Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1895)
- Date
- 1895-06-14
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Geschäfte des Hauptkassenrendanten, Herrn Jakoby, werden für die Zeit, in welcher derselbe beurlaubt, den Herren Direktor Hermann und Dr. Lachmann übertragen. Auf das Ersuchen des Vorstandes an das Polizeipräsidium, die Repräsentantenwahlen im Herbst auf Grund des neuen Statuts auf dem Wege geheimer Abstimmung vornehmen zu dürfen, ist >ie Antwort ertheilt worden, daß dies nur erfolgen könne, wenn bis zu >em betreffenden Zeitpunkte der Herr Oberpräsident das ganze Statut genehmigt haben werde. Seitens der Frau Wittwe Militsch ist dem Zrziehungshause in Pankow ein Legat von 4500 Mk. vermacht worden, ind wird dasselbe, nachdem der Vorstand bereits seine Zustimmung ercheilt, seitens der Versammlung gleichfalls acceptirt. Es folgt die Berichterstattung über die Vorlage: „Bewilligung der Kosten für den Neubau des Hospitals Oranienburgerstraße 31. Referent ist Herr Frankel. Wie derselbe mittheilt, sind auf die ausgeschriebene Submission für Errichtung des Rohbaues 7 Offerten eingelaufen, welche sich in der Höhe oon 116,880—162,000 Mk. bewegen. Die niedrigste Offerte ist die des Herrn Gottheimer, und beantragt die Kommission, demselben den Bau 4ir die angegebene Summe zu übertragen. Hinsichtlich der Kosten des weiteren Ausbaues beantragt der Vorstand, Gelder in Höhe bis zu 140,620 Mk. auszuwerfen, die definitive Regelung soll alsdann späteren Beschlüssen unterliegen. Herr Frankel bemängelt in seinem Referate u. A., daß die Bauanschläge dem Etatausschuß zu spät unterbreitet seien, und verlangt, daß die Baukommission auch für die Zeit des Baues das Recht der Kontrole habe. Von Seiten des Vorstandes wurde dem entgegen gehalten, daß die baupolizeiliche Genehmigung sich sehr lange Zeit hingezögert habe, und daß im Interesse der Sache die Erledigung der Angelegenheit noch vor den Sommerferien dringend erwünscht sei. Nach längerer Debatte werden beide Positionen einstimmig bewilligt. Bekanntlich hat Herr Moritz Manheimer bereits vor längerer Zeit die für den Neubau des Hospitals nothwendigen Gelder der Gemeinde zur Verfügung gestellt, so daß dieser keine neuen Lasten aus dem gefaßten Beschlüsse erwachsen. Desgleichen werden gemäß dem Anträge der Baukommission 12,000 Mk. für einen Anbau an das Erziehungshaus in Pankow bewilligt. Es sollen mehrere Klassenzimmer, sowie die Wohnung des Direktors neubezw. umgebaut werden. Dem Religionsverein B'ne Berith wird eine Subvention von 1000 Mk. für die Monate April bis Oktober bewilligt. Wie der Referent, Herr Leonhard Sachs miltheilt, legt der bisherige Dirigent der Religionsschule, Herr Dr. Kroner, am 1. Juli sein Amt nieder. Da über die Person des künftigen Leiters, resp. dessen Befähigung u. s. w. noch nichts feststehe, so möge man vorläufig die Subvention nur für ein Semester bewilligen. Die Versammlung beschließt demgemäß. Herr Leonhard Sachs erstattet alsdann Bericht über die Vorlage, betreffend die Errichtung einer Religionsschule in NW. Der Schulvorstand hatte die Errichtung zweier Schulen, in NW. und 0., beantragt, der Vorstand hat für jetzt nur die erstere genehmigt, welche zunächst nur die zwei untersten Klassen umfassen soll. Vorausgesetzt wird, daß die städtischen Behörden die erforderlichen Räumlichkeiten hergeben. Als Direktor ist in der Person des Herrn Marcuse eine bewährte Kraft in Aussicht genommen, außerdem sollen noch 4 Lehrer angestellt werden. Die geforderte Summe beträgt 4800 Mk. Die Kommission beantragt die Bewilligung und ersucht außerdem den Vorstand, die Errichtung einer Religionsschule im Osten von Berlin nicht aus dem Auge zu verlieren. Herr Justizrath Meyer ist der Meinung, daß im Osten für Religionsunterricht für jetzt gesorgt sei. Man werde zunächst die Entwickelung der Religions-Schule Bne Brith unter der neuen Leitung beobachten und, wenn nötyig, der Sache wieder näher treten. Die Vorlage wird alsdann einstimmig angenommen. An Stelle des aus der Kommission für Beschaffung der Brennmaterialien ausscheidenden Herrn Manheimer wird Herr N. Alexander, Mitglied des Vorstandes des israelitischen Krankenhauses, gewählt. Auf Bericht des Herrn Martin Simon wird der Synagogengemeinde Beth Jakob die Summe von 300 Mk. als Subvention bewilligt. Den letzten Punkt der Tagesordnung bildete ein von Herrn Justizrath Dr. Tiktin gestellter dringlicher Antrag, den Vorstand zu ersuchen, beim Provinzial-Schulkollegimn vorstellig zu werden, eventuell Beschwerde beim Ministerium zu erheben hinsichtlich eines Reskriptes an die städtische Schul-Deputation, betreffend die Anstellung von jüdischen Lehrerinnen an Kommunalschulen, über welches wir demnächst ausführlich berichten werden Der Antragsteller sowohl wie Herr Louis Sachs bezeichnen jene Verfügung des Provinzial-Schulkollegiums als ungesetzlich und als einen harten Schlag gegen unsere Heranwachsende weibliche Jugend. Nach kurzer Diskussion wird der Antrag einstimmig angenommen. An Stelle des wegen überhäufter Geschäfte aus dem Kuratorium der Dr Ephraim-Stiftung scheidenden Herrn Js. Loewe wählt die Versammlung Herrn Oppenheim. Damit schließt die öffentliche Sitzung. Es folgt eine geheime Sitzung. CA) Berlin, 9. Juni. Der liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde hat schon in der kurzen Zeit seines Bestehens eine äußerst rührige Thätigkeit entfaltet, die von allen Anhängern der liberalen Bestrebungen im Judenthum wohl gewüdigt zu werden verdient. Von dem richtigen Gesichtspunkte ausgehend, daß in Berlin nur dann eine erfolgreiche Agitation möglich sei, wenn in allen Stadtbezirken Sektionen des Vereins bestehen, veranlaßte der Vorstand zunächst die Gründung von Lokal-Komitees und bemühte sich, für die Leitung derselben einflußreiche und bewährte liberale Männer zu gewinnen. Diese Lokal-Komitees sind nun für alle Stadttheile Berlins begründet, und in den Stadttheilen N., NW., C., SW. haben bereits Versammlungen stattgefunden. Da der Hauptzweck des liberalen Vereins darin besteht, die religiöse Entwickelung innerhalb der Berliner Gemeinde zu fördern und darauf hinzuwirken, daß die Verwaltung dieser Gemeinde in liberalem Sinne geführt werde, hielt es der Vorstand des Vereins für zweckmäßig, in den von ihm einberufenen Versammlungen belehrende Vorträge halten zu lassen, die den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde einen Einblick in den Organismus der Gemeindeverwaltung und deren geschichtliche Entwickelung gewähren. Derartige Vorträge bilden das geeignetste Mittel, unberechtigte Vorwürfe gegen die Gemeindeverwaltung zu entkräften und thatsächlich vorhandenen Mißständen abzuhelfen. Wir verweisen auf den in dieser Nummer abgedruckten Vortrag des Herrn Oberlehrers Dr. Blaschke über den jüdischen Religionsunterricht, der unumstößliche Beweise dafür liefert, daß den jüdischen Schülern fast in allen Schulen Gelegenheit geboten wird, jüdischen Religionsunterricht zu erhalten, und der das Märchen von den 10,000 religionsunterrichslosen Kindern völlig zerstört. Der Verein wird auf der von ihm betretenen Bahn fortschreiten und durch objektive Vorträge auf dem Gebiete des religiösen Lebens und der Gemeindeverwaltung dahin zu wirken bestrebt sein, daß der liberale Gedanke die ihm gebührende Anerkennung und Verbreitung innerhalb der jüdischen Gemeinde finde. Mitglied des Vereins kann Jeder werden, der einen Jahresbeitrag von mindestens einer Mark entrichtet. Wir hoffen, daß dieser Appell an die freisinnige Majorität der hiesigen jüdischen Genieinde von gutem Erfolge begleitet sein wird und dem Verein viele neue Mitglieder zu den bereits zahlreich Beigetretenen in nächster Zeit zuführen wird. Z. Berlin, 12. Juni. Gestern fand im Leipziger Garten eine öffentliche Versammlung des liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde statt, in der Herr Professor Ludwig Geiger einen Vortrag über die Geschichte des jüdischen Unterrichts-