Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1895)
- Date
- 1895-06-14
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 leine Ausführungen mit einer Einladung zu einem Glase Bier in den Iss.rrkanlagen seiner in der Alleestraße belegenen sogenannten „Raubritter- Iburg". Nachmittags 4 Uhr versammelten sich die Mitglieder in der lifiaelitischen Religionsschule, woselbst Herr Hauptlehrer Reuß-Aurich [eti e Lehrprobe über das Thema „Pflichten gegen Landesvater und Ackerland" hielt. Im Allgemeinen war die recht gut disponirte Lehrprobe von echter Vaterlandsliebe und begeisternder Wärme durchdrungen, bi n 2. Konferenztage wurden die von der Kommission durchgearbeiteten ^cksätze von der Versammlung gutgeheißen, und der letzte Punkt der Tagesordnung „Freie Besprechungen" hielt die Theilnehmer noch eine üe aume Weile beisammen. Mit dem Wunsche auf „fröhliches Wiederfe -en im nächsten Jahre" wurde die Versammlung nach den üblichen T mksagungen vom Vorsitzenden geschlossen. Im Anschlüsse an diese P rsamrnlung fand eine Sitzung der Unterstützungskasse statt. > N. Hamburg, 9. Juni. Die Deutsch-Israelitische Gemeinde ii Hamburg hatte kürzlich einen bedeutenden Verlust zu beklagen; eine eile Frau im schönsten Sinne des Wortes, Frau Hänchen Cohn, die b attin des langjährigen Synagogenvorstehers Herrn Jakob Cohn wurde ins nach langem Leiden durch den Tod entrissen. Diesen bedeutsamen Unlust beklagen nicht nur die engere Familie, nein, auch weitere Kreise u irden durch den Tod schmerzlich berührt. Die Verstorbene zeichnete sich r n frühester Jugend an als eine der größten Wohlthäterinnen der b emeinde aus. Von der außerordentlichen Beliebtheit der Verstorbenen l sie die Beerdigung ein beredtes Zeugniß ab. Nicht nur die Verwandten r aren von der Ferne herbeigeeilt, sondern auch ein zahlreiches Trauernfolge von Freunden und Bekannten hatte sich in der Villa Eimsbütteler l Haussee eingefunden, um der edlen Wohlthäterin die letzte Ehre zu erweisen. Als eine ihrer Hauptaufgaben betrachtete die Verstorbene es ü ts, mit ihren reichen Mitteln das Thorastudium zu fördern, wie denn u ich vor allen Dingen ihr Haus der jüdischen Gelehrsamkeit stets offen ü md und das Thorastudium bei ihr stets eine offene Förderin seiner estrebungen fand. Die älteste Tochter ist die Gattin des Oberrabbiners - r. Bamberger in Königsberg, während ein Sohn an der dortigen! niversität als Professor fungirt. Das Andenken der Verblichenen, welche iw ihren Bestrebungen stets auf das Trefflichste von ihrem Gemahl unter- 1 itzt wurde, wird in unserer Gemeinde immer in Ehren gehalten werden. H. Dessau, 9. Juni. Der erste Tag des jüngst verlebten Wocheni stes wird den Mitgliedern der hiesigen Gemeinde noch lange in Erinnerung! eiben, denn an diesem Tage wurde wieder eine Institution ins Leben; .rufen, die bereits im ersten Viertel dieses Jahrhunderts hier eingeführt i ar und von Dessau aus den Weg in viele andere Gemeinden nahm — die Konfirmation der Mädchen. Das Gotteshaus hatte zu diesem wecke einen besonders festlichen Schmuck angelegt. Unter Orgelklängen i'traten die 8 Konfirmandinnen die Synagoge und nahmen um den ' orbetertisch Platz. Der Synagogenchor leitete die Feier mit Lewanorvski's „Psalm 121" ein. Hierauf legte Herr Landesrabbiner Dr. reudenthal in meisterhafter Rede den nun ins alltägliche Leben Tretenden -;e wichtige Bedeutung des Tages ans Herz und erinnerte sie namentlich, aß sie sich Gottesfurcht und Pietät gegen Eltern bewahren und auch die wabbath- und Festtage feiern sollten und sich stets der durch Eltern und - chrer empfangenen Wohlthaten erinnern mögen." Klar und deutlich aben dann die jungen Mädchen Proben von dem fast ein Jahr lang en offenen Vorbereitungsunterricht und wurden dann mit dem üblichen -egen entlassen. Zwei größere Motetten: „Flehend heben wir die Hände" on Faißt und „Dies ist mein Bund mit ihnen", beschlossen den feierlichen lkt, der sich wohl jedes Jahr wiederholen dürfte. g- Remagen, 9. Juni. Der hiesige „Verein zur Hebung und Verbesserung der sozialen Lage der Juden" hatte auf Grund nes Vortrags des Herrn Rechtsanwalt Gottschalk in Köln beschlossen, ie Statuten umzuarbeiten und eventuell den Sitz der Chebrah, welche Mitglieder in allen größeren Städten am Rhein hat, zu verlegen. Das Aereinsvermögen des über 58 Jahre bestehenden Vereins beträgt zur Zeit : '>71 Mark. An Mitgliedern besitzt der Verein 219 ordentliche, 20 außerordentliche. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gesetzt, in erster Linie unter der aufwachsenden Generation der ärmeren jüdischen Landbevölkerung as Handwerk zu verbreiten im Gegensatz zu dem dort meist üblichen lieh- und Hausirhandel. Der Vereinsbericht pro 1894 schreibt: „Wenn mn bedenkt, daß eine hohe, gesetzgebende Körperschaft sich anschickt, den Hausirhandel — auch der Biehhandel ist in gewissem Sinne ein solcher — wesentlich einzuschränken, so dürfte unser Streben zur Verbesserllng der sozialen Lage der Juden doppelt beitragen." — In einer demnächst stattfindenden Generalversammlung gelangen die neuen Statuten und die Verlegung des Sitzes der Chebrah zur Berathung, sowie die Frage, ob das 60jährige Bestehen des Vereins festlich begangen werden soll. H. Godesberg, 9. Juni. Am. 4. d. M. hat sich hier der rh einisch e Rabbinerverband, an dem sämmtliche Rabbiner der Rheinprovinz theilnahmen, konstituirt. Zum Vorsitzenden wurde Dr. I. Hormitz- Krefeld gewählt. * Frankfurt a. M., 9. Juni. In der am 4. d. M. hier abgehaltenen zahlreich besuchten Jahresversammlung des Hessischen Israelitischen Lehrervereins wurde die Stellungnahme des Vereins zu den vom D. I. G. B. versandten Leitsätzen für ein Statut des vom D. I. G. B. zu begründenden Lehrerverbandes berathen. Nach mehrstündiger Debatte, an der sich auch Herr Dr. Adler-Berlin, der vom D. I. G. B. als Delegirter gesandt worden war, lebhaft betheiligte, wurde die Gründung eines Verbandes, in dessen Vorstand der D. I. G. B. Sitz und Stimme haben solle, mit sämmtlichen gegen 5 Stimmen abgelehnt. Als Delegirte zu einer Konferenz, betreffs Gründung eines unabhängigen deutsch-israelitischen Lehrerbundes wurde der Vorsitzende, Herr Lehrer Wertheimer-Heldenbergen und Herr Direktor Dr. Barnaß- Pfungstadt gewählt. fg. Ems, 19. Juni. Der kürzlich ausgegebene Bericht der .Majne Imjeseimob", Unterstützungsverein für arme jüdische Kurbedürftige, weist ein erfreuliches Wachsthum des Vereins auf, der armen Glaubensgenossen, welche einer Emser Badekur bedürfen, aber im königlichen Kurhospitale keine Aufnahme finden konnten, Hilfe gewährt. Lehrer und andere Kultusbeamte, welche auf die Emser Heilquelle angewiesen sind, werden bevorzugt. Die Unterstützung wird gewöhnlich nicht in baarem Gelde, sondern in der Weise gewährt, daß für freie ärztliche Behandlung, freie Bäder und Inhalationen, sowie ganz oder theilweise freie Pension gesorgt wird. Ehrenpräsident des Vereins ist Herr Professor I. Derenbourg, Vizepräsident der Alliance und Mitglied der Akademie in Paris; der Vorsitzende des Vorstandes und zugleich der ärztliche Berather des Vereins ist Herr Dr. Aronsohn. Zu den Stiftern des Vereins gehören S. H. Goldschmidt, Präsident der Alliance in Paris, Frau Baron Ad. von Rothschild, Baronin Nathaniel von Rothschild- Nizza, Professor Dr. Senator in Berlin, die Gemeinde Berlin, die Gemeinde Köln und viele Privatpersonen. Im Berichtsjahre wurden 1866 Mark verausgabt, die Anzahl der unterstützten Kranken betrug 22. Der feste Fonds des Vereins ist auf 4970 Mark angewachsen gegen 1252 im Jahre der Begründung des Vereins. Schriftführer des Vereins ist Herr Bezirksrabbiner Dr. Weingarten in Ems. 0. M. Aus Süddeutschlarrd, im Juni. Am 28. Mai feierte der derzeitige Lehrer und Kantor der israelitischen Kultusgemeinde Nördlingen, Herr A. Weiler, sein 25jähriges Dienstjubiläum. Von einer größeren Feier mußte eines Trauerfalls wegen leider Abstand genommen werden. Trotzdem gestaltete sich dieser Tag zu einem Ehrentag für diesen allgemein geachteten und beliebten Kultusbeamten. Herrn Weiler wurden eine große Fülle ehrender Auszeichnungen zu Theil. Unter den Gratulanten befanden sich die Herren Reichs-und Landtagsabgeordneten Frickhinger und Wildegger, die Rektoren der Realschule und des Progymnasiums, der Konvent der Klosterschule und Andere mehr. Möge die Kultusgemeinde noch lange Jahre diesen tüchtigen, verdienstvollen, allgemein geachteten Kultusbeamten besitzen. Oesterreich - Angarn. □ Wien, 10. Juni. Der Kaiser ist aus Graz zurückgekehrt, aber die Worte, die der Monarch zum Bürgermeister Dr. Portugall gesagt, als er den Gemeinderathssaal besichtigte, dürften sich die hiesigen Radaumacher wohl gemerkt haben. Der Kaiser sagte: „Ich hoffe, Sie werden sichnicht am Wiener Gemeinderathe ein Beispiel nehmen. Da sind sehr traurige Zustände." Der Bürgermeister antwortete: „Gewiß nicht!" — Kaiser Franz Joseph besuchte auch die neue Synagoge am Grieskai. Am Eingänge erwartete der Gesammtvorstand der Kultusgemeinde den Kaiser, und der Präsident der Kultusgemeinde, Heinrich Pollak, hielt eine Ansprache und dankte im Namen der israelitischen. Kultusgemeinde von Graz für die Ehre des