Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1895)
- Date
- 1895-06-14
- Page
- Seite 288 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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288 vor feinem Hause eine Riesenhand hängen, wieder ein anderes Mal einen ganz rothen Stiesel mit gelber Sohle, dann auf einem blauen Boden breit ausgestreckte rosa Kleider oder Equipagen und Cabriolets. — Vor diesen Wundergeinälden steht oft die kleine Esther stundenlang, den kleinen Finger in dein Koratlenmnnd und mit den in die Höhe gerichteten Augen, und Mendcle verliert sich dermaßen in diesen Anblick, das; er sich auf die Steine hinsetzt und den Kopf in stummem Entzücken so hoch hebt, das; ihm das Käppchen von de» üppigen Haaren hernnterfällt, und er es gar nicht bemerkt. Dafür aber bemerkt es durch das Fenster der fromme Enoch; er schreitet von der Wohnung durch den Hof mit großem Ernst und hebt das Käppchen von der Erde auf, um den Kopf seines leichtsinnigen Bruders damit zu bedecken. Aber auffällig schaut auch er auf das wundervolle Bild, welches vor dem Hause des Malers hängt, und führt seine Absicht nicht aus. Das Käppchen in der Hand über Mendele's Kopf haltend wie das Schwert des Damokles, steht er da in imbeweglicher Ruhe — und schaut, und so schauen sie alle Drei, bis Liba kommt, um sie zum Mittag- oder Abendbrod zu rufen. Sie hat keine Zeit, die Wunderbilder zu beschauen, aber wenn sie schon einmal kommt, um ihre Geschwister ans den idealen Sphären des Entzückens wegzuzieheu, fällt sie auch in diese hinein, bleibt stehen nnb guckt gleichfalls. Gerade in diesem Augenblick hat die große Orangenhand keine Zuschauer. Sie hängt auf dem Draht, den man in der Dämmerung nicht sieht, nur manchmal bei dem Wehen des Windes schaukelt sie sich behäbig hin und her und flimmert mit ihren fünf breit ausgestreckte» Fingern durch das erleuchtete Fensterchen. Tie Fenster der Wohnung Moische's sind heute hell beleuchtet, und es kommt uns von dort her das Geräusch eines lebhaften und wie von zahlreichen Stimmen geführten Gespräches. Soüten Maische und seine Frau Chaja anfangen, bei sich Bälle oder Redouten zu gebend — Ich zweifle; beim obwohl sich bekanntermaßen in dem Volke Israel Rothschilds und andere sehr reiche Bankiers befinden, ist doch nufer Schildermaler ein ganz nuverniögender Mann. Ich sehe schon im Geiste, daß sich auf den Gesichtern meiner Leser ein gewisser Schrecken mit Empörung gemischt spiegelt. Wen» diese ungewöhnliche Beleuchtung von Moijches Fenster und das von dort kommende Geräusch nicht Zeichen zur Vorbereitung eines Balles sind, so müssen es zweifellos die Beweise einer geheimnißvollen Berathung oder einer finstern Verschwörung der Juden sei»! — Ich weiß nicht, vielleicht! Ich kenne Moische, den Schildermaler, nicht näher, uns darum kann ich eigentlich auch nicht für ihn so bürge, wie für Schimele. Aber wir werden es unbedingt erfahren, Jetzt schauen wir uns näher dies kleine Fenster an, welches bntui die ganze Breite des engen Hofes von den beleuchteten Fenstern Moische's getrennt ist. Die Wand des Hauses, vor welcher wir jetzt stehen, ist niedri, alt und besitzt die augenscheinliche Neigung, sich auf den Boden hin zulegen, so tief beugt sie schon ihre graue und morsche Oberfläche Mit ihr zusammen neigt sich auch das Fensterchen, welches aus vie Scheiben besteht und mit morschem Holz eingerahmt ist. Hinter den, Fenster leuchtet ein mattes Licht, welches von dem Lämpchen mit den langen, engen Cylinder kommt. Dieses Lämpchen steht auf einen Tisch bei dem Fenster, welches fast bis zur Hälfte durch ein großes offenes Buch bedeckt ist. An dem Tisch und über das Buch gebeugt, sitzt.... Ich habe dies Mal das Berguügen, Ihnen persönlict Schimele vorzustellen, von welchem Sie schon so viel von mir gehöre haben! — Ich bin sicher daß wenn Sie ihn betrachten werden, auä Sie die Meinung Zipa's bestätigen, daß er sehr schön und zart ist. Er ist groß und sehr schlank und hat sehr weiße Hände, wie ein: Dame der besten Geburt und des feinsten Tones; dieselben sind schmal und sehr schön geformt, obwohl sie mager sind. Sein schmales blasses Gesicht mit dem gekräuselten, rabenschwarzen Bart hat eine wundervolle Reinheit und Zartheit der Züge und einen ruhigen, milden Ausdruck. In dem Augenblicke, wo er seine Augen von dem Buch-, erhebt, nimmt sein Gesicht den lichten Ausdruck eines geheimnißvoli sinnenden Träumers an; man sieht alsbald, daß die feurigen mil einem feuchten Nebel bedeckten Augen manchesmal über die babylonische Gefangenschaft und über die Zerstörung Jerusalems und des Tenipels weinen, und daß sie auf die flammende» Hieroglyphen schauen, die den stolzen Kopf des Erzengels der Wissenschaft krönen, und auf die im Auge des Engels des Gebetes glänzende Thräne! Etwas von dem ruhigen Stolze dieses und der wunderbaren Güte jenes andern Einzels hat zurückgestrahlt und ist in seinem feurigen und doch weichen Auge geblieben! — Seine Lippe», die gleichsam in den schwarzen Bart hineingezeichnet scheinen durch eine schmale, rothe Linie, möchten eine empfindliche, nervöse, vielleicht auch eine künstlerische Natur verrathen, so eine vornehme uud vortreffliche Form haben sie, und von Zeit zu Zeit werden sie durch ein so beredtes Zittern bewegt, und ein so kluges, weiches und wehmüthiges Lächeln schwi'bt auf ihnen. ^Let stolz, mein Sohn! All deinen Ahnen, An deinem Glauben halte fest. Verschließet dir auch manche Bahnen Des alten Hasses böser Rest. Sei stolz, mein Sohn! Es gilt die Ehre In eigner Brust, in Edler Sinn: — Feig und mit Recht verachtet wäre. Wer Glauben opfert um Gewinn. $n stolz, mein Sohn! Von Emil Lehmann in Dresden. Sei stolz, mein Sohn! nicht unbescheiden; 1 Dräng dich nicht vor, dräng dich nicht auf. Sucht man als Juden dich zu meiden, Ertrag's! Noch ist's der Weltenlauf!! | Sei stolz, mein Sohn! Hass' alles Schlechte, j : Uebr allzeit treulich deine Pflicht, Und mehr als die: hilf, deine Rechte j Thu wohl und unterscheide nicht!! Sei stolz, mein Sohn! Nicht jenen Zwergen An Herz und Geist geselle dich. Die, daß sie Juden, scheu verbergen. Ja, dies verwünschen innerlich. Sei stolz, mein Sohn! Am Judenthume Giebt's keinen Schatten, giebt's nur Licht. Wer's kennt, ist voll von seinem Ruhme, Wer's übt — lebt, liebt nach Recht und Pflicht Sei stolz, mein Sohn! — Die sein sich schämen, Sei's innerlich, sei's vor der Welt, Ob ihrer Abkunft gar sich grämen — Mit deren Kopf ist's schlecht bestellt. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Sei stolz, mein Sohn! Zum ält'sten Adel, Zum besten Bürgerstande zählt. Wen ohne Furcht und ohne Tadel Deutschthum und Judenthum beseelt Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauch wih in Berlin. b9. Ll B. ersar :>es P, oer V> .-,00 M ander Die G M, i Dr. La Zräsidi Statut ne An >em be Mehn Zrziehi md w -heilt, üchterj Reuba Wie d 'ckchtur oon V. Herrn üir dil weiten 140,62 Beschli u. A., und v> Recht gegen hingez Angeb länger hat i Reubo gestelli erwaü 12,00( willig Direb wird bewill bisher sein 2 Befäh Subv demge Vorlo Schul antra zunäö wird, geben Kraft werd« beant richtu zu ve