Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1895)
- Date
- 1895-06-28
- Page
- Seite 306 (sequence 8)
- Language
- German
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306 sammengefaßt sich ergänzen und einheitlich mit einander verschmelzen, das Eins das Andere reicht, klärt und bewährt. 4. Mit Bezug auf die Zweige des Neligionsnnterrichts soll sie a) zweckmäßige Ausnutzung der dem Gegenstand spärlich zugemessenen Zeit vermitteln, b) eine Vereinfachung ermöglichen, behufs Ersparung an Zeit und Kraft, c) in den verschiedenen Zweigen Einheitlichkeit erzielen, 6) hierdurch den Unterricht beleben, das Interesse heben. 5. Die Beziehungen der verwandten Gegendstände geben ein vorzügliches Mittel, das Gedächtniß zu einer festen Schatzkammer auszubauen, die Theilnahme des Herzens und Willens zu befruchten. 6 Sie stellt an den Lehrer die schwierige Aufgabe der richtigen Anordnung und scharfen Abgrenzung, wenn nicht Oberflächlichkeit und unstätes Umhertappen Meister der Schule werden soll, d. h. bei unserem Gegenstände mit dem Religionsunterricht auch die Seele aus der Schule getragen werden soll. Die Versammlung erklärte sich nach reger Debatte, an welcher sich die Herren Graf-Essen, Ostwald-Witten, Kausmann-Ahlen, Löb-Köln, Lcvi-Reuß u. A. betheiligten, mit diesen Sätzen einverstanden und fügte ihnen die These hinzu: „Die Oberstufe kann eines Religionsbnches nicht entbehren, welches die im gesummten Religionsunterrichte behandelten Lehren systematisch geordnet enthält." Es folgten nun die freien Besprechungen. Der Vorsitzende machte die Mittheilung, daß Herr Blumenau-Hameln am 8. d M den siebzigsten Geburtstag feiere, und die Versammlung beauftragte die Herren Steinweg-Rheda und Goldstein-Grevenbroich, dem verdienstvollen Ehrenpräses die herzlichsten Glückwünsche des dankbaren Vereins persönlich zu übermitteln. Wie auf früheren Konferenzen, so entspann sich auch diesmal eine lebhafte Debatte über die rechtliche oder, wie Herr Steinweg-Rheda bemerkte, richtiger gesagt rechtlose Stellung der an nicht öffentlichen Schulen wirkenden jüdischen Lehrer. Von den verschiedenen Ausführungen mögen die der Herren Liepmannsohn-Minden und Seminardirektor Dr. Gutmann-Münster hier mitgetheilt werden. Elfterer wies darauf hin, daß indirekt eine Besserstellung der Lehrer dadurch bewirkt werden könne, daß die Seminare nicht mehr eine so große Zahl von Lehrern ausbildeten wie bisher; dann werde die unverhältnißmäßig große Konkurrenz bei Stellenbewerbungen, wie sie jetzt an der Regel sei, bald nicht mehr Vorkommen. Darauf erwiederte Herr Dr. Gutmann, daß nicht die Seminare Schuld an der Ueberproduktion trügen, daß sie vielmehr bei den Lehrern zu finden sei. Diese bestärkten doch die Knaben in ihrem Vorhaben, Lehrer zu werden, und bereiteten sie für das Seminar vor. Die jungen Leute, welche sich der Prüfung unterzögen und dieselbe beständen, müßten ausgenommen werden. Er sprach die Mahnung aus, nur bestbegabte Knaben, welche auch pädagogische Anlage zeigten, für die Aufnahmeprüfung vorzubereiten. Es wurde schließlich der Antrag Laub heim angenommen, der dahin ging, eine Kommission zu ernennen, welche, mit statistischem Material ausgerüstet, ein an die Gemeinden zu versendendes Memorandum abfassen soll. In diese Kommission wurden die Herren Laubheim-Bochum, Baum-Rheine und Kaufmann-Ahlen gewählt. Nachdem die Tagesordnung erschöpft war, stattete der Vorsitzende im Namen der Versammlung der Gemeinde Hörde den wärmsten Dank ab für die überaus gastliche Aufnahme, welche die Konferenz in ihrer Mitte gefunden, ebenso herzlich dankte er dem D. I. G.-B. für die Gewährung eines Reisezuschusses von 180 M, den resp. Herausgebern des Jeschuruu und der israelitischen Jugendschrift für die Uebersendung einer Anzahl von Exemplaren ihrer Zeitschriften und der Buchhändlerfi.ma W. Jacobson u. Co. in Breslau für eingesandte Bücher. Darauf ergrrsf Herr Seelig-Grevenbroich das Wort und sprach dem Vorsitzendelt. welchen! seine Aufgabe diesmal schwerer als sonst gemacht worden kc;k, die Anerkennung der Versammlung für die gerechte und geschickte Leir.'ug der Verhandlungen aus, worauf Herr Steinweg die Sitzung um 121.2 Uhr schloß. Manches „So Gott will, übers Jahr wieder!" wurle laut, und wir rufen am Schüsse unseres Berichtes:!'luf frohes Wiedersehen in Elberfeld! Die Schriftführer: L. Meyer-Lünen. Emanuel-Burgsteinfurt Inr Frage der Ausbildung der Uabbinen in England. f London, iin Juni. k höhere Ausbildung oer jüdischen „Ministers“ in Eugloud läßt bekanntlich sehr viel zu wünschen übrig. Zwar wimmeln die Gemeinde» von Revereuds, aber hier zu Lande legt sich jeder Schächter und Vorbeter diesen Titel bei, ohne das; ihm von Amtswcgen gewehrt würde. Unsere britische» Glaubensgenossen, deren Hand in Sachen der Wohlthätigkeit stets geöffnet ist, haben für Unterricht im Allgemeinen und den ihrer Geistlichen insbesondere nur geringes Interesse. Hält ja auch die Anglo Jewisli Associalio» die Unterstützung der Wissenschaften von ihrem Programm ausgeschlossen. Der amerikanische „Jewisli Spcctator“ machte in Bezug ans diese Zustände jüngst die boshafte Benierkung, das; England schließlich noch genöthigt sein würde, Rabbinen von jenseits des Ozeans einznsühren. Bis jetzt sah es aber auch ganz darnach aus. Das Jews College in London kann trotz der Bemühungen seines ebenso gelehrten als gewiffenhaften Direktors Dr. Friedlünder und eines tüchtigen Lehrkörpers ans Mangel an Geldmitteln wenig leisten, da die meisten Schüler, sobald sie das zwanzigste Lebensjahr erreicht haben, die Anstalt verlassen und sich nach einem Posten umsehen müssen. Man hält sie eben für reif, als Prediger oder Seelsorger zu wirken in einem Alter, in dem die jungen Leute bei uns zu studiren anfangen. In dem im Auslande weniger bekannten Aria-College in Portsea liegen die Verhältnisse vielleicht noch weniger günstig. Anregungen, diese beiden Anstalten mit dein von Sir Moses Montesiore begründeten „iVlonteliore-College" in Rainsgate zu vereinigen, haben in den letzten Wochen zu einem Streite geführt, der in den Spalteil des „Jewisli Chronicle“ mit ziemlicher Heftigkeit von beiden Seiten ansgefochten wurde. Die Freunde der Eentralisation — für welche allerdings kein stichhaltiger Grund angegeben worden ist — wünschen die vereinigte Anstalt nach einer der Universitätsstädte Oxford oder Cambridge zu verlegen. Es wurde ihnen aber mit Recht vorgehalten, das; die Studenten in diesem Falle mit jüdischem Geineindeleben viel zu wenig in Berührung kommen würden. Das Montetiore-College hat nunmehr der Frage eine praktische Entscheidung gegeben, die ebenso überraschend, als in ihrer Art einzig ist. Denn ivie der „Jewisli Chronicle“ berichtet, sind zwei seiner Hörer auf Grund ihrer Studien der semitischen Philologie an der genannten Anstalt von der Universität Heidelberg in regelrechter Weise zu Doktoren der Philosophie promovirt worden. Die eingereichten Dissertationen behandeln Themata ans der targumischcn bezw. jüdisch-arabischen Litteratur. Daß auch die spezifisch rabbinischen — und sogar englischen — Studien an der Anstalt eifrig gepflegt werden, beweist der jüngst veröffentlichte Lehrplan für das laufende Semester. Die Zukunft wird lehren, in welcher Weise die englische Judenheit die jetzt von der Ramsgater Pflanzstätte jüdischer und orientalischer Wissenschaft gebotene Gelegenheit wahrnehmen wird, um der sprichwörtliche» Unwissenheit ihrer Seelsorger zu steuern. x.