinigung und den zahlreichen Gästen mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde. 2XD Berlin, 24. Juni. Wie aus Leipzig gemeldet wird, hat das Reichsgericht auf Revision des Staatsanwalts das vom Berliner Landgericht I. am 13. März d. I. gefällte Urtheil aufgehoben, soweit durch dasselbe der Redakteur des „Bundschuh" von Mosch von der Anklage der Beschimpfung der jüdischen Religionsgemeinschaft freigesprochen wurde. In jenem Prozeß gelaugte der Gerichtshof, obwohl er die „Gotteslästerung" konstatirte, zu einem freisprechenden Erkenntniß, „weil der Angeklagte die Juden als Rasse, nicht als Religionsgesellschaft beschimpft habe." Wir haben schon damals die Hoffnung ausgesprochen, daß das Reichsgericht dies Urtheil aufheben werde. L2 Berlin, 23. Juni. Der Vorstand der Beerdigungs-Anstalt der hiesigen jüdischen Gemeinde hat am 16. d. die Jubiläen dreier seiner Mitglieder, der Herren Wilhelm Weißstein, Moritz Goldstein, Leopold Aron gefeiert. Am 16. Juni 1870 faub eine Neubildung des Vorstandes statt, und sind von den damals Gewählten die genannten Herren noch heute in: Amte. Zur Feier des Tages hatte der Vorstand die Mitglieder zu einer Festsitzung eingeladen; nachdem diese versannnelt waren, wurden die Jubilare von den Aeltesten im Amte in beu festlich mit Topfgewächsen dekorirten Saal zu den mit Blumen geschmückten Plätzen geführt. In Vertretung des Vorsitzenden hielt das älteste Mitglied Herr I. Blumenthal an die Jubilare eine Ansprache, in der er denselben für die bisher der Anstalt geleisteten Dienste in herzlichen Worten dankte und in Rückblick auf die Beerdigungen in der früheren Zeit hervorhob, daß sie mitgewirkt Habens die Anstalt auf die Höhe zu bringen, die dem Geiste der Zeit Rechnung trägt und deren Einrichtung vielen Schwestergemeinden als Muster dient. Als dauerndes Zeichen der Anerkennung sind den Jubilaren vom Vorstande Adressen überreicht worden, welche von den einzelnen Mitgliedern ihnen vorgelesen wurden. Sodann dankte Herr I. E. Jsaae, als Mitglied des Gemeinde-Vorstandes und zugleich auch der Beerdigungs-Anstalt, den Jubilaren für die bisher geleisteten Dienste und sprach den Wunsch aus, es möge den Jubilaren noch lange vergönnt sein, in der bisherigen Weise zu wirken. Mit dem Danke der Jubilare für die ihnen vom Vorstande erwiesene Aufmerksamkeit endete die erhebende Feier. Sodann fand im Saale ein solennes Frühstück statt, das, von ernsten und launigen Tischreden gewürzt, die Mitglieder noch einige Stunden versannnelt hielt. H. Grandenz, 26. Juni. Die hiesige jüdische Gemeinde hat einen überaus schweren Verlust erlitten, für den so leicht kein Ersatz gefunden werden dürfte: ihr Kantor Pr iw in ist ihr plötzlich durch den Tod genommen. Dieses Ereigniß berührt hier um so schmerzlicher, da genannter Herr sich in Greifenberg (Pommern) zur Hochzeit seines ältesten Sohnes befand, und ihn beim Beginn des Hochzeitsmahles ein Gehirnschlag traf, dem er am 12. d. M. erlegen ist. Wohl selten dürfte es einem Beamten gelingen, so allseitig geachtet zu werden, wie es dem Heimgegangenen beschieden war, denn er verstand es, wie nur Wenige, durch Lauterkeit des Wandels, Treue und Gewissenhaftigkeit im Berufsleben sich die Herzen aller Gemeindemitglieder zu erobern und zu erhalten. Man muß den Entschlafenen als Kantor gehört haben, um es zu verstehen, wie sehr er die Gemüther erhoben und zur Andacht gestimmt! In Rußland geboren, war Pr. einer der bedeutendsten Vertreter der „Wilnaer Kantorenschule", der ferner bei Jaffe in Kalisch, in Grodno und Minsk bei den dort berühmten Vorbetern jahrelang praktische Ausbildung erhielt. Nachdem er längere Zeit in Rogasen, Pleschen, Schwerin a. W. gewirkt, folgte er vor 12 Jahren dem einstimmigen Rufe der hiesigen Gemeinde, die ihm ein dauerndes Andenken bewahren wird. Pr. besaß eine umfassende, vielseitige Bildung, und im Umgang mit ihm merkte man nichts vom Autodiktaten, denn neben tiefer Kenntniß in allen Zweigen der Musik war er in der Philosophie, in den Klassikern sehr bewandert. Um ihn trauern neun Kinder, denen er ein liebevoller, aufopfernder Vater gewesen, ein Kreis von Schülern, die sich in ehrenvollen Stellungen befinden, und viele Freunde. Die Beerdigung fand am Freitag, den 14. d. M. von der Synagoge von Greifenberg aus statt. Zur Trauerfeier hatten sich in dem Gotteshause alle Gemeindemitglieder eingefunden. Herr Lehrer Tannenberg und Herr Dr. Goldschmidt aus Kolberg, letzterer in Vertretung des Herrn Dr. Rosenstein - Graudenz, widmeten dem Entschlafenen ehrende Worte der Anerkennung und spendeten dem Hinterbliebenen Trost, dessen sie so nöthig bedürfen.

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