Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-06-14 · Heft 24 (14.6.1895) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 24 (14.6.1895)
Date
1895-06-14
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228094-3228119--51877-3272644
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

2 wesens in Berlin hielt. Wir werden in der nächsten Nummer sowohl über den Verlauf der Versammlung sowie über die interessanten, mit wohlverdientem Beifall aufgenommenen Ausführungen des Vortragenden ausführlich berichten. ri. Berlin, 10. Juni. Gestern fand hier in der Synagoge in der Lindenstraße die Konfirmation der Mädchen statt. Zu dieser Feierlichkeit waren vom Vorstand Karten ausgegeben, da man — wie alljährlich — allzu großen Andrang vermuthete. Und in der Thal standen auch diesen Sonntag Hunderte vor den Thoren der Synagoge, die Einlaß begehrten, denen jedoch der Zutritt, da die Synagoge überfüllt war, und sie sich auch mit Karten rechtzeitig zu versehen verabsäumt hatten, verweigert werden mußte. Um 10^ Uhr intonirte die Orgel ein Präludium, worauf 19 Mädchen, sämmtlich weißgekleidet, vom Herrn Rabbiner Dr. Maybaum zum Altar hinaufgeführt wurden. Der Chor sang alsdann unter Orgelbegleitung die Verse aus Jesajas: „Dies ist mein Bund mit ihnen, so spricht Gott: Mein Geist, der auf dir ist, und meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt, sie sollen nicht weichen aus deinem Munde, und aus dem Munde deiner Kinder und aus dem Munde beincr Kindeskinder, so spricht Gott von nun bis in Ewigkeit." Dann schloß sich der Choral an: „Es keimt, von Gottes Hand gesäet, die Saat in tiefem Grunde. Sie keimt so leis', von Licht umweht, sie blüht und reist und wird gemäht als Frucht dem Glaubensbunde, — o Herr, der du die Saaten nährst in Vaterhuld und Treue! Wir bringen heut', wie du es lehrst, der Früchte Spenden dir zuerst, daß sich der Bund erneue. — Es ruht als Lebenssaat dein Wort gepflanzt in Jacobs Zelten; Das Leben blühet und verdorrt, es treibt der Same fort und fort zum Ruhm des Herrn der Welten." Alsdann sprach Herr Rabbiner Dr. Maybaum das Gebet für die Konfirmandinen. In der hierauf folgenden Predigt führte Herr Rabbiner Dr. Maybaum unter Annäherung des Gedankens an das kürzlich begangene Fest der Gesetzgebung — wie ja auch in dem oben angeführten Choral — das Schabuothfest und das Opfer der Erstlinge i Bikkurim) an gezogen wird — aus, daß, als am Berg Sinai Israel die Gesetzeslehre empfangen sollte, von ihm erst Bürgschaft für die Aufrechterhaltung der Gesetze gefordert worden sei. Die von Israel als Bürgen vorgeschlagenen Patriarchen Abraham, Jsaac und Jacob seien damals verworfen worden, da auch sie nicht frei von Fehl und Sünde wären. Sie beriefen sich auf die Propheten, sie sollten Bürgschaft leisten für die Heilighaltung des Gesetzes, aber auch diese vermochten nicht, den Allgütigen zu bestimmen, die Offenbarung vor sich gehen zu lassen, da unter den Propheten auch falsche waren, Propheten des Götzendienstes. Da hoben die Israeliten ihre Kinder empor und flehten-. „Mögen diese Kleinen unsere Bürgen sein!" — Da zuckten drei Blitze, die Donner rollten, und die Offenbarung nahm ihren Verlauf. Die Kinder, die Hoffnung, der Stolz der Nation, genügten zur Bürgschaft für dieselbe. Auch wir erblicken in den Konfirmanden die Hoffnung, den Stolz, die Zierde Israels, wir heben sie empor zum Himmel und flehen: „Mögen sie die Bürgen sein für die Aufrechterhaltung der Gesetzeslehre und die Heilig Haltung unserer Gebote." Es folgten hierauf die Gebete und Wahlsprüche der Konfirmandinnen, und nach dem üblichen Priestersegen des Rabbiners schloß die erhebende Feier mit den vom Chor in wahrhaft ergreifender Weise vorgetragenen letzten Versen aus Psalm 115. r. Aus Schlesien, 9. Juni. Am 2. d. Mts. fand in Gleiwitz eine Versammlung des oberschlesischen Rabbinerverbandes statt. Als Vorsitzende des Verbandes wurden für den Zeitraum von drei Jahren die Herren Rabbiner Dr. Cohn-Kattowitz und Rabbiner Dr. Münz- Gleiwitz gewählt. — Wie von gut informirter Seite verlautet, hat der Verbandsausschuß des Gemeindeverbandes des Regierungsbezirkes Oppeln und das Kuratorium den Leiter des israelitischen Waisenhauses in Rybnik, Herrn Katz, definitiv angestellt. — Rühmend anerkannt sei es, daß der jüngst in Ratibor verstorbene katholische Beigeordnete Paul Riedinger in seinem Testament folgende letztwillige Bestimmung getroffen hat: „Nach dem Tode meiner Ehefrau fällt meine Haus- und Gartenbesitzung an die Stadtgemeinde Ratibor zum ausschließlichen Zwecke der Errichtung eines Armen- und Siechenhauses für in Ratibor ortsangehörige Arme und Kranke ohne Unterschied des Bekenntnisses." — Am 26. v. M. entschlief nach kurzem, schwerem Leiden im besten Alter von 45 Jahren der Bankier Gustav Bielschowsky in Breslau, Mitinhaber der Firma Bobersch und Bielschowsky. Der Dahingeschiedene dessen Ableben in weiten Kreisen der Stadt aufrichtiges Bedauern hervorgerufen hat, war ein Ehrenmann im wahrsten Sinne des Wortes, streng in den Anforderungen gegen sich selbst, von warmer Antheilnahme für alle auch über den Kreis seines Berufs hinausgehende Dinge. Der Verstorbene gehörte mit warmem Interesse der Direktion der Gesellschaft der Freunde an, war auch eifriges Mitglied und Förderer des „Breslauer Handlungs-Instituts", dessen Vorstand er auch in dm siebziger Jahren angehörte, und war Mitglied des Aufsichtsraths der Verlagsgesellschaft der „Breslauer Zeitung" und seit 1893 der Breslauer Straßeneisenbahngesellschaft. Sein Andenken wird lange in Ehren fortleben! — Wenige Tage nach dem Dahinscheiden dieses seines jüngsten Sohnes, am 31. v. Mts., starb im ehrwürdigen Alter von nahezu 84 Jahren der Rentier Selig Bielschowsky in Namslau. Der Verstorbene, welcher der dortigen Synagogengemeinde fast 60 Jahre und als Repräsentant wie als Vorsteher derselben Jahrzehnte lang angehörte, war jederzeit bestrebt, durch sein humanes Wesen, seine Erfahrungen, seine strenge Religiosität und bekannte Opferwilligkeit das Wohl der Gemeinde zu fördern, sodaß ihm ein ehrenvolles Andenken gesichert ist. Friede seiner Asche! £. Oels, 7. Juni. Unser Rabbiner, Herr Dr. Chodowski, hat die ihm in Pr. Stargardt einstimmig übertragene Stelle als Rabbiner der dortigen Gemeinde abgelehnt. — Dieses Resultat verdanken wir dem Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde. Derselbe hat keine Mühe gespart, um Herrn Dr. Chodowski unserer Gemeinde zu erhalten. ▲ Arnswalde, 10. Juni. Hier, in dem berühmten Wahlkreis Ahlwardts, wurden in der Nacht zum Pfingstmontag auf dem jüdischen Friedhof dreißig eiserne Grabdenkmäler herausgerissen, umgeworfen und theilweise zerstört. Auch Blumen und Ziergewächse wurden abgerissen. Die Thäter sind bisher nicht ermittelt. K Par.chim i. M„ 9. Juni. Am 30. v. M. feierte der langjährige Vorsteher der hiesigen Gemeinde, Herr Rentier Albert Elkan, in voller Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag. Die ganze Gemeinde nahm den regsten Antheil an dieser Feier und ehrte den würdigen und im ganzen Laude so hochgeschätzten Herrn, der seit 40 Jahren an der Spitze der Gemeinde so treu und uneigennützig gewirkt, durch ein Geschenk als kleines Zeichen dankbarer Anerkennung. Dasselbe wurde vom Gesammtvorstande dem Jubilar überreicht, und Herr M. Weil feierte Namens der Gemeinde in beredten Worten die Verdienste und die uneigennützigste Thätigkeit des Jubilars. Ebenso wurde der Jubilar durch ein überaus herzliches Schreiben Seitens des Landes - Rabbiners, sowie durch Briefe, Telegramme und Karten von Nah und Fern geehrt. Möge Gott diesen edlen Manu uns noch lange in'ungeschwächter Kraft erhalten. 8p. Hannover, 9. Juni. Am 2. und 3. Pfingsttage hielt der Verein jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover seine diesjährige Versammlung in Hannover, Hotel Falk, ab. Der Vorsitzende eröffnet die Versammlung, begrüßt die Anwesenden in herzlichster Weise und schließt mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser. Nach der Begrüßung seitens der anwesenden Herren Landrabbinen, des Seminardirektors Dr. Knoller und des Vertreters des D. I. G. B. Rechtsanwalt Dr. Renfey, Hannover, erfolgt Berichterstattung, die wegen des umfangreichen Materials bezüglich der Gründung eines deutsch-israelitischen Lehrerbundes eine geraume Zeit in Anspruch nahm. Nach Erledigung dieses Punktes erfolgt Vorstandswahl; die bisherigen 1. und 2. Vorsitzenden wurden durch Akklamation wieder gewählt. Zu Schriftführern wurden Spanier-Stolzenau und Meier- Hannover ernannt. Hierauf ertheilt der Vorsitzende Kollege Waller- Moringen das Wort zu seinem Vortrage: „Bibel oder Bibelauszug", Nach Beendigung des mit Beifall aufgenommenen Referates entspann sich eine lebhafte Debatte, besonders über die aufgestellten Leitsätze, welche schließlich einer Kommission zur Durchberathung überwiesen werden. Es folgt nun der wichtigste Punkt der Tagesordnung: „Besprechung über Gründung eines deutsch-israelitischen Lehrerbundes". Der Vorsitzende verliest die diesbezüglichen schriftlichen Verhandlungen mit dem D. I. G. B. und empfiehlt Annahme der Vorschläge des I. I. G. B, nachdem der Vertreter desselben beruhigende Erklärungen bezüglich der streitigen Punkte abgegeben. Es werden zwei Vertreter für den Delegirtentag gewählt. Hierauf ergreift Konsul Simon, Hannover, das Wort, um in längerer Rede die Lehrer für seine Ideen: „Förderung der Landwirthschaft und des Handwerks" zu begeistern und beschließt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.