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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-05-17 · Heft 20 (17.5.1895) · p. Seite 238

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 20 (17.5.1895)
Date
1895-05-17
Page
Seite 238 (sequence 12)
Language
German
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238 man überhaupt nur von Wenigen rühmen. Wenn auch nicht die 28 Jahre der Freundschaft j-01) verliehen, so ist es deren Innigkeit, der Kummer, der Sie den Gegenstand Ihrer Vorwürfe hat fehlgreifen lassen. . . . Die Anstalt blühete, wenn man sie nicht geflissentlich untergraben wollte, und mich stört und neckt man ganz ohne alle Veranlassung, mich, der vor drei Jahren ein ganz verfallenes Institut hat müssen aus dem Staube emporziehen. Jedem bin ich bereit, das ihm gebührende Recht zu gewähren, aber mißhandeln lasse ich mich nicht. Was man vollends in diesem Augenblicke eigentlich von mir will, ist mir unbegreiflich. Ich engagire keine Lehrer und habe nur zu konferiren, wenn man mich auffordert. Die Beziehungen der Schulvorsteher zum Seminar, sowohl die aus privatrechtlichem Grunde stammenden, als die in dem Verhältnisse zu dem Gemeinde-Vorstände gegebenen, sind mir unbekannt; bekannt ist mir nur, daß sie nicht meine Vorsteher sind, ich mithin nicht ihr Untergebener. Bereits vor 18 Jahren, als Direktor der Gemeindeschule, wußte ich nichts von Gabaim, war vielmehr eine Zeit lang ihr Kollege, und jetzt sollte ich solchergestalt vorgerückt sein? Nächst der Staatsbehörde erkenne ich als Vorgesetzte nur den Gemeindevorstand an; niemals aber weder die Schulvorsteher noch deren angebliches Haupt, den Rabbiner. Ich liebe den Frieden, auch wenn ich meinen Prinzipien treu bleibe; möchten nur Alle, die die Religion im Munde führen, so viel aufrichtiges Wohlwollen als ich gegen ihre Brüder haben, daß sie Parteizwecken nicht nützliche Anstalten als Opfer darbringen! Durch Zwietracht zerstören ist leicht, aber schmachvoll; einträchtig Gutes fördern aber ziert mehr als eine Bürgerkrone. Daß ich gegen Niemanden einen Groll habe, dürfen Sie mir glauben. Hat Die Aufrichtigkeit meiner Gesinnung Sie, hochgeehrter Herr, überzeugt, so darf ich mit der Hoffnung schließen, daß ich Ihren Vorwurf bündig beseitigt habe. Mit aller Hochachtung und Freundschaft Ew. Wohlgeboren ergebenster Berlin, 30. Januar 1843. Zunz. Sollte Mißverständniß und vielleicht Uebelwollen in m i r die Ursache einer etwa entstehenden Zerrüttung finden wollen: so erkläre ich hiermit, daß ich sehr gern, wo es Rechtens ist, mit den Herren Vorstehern der Gemeindeschulen konferire und sie selber noch von meinem guten Willen zu überzeugen hoffe. Z. Ten Schluß der Zunzschen Briefe mache ein schönes Dankschreiben. Veit hatte ihm am 11. März 1846 — dem Tag vor Purim, Veit meinte irrthiimlich, es sei Purim — die damals fertigen 6 Bände der bei ihm erscheinenden Ausgabe der Werke Fichtes mit folgenden Zeilen geschickt: „Das heutige Fest mahnt schmerzlich daran, daß noch immer wie vor 23 Jahrhunderten über das Geschick der Juden das Loos geworfen wird. Nicht die Denker, die Wissenden entscheiden; Hochmuth, Eitelkeit und Selbstsucht drängen sich vor und Nieten geben den Ausschlag. In so schwülen Tagen ruht der bekümmerte Gedanke gern auf solchen Männern aus, die in allen Wettern Farbe halten, deren bloßes Dasein ein Protest und, will's Gott, eine Bürgschaft für die Lösung einer unerhörten Sprachverwirrung ist. Daß Sie mir zu diesen Männern des Trostes gehören, wissen Sie. — Der Mann, dessen Werke ich Ihnen darbiete, hat ein großes Befreiungswerk gethan und wir wollen ihm deshalb den Tropfen aus dem Blute Amaleks vergeben, der auch in seinen Adern fließt." Auf diese würdige Begrüßung antwortete Zunz nicht minder schön: „Sie haben mich dreifach überrascht: mit dem Geschenk, mit dem Tage — morgen ist erst Purim — und endlich mit Ihrem Briefe: So nehmen Sie meinen dreifachen Dank an und den Wunsch, daß Sie in dem bloßen Dasein des Purim eine Bürgschaft für die Dauer Israels anerkennen mögen. Haben, wie Fichte bemerkt, nicht alle Zeiten wahre Regenten, so können auch wir nicht gerade von der unsrigen die Wahrheit, den Charakter, den Adel in concreto verlangen: vielleicht kommen die wahren Rabbinatsbeflissenen erst mit der Wiederkehr des Halleyschen Kometen. Nieten füllen blos den Raum, den Ausschlag geben die hohen Gewinne. Uebrigens erscheint mir die Zeit, die kämpft, keineswegs traurig; sieht auch der Einzelne sich im Gewühl oft zurückgedrängt, so ist das nur sein Leib. Während über diesen hinweggeschritten wird, schreitet sein Geist über die i) kauach Kraft, in Zahlenwerth 28. vermeintlichen Tageshelden hin, und eine Hand aus den Wolken zeichnet das Datum, an dem sie vergessen sein werden." * Nachtrag zu Nr. 14, Seite 166, ganz unten. Die Zahl 172 mit der Veit seinen Artikel in den Blättern für litterarische Unterhaltung zeichnet, entspricht, wie Herr Oberrabbiner Simonsen in Kopenhagen scharfsinnig vermuthet, dem Zahlenwerth der hebräischen Chiffre Veits (BO) 's (2 4-50) p (40) ö; 2 p NVL zu deutsch: Moritz, Sohn des Philipp. c_ mrainmiMHi/ii;, CTsiHtmimiiTiii w klMWW I i FEUILLETON 8 A 1 St IMIIMlUiCl: "UÜIIM1' -I i— g*t*^ii:Manfnt^i!-;i;s^!!^niiamti!smyiLUiiiimmninim[i;iiiimninimiii.iimjn>niu»i.iii»uimniii«ii.iii!oinrnL>iiiiP«t>»7 ---1 —4 lüüinymanriv Anfgegangene Saat. Ein Zeitbild von Jenny Hirsch. (Fortsetzung.) «) WfP'uf demselben Wege, den sie gekommen, und der immer noch sdNMZ frei war, da alle Angriffe sich auf die Fabrik richteten. y(j trugen die Drei den Verwundeten unter unsäglichen Anstrengniigen nach dem Wohnhause zurück. Sie mußten lange rufen und pochen, denn der Hausverwalter hatte hinter ihnen den Eingang verrammelt. In seiner Wohnung legten sie zuvörderst ihre Last nieder; Julius ging, um die Schwestern vorzubereiten, Max machte sich an die Untersuchung der Wunde. „Hätte nicht gedacht, daß ich meine noch so sehr grüne Kunst zuerst an »reinem Vater erproben soll," murmelte er. „Es bleibt aber nichts weiter übrig, denn ein anderer Arzt wird jetzt schwerlich zu erlangen sein." Die Kugel war in den Hals gedrungen und hatte eine sehr starke Blutung veranlaßt, die Verwundung schien aber keineswegs lebensgefährlich. Von Leonhard und dem Hausverwalter unterstützt, legte Max einen Nothverband an; unter seinen Bemühungen kam der Vater wieder zu sich und erholte sich so weit, daß er, von Beiden gestützt, die Treppe hinaufsteigen konnte, wo ihn die Töchter bleich und zitternd, aber doch mit Fassung empfingen- Während die Kinder um den verwundeten Vater beschäftig waren, nahm das Zerstörnngswerk in der Fabrik mit erschreckender Schnelligkeit seinen Fortgang. Die Thüren und Fenster waren zertrümmert, der Eingang frei. Man zündete die Lampen an, um z» der Arbeit des Wahnsinns gehörig Licht zu haben und zerhieb Alles — die Webstühle, die Maschinen, die Spulräder, die Wickelvorrichtungcn. Aus den Vorraths- und Packräumen wurden die Garne und die fertigen Waaren hinausgeschleudert, von gierigen Händen aufgerasft und als gute Beute fortgeschleppt, doch ging ebenso viel unter de» Füßen der Nachdrängenden zu Grunde. Im Komtoir ward der eiserne Geldschrank durch Beilhiebe zertrümmert, ohne daß man darin die gehofften Reichthümer gefunden hätte. Erst am Nachmittag war Lohnauszahlung gewesen und nur eine mäßige Summe in barem Gelde vorhanden. Der Unmuth über diese Enttäuschung tvard an den Geschäftsbüchern und Briefschaften ausgelassen, die zerrissen, hinausgeschleudert, in den Koth getreten wurden. Plötzlich ertönte der Ruf: „Es brennt! Es brennt!"

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