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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-05-24 · Heft 21 (24.5.1895) · p. Seite 249

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 21 (24.5.1895)
Date
1895-05-24
Page
Seite 249 (sequence 11)
Language
German
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249 nd llnbib ätzen fehl! h erscheint, seit Jahrja durL ii ab, wn Westruß iflanb uni e und au; i Kämpfen lnimöglich ans dem »faßt und >ichtungein i die lehr , oder wr entstehen Tendenz sehen Beiei nur an oste-Hüts h Stern", Bernstein »rragender geschaffen, e Teuden? id betrifp ,en Jnhal- :ns einer einde, in iberglantn bis in; ' „Khilla" >ort, „vor Ephrain ii Tag; i), ferner iebte, der s Eckwel: knhin an' tachmim verboten , so fug' gezwickt", vim" sein > Examen inde al; I"; jede; in dieser, nden de; chul auf 'CS Hau; rbant, n ein sehr >s Jahr den 'Aus Alle, um jier nichr frommer Mann ist und seinen „Scholent" natürlich im Ofen eines Andern warm erhält. Es stimmt dazu, daß die Gemeinde eine Verletzung des „Eiruw" als furchtbares Unglück empfindet, daß man dann am Sabbath ein Taschentuch nur als Leibgurt tragen kann, während es sündhaft ist, es gleichsam als Handschuh verkleidet um die Faust zu wickeln, daß jede Frau bei der Vermahlung ihre Haare opfern muß, noch mehr, daß jene Frauen, die zwar dies thu», aber dann „künstliche Scheitel" trage», als frech und schamlos gelten. Aber dazu stimmt auch, daß eine Eisenbahn als „Kischuf" gilt, daß die ganze Gemeinde an Dämonen glaubt, die in Kühen Hausen, daß gegen eine verheerende Seuche einzig „Thilliin"-Sagen als Heitmiltel gilt, weil die Heimsuchung nur in einer großen Versündigung der Gemeinde ihren Grund haben kann. Aehnlicher, zum Theil noch krasserer Züge ließen sich ans den beiden Novellen noch sehr viele beibringen, doch kommt es ja hier ans Vollständigkeit gar nicht an. Genug, daß sich eine Gemeinde, wie die hier geschilderte, schon 1857 schwerlich noch auf deutschem Boden vorfand, daß man sie vollends heute auch im entlegensten Winkel von Westpreußen rmd Posen vergeblich suchen würde; „Schubin, Kosmin, Margonin", ja selbst „das unvergeßliche Wronke" bieten heute ein lichteres, erfreulicheres Bild. Noch mehr, selbst in Galizien und Rumänien herrschen heute nur noch in den kleineren Städten so düstere Zustände. Bernstein hat ein Bild aus seiner frühen Jünglingszeit gezeichnet, so mag es um 1825 in Jnowrazlaw oder Fordou ansgesehen haben; ans dieser Sticklnst hat er sich mühsam emporgernngen; die Erinnerung an sie hat ihm seinen Platz auf der äußerste» Linken im Judenthnm angewiesen. Wie nun aber berichtet er als Dichter diese Thatsachen? Etwa polemisch, i» bitterem Grimm oder Tadel? Wahrlich nein! Oder mit Spott und Ironie? Ebenso wenig! Er stellt sie eben dar, und zwar so pietätvoll als irgend möglich. Wo sich Gutes hervorheben läßt, thut er es ernst, warm, eindringlich, ja pathetisch, über das Schlimme Hilst er dem Leser durch alle Zauber des Humors hinweg, mit dem er das Harte und Düstere nmkteidet. Daß ihm dies gelingt, ist ein vollgiltiges Zeugniß seiner dichterischen Kraft; wie furchtbar düster und eng jenes Leben gewesen sein muß, werden wir erst inne, wenn der Erzähler verstummt ist und wir uns selbstständig die Thatsachen zurechtlegen, die er »ns berichtet hat; so lange er spricht, oder so oft wir wieder seiner Stimme lauschen, hat diese Erwägung in nnS keinen Raum. Man denke sich solche Zustände von einem andern Dichter geschildert, wüßten wir nicht nach wenigen Zeilen, welchen religiösen Standpunkt er selbst einnimmt? Von Bernstein erfahren wir es durch diese Novellen nicht. Ans einen Liberalen, ja Radikalen, auf den Mitbegründer der Berliner Resormgemeinde würde gewiß kein Leser rathen, wenn er es nicht schon ohnehin ivüßte. Ob nicht im Gegentheil auf einen Mann konservativer Richtung? Diese Vermuthung liegt viel näher, und auf den ersten Blick spricht Einiges dafür. In „Vögele" wird allerdings der Zempelbrwger ein Lehrer, der Kosmincr ein Kaufmann, Beide kehren erst in das Städtchen zurück, nachdem sie sich in Berti» etwas Bildung geholt, aber dagegen hat ja wohl auch kein Orthodoxer in Deutschland etwas einznwenden. Aber jener befreiende Humor in der Schitderung der Auswüchse der Orthodoxie spricht dagegen; ein Dichter orthodoxer Richtung, sofern er nur eben ein ehrlicher Mann und ein Künstler gewesen wäre, hätte wohl auch ein schüchternes Lächeln versucht, um den Leser nicht unter der Wucht solcher Eindrücke znsammcnbrechen zu lassen und nicht etwa das Todtschweigen oder Beschönigen gewählt — aber ein so freier, so souveräner und überlegener Humor wäre einem Manne dieser Richtung unmöglich gewesen; so mild und stark zugleich ist in derlei Dinge» nur der Humor eines innerach Freien. Trotzdem hat cs Leser genug gegeben, die Bernstein entweder für einenOrthodoxcn hielte», oder doch, sofern sie seinen religiösen Standpunkt kannten, meinte», daß er ihm da eben als Dichter untreu geworden, daß das Ecmüth den Reformer Bernstein zu einem zeitweiligen Verweilen im orthodoxen Lager bestimmt. Sogar ein Mann wie Mvriz Veit, der Verleger des Kalenders, der dies nicht gut glauben konnte, hat doch immerhin einen Tendcnzzweck vermuthet. „Sie haben", lesen tvir in einem Brief, den er am 4. August 1857 an den Dichter gerichtet, „eine Rechtfertigung der jüdischen Weltanschauung in ihren beschränktesten, wohl gar häßlichsten Erscheinungsformen gegeben, die Ihnen nicht genug gedankt werden kann. Wenn ans der Grundlage der jüdischdeutschen Frauenlitteratur ei» so geistvolles, anmnthiges, tiefsinniges, Welt und Lebe», so weit es davon berührt wird, beherrschendes Naturell Herborgehen kann, wie Vögele, und wenn die Eingewöhnung in diese ideale Welt religiöser Anschauungen, die von den Blitzen poetischer und philosophischer Kombination wunderbar und wunderlich beleuchtet wird, die Unbefangenheit und Stille einer kerngesunden Mädchenseele, wie Golde's, so wenig aus den Angeln hebt, ja mit einem eigenen Zauber ningiebt, so muß selbst in diesen Ausläufern der jüdischen Litteratnr ein Kern stecken, der werth ist, gekannt und gewürdigt zu werden, ein Kern, der von allen Stoffen, deren die Seele zu ihrer Wohnung bedarf, so viel enthält, um volle, wahre, sittliche und denkende Menschen zu bilden." Wer tiefer blickt, wird nicht zweifeln, daß Bernstein als Dichter auch diese Tendenz nicht verfolgte, so wenig wie irgend eine andere. Auch Abraham Geiger's Urtheil möchte ich nur theilweise n'nterschreiben; er hat Recht, wenn er diesen Dichtungen „das Verdienst der vollen poetischen Wahrheit" zuspricht, aber eine „Verklärung überwundener Zustände" kann ich da nicht finden, dann wäre es eben auch nicht „volle poetische Wahrheit", die der Dichter geboten; wer verklären will, weicht eben von der Wahrheit ab. Nach meiner Meinung ist in beide» Novellen keine Spur irgend einer Tendenz im Sinne dieses oder jenes religiösen Standpunktes zu finden. Mit Pietät und Humor zugleich ist da ein Stück verschollenen Lebens hingestellt, ohne irgend eine Absicht als eben die, es so getreu und anschanlich als möglich zu schildern. (Schluß folgt.) M 1- 1 * l FEUILLETON 8 A! m LMJlWmi»!ll. aallJDW"' m lilSfflMIIT1 »“Ü"!! '"ii“! ® ..... . - - - —--| i— i 1— M -ö Der starke Simson. Eine Erzählung von Elise Orszeszko. enn Du einmal, theurer Leser, ein Synonym für das Wort „Inde" finden willst, so nimm ein historisches Wörterbuch zur Hand und suche unter dein Buchstaben „K", wenn Du den Namen „Krösus" findest, so unterstreiche ihn und behalte ihn in Gedanken, weil Du gefunden hast, was Du wolltest; ein Synonym für „Jude" ist Krösus. Jude und Krösus ist ein und dasselbe; nicht wahr? Jeder Mensch weist doch, dast es vor Allem unter den Juden Rothschilds giebt, und dann auch noch andere Bankiers, die, ich weiß gerade nicht wie viel Millionen und vergoldete Paläste voll mit kostbaren Gemälden, Teppichen, Schnitzarbeiten rc. besitzen. Daraus also folgt der einfache Schluß. dast ein Stamm, der Rothschilds uub andere große Bankiers besitzt, sehr reich sein und im Allgemeinen

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