Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1895)
- Date
- 1895-05-24
- Page
- Seite 247 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3228094-3228116--51807-3272571- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
247 ventilirtei zusammei )th V.. 2 i aus ih schiedenhei Igel unte inbegriffen em Fleiscl rade schm befremdlia t Milch zi mit Fleise Hier lieg rauch her einem Zu st von de: cs hinein znsammei > Aussatz lmud einl schen Ver ionen, bin ,ai 2, 12) Profanem ischverbot> ist daher »ätere Er : zwischen n bestand ei Punkt raute Ver eiß: Dm im Rech- »n Opfer nicht uii Neharder bleibendiesterlichk! aben, di- Das is: besondere r. Wiener Judenheil Das zeug! raditions n Namen setzt. Es , die dihinüber ib später evitisch: s unsr: Schlacht »» Urahi i tlii c h<> gedeutete: „Schlachte sowie Ich, dein Gott von Uraltersher durch teberlieferung dir befohlen habe". Aber ebenso galten den Priestern gewisse Opferthiere für untauglich, als ob sie trekg. von wildem rhier zerrissen waren, auch wenn sie nicht gerade schon dem Gefallenen sieichkamen. Und weil jene Laienfrommen ihre Mahlzeiten zu hei- >gen Opfermahlen gestempelt sehen wollten, die denen der Priester üchts nachgaben, so durften auch sie keine gebrechlichen Thiere chlachten, um darüber Gottes Namen segnend zu preisen. Hier liegt rer Schlüssel zu der so sehr angewachsenen Zahl der rabbinischen l'reka-Verbote. Es liegt all' diesen drückenden talmudischen Satzungen, wie schon der Erzreformer Dr. Geiger gezeigt hat, ein großartiges Prinzip zu Grunde: „Gott hat Allen dasPriesterhum und die Heiligkeit als Erbe gegeben." II. Macc. 2,17. Aus dieser Wurzel ist der gewaltige, Alles überschattende Baum des Rabbinismus hervorgcwachsen. Dieses Prinzip aber enthält auch bereits die Erklärung der biblischen Speisegesetze. Und nur weil sich unser hochverehrter Freund Dr. Wiener so wenig wie seine von ihm bekämpften Talnind-Gläubigen zu diesem Prinzip klar und bestimmt erheben kann, darum gelang es ihm nicht, so wenig wie es den Rationalisten des Mittelalters oder der alexandrinischen Zeit gelungen, in die Tiefe der Speisegesetze einzudringen. (Ei» Schlußartikel folgt.) Ueber A. Bernstein. Von Karl Emil Franzos. V. er vorliegende letzte Abschnitt dieses Essays soll die beiden Ghetto-Novellen Bernsteins näher betrachten, ihren bleibenden Werth als Dichtungen wie als Kulturschilderungen würdigen. Man weiß, daß ich mich von vornherein auf diese Aufgabe beschränken wollte. Mein erster Aufsatz theilte einen Brief Bernsteins an mich und die Daten seiner Biographie nur deshalb mit, weil man >a über Dichtungen dieser Art, die ohne besondere Erfahrungen ihres Verfassers gar nicht denkbar sind, kaum sprechen kann, ohne vorher an den Dichter erinnert zu haben. Damit hielt ich die Einleitung für erledigt. Da ergab sich die Rothwendigkeit, ihren Zwecken einen zweiten Aussatz zu widmen. Ich hatte die biographischen Daten so gegeben, wie man sie überall lesen kann; zudem besagt eine handschriftliche Aufzeichnung aus Bernsteins nächstem Familienkreise daffelbe, und dennoch überzeugten mich die Mittheiluugen, die mir nun zuflossen, daß diese Angaben zum Theil unrichtig gewesen. Ich mußte Wichtiges berichtigen, anderes Wichtige nachtragen. Nebenbei bemerkt, sind mir Mittheiluugen dieser Art auch später noch zugegangen, die wesentlichste mag hier mitgetheilt iei». Auf dem Titel der letzten, 1892 erschienenen Auflage der Novellen steht: „Aron David Bernstein", denselben Doppelnamen giebt ihm jene handschriftliche Biographie; wie hält' ich da zweifeln sollen? Run schreibt mir aber der nächste Freund des Dichters, Herr Philipp Wertheini: Bernstein habe nur „Aron" geheißen; „David" sei der Vorname seines Vaters gewesen; der Dichter selbst habe seit 1876, >vo er von der Tübinger Hochschule das Toktordiplom erhalte», seinem Namen zuweilen ein lateinisches „D." vorgesetzt, aber das bedeutet natürlich „Doktor", nicht „David". . . Dies als Nachtrag zu jenem zweiten Artikel, den ich übrigens benützte, um auf die Populür-wiffenschaftlichen und politischen Arbeiten Bernsteins einz»gehen und auch in ihnen das Geinüth, die Phantasie, die Gestaltungskraft, kurz, den Poeten nachzuweise». Aber die Hauptsache war mir doch die Betrachtung jener beiden Jugend-Arbeiten, durch die er der Vater der Ghetto-Novelle geworden. Da jedoch ergab sich als wahrlich unvermutheter Stoff sür einen dritten Aufsatz die unabweisbare Pflicht, nachzuweise», daß „Vögele der Maggid" und „Mendel Gibbor" nicht Jugendarbeiten waren und Bernstein nicht der Vater der Ghetto-Novelle. Auch in diesem Wichtigsten hatten die Quellen mich, wie Jedermann getäuscht! Das waren im Gegentheil seine letzten dichterischen Arbeiten! Aber uun mußten auch die Fragen beantwortet sein, die sich daraus ergaben: In welchem Verhältniß stehen diese letzten Dichtungen Bernsteins zu seinen Jugend-Versuchen; welche Gründe mögen ihn, den damals kaum siebenundzwanzigjührigen Manu bewogen haben, scheinbar für immer dichterischem Schaffen zu entsagen, und vor Allem, welche Gründe haben ihn daun, in seinem 46. Jahre, diesem Schaffen wieder zugeführt? Darauf suchte mein vierter Aufsatz die Antwort zu geben. Das Wichtigste und Werthvollste dazu steuerte der Mann bei, der Bernstein die Feder zu diesen Arbeiten in die Hand gedrückt, Herr Philipp Wertheil». Wir wissen nun, wie der Verlust der Gattin, die Einsamkeit seiner Wittwerjahce dem Dichter dies Geinüth aufgerührt und die Erinnerung i» die Jugendzeit zurückgelenkt haben, wie der Verkehr mit Freunden, die ähnliche Jugendcindrücke erfahren, ihm gerade in jenen Jahren die verschollene Zeit lebendig gemacht, wie endlich der Einfluß Wertheims den überbürdete» Publizisten dazu geführt hat, einen flüchtig hingeworfenen Gedanken zur That zu machen und „Vögele der Maggid" binnen zehn Tagen auf's Papier zu werfen. Also eine richtige Improvisation, allerdings eine geniale, an die sich dann nach Jahresfrist mit mehr Kunstbewußtsein und Sorgfalt ein reifes Kunstwerk reihte: „Mendel Gibbor". Aber auch zu seiner Schaffung wirkte der äußere Anlaß bcstimuieud mit, und weil dieser dann aufhörte, weil Wertheims Kalender eingiug, darum besitzen wir nur zwei Ghetto-Novellen von Bernstein. Ich habe diese Uebersicht des Ganges und der Ergebnisse meines Essays schon deshalb voraus schicken müssen, weil ich diesen letzten Aufsatz leider erst nach Monaten folgen lassen kann und der vorsichtige Autor immer wohl daran thut, bei dem Leser für seine Arbeite» ein etwas minder gutes Gedächniß vorauszusetzen, als er cs selber hat. Aber es läßt sich auch eine Betrachtung daran knüpfen, die weit über den Einzelfall hinausreicht. Die exakte Methode der Litteraturforschung, die jedes biographische Detail und namentlich auch die Entstehungsgeschichte jeder Dichtung genauest klarzustellen sucht, ist auch heute noch, wo sie auf deutschen Hochschulen die herrschende ist, keineswegs »»bestritten. Manche Leute, die zwar keine Professoren der Litteratur-Geschichte sind, aber doch wohl etwas von dem Wesen der Dichtung verstehen, z. B. einige Dichter, über die mau allerdings erst in den Seminaren des XX. Jahrhunderts exakte Untersuchungen anstellen wird, sind der Meinung, daß man bei dieser Methode leicht vor lauter Bäume» den Wald nicht sehe. Die Vertiefung in das kleine Detail lasse zu keinem Gesanimteindruck der Persönlichkeit wie der Dichtung komme»; auch stumpfe die Feststellung kleiner Aenßerlichkeiteu leicht den Sinn sür die Hauptsache ab, die ästhetische Betrachtung des Kunstwerks - Dies Alles ist sehr verständig und berechtigt, aber es kehrt sich dach nur gegen die Uebertreibungen der Methode, die Gefahren, die sie bringen kann, die Verstiegenheiten Einzelner, meinetwegen sogar Vieler, aber nicht gegen das Wesen der Methode. Richtig gchaudhabt, vermag sie uns das Erfassen der Seele des Kunstwerks zu erleichtern, es uns näher zu bringen. Das Wichtigste bleibt selbstverständlich der Eindruck, den das Kunstwerk uns im uiibefaiigencn Genießen macht; es wird dadurch, daß wir über seinen Dichter und die Ver-