Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1895)
- Date
- 1895-06-28
- Page
- Seite 312 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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312 einzig da auf dem weiten Erdenrund! Vlelleicht wäre hier der Punkt, wo man in Wien einsetzen sollte, um die Böswilligen und Abtrünnigen zu bekehren. Denn dieser Pökelrinderbrust und diesem Fladen, dieser Gansleber und diesen Mohnbeigeln kann selbst der hartgesottenste Frevler nicht widerstehen. Und nun erst dieser Schalet, oder, wie die Wiener sagen: Scholet! Hier hört die einfache Prosa auf und man muß sich zu poetischem Erguß erheben, um diese koschere Ambrosia würdig zu feiern. Das Restaurant, in welchem ich mich, Karlsbad zum Hohn, diesen kulinarischen Excessen ergab, war bis auf den letzten Platz gefüllt von einer stimmungsfrohen Gemeinde. Auch hier merkte man weder etwas von der Noth der Zeit, noch von beui Haß der Menschen. Alle waren harmlos und vergnügt, und als der Scholet hermngereicht wurde, zeigte sich seliger Friede auf jedem Gesichte. Mit einem Geflihl sicheren Stolzes konnten wir, jenem römischen Kaiser gleich, in diesem erhebenden Augenblick allen unsern Gegnern trinmphirend das große Wort zurufen: „Non scholet!“ G. K. Fitterarische MrttheUungen. Gebete unb Gesänge für den Jugendgottesdienst, bearbeitet und herausgegeben von Hermann Zivi. Der begabte Kantor der Düsseldorfer Gemeinde, dessen auch in diesem Blatte gelegentlich seiner am dortigen Stadttheater zum Vortrag gelangten Ouvertüre bereits rühmlich gedacht worden, hat sich mit der Herausgabe dieses Merkchens ein unbestreitbares Verdienst erworben. Die moderne Institution eines für Kinder bestimmten besonderen Gottesdienstes hat das Bedürfniß eigens zu diesem Zwecke dienender liturgischer Schriften hervorgerufen. Soviel mir bekannt, existirte bisher nur die Ordnung für den Jugendgottesdienst (Brandeis, Prag), welche die erforderlichen Gebete sowie ein kleines Lied enthält. In jeder Hinsicht reichhaltiger, kann die Zim'sche Arbeit nur aufs Wärmste allen Gemeinden, welche Jugendgottesdienst eingeführt haben, empfohlen werden. Außer den in denkbar größter Vollständigkeit zusammengestellten Gebeten finden sich in dem 39 Druckseiten umfassenden Hefte särumtliche hebräischen Gesänge des Mincharituals, sowie drei deutsche Lieder in Noten gesetzt. Die Ausstattung ist eine splendide. L. Leopold Landau: Biblische Melodien. Berlin 1894. Verlag des „Jeschurun". Der schon durch zahlreiche andere Dichtungen rübmlichst bekannte Verfasser hat unter obigem Titel metrische Uebersetzungen oder richtiger Bearbeitungen des „Hohen Liedes", des „Predigers Salomo" (Kohelet) und des „Liedes Moses" (5. B. M. K. 52) herausgegeben, die sich durch schöne, schwungvolle Diktion und fast durchweg glatt fließende Verse auszeichnen. 'Auf die in einem kurzen Vorwort zum „Hohen Liede" dargelegte Ansicht des Verfassers über den Grundgedanken und Aufbau des „Schirhaschirim" wollen wir hier nicht näher eingehen, da uns das zu weit führen würde. Herr Landau hätte unseres Erachtens weit besser daran gethan, vermöge seiner unleugbaren poetischen Begabung, den Zauber dieser „herrlichsten Dichtung" in ansprechender Form auf den Leser einwirken zu lassen, anstatt durch „Ausspinnung der Gedanken und Verse" durch „geistige Kommentare" und „Varianten" den Eindruck und Genuß des Ganzen zu beeinträchtigen. Kohelet metrisch zu übertragen, ist insofern ein eigenartiges Unterfangen, als der Urtext ja in Prosa gehalten ist, und im Allgemeinen nur Dichtungen in gebundener Rede wiedergegeben werden. Aber die Art und Weise, wie der Verfasser leine Aufgabe gelöst hat, indem er nicht eine bloße, gereimte Uebersehung, sondern eine wahrhaft poetische Bearbeitung und Paraphrasirung dieses geoankentiefen Buches liefert, ist unseres Dafürhaltens durchaus berechtigt und verdient volle Anerkenmmg. Verse werden nun einmal — das ist eine feststehende und wohl zu beachtende Thatsache — lieber gelesen und sind eindrucksvoller. zumal auf die jüngere Welt, als nüchterne Prosa. Herrn Landau gebührt daher unser Dank, daß er durch seine trefflichen Arbeiten die Kenntniß der biblischen Litteratur zu fördern bestrebt ist. Auch die Uebertragung des „Schwanengesanges Moses" (5. B. M K. 52) zeichnet sich durch Schönheit der Form und tiefes Verständniß ails. Einzelne Härten und Unebenheiten im Ausdruck und Versbau werden sich bei einer Neuausgabe wohl unschwer beseitigen lassen. Wir können dieses hübsch ausgestattete Büchlein allen Freunden der Poesie und biblischen Litteratur wärmstens empfehlen. A. I\ Sprechfaul. Geehrte Redaktion! «n N ir ersuchen Sie höflichst, in Ihrer nächste ummer berichtigen wollen, daß unsere Religionsschule nicht, — wie auf Seite 279 der Nr. 24 Ihrer geschätzten Zeitung berichtet wird, — zu den von der jüdischen Gemeinde unterstützten Religionsschulen gehört. Nebenbei bemerken wir, daß unsere Schule im vergangenen Schuljahre (1894,95) nicht von 344, sondern von 444 Kindern besucht wurde und daß gegenwärtig ca. 390 Kinder den Unterricht an derselben genießen. Der Vorstand der israel. Synag.-Gemeinde „Adass Jisroer. Berlin, 20. Juni. H. London. * Sehr geehrte Redaktion! Aufträge des Vorstandes des Handwerker-Vereins ehemaliger 35 Pankower Kameraden", ersuche ich Sie höflichst um Aufnahme folgender Berichtigung: In Nr. 23 Ihres geschätzten Blattes ist eine Notiz unter der Rubrik „Pankow bei Berlin" enthalten, in welcher die Gründung eines Handwerker-Vereins ehemaliger Zöglinge des Erziehungshauses zu Pankow besprochen wird. Thatsächlich existirt ein Verein dieses Namens nicht. Der einzige, bestehende Verein, welcher sich aus ehemaligen Zöglingen des Erziehungshauses zusammensetzt, nennt sich: „Handwerker-Verein ehemaliger Pankower Kameraden." Ebenso wie der Name, ist auch die Mitgliederzahl unrichtig angegeben. Der Verein zählt augenblicklich nicht 20, sondern nur 13 Mitglieder. Dieses zur thatsächlichen Berichtigung. Zugleich zeigen wir an, daß jeden Dienstag Abend im Münzhof, Münzstr. 20, die Zusammenkünfte des Vereins stattfinden, wozu uns Freunde und Gönner stets willkommen sind. Berlin, 19. Juni. Der Vorstand. * dem Referat über den „Rheinischen Rabbiner-Verband" ist Herr 35 Dr. Cohn-Bonn fälschlich als Einberufer, statt des Herrn Dr. Jaulus-Aacheu genannt. Das Thema des Jaulusschen Vortrages lautete wörtlich: „Wie kann das Ansehen und der Einfluß des Rabbinerstandes immer mehr erhöht werden?" 8. * Sehr geehrter Herr Doktor! qkn der Nummer (23 vom 7. Juni) ist der Sinn der von mir dort- 35 selbst unter „Miscellen" gebrachten Notiz „Jüdische Analphabeten" durch einen Druckfehler bei den Zahlen entstellt worden. Es muß nämlich in der letzten Zeile heißen: „. . . indem sie pro Tausend nur 5,1 Männer (nicht 15, Männer) resp. 6,6 Frauen aufweisen." Würde die Zahl 15 sein, so würde auch das Judenthum nicht das kleinste Kontingent zu den Analphabeten stellen, und es würde alsdann auch der Unterschied zwischen den Geschlechtern bezügl. der Analphabeten ein bedeutender sein, beides Umstände, von denen in der Notiz gerade das Gegentheil behauptet und bewiesen wird. Berlin, 7. Juni. Hochachtungsvoll Jos. Feuerring. Druck und Verlag von Rudolf Messe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.