Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1895)
- Date
- 1895-06-28
- Page
- Seite 305 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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805 Prof. Belkowski erledigte sich seiner Aufgabe, indem er die Tugenden des Verblichenen ins wahre Licht rückte und seine wissenschaftliche Bedeutung hervorhob. Der Redner keunzeichnete das Bestreben des Entschlafenen, durch höhere Bildung seiner Glaubens- und Stammesgenossen die Werthschätzung der nichtjüdischen Mitwelt zu erringen und appellirte an das Mitgefühl der Gemeinde für die Verwittwete und die Verwaisten. — Die sehr gut vorgetragene und ebenso warm empfundene Rede wurde sehr beifällig ausgenommen, doch glaubt man, daß zur Ehrung des Andeickens des hochwürdigen Großrabbiners noch mehr geschehen müsie, und wird höchstwahrscheinlich das Komitee der deutschen Synagoge und der Verein Karmel einen nochmaligen Gedächtnißabcnd veranstalten, in welchem Nachrufe in deutscher und spagnolischer Sprache gehalten werden. Fortwährend laufen bei der Wittwe wie beim Vorstand Beileidsdepeschen ein. Die bulgarische Gemeinde des Donaustädtchens Nitopolis, des Geburts- und Lehrortes von Josef Karo, schickte ein eigenes Beileidstelegramm in den rührendsten Ausdrücken. Schließen wir für heute diesen Trauerbericht mit dem Rufe: Möge der Allmächtige die unglücklichen Hinterbliebenen trösten! Ehre dem Andenken des thenern Todten! 40. Jahresversammlung des Vereins israelitischer Clementarlrhrer Westfalens und der Nheinprovin;. Lünen, 7. Juni. m 2. und 3 Juni fand im Hotel Rühl in Hörde die 40. Jahresversammlung des Vereins israelitischer Elementarlehrer Westfalens und der Rheinprovinz statt. Der zweite Vorsitzende, Herr Steinweg-Rheda, eröffnete die Konferenz um 2^ Uhr. Nunmehr wurden Meyer-Lünen und Emanuel-Burgsteinfurt zu Schriftführern gewählt, welche die Wahl dankend annahmen. Herr Udewald, Mitglied des Hörder Gemeindevorstandes, bewillkommnete hierauf die Versammlung und wünschte den Verhandlungen den besten Erfolg. Der Vorsitzende brachte ein Schreiben des Herrn Bürgermeisters der Stadt Hörde zur Verlesung, in welchem dieser seinen Dank für die Einladung aussprach und seinem Bedauern Ausdruck verlieh, am Erscheinen verhindert zu sein. Der Vorsitzende entschuldigte den Ehrenpräses, Herrn Blumenau- Hameln, welcher wegen Unwohlseins der Konferenz fernbleiben mußte, Herr Treu den besuchsweise in Berlin weilenden Herrn Dr. Steinberg- Münster. Man trat nunmehr in die Tagesordnung ein. Herr Steinweg gab an der Hand eines Schreibens des ersten Präses, Herrn Blumenfeld- Essen, welcher ebenfalls durch Unwohlsein am Erscheinen verhindert war, den Kassenbericht. Ueber den Stand der Kasse am Schluß des Vorjahres giebt der Jahresbericht den nöthigen Ausweis. Seit dem 1. Januar sind eingegangen: 360 M. an Mitgliederbeiträgen, 436.30 M. an Zinsen, 1630.58 M. an freiwilligen Beiträgen, in Summa 2426.88 M., sodaß das Vermögen der Kasse jetzt 81,258.77 M. betrüge. Herr Blumenfeld macht in seinem Schreiben den Vorschlag, Frau Dr. Weigert- Berlin, welche sich in so hervorragender Weise um die Kasse verdient gemacht hat, zum Ehrenmitglied zu ernennen. In bewegten Worten theilt er mit, daß er durch seine andauernde Kränklichkeit sich genöthigt fühle, am 1. Januar 1896 sein Amt als Vorstandsmitglied niederzulegen. Darauf hinweisend, daß die Ansprüche an die Kasse von Jahr zu Jahr wachsen, empfiehlt er allen Mitgliedern derselben, eifrig für sie zu wirken und legt denjenigen Kollegen, welche der Kasse noch fernstehen, ans Herz, ihr baldigst beizutreten. .Nach Verlesung des Schreibens spricht der Herr Vorsitzende die eindringliche Mahnung aus, diesen warmen Appell doch ja nicht unbeachtet verhallen zu lassen. Hieran anknüpfend, beantragt Herr Ostwald-Witten, Herrn Blumenfeld wegen seiner langjährigen, bedeutenden Verdienste um die Kasse zum Ehrenpräses zu ernennen. Diesem Anträge entspricht die Versammlung durch einstimmigen Beschluß, in gleicher Weise dem des Herrn Blumenfeld bezügl. der Frau Dr. Weigert. Herr Steinweg-Dortmund weist darauf hin, daß durch seine Vermittlung der Kasse zwei Jahrzeitstiftungen zugewendet sind und empfiehlt den Kollegen, in derselben Richtung für die Kasse thätig zu sein. Herr Seminarlehrer Treu- Münster, welcher an der Wiege der Kasse gestanden hat, stellt seine Erzählung „Der Bimkom" in den Dienst seines lieben Pathenkindes und zwar in der Weise, daß der Erlös für die Exemplare, welche Kassenmitglieder von ihm beziehen, der Kasse zugute kommen soll. Herr Hauptlehrer Graf-Essen will zu Gunsten der Kasse eine ihm gehörige Schulwandkarte von Palästina bereitstellen. Es war noch der Rest des 1. Punktes, „Vereinsangelegenheiten", zu erledigen. Her Steinweg verlas einen Brief des Ehrenpräsidenten Herrn Blumenau,in welchem auf historischer Grundlage aufs Schlagendste der Beweis geführt wurde, daß nicht nur eine Unterstützungskasse, sondern ein Verein israelitischer Lehrer Westfalens und der Rheinprovinz seit nahezu einem halben Jahrhundert bestehe, was nämlich von dem in jüngster Zeit begründeten Vereine „der Rabbiner und jüdischer Lehrer in Rheinland und Westfalen", bestritten wird. Die Besprechung dieser Frage wurde bis zur Verhandlung des Punktes verschoben. Nunmehr erhielt Herr Levi-Neuß das Wort, um den Aufruf des D -I. G.-B. zur Bildung eines Verbandes der israelitischen Lehrer in Deutschland zu besprechen. Der Referent wies in wenigen aber warmen Worten auf den hohen Werth, welchen ein solcher Verband haben werde, hin und legte der Versammlung die Frage vor: „Will der Verein dem Verbände beitreten?" „Wen entsenden wir event. als Delegirten?" Nachdem die erste Frage bejaht worden war, wurden die Herren Levi-Neuß und Liepmannsohn-Minden zu Delegirten gewählt. Nach einer Pause von 10 Minuten trat die Versammlung in die Verhandlung des Punktes „Abänderung des Statuts" ein. Die sehr lebhafte Debatte drehte sich hauptsächlich um die Frage, ob die Unterstützungskasse als Institut eines Lehrervereins bestehe, oder ob ein mit derselben zusammenhängender Verein gar nicht existire. Letzteres wurde immer wieder und wieder trotz aller Gegenbeweise von einer verschwindenden Minorität — Mitgliedern des oben erwähnten, orthodoxen, neuen Vereins, behauptet; die Zeit war schon zu weit vorgerückt und die Debatte mußte abgebrochen, um morgen fortgesetzt zu werden. Der Abend vereinigte die Konferenzbesucher zu einem gemeinschaftlichen Essen, und es dauerte nicht lange, so herrschte da, wo so manches streitbare Wort gefallen war, die denkbar größte Einigkeit. Der Morgen des zweiten Konferenztages war schon angebrochen, als die fröhliche Gesellschaft auseinanderging. Trotzdem konnte der Präses um 872 Uhr die Versammlung wieder eröffnen. Die Berathung der Statutenänderung wurde fortgesetzt. Man brachte verschiedene Anträge ein, über welche jedoch die Versammlung auf Vorschlag des Vorsitzenden zur Tagesordnung überging. Bei der nun folgenden Ersatzwahl für das ausscheidende Vorstandsmitglied, Herrn Prediger Blumenfeld in Essen, wurde Herr Hauptlehrer Graf in Essen mit großer Majorität gewählt. Nachdem als Ort für die nächstjährige Konferenz Elberfeld ausersehen war, für welche Herr Andorn-Krefeld ein Referat über die Anwendung der wissenschaftlichen Pädagogik auf unfern Religionsunterricht übernommen, folgte der Vortrag des Herrn Seminarlehrers Treu: „Die Konzentration des jüdischen Religionsunterrichtes". — Der Vortrag: „Obligatorischer Religions-Unterricht" mußte ausfallen, weil Herr Dr. Lazarus-Köln, der das Referat übernommen, am 2. Sitzungstage nicht erschien. Herr Treu löste seine Aufgabe in geistvoller Weise, wie das bei ihm nicht anders zu erwarten ist, und wußte die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer bis zum letzten Wort zu fesseln. Der bekannte Pädagoge behandelte sein Thema nach folgenden Hauptgestchtspunkten: 1. Begriff. Was? Welche Unterrichtsgegenstände? 2BV? 2. Die Konzentration soll gefunden werden in der Vereinfachung durch Zusammenziehung des Lehrstoffs; sie vertheilt diesen in sich deckende, einander erweiternde Kreise. Zugleich berücksichtigt sie den Schüler (Subjekt) nach aufsteigenden Altersstufen, so daß ' der folgende Ring den vorhergehenden erweitert und vertieft, dem wachsenden Verständniß der Schüler sich anpassend. 3. Man kann die Konzentration sowohl auf einen Gegenstand an sich, als auch auf eine Gruppe von Lehrgegenständen beziehen, die zu^