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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-05-31 · Heft 22 (31.5.1895) · p. Seite 263

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 22 (31.5.1895)
Date
1895-05-31
Page
Seite 263 (sequence 13)
Language
German
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Der Ahnen Gott; Preis bring' td) ihm. Jehovah ist des Krieges Meister, Jehovah heißt er. Pharao's Wagen und sein Heer Stürzt' er ins Meer. Ins Schilfmeer sank Der Führer Kern und ertrank. Sie deckte der Wogen Schlund, Wie Blei sanken sie zu Grund. Wie deine Rechte, o Herr, hochherrlich erscheint! Wie deine Rechte, o Herr, zerschmettert den Feind! Mit der Fülle deiner Kraft Hast du die Gegner hingerafft Da deine Rache schnob. Da zerstob Der Feind geschwind Wie Spreu in dem Wind. Vor deines Odem Hauch thürmen die Wellen sich Und stellen sich In Haufen einher. Es starren die Wasser im tiefsten Meer Der Feind sprach: „Ich jage sie. Ich schlage sie. Vertheil' ihr Gut, Kühl' an ihnen den Muth, Zieh' das Schwert heraus. Mach' ihnen das Garaus —;" Da wehte dein Hauch einher Und sie deckte das Meer. Sie gingen unter, wie Blei hinabgezogen In die brausenden Wogen. Herr unter den Göttern wer ist dir gleicht. Wer ist dir gleicht Wie du, an Hoheit und Heiligkeit reich? Furchtbaren Ruhmes, voll Pracht Und Wundermacht? Du hast deine Rechte ausgestreckt. Da hat sie der Erde Schlund bedeckt! Und führst nun voll Barmherzigkeit Das Volk, das du befreit. Führst es beschirmend fort Zu deinem heil'gen Ort. Es hören's die Völker und beben: Philister, der Angst ergeben. Mit Edom's Fürsten allen Hat sie Zittern und Zagen befallen. Todesangst erfaßt die Tupfern der Moabiten, j Hinweg geschmolzen sind die Kananiten, 1 Laß fallen Furcht auf sie! Laß Schrecken Vor deines Arms Gewalt sie decken! Laß sie sein Starr wie Stein, Bis daß dein Volk, Jehovah, durchgegangen Dein dir erkauftes Volk hindurchgegangen! Bring' es herein! Pflanz' es ein Auf deines Erbes Berg, den du gemacht Zu deiner Wohnung, Herr, voll Herrlichkeit und Pracht, Gott ist ein König allezeit Von nun an bis in Ewigkeit! Pharao zog ins Meer Mit seinem Heer; Mit Rossen und Reitern, Mit Wagen und Streitern Ließ der Herr ihn sinken ins Meer. Doch Israels Kinder. die schritten Durch des Meeres Mitten Trocken einher. II. Stelldichein. Ol ii ö bem Hohenlied Taloiuo'ö (lA s-ll) Vernimm Des Liebsten Stimm'! O sieh', wie kommt er jetzt Ueber die Berge gesetzt, Gesprungen über die Höh'n! Mein Liebster ist schön! Er gleicht an Schnelle Dem Hirsch, der jungen Gazelle. Schau hinter der Wand ihn stehen Und durch's Geländer sehen. Und blinzeln ins Gitter hinein. Er flüstert mit leisem Laute Und ruft, der Liebste mein: „Auf, Traute! Schöne, komm! Aus, komm! Der Winter ist vergangen. Der Regen, er verschwand. Und Lenzesblumen prangen Im ganzen weiten Land. Die Zeit der Lieder Kehrte wieder, Es girrt die Taube Dort in der Laube, Und Knospen, die am Zweige Der Feige Sich entfalten. Und Reben, Die daneben Ansetzend sich gestalten. Verbreiten durch die Luft Wohlgeruch und Duft. Auf, Traute! Schöne, komm! Auf, komm! Mein Täubchen, wiss'.' An des Felsens Riß, Wo die Schlucht hinein Sich so heimlich bricht. Dort, du Traute mein. Zeig' mir dein Gesicht! Lass' mich dort Am heimlich stillen Ort Hören deiner Stimme Laut! I Denn dein Wort Ist lieb und traut. Und klar und licht Dein Angesicht!" HI. ' Das schönste Glück. i ('Ouicl) öem Taluiuo.) I Einst zog ein frommer Waller durch die Wüste, j Von Hitz' und Durst und Hunger sehr bedrückt.! Als er an einen Palnibaum kam, wie grüßte 1 Er ihn nicht freudig, pries sich hochbeglückt! j Des Baumes Fuß bespült ein frischer Quell, : Ihm dänchte Silber nicht so werth, so hell!! Die Frucht ist sastig und des Baumes Schatten! Die schönste Labung für den Müden, Matten- ' Nachdem er dort sich unterm Baum erquickt, j Hat er zur Weiterfahrt sich angeschickt. —! Da rief der Palnibaum also ihm entgegen: „Zieh, Pilger nicht von dannen ohne Segen!" Der Pilger, sprach: „Der du gelabt mich hast. Wie gern segnet' ich nicht für die Rast, Für Frucht und Schatten dich, du guter Baum! Doch wie ich segnen soll, ich weiß cs kaum. Was ich dir wünschen könnt zum Glück und Heil, Glückseliger, es ward dir schon zu Thcil. Ist Quell und Frucht und Schatten nicht schon dein? Dein nicht das schönste Glück: Glück zu vcrlcihn? Nichts weiß ich, was dir selbst ich wünschen könnte. So wünsch ich Eins: daß dir der Himmel gönnte, Sprößlinge rings zu sehn, ein ganzes Reich, Und alle dir an Gül' und Milde gleich." IV. Die Steine des Anstoßes. (Ouul) beut Talmud.) Steine warf ein Thor von seinem Acker Einst im Uebermuthe auf die Straße, Daß drob stolp're, wer des Weges käme. „Was beginnst du!" sagte ihm ein Weiser, Warum wirfst auf dein Gebiet von fremdem Steine du?" Verwundert rief der Thor da-. „Rabbi, du versprichst dich! Sieh, von meinem Werf' ich sie auf fremdes." — Und der Rabbi Schweigend ging er fort. Der Uebermüth'ge Trieb sein Wesen weiter; bald dahin kam's. Daß verkauft sein Acker ward. Es blieb ihm Nun kein Eigenthum mehr als die Straße. Ueber Steine stolpernd, die er selbst sich In den Weg geworfen, rief er oftmals: „Weiser Rabbi, du hast wahr gesprochen." Sei dies Gleichniß euch gesagt, o Eltern! Die zum Anstoß ihr dem Lehrer Steine In den Weg werft. Nicht auf fremden Acker, Auf den eignen werft ihr sie und stolpern! Werdet ihr darüber selbst und fallen.

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