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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-06-07 · Heft 23 (7.6.1895) · p. Seite 271

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 23 (7.6.1895)
Date
1895-06-07
Page
Seite 271 (sequence 9)
Language
German
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271 Drei Tage später: Den 30. April 1868. Ruhelos bin ich am Tage und schlaflos in der Nacht, ich schrecke in Oer Nacht auf, wie wenn ich ein Vergehen und eine Dummheit zugleich begangen hätte. Was nützt es, wenn ich Einzelnen sage, wie Alles gekommen? Das hilft mir nicht vor der Welt und auch vor mir nicht. Ich habe nun heute einen beruhigenden und edelsinnigen Brief des Fürsten erhalten. Er sagt mir, daß die Sache unserer freundschaftlichen Beziehung keinen Eintrag thun soll. Das hilft mir etwas. Aber das sage ich mir, und das will ich festhalten: nie mehr lasse ich mich auf irgend etwas Diplomatisirendes und wo möglich auf nichts mehr ein, was außerhalb meines eigentlichen und nächsten Berufes liegt. Ich bin nicht kalt und überlegt genug dazu. Ich habe eine scharfe Warnung bekommen. Zehn Tage später: Den 2. Mai 1868. Gestern war ich im Theater, um die erste Aufführung von Laube's neuem Stück „Böse Zungen" zu sehen. Vor der Aufführung im Garten des Wallner-Theaters sprach ich viele Bekannte, und alle schienen eine gewisse Zurückhaltung zu bewahren in der Hohenzollern'fchen Briefsache. Mir ist, als schonten mich die Menschen, wozu doch gar kein Grund, und freilich, es muß ihnen seltsam sein, daß auf die Andeutung der Offiziellen und Offiziösen: Der Brief sei vielleicht nicht echt — noch nicht strikte erwiedert ist. Ich fange an ruhiger zu werden. Die Geschichte versurrt, und ich sehe schon in die Zeit hinein, wo sie als Vergangenheit nur noch den wirklichen und reinen Gehalt bewahren wird. Im Juni d. I. kommt Prinz Napoleon, nach Rnmänien. 12./24. Juni. — Mit Vratianu, den er von Paris her genau kennt und jetzt sehr auszeichnet, unterhalt sich der Prinz über die Judenaffaire; er ist vollständig befriedigt von den Erklärungen, die Bratiauu ihm giebt. Vielleicht ist der Intervention des Prinzen der im Folgenden berichtete Schritt des Ministeriums zu verdanken. 17. /29. Juni. Der Minister des Äußern St. Golesku läßt den Bevollmächtigten der Garantiemächte in Bukarest eine Note zugehen, worin er mit Bezug auf die Judenfrage die toleranten Gesinnungen des Minisieriums betont und seine Ueberzeugung ansdrückt, daß Rumänien, qui est heuresement sorti de diflicultes plus considerables encore, saura resoudre egalement la question des israelites ä riionneur de la civilisalion de notre siede, el sans que les interets nationaux soient leses. Die Note schließt mit dem Hinweis, daß die Garantiemüchte nicht außer Acht lassen möchten, mit wie viel Schwierigkeiten ein junger Staar zu kämpfe:! habe unter einer neuen Negierung und sous l’ernpire d'une constitution qui est, sans contredit, l’une de splus liberales de l'Europe. Einen Tag darauf schreibt Fürst Karl selbst an den damaligen preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm u. A.: 18. /30. Juni. — Ich hoffe, mit ihm in kürzester Frist die Judenangelegenheit in einer Europa befriedigenden Weise zu beseitigen. Und zwei Monate später schreibt der Fürst an seinen Valer nach Düsseldorf: 1/13. August. „Es erscheinen hier jetzt zwei französische Zeitungen: „L’israelite roumnin“ (der den Zweck hat, die Rumänen mit den Juden zu versöhnen) und L/Etoile d'Orient“ (der das Nationalitätsprinzip im Orient vertritt). Mit dieser Nachricht schließt der zweite Band der Memoiren ad. Wie diese Versöhnung zwischen Rumänen und Juden innerhalb der inzwischen verflossenen 25 Jahre dmchgeführt worden ist, davon wird die Geschichte ztl erzählen lvissen. Vielleicht erleben wir auch noch die Fortsetzung dieser interessanten Memoiren, die uns dann noch früher als die Geschichtswerke die erwünschten Aufschlüsse geben. In jedem Falle haben wir ein interessantes Kapitel ans der Geschichte moderner Judenverfolgungen kennen gelernt, das auch für die gegen' wärtigen Verhältnisse jenes Landes noch lehrreich sein kann. Aus M. Veits Nachlaß. Mittheilungen von Prof. Dr. Ludwig Geiger. Frankel und Mannheimer. Anschluß cm die bisher »litgetheilten Briefe sei ein Brief TTO I. N. Mannheimers veröffentlicht. Seine Zugehörigkeit zu den früheren ist nicht blos die äußerliche, daß auch er an Beit gerichtet ist und jüdische Angelegenheiten behandelt, sondern eine mehr innerliche. Die Wahl eines Obcrrabbiners, diese für die religiöse Cniwickeliing der Berliner Gemeinde wichtigste Angelegenheit am Ende der dreißiger rmd am Anfang der vierziger Jahre, war schon in den vorigen Briefen mauiiigsach gestreift worden. In Rießers Empfehlnngelt wareit, wenn man von dem Kopenhagen»! Wolfs absieht, mehr die Männer des Fortschritts; in Znnz' gelegentlichen Erwähnnngen die Namen von Frankel und Sachs, in breiterer Ausführung Rapoport erschienen. Es ist nun natürlich, daß bei der ganz exceptionetlen Stellung, die Beit durch seine geistige Bedeutung,! seine schriftstellerische Gewandtheit und seine in Folge seiner bnch-! händlerischen Thätigkeit ansgebreitelcn Verbindungen im Vorstände! einnahm, die Männer, die für diese neue Würde in Anssicht gc-! nommen waren, sich mit Veit in direkte Verbindung setzten. Auch! kam es vor, daß auf den Einen oder Anderen von uiibetheiligtc»! Dritten die Aufmerksamkeit gelenkt wurde. Das Erstere war bei j Rapoport, das Letztere bei Sachs der Fall, wie wir gleich hören werden. Anders stand die Sache bei Frankel. Seine nicht uninteressanten Briefe an Veit beginnen erst zur Zeit, da seine Angelegenheit abgeschlossen schien. Z. Frankel, mit dem die Aeltcstc» bereits 1830 Verbindungen angcknüpft hatten, wurde nämlich 1842 definitiv gewählt (vgl. Geiger, Geschichte der Juden in Berlin, I., 184, 489 fg., II., 254, 259). Mit Rücksicht ans den Gewählten nttb seine Stellung wurde die Ernennung ans einer zehnjährige», wie es ursprünglich hieß, z» einer lebenslänglichen. Veit, der im September 1842 in Dresden war. wurde beauftragt, die definitiven Abmachungen mit Frankel zu treffen. Daß Frankel schließlich ablehnte, weil ihm einige bei dein Minisür gestellten Forderungen: Bcrusniig durch die Regiernng, Verspreche», der Missionslhätigleit zu steuern lind die Inden iiicht iiiehr in vcsoirdere Korporationen einznschlicßeii, nicht geivührt wurden, ist a. a. O.1., 190, gezeigt. Frankels Ablehnung ging ein Briefwechsel mit dem Gciiicindcvvrstand und ein ablehnendes Volum Bests voraus; in bcibcii kann man wohl die Gründe für das Erkalten der persönlichen Beziehungen zwischen Frankel und Veit sehen. Der neuberufene Oberrabbiner hatte, wie erwähnt, als nothwciidige Voraussetzung seines Kommens j eine Bernsiing durch den Minister gefordert. Er war (Schreiben au j Veit 28.— 30. Oktober 1842) der seltsamen Meinung, daß eine solche Beruscnig keine staatliche Aiierkemiiing, keiir Eimnischcii des Slams in religiöse Angelegenheiten der Juden, sondern mir die Bezciignng eines PrivatvcrtrageS sei. Obgleich der Bcrliiier Vorstand seine Ansicht nicht iheilte, sandte er eine Deputaiion au die Minister d>s j Kultus rmd des Innern, um diese Vokatiou zi> erwirken. Beide j Minister lehnten jedoch das Gesuch ab, theilS wegen der hcrrscheiidcii i gesetzlichen Bestimmungen, theils „weil man Aiistand nehmen müsse, | die Gemeinde, welcher die Vokatiou znstehe, in ihrem Rechte zn j schmälern". Von der also crlhcilteii Antwort gab der Borstand am 28. November 1842 Frankel Kunde, wies dagegen daraiif hin, daß eine Bestätigung seitens des Ministers sicher zu erwarten sei, »ud erwartete nun sicher die Annahme des Amts seitens des Gewählten. Frankel nahm nun das Amt o h n e Vorbehalt au. Trotzdem l / /

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