Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1895)
- Date
- 1895-05-17
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Juden, die uns im Kampfe gegen den Antisemitismus mehr Schwierigkeiten machten, als die eigentlichen Gegner. Zum Schluß sprach noch Dr. Hirsch Hildesheimer einige zündende Worte. Hierauf schloß der Präside den offiziellen Theil, dem noch eine längere urgemüthliche Fidelität folgte. 22 Berlin, 14. Mai. Die „Vereinigung Monbijou" veranstaltete am 8. d. M. ihren zweiten diesjährigen wissenschaftlichen Unterhaltungsabend im Festsaale des Vereinshauses Wilhelmstraße 118. Herr Redakteur E. Flanter hielt einen Vortrag über das Thema: „Das Erziehungswesen bei den alten Hebräern". Nach Schluß des Vortrages! fand noch ein geselliges Beisammensein mit Kaffeetafel und deklamatorischen und musikalischen Vorträgen statt. Die Vereinigung hat sich die Aufgabe gestellt, jüdischen jungen Männern und Jungfrauen in regelmäßigen Zusammenkünften durch die verschiedenartigsten Vorträge geistige Anregung zu bieten und besonders die Kenntniß der jüdischen Litteratur und Geschichte zu fördern. Die „Vereinigung Monbijou" tagt jeden Mittwoch, Abends 9 Uhr, in Cassels Hotel, Burgstraße. X Bromberg, 10. Mai Der 72 Jahre alte Händler Mittler in Rosenberg hatte dem Vorbeter am 26. Januar d. I. nach Vorlesung eines Thoraabschnittes, auf welchen ein bestimmtes Gebet „Kadisch" folgen muß, bei Weglassung desselben zugerufen: Kadisch! Kadisch! Hierin sollte eine Störung des Gottesdienstes gelegen haben. Mittler behauptete, zu diesem Zuruf berechtigt und verpflichtet gewesen zu sein. Der Vorbeter giebt zu, daß er sich in der Reihenfolge der Gebete geirrt haben könne, und der Vorsteher der Gemeinde bekundete, daß schon früher Zurufe wiederholt erfolgt sind. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erfolgte vor der hiesigen Strafkammer die Freisprechung des Rittler. ' Hamburg, 12. Mai. Der israelitische Stellenvermittelungs-Verein hielt am 6. d. Mts. seine diesjährige Generalversammlung ab. Der Vorsitzende erstattete den Jahresbericht und hob zunächst hervor, daß der Vorstand nach wie vor bemüht bleibe, die Thätigkeit des Vereins auch auf die Vermittelung von Handwerkerstellen auszu- I dehnen; er hoffe, recht bald zu einem Resultat zu kommen. Was die bereits n der vorigen Generalversammlung besprochene Frage der Versicherung gezen Stellenlosigkeit anbetrifft, so habe sich der Vorstand eingehend mit dieser Frage beschäftigt. Man sei zu der Ueberzeugung gelangt, daß eine Stellenvermittelung sich nur in großem Maßstabe durchführen lasse; es seien deshalb auch Unterhandlungen behufs Vereinigung der drei in Deutschland bestehenden Stellenvermittelungs-Vereine angeknüpft, welche voraussichtlich zu einem befriedigenden Resultat führen werden. Was die materiellen Erfolge des Vereins im Geschäftsjahr 1894 anbelangt, so waren 347 Vakanzen gemeldet, denen aber nur 203 Bewerber gegenüberstanden. Von diesen erhielten durch Vermittelung des Vereins 75 Bewerber einen Platz, nämlich 44 Kommis, 28 Lehrlinge, 1 Lehrmädchen und 2 Austräger; der Vorsitzende giebt alsdann noch einen Ueberblick über die verschiedenen Branchen. Dieses Resultat,! welches 37 pCt. der gemeldeten Bewerber bedeutet, ist um so mehr als ein günstiges zu bezeichnen, als der „Verein für Handlungs-Kommis von 1858" nur 27 pCt. der bei ihm gemeldeten Bewerber besetzen tonnte. Was die pekuniären Verhältnisse des Vereins anbelangt, so stellten sich dieselben im verflossenen Geschäftsjahr wie folgt: An Beiträgen von Mitgliedern und einmaligen Spenden wurden 1228.30 M. vereinnahmt, was mit dem Saldo vom vorigen Jahre von 259.93 M. eine Einnahme von 1488.23 M. ergiebt, der gegenüber die Ausgaben von 1096.79 M. stehen, so daß ein Saldo von 319.44 M. verbleibt. Bei dieser Gelegenheit sei noch kurz auf die von unserm Verein eingeführte Neuerung aufmerksam gemacht, daß wir Beiträge von sämmtlichen auswärtigen Mitgliedern durch Postnachnahme einziehen werden. Die Mitgliederzahl beträgt 316 resp. 352, wenn man die seit Beginn des Jahres eingetretenen, aber erst vom 1. April ab zahlenden Mitglieder mit hinzurechnet. Bei Punkt 2 der Tagesordnung werden die aus dem Borstande ausscheidenden Herren Mor. Heimann, W. Pels und Mor. S. Wolff per Akklamation wiedergewählt. u. Hildesheim, 8. Mai. Heute sende ich Ihnen eine sehr wichtige Entscheidung für das jüdische Schulwesen. Unser Vorstand hat einen alten Streit, wie Sie ersehen werden, mit Erfolg bekämpft, und es wird diese Entscheidung sicher in vielen Kreisen lebhaftes Interesse wachrufen. Der Kaufmann Gustav Meyerhof zu Hildesheim klagte bei dem Bezirksausschuß gegen den Vorstand der Synagogengemeinde auf Freilassung von den Schullasten der Synagogengemeinde, eventuell insoweit dieselben auf die Religionsschule entfallen. M. ist im Mai 1893 aus der jüdischen Kirchengemeinde in gesetzlich vorgeschriebener Form ausgeschieden und hat die Steuer zur Synagogengemeinde bis ultimo 1894 bezahlt. Mit diesem Zeitpunkt ist er nach seiner Ansicht von allen Lasten befreit, welche auf der persönlichen Zugehörigkeit zu der früheren Kirchengemeinschaft beruhen. Höchstenfalls könne er, wie ausgeführt wird, zu den Kosten der Volks schule, welche von denjenigen der Religionsschule zu trennen seien, herangezogen werden. Nach der Ansicht des Beklagten ist Kläger mit dem Austritt aus der jüdischen Kirchengemeinschaft nicht auch aus dem Schulverbande der jüdischen Gemeinde geschieden und hat deshalb die Lasten des Schulverbandes auch weiter mit zu tragen. Diese Verpflichtung wäre nur dann fortgefallen, wenn Kläger durch Uebertritt zu einer andern Religionsgemeinschaft dem betreffenden Schulverbande zugewiesen wäre. Dies sei aber nicht geschehen. Die bestehende Religionsschule erfordere keine besonderen Kosten. Der verlangte Beitrag sei für die Volksschule zutreffend berechnet. — Die Klage wurde zurück ge wiesen Eine ähnliche Klage hatte der Bankdirektor Leeser zu Hildesheim gegen den Vorstand der Synagogengemeinde daselbst erhoben. Auch dieser Kläger ist im Jahre 1893 in gesetzlicher Form aus dem Judenthum ausgeschieden, aber gleichwohl zu den Schullasten der Gemeinde pro 1. Quartal 1895 herangezogen. Er verlangt Freilassung von der Schulsteuer. Beklagter machte hier dieselben Ausführungen wie in vorgedachter Streitsache, denen gegenüber vom Kläger geltend gemacht wurde, daß ein jüdischer Schulverband nicht existire, daß event. zuvor seine Zuweisung zu diesem Verbände erfolgen müsse, übrigens aber Juden, die ihre Kinder christliche Schulen besuchen lassen, Schullasten zu dem betreffendeil christlichen Schulverbande zu leisten haben. Auch diese Klage wurde vom Bezirksausschuß zurückgewiesen. Wie ich höre, will man nun das Ober- Verwaltungsgericht angehen, — an den Erfolg für die Kläger glaubt man in wohlunterrichteten Kreisen aber nicht. 8. Landau (Pfalz), im Mai. Am 25. April tagten hier die israelitischen Lehrer des Rabbinatsbezirks Landau, nachdem man seit 10 Jahren keine Lehrerkonserenz abgehalten hatte, obwohl Anlaß genug vorhanden gewesen wäre, wichtige Fragen zu erörtern. Erst Herrn Dr. Einstein, dem seit Jahresfrist hier wirkenden Bezirksrabbiner, war es Vorbehalten, Abhilfe zu schaffen. Freudig folgten sämmtliche Lehrer des Bezirkes, ca. 20 an der Zahl, seiner Einladung, und die Zeit des Zusammenseins wurde mit ernster Arbeit ausgefüllt. Vor Allen: galt es, einen neuen Normal-Lehrplan aufzustellen, da die jahrelange Erfahrung lehrte, daß der unter dem früheren Rabbiner Dr. Grünebaum ausgearbeitete nicht mehr genügte. Der Vorsitzende, Dr. Einstein, und zivei Kollegen hatten ein diesbezügliches Referat übernommen. Nach längerer, gründlicher Besprechullg wurde der neu aufzustellende Lehrplan fixirt und drei Herren mit der Ausarbeitung desselben betraut. Außerdem standen auf der Tagesordnung : „Der biblische Geschichtsunterricht" sowie die „Schulaussetzung wegen religiöser Festtage unter Bezugnahme auf die pfälzische Schul- und Lehrordnung". Daran schloffen sich „freie Besprechungen" über das Wohl und Wehe der Lehrer. Herr Dr. Einstein sprach sowohl bei Beginn als auch zum Schluffe der Konferenz wohlmeinende Worte zu den anwesenden Lehrern. Seinen Ausführungen merkte man an, daß es ihm darum zu thun ist, das Judenthum zu heben, und daß er als wichtiger Faktor hierzu in erster Linie die Schule, den Lehrer sieht. Daß Herr Rabbiner Tr. Einstein den Lehrern hilfreich zur Seite steht, erkennen dieselben freudig an, und was ein Lehrer zu arbeiten und zu kämpfen hat, weiß Herr Dr. Einstein als Sohn eines Lehrers ganz genau, wie er in seinen Eingangsworten auch angedeutet hat. Diese freiwilligen Lehrerkonferenzen werden jetzt regelmäßig ein-- oder zweirnal im Jahre stattfinden. o Oels, 8. Mai. Ein großer Verlust steht der hiesigen jüdischen Gemeinde bevor: Unser verehrter Rabbiner Dr. Chodowski soll ihr durch seinen Abgang nach Preuß. Stargardt entrissen werden, woselbst er einstimmig zum Rabbiner gewählt worden ist. Zwölf Jahre lang hat Herr Dr. Chodowski mit Selbstverleugnung und Treue seines hiesigen Amtes gewaltet. Darum wirkte die Nachricht von seinem bevorstehenden Abgänge geradezu bestürzend. In allen Kreisen, sowohl in denen seiner