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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-05-24 · Heft 21 (24.5.1895) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 21 (24.5.1895)
Date
1895-05-24
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 der Stadt Myslowitz und eines der ältesten Mitglieder der dortigen Synagogen-Gemeinde, der Rentier Jacob Kuznitzky, ist in der Nacht des 14 v. Mts. im Alter von nahezu 80 Jahren gestorben. Unter zahlreicher Betheiligung der Bürgerschaft aller Konfessionen wurde der Verstorbene auf dem dortigen jüdischen Friedhofe an der Seite seiner ihm vor Jahren im Tode vorangegangencn Gattin beigesetzt. Rabbiner Dr. Cohn aus Kattowitz hielt eine ergreifende Grabrede — Im vorigen Monat beging in Falkenberg der Stadtälteste Kaufmann L Glogauer in körperlicher und geistiger Frische die Feier des 50jährigcu Bürgerjubiläums. Eine Abordnung des Magistrats- und Stadtverordneten- Kollegiums begab sich zur Beglückwünschung des Jubilars in dessen Wohnung. Bürgermeister Hertel hob in seiner Ansprache die mannigfachen Verdienste hervor, welche sich der Gefeierte um das dortige Gemeindewesen erworben hat, und schloß mit dem Wunsche, daß sich derselbe noch recht lange der seltenen Rüstigkeit erfreuen möge. Herr Glogauer dankte gerührt, und auch sein Sohn, Herr Amtsgerichtsrath Glogauer in Tarnowitz, sprach der Deputation für die Ehrung seines Vaters herzlichen Dank aus. Darauf lud der Jubilar die Herren der Deputation zum Frühstück ein. — Durch den am 28. v Mts. erfolgten Tod des Partikuliers Louis Galewskp in Breslau hat das dortige Gemeindeleben einen überaus schweren Verlust erlitten. Welch bedeutendes Interesse der im 77. Lebensjahre Dahingeschiedene an den mannigfachen Institutionen und Vereinen seiner Gemeinde genommen, erhellt aus der großen Zahl von Nachrufen, die ihm nunmehr gewidmet werden. Der Verstorbene war Mitglied der „Kommission der alten Synagoge und der Kultus- Kommission 1." und hat den religiösen Interessen der Gemeinde stets das wärmste Interesse entgegengebracht, gehörte seit mehr als 42 Jahre der „Zweiten Brüder-Gesellschaft" und 22 Jahre dem Vorstande dieser renommirten Vereinigung an, seit 1876 der „Gesellschaft der Brüder", und war als mehr als dreißigjähriges Mitglied der „3. Briidergesellschaft" mit der Verwaltung ihrer Kassenverhältnisse betraut. Auch der „Gesellschaft der Freunde" und dem „Unterstützungsverein Dorsche Tow" gehörte der Heimgegangene an. Sein Andenken bleibt ein gesegnetes! - Die landesherrliche Genehmigung ist der Synagogengemeinde in Breslau zur Annahme der Zuwendungen ertheilt worden, welche ihr der Rentner Salomon Speyer mit 5000 Mark zu Wohlthätigkeitszwecken und der Kaufmann Moll zur Unterstützung jüdischer Handwerker gemacht haben M. Hamburg, 20. Mai. Am 5. Mai fand hier die Großlogensitzung des Bundes Bene Berith statt. Ferner tagte hier gleichzeitig die „Freie israelitische Vereinigung". Zu dieser Vereinigung waren vor einiger Zeit durch die Herren Paul Alexander Katz-Berlin, Dr. Gustav Karpeles - Berlin, Dr. Maretzki-Berlin, Dr. M. I. Bodenheimer-Köln, Dr. I. Cohen-Hamburg, Gemeindevorsteher Dr. Max Cohen-Hamburg, Gustav Tuch-Hamburg und Rechtsanwalt Julius Plotke-Frankfurt a. M. die Einladungen ergangen. Auf die Tagesordnung der diesjährigen Zusammenkunft sind zunächst 1. Jüdische Kolonien, 2. Problem der ethischen Bewegung gesetzt worden. — Infolge dieser Berufung erschienen denn zu der Nachmittags Axj2 Uhr im „Hamburger Hof" eröffneten Versammlung nicht nur eine Anzahl bekannter, einflußreicher, hiesiger, sondern auch sehr viele berufene, um die Judenheit hochverdiente auswärtige Herren. Die Theilnehmer an der Versammlung, die sich aus ganz Deutschland zusammengefunden hatten, zählten nach mehreren Hunderten. Der bekannte hiesige volkswirthschaftliche Schriftsteller und Präses der Henry-Jones Loge Herr Gustav Tuch-Hamburg leitete die Verhandlungen mit einer begrüßenden Ansprache ein, in der das Programm, wie es in dem vorerwähnten Schreiben kurz angedeutet ist, näher ausgeführt wurde, und forderte zum Schluß zur Bildung des Büreaus auf Dieses wurde sodann aus folgenden Herren gebildet: Dr med. Piza-Hamburg, Vorsitzender, Dr. med. Maretzki-Berlin, H. Gumpertz-Harnburg, stellvertretende Vorsitzenden, Dr. jur. H. Samson-Hamburg, D. Wolf-Berlin, Schriftführer. Die Versammlung beschloß sodann auf Veranlassung des Vorsitzenden, den zweiten Punkt der Tagesordnung „Problem der 'thischen Bewegung" vorweg zu nehmen, weil der Vortrag des Referenten über die Bedeutung der freien Vereinigung gründlich zu orientiren geeignet sei. Dieses Referat erstattete Herr Gustav Tuch-Hamburg in fünfviertelstündiger Rede. Es wurde Begriff und Inhalt des Problems der ethischen Bewegung näher erläutert, die Ethik der verschiedenen Religionen in Theorie und Praxis geschichtlich vorgesührt und die Besonderheiten der jüdischen Sozialethik gekennzeichnet. Die von dem Vorsitzenden hierauf eingeleitete Geschäftsordnuugs - Debatte veranlaßte Herrn Dr. Leimdörfer-Hamburg zu einer längeren sehr bei fällig aufgenommenen Rede, welche in den Worten gipfelte: „Zur Ethn durch Einheit und zur Einheit durch Ethik!" — Als Ort der nächste: Zusammenkunft im Jahre 1896 wurde Frankfurt a. M. bestimmt. E folgte alsdann die Wahl des geschäftsführenden Ausschusses. Denselben bilden die Herren Dr. Piza-Hamburg, Dr. Maretzky-Berlin, Gusta Tuch-Hamburg, Leo Rosenthal-Franksurt a. M., Rabbiner Dr. Gold schmidt-Kolberg. Es wird ferner noch ein Ausschuß für Kolonisatio und für Ethik gewählt. Ueber die Kolonisations-Frage konnte wegevorgerückter Zeit das eingehende Referat nicht erstattet werden, zu de, Herr Dr. Bodenheimer-Köln sich bereit erklärt hatte. Der Referent ga deshalb nur einen Ueberblick über alle die „weitergehenden" Materien, di bei Erörterung der Kolonisationsfragen zu berücksichtigen sind. - Ueber das Problem der ethischen Bewegung und über Kolonisatio fanden dann noch rege Besprechungen statt. Nach vierstündiger, äußerlebhafter und bedeutsamer Verhandlung erfolgte der Schluß, nachder noch dem Präsidenten für die geschickte Leitung und Herrn Gustav Tuch als demjenigen, von dem die Anregung und Vorbereitung zur Ver sammlung ausgegangen war, durch Erheben von den Sitzen un lebhaften Beifall gedankt worden war. — Unter denen, die der freie; israelitischen Vereinigung beiwohnten, kann kein Zweifel bestehen, da: damit ein wichtiger Schritt zur praktischen Förderung der jüdischen Jde des einheitlichen Judenthums und der regen Entwickelung, Hebung un Selbsterziehnng unserem Stammesgenossenschaft erfolgt ist, der hoffentlw bald zu Erfolgen leiten wird. M Hamburg, 20. Mai. Es ist nunmehr in Hamburg nach fahre langen, vergeblichen Versuchen durch die Bemühungen einer Privat Vereinigung gelungen, eine neue Synagoge vor dem Dammthor zr errichten, und zwar auf ritueller Basis, jedoch mit geordneten! Gottes dienst und vierstimmigem Chor, sowie regelmäßiger Predigt rc. De; Neubau dieser Synagoge wird im August beendet und dieselbe vor der Herbstfeiertagen eröffnet werden. Als Beamte sind die Herren Dr. M Grunwald als Prediger, M. Trachmann als Cantor, D. Beit als Chor Dirigent und I. Rosenmann als Küster bereits engagirt. 0. Essen a. d. Ruhr, 17. Mai. Zu einer etwas ungewöhnlichen Zen des Jahres hat sich Hierselbst ein neuer „Verein für jüdische Ge schichte und Litteraturaufgethan, dessen Gründung in weiten Kreiser seit längerer Zeit gewünscht und so gut als beschlossen war. Insbesondere hatten die Herren Prediger a. D. Blumen selb und Hauptlehrer Graf de Idee eines derartigen Vereins soviel Boden gewonnen, daß es nur noc; des Zusamentreffens günstiger Umstände bedurfte, um derselben Lebe; und Gestalt zu geben. Solche Umstände fanden sich im Januar d. Js und führten eine Anzahl Männer der verschiedenen Berufsständ zusammen, welche die Konstituirung beschlossen und die weitere Schritte vorbereiteten. Aus den Berathungen dieses Komitees ging ei: provisorisches Statut und ein Aufruf zum Beitritt hervor, der die Ziel der Litteraturvereine in knappen Leitsätzen darlegte. Der Aufruf wurd in vielen Exemplaren in der Gemeinde verbreitet und erwarb dem Bereu alsbald ca. 50 ordentliche Mitglieder, welche Zahl inzwischen auf 66 ge stiegen ist. So konnte denn der Verein bereits am 1. Mai mit eine; Generalversammlung eröffnet werden, in welcher Herr Rabb. Dr. Samue einen Vortrag über „Bedeutung und Ziele unseres Vereins" hielt. I demselben wies der Vortragende auf die bekannten Thatsachen hin, bene: die jüdischen Litteraturvereine Deutschlands ihr Entstehen und ihre Blüth verdankten, und legte dem jungen Vereine die nachdrücklichste Pflege seine. Bestrebungen nahe. Nach einer Diskussion und der definitiven Fest setzung der Satzungen wurden die Herren Rabb. Dr. Samuel und Rechts anwalt Dr. Siegfried Wallach zu Vorsitzenden, Hauptlehrer Graf mu Lehrer Kaufmann zu Schriftführern, Kaufmann S. Cohen zum Rendanteu Banquier I. S. Hirschland sowie H. L. Hirschland zu Beisitzern gewählt Alsdann vertagte sich der Verein bis zum Herbst. — Wir wünschen den: selben eine gedeihliche Entwicklung und zweifeln nicht, daß er bald i Eifer, Leistungen und Erfolgen mit den besten Vereinen gleicher Richtun wetteifern werde. 0 Wiesbaden, 17. Mai. Vorgestern feierte Herr Oberkanto Emanuel Traub sein 25jähriges Dienstjubiläum als Kantor un Lehrer der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde. Schon in frühe; Morgenstunde war eine große Anzahl von Blumenspenden und andere; Beweisen der Aufmerksamkeit in der Wohnung des Jubilars eingetroffew

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