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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-05-31 · Heft 22 (31.5.1895) · p. Seite 257

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 22 (31.5.1895)
Date
1895-05-31
Page
Seite 257 (sequence 7)
Language
German
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- 257 welche auf die politische und Kultur-Geschichte der Juden Bezug aben, gleichviel ob sie von Angehörigen des Judenthums oder denen »derer Völker stammen, gesammelt und aufbewahrt werden. Während in manchen andern Großstädten, wie London, Paris, Zerlin, die öffentlichen Museen auch viele Schätze jüdischer Alterthümer ergen, haben wir in Wien, abgesehen von der kostbaren Sammlung ebräischer Handschriften in der kaiserlichen Hosbibliothek, welche einen 4ten Ruhmestitel des kaiserlichen Hauses bildet, und von der erst jüngst mgelegten und rühmlichst bekannten Sammlung „Papyrus Erzherzog > liainer", von werthvollen Kunst- und historischen Denkmälern so gut oie gar nichts. Diesem Mangel abzuhelfen hat sich die neugegründete Gesellschaft zur Aufgabe gemacht Es giebt gewiß im Privatbesih manche mehr oder minder werthvolle Gegenstände, deren Kunst- und antiquarischer Werth erst in einem Museum durch Zusammenstellung und Vergleichung erkannt und zur Leitung gelangen wird. Die Sammlung und Vergleichung derartiger Objekte soll es dem Forscher ermöglichen, deren Stellung in der Gechichte der Wissenschaft und Kunst zu bestinnnen, und der Blick auf die leberreste entschwundener Jahrhunderte soll den Sinn für die Geschichte res Judenthums wie für die idealen Zwecke desselben wecken. In der! That sind bereits derlei Gegenstände für das zu gründende Museum voll j verschiedenen Seiten in Aussicht gestellt und ist manches interessante und j werthvolle Stück erworben worden. Es ergeht nun die Einladung an alle Freunde und Verehrer der Kunst und Wissenschaft, sowie an Diejenigen, welche Sinn für Alterth ümer haben, ihr Interesse an dieser neuen Schöpfung durch Widmung von derartigen Objekten!;u bekunden, sowie durch Beitritt als Mitglied das Unternehmen zu unterstützen, und dadurch beitragen, eine Sa mm elnelle für jüdische Knust und Alterthümer zu gründen, welche berufen ist, eine empfindliche Lücke in den öffentlichen Wiener Sammlungen auszufüllen und sohin auch Materiale zur Ergänzung der vaterländischen Geschichte zu liefern. Der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde hat seine Sympathie für die Ziele der Gesellschaft dadurch bekundet, daß er eine namhafte Summe als Gründungsbeitrag gewidmet hat. In Gemäßheit der behördlich genehmigten Statuten wird man durch Widmung von 500 Kronen Stifter und zugleich Mitglied für Lebensdauer. Der Minimal-Jahresbeitrag für die ordentlichen Mitglieder beträgt 10 Kronen; die Aufnahme erfolgt durch das Kuratorium. Wegen Ertheilung von Auskünften oder Annahme von Beitrittserklärungen beliebe man, sich an das Präsidium oder an ein Mitglied des Kuratoriums zu wenden. Wien, im Mai 1895. Das Kuratorium: Der Präsident: Wilhelm Stiaßny, k. k. Baurath, 1. Nathhausstraße 13. Ter 1. Vize-Präsident: Adolf Ritter von Sonnenthal, k u. k. Hof-! schauspieler, XVIII. Anastasius Grüngasse 54. Ter 2. Vize-Präsident: J Tr. Adam Politzer, k. k. Universitäts-Professor, I. Gonzagagaffe 19. j Der Kassa-Verwalter: Theodor Ritter v. Goldschmidt, k. k. Baui rath, I. Opernring 6 Der Schriftführer: Max Fleischer, Architekt, VH. Neustiftgasse 64. Der Kassa-Kontroleur: Sigmund Taussig, l. k. Baurath, IV. Heugasse 2. Ignaz Brüll, Tonkünstler, IX. Liechtensteinstraße 4. A. Epstein, Privatier, I. Grillparzerstraße 11. Dr. Carl S. Grünhut, k. k. Hofrath. Universitäts-Professor, IX. Berg-; gaffe 22. Dr. Moritz Güdemann, Ober-Rabbiner, I. Seitenj stettengasse 4. Dr. David Heinrich Müller, k k. Universttätsj Professor, VIII. Wickenburggaffe 24. Dr. Adolf Stein, Hof- und! Gerichts-Advokat, 1 Hohenstauffengasse 10. Wir haben diesem Aufruf wenig hinzuznfügen; er spricht für sich selbst, und wir sind davon überzeugt, daß Jeder, der ein mehr als gewöhnliches Interesse hat für die merkwürdige Geschichte und die uralte Kultur der Juden, diesem Unternehmen seine volle Sympathie znwendeu wird. Es ist eine alte Klage, daß gerade die Inden an den Ausgrabungen in Palästina sich bis jetzt nur in geringem Maße betheiligt haben, und es wird sicher eine der vornehmsten Aufgaben der neuen Gesellschaft sein, diese Arbeiten zu fördern und so „die Trumme der Vorzeit, die Denkmäler vergangener Geschlechter" zu neuem Lebell zu erwecken. Nicht weniger wird sie aber ihr Augenmerk auf die Sammlung der Denkmäler des Mittelalters richten müssen. Die Behauptung, daß Kunst und Kllnstgewerbe bei den Juden im Mittelalter gar keine Pflege gesunden hätten, hat sich längst als ein Vorurtheil erwiesen. In alten Gemeinden, Synagogen, Friedhöfen, in Privatsannnlungen alter Familien finden sich Schätze des Kunstgewerbes, denen heule von kundigen Sammlern hoher Werth beigemessen wird. Auf der oben erwähnten englischen Ausstellung erregten die historischen Reliquien und die Kunstgegenstände des jüdischen Mittelalters, die Laden und Vorhänge, die ewigen Lampen, die Waschschüsseln, die Thora-Rollen, synagogalen Dekorationen, die Instrumente für Synagogen-Mnsik, die Mesnsoth und Misrach'nn, die Sabbath- und Festreqnisiten, die Pokale, die Tempelleuchter, Menorahs und Blender, selbst bei den in dieser Beziehung sehr verwöhnten Engländern gerechtes Aussehen. Eine pietätvolle Sammlung aller dieser Denkmäler, an der Jeder sich betheiligen müßte, der Herz und Sinn für die Sache hat, wird das Nrtheil, mit dem L. Herzfeld seinen Vortrag über die Knnstleistungen der Juden abgeschlossen hat, glänzend erhärten: „Obwohl nicht die Entfaltung und Pflege der Kunst, sondern der Religion, Israels höchste Aufgabe und sein Herzschlag war, hat dasselbe doch ans dem Felde der Kirnst seinen Platz mit Ehren ansgefüllt." Aber darüber hinaus wird das Museum jüdischer Alterthümer noch eine höhere erziehliche Mission erfüllen. Es wird dazu beitragerr, unserer Jugend neue Kenntnisse zuzuführen, und wird den Zweiflern zeigen, ans welch' ehernen Pfosten sich die Weltarrschaunrrg Israels erhebt. Die Denkmäler der Vergangenheit werden Zeugnisse für unsere Zukunft bilden. Und darum begrüßen wir dies Unternehmen mit Heller Freude. Gluck auf zu dem schönen Werkel 0. K. Aie Speisegesetze. Bon Dr. K. Köhler, Rabbiner in New-Aork. II. 4. Die reinen nnb unreinen Thiere. (5'^1^’on Vorneherein nun; gesagt werden, das; jene Jrommen, die Qy 7 in schlichter Einfalt mit dem Talnind sagen: „Es ist Gottes Befehl, nub ihm nutfe ohne Grübeln Gehorsam geleistet werden", viel höher stehen im Rang als Jene, die in den Speiseverboten bloße Gesundheitsvorschriften erblicke». Wäre» die verbotenen Speisen und Thiergattnngen wirklich gesundheitsschädlich, dann wäre deren Gcstattimg für Nichtjuden ja geradezu i» h n in a ». Es ist jedoch überhaupt grundfalsch aiiznmhinm, daß die Unterscheidung zwischen reinen und unreinen Thieren etwas mit der Nolkshygiene zu thnn habe, oder gar erst von oder dein Moses zuerst geoffenbart worden seien. Darauf weist auch Dr. Wiener hin, daß der Befehl Gattes an Noah, von de» reinen Thieren — auch Bügeln, was Dr. Wiener übersehen zu haben scheint (299—301) — je sieben Paare in die Arche »ütznnehinc», die Kenntniß dieser Tradition schon in der graueste» Vorzeit voranssetzt. Und gerade das bestätigt eine Erforschung und Vergleichung der Gesetze und Bräuche der alten Kulturvölker. Dr. Wiener kennt die Gesetze dcs Mann blos ans der veralteten Jonesschen Uebersetzimg. Wir können nach Jolly v. Buhler die brahmanischen Speisegesetze noch viel weiter ziirtickverfolgen und sie mit denen Zoroasters wie der ägyptische» und haraiütischeii (babylonischen) Priester nach dem Zendavesta, de»

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