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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-05-24 · Heft 21 (24.5.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 21 (24.5.1895)
Date
1895-05-24
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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ßerlitt, 24. Mai 1895. t erscheint ls Lebensrlten wird emik oder tes voller nr die im n und die durch den absondern, thal seine biblischen ung. Ge- : Aufsatz: i)er Bibel- Antritt in aul's und nfte SBurt) . In das rage vom umboldt's athan der nnd Wehitze könnte wünschen, gestimmt c^t durch kende Ged! l goldene chle theilmehr als it werde: G. K. sich eine s: „Wir elt wird asser des kels und vielmehr Schrift, iet ^clon te nichts Zerse des sollte na jaase nt. Also le hohen Misch. 59. Jahrgang. Nr. 21. ffitV Weilage gur „Allgemeinen Zeitung des IuöentHuws". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. © Berlin, 23. Mai. In diesem Sommer, und zwar am 28. Juli, werden zehn Jahre vergangen sein, daß Sir Moses Montefiore, der große jüdische Philanthrop, im 101. Lebensjahr hochgeehrt und allgemein betrauert gestorben ist. Er dürfte sich wohl empfehlen, überall von der Kanzel und in der Schule, namentlich aber beim Jugendgottesdienste dieses Todestags nach einem Decennium wieder zu gedenken. Auch die Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur sollten diesen Gedenktag nicht vorübergehen lassen, ohne das Andenken Montefiores zu feiern. Der Berliner Verein beabsichtigt, eine Gedenkfeier zu diesem Zweck zu veranstalten. Gerade in diesen trüben Tagen ist es doppelt nothwendig, das Andenken eines Mannes zu erneuern, der sein ganzes Leben in den Dienst seiner Glaubensgemeinde gestellt und für dieselbe mit heiligem Eifer vor Fürsten und Völkern eingetreten ist. # Berlin 22. Mai. Das Haus, welches die Verwaltung der israelitischen Volksküche Gormanstraße Nr. 3 erbaut, ist bereits im Rohbau fertig gestellt, und es wird geplant, das gesammte Gebäude jüdischen Wohlfahrts-Einrichtungen dienstbar zu machen. Es ist zunächst die Einrichtung eines jüdischen M ädchen-Heims in Aussicht genommen, in welchem der Preis von 30 M. für volle Pension festgesetzt ist. Es wird damit beabsichtigt, den Mädchen, welche fremd nach Berlin kommen, um etwas zu erlernen und sich alsdann selbst zu ernähren oder wieder nach der Heimath zurückzugehen, oder solchen, die hier in Stellung sind und mit geringen Mitteln auskommen müssen, ein gemüthliches Heim zu schaffen. Soweit die Räume für diesen Zweck nicht in Anspruch genommen werden, wird damit auch ein Alten-H eim verbunden, woselbst ältere Personen für eine mäßige Vergütigung Unterkommen finden sollen- Auf vielseitige Anregung soll in dem Hause auch ein israelitischer Kinderhort eingerichtet werden. Diese Institution ist in jener Gegend, wo die meisten unserer armen Glaubensgenossen wohnen, um so nothwendiger, als diese vielfach ihres Erwerbs wegen aus dem Hause gehen und die kleinen Kinder meist unbeaufsichtigt auf der Straße herumlaufen. Eine kleine Synagoge soll eingerichtet werden, in welcher Morgens und Abends Gottesdienst stattfinden wird, unter besonderer Berücksichtigung von Jahrzeiten und Abhaltung von Maskir für die verstorbenen Angehörigen der vielen Wohlthäter dieses Werkes. Mit Rücksicht darauf, daß bereits im verflossenen Jahre die Verwaltung sehr häufig zurückgelegte Kleidungsstücke für die Armen erhalten hat, werden im neuen Hause Vorkehrungen getroffen werden zur Empfangnahme, Instandsetzung und Vertheilung derselben. Die Volksküche selbst wird nach den neuesten technischen Erfahrungen zweckmäßig eingerichtet, unter besonderer Berücksichtigung für Familien und die jüdischen Besucher. Zu jeder näheren Auskunft ist der Begründer und Leiter Herr Hermann Abraham, Alte Jakobstraße 57/59 bereit. CA) Berlin, 23. Mai. Die Folgen der konservativ-antisemitischen Hetze gegen die jüdischen Richter konnten nicht drastischer illustrirt werden, als durch den Prozeß, der vorgestern die erste Strafkammer des Landgerichts I beschäftigte. Ein Fabrikant I. D. Giebler war wegen Beamtenbeleidigung angeklagt worden. Derselbe hatte eine Erfindung gemacht und zur Ausbeutung derselben einen Vertrag mit dem Kaufmann Jonas und einem Rechtsanwalt Cohn gemacht. Es kam aber zu einem Prozeß, bei dem Giebler in allen Instanzen bis zum Reichsgericht abgewiesen wurde. In einer Beschwerde hierüber hat er schwere Beleidigungen gegen den Landgerichtsdirektor Hesse, den Landgerichtsrath Dr. Herz und den Asfessor Lazarus ausgestoßen. Er beschuldigte den Gerichtshof, parteisch gehandelt und „im Interesse des Kollegen Cohn" die Standesehre hintangesetzt, mit den Gegnern des Angeklagten unter einer Decke gesteckt zu haben und von dem „Glaubensgenossen Cohn" bestochen worden zu sein. Außerdem richtete der Angeklagte eine Beschwerde an den Justizminister, worin er die Richter mit beleidigenden Aeußerungen direkt der Rechtsbeugung beschuldigte. Der Gerichtshof nahm mit Rücksicht auf die große Erregung, worin sich der Angeklagte befunden, von einer Gefängnißstrafe Abstand und verurtheilte ihn zu 400 Mk. Geldstrafe oder 40 Tagen Gefängniß. Ter Gerichtshof hätte auch als mildernden Umstand die öde antisemitische Hetze gegen jüdische Richter annehmen können, die leichtgläubige Gemüther wohl zu erregen und zu verwirren im Stande ist. §2 Berlin, 21. Mai. Wenn man bedenkt, wie kurz die Zeit ist, seit welcher die Juden der bildenden Kunst, vor Allem der Skulptur sich zuwenden können und dürfen, so wird die folgende Mittheilung sicher doppeltes Interesse erregen: Sechs jüngere Bildhauer haben an dem Wettbewerb um den von Dr. Paul Schultze an der hiesigen königl. Akademie der Künste gestifteten Preis von 3000 Mark zu einer Reise nach Italien theilgenommen. Den Preis trug der hiesige Bildhauer- Arthur Lew in davon, der — ein Schüler von Prof. Herter — mit seinen Elfenbeinarbeiten vor einiger Zeit die Aufmerksamkeit der kunstgewerblichen Kreise fand. Um den ersten Preis der Michael Beer- Stiftung von 2250 Mark zu achtmonatlichem Aufenthalt in Rom hatten sich drei Bildhauer beworben. Den Preis hat der junge Bildhauer Henrik Glicenstein-Barami -q) in München errungen, der auch den Preis der Münchener Akademie in den beiden letzten Jahren erhalten hat. Um den zweiten Michael Beer-Preis (dieselbe Summe mit gleicher Zweckbestimmung) haben sich sechs Bildhauer beworben. Die Entscheidung darüber steht noch aus. N Königsberg in Pr., im Mai. Am 4. Juni findet Hierselbst die Konferenz der jüdischen Religionslehrer Ostpreußens statt. Mit derselben soll eine Ausstellung von Unterrichtsmitteln für alle Zweige der jüdischen Religionsschule verbunden werden, die folgende Hauptgruppen umfassen soll: I. Methodische Schriften, II. Lehr-und Lernbücher, III. Anschauungsmittel, IV. Jugendschriften. Das Komitee richtet deshalb an Verleger und Autoren die dringende Bitte, dieses Unternehmen durch Ueberweisung einer größeren Kollektion einschlägiger Werke zu unterstützen. fg. Posen, 19 Mai. Am 14. v. M. fand hier, im Hotel Keiler, die Generalversammlung des „Vereins zur Förderung des Handwerks unter den Juden" statt. Der Vorsitzende, Fabrikbesitzer- Leo Ephraim, gedachte vor Eintritt in die Tagesordnung der Verdienste des verstorbenen langjährigen Kurators des Vereins, des Kaufmanns Paul Borchert. Die Anwesenden ehrten das Andenken des Verblichenen durch Erheben von den Sitzen. Dein zur Ausgabe gelangten Jahresbericht für 1894 entnehmen wir folgende Notizen: Der Verein unterstützte 14 Lehrlinge mit 839 Mark und verausgabte für Bekleidung 163.50 Mark. An eine große Anzahl von Handwerkern wurden Unterstützungen in Form von Darlehen gewährt im Gesannntbetrage von 9430 Mark (einzeln 30 — 300 Mark). Zürn Reservefonds konnten 493 Mark abgeführt werden. Auch im Berichtsjahr ist die Mitgliederzahl gestiegen; dem Verein gehören jetzt "178 Mitglieder an Die von denselben gezahlten Beiträge beliefen sich auf 2014.85 Mark. Das Vereinsvermögen beträgt 10,370 Mark. Der Etat für 1895 ist mit Einnahme und Ausgabe auf 12,349.50 Mark festgesetzt. Der bisherige Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Zwecks Statutenänderung ist demnächst eine außerordentliche Generalversammlung geplant, Aus der Versammlung heraus wurde dem Vorstande für jahrelange umsichtige Leitung Dank ausgesprochen. r. Aus Schlesien, 19. Mai. Am 13. v. Mts. starb in Bernstad t plötzlich am Gehirnschlag Kaufmann Eduard Redlich, Chef der Firma M. Holländer. Der Verstorbene, welcher erst vor wenigen Monaten an die Spitze der dortigen Gemeindevertretung berufen worden war, hat sich um die Gemeinde große Verdienste erworben, für die sein früher Heimgang einen schweren Verlust bedeutet. — Ein allgemein geachteter Bürger

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