Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1895)
- Date
- 1895-05-31
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228094-3228117--51835-3272600- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
den Grundstücks zugestimmt, und es wird, sobald die Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde erfolgt, mit dem Neubau begonnen werden, der etwa 110 Waisen Raum bieten und allen gesundheitlichen und erziehlichen Anforderungen entsprechen soll Ter Vorstand hofft den zu diesem Zwecke schon vor Jahren begründeten Baufonds durch die hilfreiche Teilnahme der Freunde und Gönner der Anstalten ausreichend erhöhen zu können. Wir empfehlen deshalb den in der heutigen Nummer veröffentlichen Aufruf auf das Wärmste. © Berlin, 27. Mai. In der nächsten Sitzung der Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin, die Dienstag den 11. Juni im Vereinslokal Spandauerstraße 11/13 Abends 8^ Uhr stattfindet, wird Herr Landesrabbiner Dr. Feilchenfeld aus Schwerin in Mecklenburg einen Vortrag: „Die Methode des religiösen Unterrichts, besonders des biblischen Geschichtsunterrichts", halten. Alle diejenigen, die den Bestrebungen der Vereinigung sympathisch gegenüber stehen, sind herzlichst willkommen. Berlin, 28. Mai. Die Konstitutions-Großloge des Ordens B'nei Briß hat zum Präsidenten des Exckutiv-Komitees nicht Julius Dion, sondern Julius Bien in New-Iork gewühlt, zum Repräsentanten des Exekutiv-Komitees für den deutschen Distrikt (Nr. 8) ist der Expräsident der Montesiore-Loge Herr Engen Rosen stiel hier, zum Mitglied des obersten Gerichtshofes für den deutschen Distrikt der Expräsident der Berliner Auerbach-Loge Herr Rechtsanwalt Timendorfer für die nächsten 5 Jahre gewählt worden. — Uebrigens amtirt Herr Julius Bien als Präses des Exekutiv-Komitees schon über 25 Jahre und wird höchst wahrscheinlich schon in Kürze auf einer Propaganda-Reise in Deutschland eintreffen. 0 Berlin, 28. Mai Im Militär- und Sanitäts-Verein Deutsches Vaterland hat am 22. d. M. Herr Di*, med. Moses einen Vortrag über den „Antheil der Juden an den Befreiungskriegen" gehalten. Der Redner ging zunächst auf den von antisemitischer Seite den Juden gemachten Vorwurf der Vaterlandslosigkeit ein und beleuchtete unter Anführung von Thatsachen dessen Haltlosigkeit Jüdische Jünglinge traten 1813 als Freiwillige ins preußische Kriegsheer, jüdische Aerzte und Wundärzte waren bei der Behandlung der Verwundeten thätig, jüdische Frauen und Mädchen scheuten weder Anstrengung noch Rücksicht; in dieser Zeit der Noth fragte man nicht nach Glaube und Abstammung. Die jüdischen Soldaten zogen ins Feld, gemeinschaftlich mit ihren christlichen Mitbürgern erduldeten sie dieselben Strapazen, schlugen dieselben Schlachten und kehrten in ihre Heimath zurück mit denselben Ehren, demselben Ruhm und denselben Kriegsthaten, wie ihre christlichen Kameraden. Auch amtlich wurde das lobenswerthe Verhalten der Juden im Kriege anerkannt. Etwa fünfhundert Juden nahmen als Freiwillige am Kriege Theil. Unter diesen fünfhundert befinden sich eine ganze Anzahl — aus Berlin allein sechs Offiziere — die mit dem eisernen Kreuz dekorirt wurden, eine fernere Anzahl wurde zu Offizieren befördert. Der eine von ihnen war der Lehrer an der Kriegsschule Major Burg. Das den Inden von amtlicher Seite so vielfach gezollte Lob mußte selbstverständlich zu einer erhöhten Begeisterung anspornen, und so sehen wir denn auch, daß ca. 4000 Juden in den Feldzügen 1864, 1866, 1870 7! für das Vaterland gekämpft haben. Dr. Moses schloß mit den Worten, daß der Jude, auch wenn ihm von gegnerischer Seite noch so sehr der Vorwurf der Vaterlandslosigkeit gemacht wurde, dennoch stets voll Vaterlandsliebe sei. In der sich daran anknüpfenden Debatte wurde unter allseitiger Zustimmung auf Anregung des Vortragenden beschlossen, so weit es Jeder vermag, Material über das hochinteressante Kapitel aus de'-' preußischen Geschichte in den Heimathsorten zu sammeln und dasselbe dem Dr. med. Moses, Greifswalderstr. 217, behufs gründlicher Bearbeitung zu übermitteln. mf. Berlin, 28. Mai. Ein Zögling des in Pankow befindlichen Erziehungshauses der jüdischen Gemeinde, Felix Wartenberger, wurde am Sonntag Nachmittag auf dem Friedhofe in Weißensee bestattet. Der junge Mann, welcher in der Buchbinderei von Le Contre lernte und in der nächsten Zeit Geselle werden sollte, war seit seiner Kindheit Zögling des Erziehungshauses. „Dem bravsten Lehrling", lautete die Inschrift auf dem Kranze, welchen ihm seine Brodherren gewidmet hatten. Herr Justizrath Makower, der eifrigste Förderer des Erziehungshauses, stand an der Bahre neben dem Direktor de-' Instituts, Herrn Grunwald und dessen Gattin, als die Zöglinge, welch.' mit ihren Lehrern in corpore erschienen waren, das Lied anstimmteu: „Es ist bestimmt in Gottes Rath." Eine Deputation von Lehrlingei des gleichfalls in Pankow domizilirten Lehrlingsheims war mit bei: Direktor des Heims erschienen und widmete dem Heimgegangenen eine i Kranz. Die einfache Feier hinterließ bei allen Anwesenden einen tiefe; Eindruck. Es ist dies der erste Verlust, den die Anstalt seit ihrer Bestehen erleidet. Das herzliche Verhältniß, welches Kuratorium uu Leitung dieses Gemeindeinstituts mit den Zöglingen verbindet, kam hie zu ergreifendem Ausdruck, und wir haben von der bescheidenen Feie am Grabe dieses braven Haudwerkslehrlings Kenntniß genommen, wei sie Kunde giebt von dem hohen Grade der Achtung, den hervorragend Männer allen Bestrebungen zur Hebung des jüdischen Handwerkerstande entgegenbringen. Kp. Aus der Provinz Posen, im Mai. Gegen die im Februa d. I. vollzogenen Repräsentantenwahlen der jüdischen Gemeinde h Ostrowo ist bei dem Regierungpräsidenten zu Posen Protest eingeleg worden, weil die Lehrer der jüdischen Schule bei derselben mitgewähl haben. Dieselben waren in der Wahlliste nicht eingetragen, machten abe ihr Recht geltend und beanspruchten in Form eines Gesuches bei den Bürgermeister der Stadt, als dem Wahlvorsitzenden, einige Tage vor den Wahlakt Eintragung ihrer Namen Da aber Meinungsverschiedenheiten über die Zulassung der Lehrer zur Wahl herrschten, wurde vom Vor sitzenden erst vor Eröffnung des Wahlaktes hierüber die Vcrsammlum befragt, und nachdem diese sich hiermit einverstanden erklärt hatte, bit Namen der Lehrer in die Liste eingezeichnet. Gegen diesen Vorgang wendet sich der Protest hauptsächlich, wiewohl in demselben noch au, mancherlei andere Formfehler hingewiesen wurde. In dem auf Grund des Protestes vom Regierungspräsidenten jüngst eingegangenen Bescheid, wird der Wahlakt vom 7. Februar als ungiltig erachtet; in demselben wird ausdrücklich betont, daß die Lehrer wohlberechtigt sind zur Theilnah me an der Wahl, aber die Form dadurch verletz! worden ist, daß deren Namen erst unmittelbar vor der Wahl und nichl innerhalb der vorgeschriebenen Frist vorher in die Liste eingetragen worden sind. — Die bisherige zweiklaffige jüdische Elementarschule in Deutsch-Krone ist durch Beschluß der dortigen Schuldeputation in ein. einklassige umgewandelt worden, weil die Anstalt nur von 59 Kindern besucht wird. Der dadurch überflüssig gewordene Lehrer wird vor bei Hand an der dortigen evangelischen Schule beschäftigt, bis er anderweitig Anstellung erhält. r. Breslau, 26. Mai. Nach dem jetzt veröffentlichten Jahresbericht stellt sich die Frequenz der hiesigen höheren Lehranstalten von seiten jüdischen Schüler folgendermaßen: Im Realgymnasium zum Heiligen Geist waren 48 (von 297 Schülern) jüdisch, im Realgymnasium am Zwinger 102 (501), Johannisgymnasium 114(488), Gymnasium zu St. Elisabeth 185 (477), König Wilhelmgynmasinm 217 (464), Matthiasgymnasiurn 3 (617), in der Königl. Oberrealschule 32 (469), Ev. Realschule! 132 (579), Ev. Realschule II 34 (4v6); von Unterrichtsanstalten für Mädchen waren ü: der Viktoriaschule 47 jüdische Schülerinnen (von 163), städtischen evang. Mädchenmittelschule I 11 (340), städt. evang. Mädchenmittelschule II 77 (338), evang MädchenmittelschuleIII21 (220), städt. kathol. Mittelschule 36 (183). - Nach dem vom Dirigenten der „Religions-Unterrichtsanstall der Synagogen-Gemeinde", Dr. Samuelsohn, erstatteten Jahresbericht besuchten dieselbe im Berichtsjahre 330 Schüler und Schülerinnen; die von Rabbiner Dr. I. Guttmann geleitete jüdische Gemeinde-Religions Unterrichtsanstalt zählte nach dem von demselben erstatteten Jahresbericht im Ganzen 512 am Unterricht theilnehmende Zöglinge, 286 Knaben und 226 Mädchen. — Nachdem vom Vorstände der „Industrieschule für israelitische Mädchen" abgefaßten Jahresbericht wurde das Schuljahr am 2. April v. I. mit 161 Schülerinnen begonnen. Am Beginn des Wintersemesters zählte die Anstalt deren 163. Der Bericht gedenkt in einem warmen Nachruf des verstorbenenen Vorsitzenden der Schule, Dr. David Rostn. a. Ans Pommern, 20. Mai. Dem soeben erschienenen 41. Jahresbericht des von dem Rabbiner Dr Meisel sel. And. ins Leben gerufenen Israelitischen Waisenhauses in Stettin (Verwaltungsjahr 1894)entnehmen wir, daß sich beim Schluffe desselben 10 Knaben in der Anstalt befanden, welche die dortige Barnimschule besuchen; Erziehungsbeiträge