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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-06-07 · Heft 23 (7.6.1895) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 23 (7.6.1895)
Date
1895-06-07
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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in der Abtheilung für in beruflicher Ausbildung begriffene Mädchen zur Zeit 2 Mädchen. Zum erstenmale seit Begründung der Abtheilung für Handwerkslehrlinge hat man Zöglinge aus ihr entlassen können, die ihre Ausbildung für das Gewerbe unter Aufsicht des Vereins vollendet haben und sich nach dem Urtheil ihrer Meister und der zuständigen Kommission zu tüchtigen Handwerkern entwickelt haben. Die Entscheidung der 51 in der für den künftigen Beruf ist eine vollständig freie. Die Anstalt begnügl sich damit, ihnen durch die verschiedensten Erziehungsmittel: durch Zeichnen, schulgemäßen Handfertigkeitsunterricht, Gartenarbeiten, den Besuch gewerblicher Arbeitsstätten Freude an handwerksartiger Thätigkeit beizubringen. Es verließen die Anstalt im Laufe des Jahres 7 Zöglinge, von denen sich jetzt einer auf der Wanderschaft als Schlossergeselle, ein zweiter als Drechsler sich gleichfalls auf der Wanderschaft befindet. — Die Kapitalien der Anstalt beziffern sich auf 31,1528 Mark in Hypotheken-Effekten und baar, der Sparfonds für entlassene Mädchen beträgt 2133 Mark. — Die innere Leitung und Oekonomie der Anstalt liegt seit 1889 in den Händen des Herrn Inspektors Adolf Peritz und seiner Frau. X Bromberg, im Juni. Am 27. v. M. starb in Kulm der Stadtverordneten-Borsteher BankierArnold. Der Magislrat und das Stadtverordnetenkollegium, der Vorstand und die Repräsentanten der israelitischen Gemeinde, deren erster Vorsteher er lange Jahre hindurch gewesen, der kaufmännische Verein, sowie die Schützengilde, welcher er 28 Jahre als Mitglied angehört hat, folgten dem Sarge in corpore; die Vereine waren mit ihren Bannern erschienen. — Die jüdische Gemeinde in Elbing wählte zum ersten Vorsteher Herrn Hermann Löwenstein und die Herren Amtsgerichtsrath Salomon, Rechtsanwalt Aron und Dr. Simon als > Stellvertreter des Vorstandes. — In Gollantsch wurde bei der Vorstandswahl gewählt Herr David Fürder als erster Vorsteher, die Herren Liudemann, Moritz Lipinski und Lesser Levy als dessen Stellvertreter. A. Frankfurt a. d. Oder, 31. Mai. Am 22. d. M. hielt Herr- Professor Dr. Ludwig Geiger aus Berlin im hiesigen „Verein fürjüdische Geschichte und Litteratur" einen Vortrag über „die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert". Es war ein Kulturbild von fesselndem Reize, das der sichtlich aus dem Vollen schöpfende Redner entrollte. Die Anmuth und der Geistreichthum einer Dorothea Mendelssohn, Henriette Herz und Rahel Lewin, sowie die philosophische Bildung eines Markus Herz, Salomon Maimon, Lazarus Bendavid, David Friedländer und namentlich Moses Mendelssohn wurden in lebendiger Schilderung vorgeführt. Einige Mittheilungen aus den Briefen Mendelssohns an seine Braut bildeten den Schluß des formvollendeten Vortrags, durch den sich Herr Professor Geiger den freudigen Beifall und den innigen Dank des Vereins erworben hat. L. Glat;, 30. Mai. Unsere Gemeinde hat durch den Tod ihres ersten Vorstehers, desFabrikb esitzers Herrn Wilhelm Huth, einen schweren Verlust erlitten. Seiner Energie und wahrhaften Frömmigkeit hauptsächlich verdankt unsere Gemeinde ihre herrliche Synagoge mit vorzüglicher Orgel und zeitgemäßem, würdigem Gottesdienste. Das unabsehbare Grabgeleit aus allen Klassen der Bevölkerung gab von der Achtung und Liebe Kunde, die der Verstorbene besaß. An seinem Grabe sprach der Prediger Herr Löwenstein tief ergreifende Worte. K. Hannover, 2. Juni. In dem diesjährigen Jahresberichte unserer Religionsschule legt der feit dem 15. August v. I. an der Anstalt als Oberlehrer und Leiter wirkende Herr Dr. Knoller die Ziele dar, welche er sich für die religiöse Ausbildung unserer Jugend gesteckt hat, und die er zum Segen der Gemeinde hoffentlich erreichen wird. Als allgemein beherzigens- und beachtenswerth heben wir die geplante Einrichtung besonderer Kurse für die reiferen Schüler und Schülerinnen höherer Lehranstalten, auch für solche, welche die Religionsschule nicht besucht haben, hervor. In zwei wöchentlichen Stunden soll ihnen jüdische Geschichte und systematischer Religionsunterricht ertheilt werden, während diejenigen, welche ihre hebräischen Kenntnisse vervollkommnen wollen, außerdem in einer oder zwei Stunden Gelegenheit haben würden, das Erlernte zu wiederholen, zu befestigen und zu erweitern. Die Schulnachrichten gedenken zunächst des als Rabbiner und theologisches Mitglied der israelitischen Oberkirchenbehörde nach Stuttgart berufenen Herrn Dr. Th. Kroner, der 8V2 Jahre an der Anstalt gewirkt und sich als Leiter und Lehrer vielfache Verdienste erworben. In das Lehrerkollegium ist als Hilfslehrer Herr Lehrer A. Levy getreten, während Herr Landrabbiner Dr. Gronemann nach Uebereinkunft mit dem Schulvorstande die vorher von ihm ertheilten zwei Stunden in Rücksicht auf seine andern amtlichen Pflichten cmfgegeben hat. Die Schule wurde von 120 Knaben und 105 Mädchen, die außer der Präparande in fünf Knaben- und fünf Mädchen klnssen wöchentlich sechs, resp. fünf Unterrichtsstunden erhielten. — Nach einer Zusammenstellung aus den Ostern erschienenen Jahresberichten der hiesigen höheren Schulen ergiebt sich, daß auf den Gymnasien bei einer Gesammtzahl von 1311 Schülern — 77 Juden, auf den Realgymnasien von 1154 — 68 und auf den lateinischen Realschulen von 1174 — 79 Juden waren, im Ganzen also 224 jüdische Schüler die höhere Schule besuchen. Da die Religionsschule nur 120 Schüler zählt, unter denen auch Schüler der Volksschulen sind, so bleiben weit über hundert jüdische Schüler, die über das für den Religionsunterricht entscheidende vierzehnte Lebensjahr hinaus sind, ohne religiöse Belehrung, ein Uebel stand, dem nach dem abschläglichen Bescheide des Magistrats nur durch den praktischen, zeitgemäßen Vorschlag des Herrn Dr. Knoller abgeholfen werden kann. £ Bornheim, 20. Mai Am 16. d. fand im großen Schwadorfschen Saale eine Abschiedsfeierlichkeit zu Ehren des scheidenden israelitischen Lehrers, Predigers und Kantors S. Bachenheimer statt. Bürgermeister Breuer eröffnete die Feierlichkeit damit, indem er in herzlichen, warm empfundenen Worten auf die Verdienste hinwies, die Herr Bachenheimer sich um die Gemeinde erworben. Der Präsident des „Männer-Gesang-Vereins Bornheim" dankte im Namen der Vereins Mitglieder Herrn Bachenheimer für die Freundlichkeit und Bereitwilligkeit, mit der er stets seine schöne Stimme, sowie seine musikalische Begabung dazu benutzt hätte, den noch jungen Verein mit Rath und That zu unterstützen. Herr Lehrer Cläßges pries in beredten Worten das schöne tollegialische Verhältniß, daß den Scheidenden stets mit den katholischen Lehrern der Gemeinde verknüpft und das für die Jugend von großem erziehlichen Einflüsse gewesen wäre. Sichtlich bewegt dankte Herr Bachenheimer in bescheidener Weise. Jnstrumentalvorträge, Chorlieder, Sologesänge und kraftvolle Männerchöre wechselten mit ernsten und heiteren Reden ab und trugen wesentlich dazu bei, das Fest zu verschönern. 8 Brühl, im Juni. Nachdem der „Verein der Rabbiner und jüdischen Lehrer in Rheinland und Westfalen" diese beiden Provinzen behufs öfterer Zusammenkünfte in mehrere Bezirke getheilt hatte, fand am 12. v. M. hier die konstituirende Konferenz des Kölner Bezirkes statt. Als Bezirksvorsteher und Schriftführer wurden die Herrn Löb und Kupfer gewählt. Die Statuten für den Bezirk werden von dem geschäftsführenden Ausschuß des Vereins unter Him Zuziehung des Bezirksvorstehers festgestellt. Der Kommission zur Abfasfung der Statuten wird auf Antrag des Herrn Schwarzschild zur Aufnahme in die Statuten vorgeschlagen: „Bei jeder Konferenz soll womöglich eine Lehrprobe gehalten werden." Auch sollen öfters Vorträge gehalten werden, um das noch so brach liegende, an methodischen Hilfswerken so arme Gebiet des jüdischen Religionsunterrichts erschließen zu helfen. Die nächste Bezirkskonferenz findet am 23. Mai, eventl. am 13. Juni in Beuel statt. Näheres darüber wird s. Z. den Bezirksmitgliedern bekannt gegeben werden. Vom Anfang bis zum Schluffe bot die Kon ferenz ein überaus erfreuliches Bild des inneren Lebens in unserem so rasch emporblühenden Verein. Ein äußerer Beweis der begeisterten Theilnahme an den hohen Vereinszielen lag in der verhältnißmäßig großen Zahl der Konferenzbesucher. Möchten diejenigen Lehrer Rhein lands und Westfalens, die sich noch abseits halten, in der stetig an wachsenden Mitgliederzahl unseres Vereins die Aufforderung erblicken, unserem Verein beizutreten. L. Homburg, 3. Juni. Am 30. Mai war der 70. Geburtstag des Kantors der israelitischen Gemeinde Herrn Adolf Braunschweig, der zugleich auch die 40jährige Amtsthätigkeit desselben bedeutet. Aus diesem Anlaß begab sich Vormittags eine Deputation zu demselben, an ihrer Spitze Herr Rabbiner Dr. Kottek, der eine beredte Ansprache an den Jubilar hielt und ihm ein hebräisches Ehren-Diplom überreichte. Die andern Mitglieder überbrachten schöne, werthvolle Geschenke Namens der Gemeinde und die Glückwünsche und den Dank derselben. Der Jubilar war tief gerührt und versprach, in gleicher Weise wie seither nach besten Kräften fortwirken zu wollen.

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