Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1895)
- Date
- 1895-05-17
- Page
- Seite 232 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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232 Gin Vorschlag. Bon Fritz Stier-Somlo, Kammergerichtsreferendar. ^^eitdem sich in ganz Deutschland, vornehmlich durch die /gmpx Thätigkeit des Redakteurs dieser Wochenschrift, Vereine für eT jüdische Geschichte und Litteratur gebildet haben, ist in denselben eine ansehnliche Zahl wissenschaftlicher Vorträge gehalten worden. Diese haben, das mag mit Freude festgestellt werden, stets einen erkenntlichen Zuhörerkreis gefunden, der sich freilich in weiteren oder engeren Grenzen halten mußte, je nach der Größe der Stadt und der Gemeinde, innerhalb welcher der Vortrag stattfand. Und diese Grenzen, so meine ich nun, sind in unserer Zeit der Buchdruckerei mittelst Elekrotechnik wahrhaftig nicht die natürlichen! Was im kleinen Kreise sich bewährt hat, mag seinen Weg in die breite Oefsentlichkeit finden. Westen Belehrung nützlich ist für Wenige, wird es auch sein für Viele. Mein Vorschlag geht nun dahin: Jeder Verein für jüdische Geschichte und Litteratur wirft jährlich einen festen Betrag aus, welcher meinetwegen 4 v. H. seines Nettoeinkommens betragen soll. Diese sollen gesammelt und als ein Fonds konstituirt werden. Derselbe soll verwendet werden zur Begründung einer „Sammlung von Vortrügen zur jüdischen Geschichte und Litteratur", wobei ich gleich bemerke, daß ich absichtlich „zur jüdischen Geschichte" und nicht etwa „über jüdische Geschichte und Litteratur" gesagt habe, weil in diesem Falle all' diejenigen Arbeiten ausgeschlossen wären, die sich blos mittelbar den Zwecken jüdischer Geschichtswissenschaft dienstbar machen, z. B. ein kurzes Merkchen über die Wandlungen in der modernen Kulturgeschichte, wobei aber — nüt oder ohne Absicht — auf Verhältnisse der Juden besondere Rücksicht genommen ist. In die geplante Sammlung sollen ausgenommen werden Vortrüge, die von Juden oder Nichtjuden in wissenschaftlicher Art in den jeweilig letzten drei Jahren gehalten worden sind. Letzteres deshalb, weil auch wissenschaftliche Vorträge eine, wenn auch naturgemäß beschränkte Aktualität haben müsten. Vorträge, die länger als drei Jahre zurückliegen, werden heute selten gekauft. Die Auswahl der Vorträge erfolgt zweckmäßig durch eine Kommission, die aus den Vorstandsmitgliedern der drei größten Vereine gewählt wird. Letztere erhalten also mittelbar einen Einfluß auf die Veröffentlichung eines bestimmten Vortrages, wobei Wünsche des Vereins, in dem der Vortrag gehalten wurde, besondere Berücksichtigung erfahren können; dieselben können auch durch einen außerordentlichen Beitrag für die „Sammlung" sehr tvirksam gefördert werden. Die Kommission erbittet durch Formular von jedem Vortrage, von dem sie sich nach dem Namen des Verfassers oder nach dem Thema ein Interesse für Leser verspricht, Abschrift. Wenn die Einrichtung sich bewährt, wird auch ein freiwilliges Angebot ohne Aufforderung erfolgen. Dies namentlich dann, wenn ein zwar mäßiges aber dankbar und in höflichster Form gegebenes Honorar — diesmal wirklich nur eine kleine Ehrengabe, eine Anerkennung, ein Zeichen der Erkenntlichkeit — wenigstens für die Unkosten des Vortragenden und einen Theil seiner Zeitaufwenduug Ersatz bietet. Ich betone nochmals, daß die Honorarfrage nicht im negativen Sinne gelöst werden darf. Man dient der guten Sache schlecht durch einen solchen schiefen Idealismus und verkennt die innerste Natur — auch des geistigen — Arbeiters, die auf Erlangung eines positiven Erfolges Gewicht legt. Außerdenr vergrößert sich, auch bei bescheidenem Honorar, die Zahl der zur Auswahl überlastenen Vorträge, diese Erkenntniß wieder treibt den Einzelnen zur Ueberbietung des Andern, was Gediegenheit der Form und des Inhaltes betrifft. Der geisti,,- Wettbewerb aber ist der Segen der Wiffenschaft. Nur kurz will ich betonen, daß die Aussicht auf größere Oefsentlichkeit zumeist nur den Untüchtigen, seltener den Aüzubescheidenen zurückschreckt. Für den Befähigten ist sie stets cm Ansporn hervorragendster Art gewesen. Daß aber dünkelhafte Selb!! Überhebung, die Alles, was von ihr ausgeht, für druckwerth hä!., und wissenschaftliche Charlatanerie — die grassirt gerade — «ich! überhand greifen, steht bei der prüfenden Kommission. Die gedruckten Vorträge — am oberen Theil des Titelblätter als zur „Samnilung" gehörig bezeichnet — werden Eigenthum des den Fonds verwaltenden Vereins. Derselbe nimmt sie i: seinen Verlag, gewährt nach obigen Grundsätzen ein Honorar, (iim durch einen geschickten Buchhändler den Vertrieb besorgen. Allem die Hauptabsatzstellen bilden die Vereine für jüdische Geschichte mm Litteratur in ganz Deutschland. Der Verein — bezw. sein Buchhändler bei — fragt denselben an, ans wie viel Abnehmer der Vortrag rechnen kann und sendet eine bestimmte Zahl nach jedem Orte, wo ein Verein besteht. In den Versammlungen liegen di, Vorträge aus. Eine zum Verein gehörige Vertreterin des schöne! Geschlechts spielt — allein oder mit Anderen — die Verkäuferin n möglichst wenig aufdringlicher Weise. Bei dem geringen Preise eine- Vortrages, worauf ich gleich komme, bildet sich hoffentlich recht bald ein Abonnentenkreis, der, für jährlich 3 Mark etwa, sümmtliche Vor träge, die im Jahre erscheinen, wie seine sonstigen belletristischen Zeii schriften, ins Haus geschickt bekommt. Die Vorzüge solch fester Be stellungen liegen auf der Hand; der Preis der Einzelnummer kann bei Kenntniß von der Zahl gewiß absetzbarer Exemplare feil geregelt werden; der größte Schaden der Broschürenlitteratur, da- Anhäufen überschüssiger Waare, die bald ihre Aktualität verlier! fällt fort. Finanziell scheint nach dem Gesagten das Unternehmen gam ohne Gefahr zu sein. Ich gebe anheim, nur noch Folgendes zu bedenken: Die Herstellungskosten für einen Vortrag von 25—32 ge druckten Oktavsciten betragen nach meinen Informationen je naä der Papiersorte 6—10 höchstens 15 Pfennige. Betriebskosten uni Aehnliches sind für das Exemplar mit 5 Pfennigen hoch genug berechnet. Da auf einen Gewinn nicht gerechnet werden darf, der Preis sick nach den Herstellungskosten richtet, so dürfte ein Vortrag für je 20—25 Pf. käuflich sein und sich sogar einer gefälligen Ausstattuiio erfreuen. Freilich auch hier heißt es: die Masse muß es bringen Bei einem festen Abonnement von 3 Mark können jährlich 12 Heft, zur Versendung kommen. Zur Hebung der am Anfänge sich thürmenden Schwierigkeiten würden Einzclbeiträge Begüterter in der Gesammthöhe von eintausend Mark erwünscht, aber meines Ermessens auch ausreichend sein. Den etwa erzielten Gewinn bei der Publikation der „Sammlung" kann die Kommission zur Aufbesserung des Ho norars, zur Mehrung der Vorträge oder zur Besserung der äußeren Form verwenden. Durch jährliche Rechnungslegung gegenüber den Vorständen der drei größten Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur erlangt sie Entlastung. Die Kommission soll jährlich gewählt werden nach dem oben angegebenen Modus. Eine Wiederwahl ist aber bei dem nöthigen Sichhineinleben in die Erforderniffe von derartigen Litteraturerzeugnissen, unbeschadet der zuweilen unumgänglichen Auffrischung der Kräfte, immerhin wünschenswerth. Das ist in großen Zügen mein Plan, den ich der einsichtsvollen Kritik der Urtheilsfähigen unterbreite. Im Einzelnen ist er noch lückenhaft, aber nicht ganz ohne Absicht. Es sollten hier blos Grundlinien gezogen werden. Ans. > Ili rzlich 0 j beweisen, liiterarisc bin hierv ich durch die ins t l>,ckte, wc selten, de p.rsönlick r aus i mag son lins, ohn endlich ti I bic nicht ober mit imumtlid