Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1895)
- Date
- 1895-05-10
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Bei den üblichen drei Hannnerschlägen wünschte der greise Seelenhirt Gottes Segen herab auf den Staat, die Stadt und die Synagogengemeinde; er flehte um gutes Gelingen des schönen Werkes, um des Allmächtigen Schutz für die beim Lau Betheiligten, daß kein Unfall die Arbeiter treffe. — Die drei Hammerschläge wurden dann von den übrigen Anwesenden ausgeführt. Herr Architekt Henri dankte für das Vertrauen, das ihm geschenkt worden, und versprach, ein Werk aufzuführen der Gemeinde zur Ehre, der Stadt zur Zierde. Vor Allem wünschte er, daß das Haus stets ein, Haus des Friedens sei. — Die Theilnehmer an der Feier vereinigten sich dann zu einem Frühstück in der Bauerschen Weinhandlung, wobei vor Allem der allbeliebte Herr Dr. Wiener in innigster Weise gefeiert wurde. — Der in der jüngsten Nummer genannte erste Bürgermeister heißt nicht Papels, sondern Pagels. Unseres Rabbiners verstorbene Gattin, die von Israeliten und Nicht-Israeliten wegen seltener Gaben des Geistes und Herzens verehrt wurde, hat nicht ein Alter von 73, sondern nur von 69 Jahren erlangt. GD Köln, 6 Mai. Die Strafkammer verhandelte vor einigen Tagen gegen den Handelsmann Abraham David Lüttinger, gebürtig aus Rußland, der unter der Anklage stand, widerrechtlich rituelle Handlungen als Religionsdiener ausgeübt zu haben, indem er zwei seiner Glaubensgenossen in der Spitzengasse traute. Die Handlung ging mit den üblichen (Zeremonien, Umhängung des Gebetmantels über das Paar. Zerstörung eines Weinglases u. s. w. vor sich, worauf der Beschuldigte über das Paar den Segen sprach. Auf dem Standesamte ist diese sogenannte Trauung weder vorher noch später angemeldet worden. Der als Sachverständige geladene Rabbiner Dr. Frank von hier erklärte, daß nach jüdischem Ritus zur Vollziehung der Eheschließung ein Religionsdiener nicht erforderlich sei. Es genüge, daß der Bräutigam der Braut den Ring anstecke mit der Erklärung, daß er sie zu seinem Weibe nehme. Der Segen könne über das Paar von einem Mitgtiede oer Gemeinde gesprochen werden. Das Urtheil des Gerichtshofes lautete auf Freisprechung. ri. Bonn, 3. Mai. Am 9. v. M. schied der Rittergutsbesitzer Israel Bock im Alter von 83 Jahren aus diesem Leben. Länger als ein Vierteljahrhundert dem Vorstande der hiesigen Synagogen-Gemeinde zugehörend, hat er, wie vordem als Mitglied des Repräsentanten- Kollegiums, den Pflichten seines Amtes mit Treue obgelegen und durch seine anerkannten Tugenden der Wohlthätigkeit und der in seinem schlichten Wesen sich äußernden Einfachheit die Liebe und Hochachtung seiner Mitbürger geerntet Nicht nur die von unserem Rabbiner, Herrn Dr. Cohn, gehaltene Trauerrede gab diesen Gefühlen der Verehrung Ausdruck, — ein hierorts hochangesehener christlicher Bürger widmete in einer der hier erscheinenden Zeitungen dem Andenken des verklärten Menschenfreundes einen schwungvollen, poetischen Nachruf. — Ueber unsere Religionsschule bringt ein Bericht des Dirigenten derselben, des Herrn Rabbiner Dr. F. Cohn, nähere Mittheilungen: Das Schuljahr wurde am 8. April in üblicher Weise mit einer allgemeinen Andacht eröffnet. Beim Beginne desselben betrug die Anzahl der Zöglinge 102; hinzugetreten sind 16, abgegangen 10, so daß der Anstalt gegenwärtig 108 (58 Knaben und 50 Mädchen angehören. Am 10. Juni — am ersten Tage des Wochenfestes — fand die Konfirmation von zehn Schülerinnen statt. Im Ganzen, d. h. mit Einschluß des in dem königlichen Gymnasium, in der städtischen Oberrealschule sowie in der Polakschen höheren Töchterschule ertheilten israelitischen Religionsunterrichtes nehmen zur Zeit 147 (73 Schüler und 74 Schülerinnen) an den von dem Herrn Rabbiner gegebenen Religionsstunden Theil. M. Hamburg, 24. April. Der Jsraelitische humanitäre Frauen-Verein, welcher kürzlich mit glänzendem Erfolge ein Konzert veranstaltete, versendet soeben seinen Jahresbericht, dem wir das Folgende entnehmen. Getragen und gehoben von freudigster Begeisterung, erfüllt von dem Willen zu hingebender, emsiger Arbeit, so wurde der Verein vor zwei Jahren ins Leben gerufen. Der Israelitische humanitäre Frauen-Verein ist keine Wohlthätigkeitsgemeinschaft im gewöhnlichen Sinne des Wortes, sondern eine Gesellschaft mit ethischen, sozialen und kulturellen Zielen. Die Mitglieder des Vereins haben sich verbunden. die höchsten und ideellen Interessen der Menschheit zu pflegen. — Der Vorstand bestand im verflossenen Jahre aus den Damen Frau Gustav Tuch, 1. Vorsitzende, Frau Bhd. Elkan, 2. Vorsitzende, Frl. R. Bendix, 1. Schriftführerin, Frau Durlacher, 2 Schriftführerin, Frau I. Schwab, Schatzmeisterin und Frl S. Werner, Frl. M. Lippmann, Frau Prediger Dr. Leimdörfer, Frau Dr. Fink, Frau Ollendorff, Frau F. Wassermann und Frau Friedländer, Abtheilungsvorsteherinnen. Die erste Abtheilung (Abtheilung ftir Ethik, Wissenschaft und Kunst) hat in Gemeinschaft mit dem Verein für jüdische Geschichte und Litteratur, der Henry-Jones Loge und dem Lehrerverein Mendelssohn einen Cyklns für nachbiblische! Geschichte mit gutem Erfolge veranstaltet. Die Abtheilung vertheilte an! verschiedene Schulen eine Anzahl Exemplare der Dichtungen Jehuda; Halevis. Mehreren angehenden Künstlern wurde Beihilfe zur Fort-! setzung ihrer Studien gewährt Die zweite Abtheilung (Abtheilung für; allgemeine sachliche und gewerbliche Ausbildung und Handfertigkeitsübung» hat in Gemeinschaft mit der Henry<Jones Loge und dem Lehreri verein Mendelssohn einen Kursus für Handfertigkeilsunterricht ins Leben , gerufen, an dem jetzt circa 30 Schüler aus den verschiedensten Ständen i theilnehmen. Die Abtheilung gewährte auch Unterstützungen zur Theil-! nähme an dem Unterricht in der Gewerbeschule. Die nächste und sehr! wichtige Aufgabe, die die Abtheilung sich gestellt hat, betrifft die Ein- ' richtung einer Haushaltungsschule. Abtheilung 111 (Abtheilung für Unterstützung, Erwerbs- und Arbeitsnachweis) hatte viele Unterstützungen; zu leisten, bei denen es darauf ankam, das Selbstgefühl zu schonen, ja zu heben, Trost und Aufrichtung zu bringen. Abtheilung I V (Abtheilung für Krankenpflege und Wartung) hat Kranken und Nothleidenden in : vielen Fällen Beihilfe geleistet und sich darum bemüht, ein Institut für! jüdische Krankenpflegerinuen ins Leben zu rufen. Abtheilung VIII (Ab-! theilung für Kinderbeschenkung, Ferienkolonien und Heilstätten) betheiligte! sich mit großer Rührigkeit bei der von der Henry-Jones Loge zu Chanuka! veranstalteten Beschenkung armer Kinder unb hat sich besonders um die i Uebernahme von Recherchen verdient gemacht. Die Zahl der Vereins- : Mitglieder beträgt 176. Die Kaffenverhältnisse des Vereins stellten sich! wie folgt. An Mitgliedsbeiträgen wurden M. 1086 vereinnahmt, an j Geschenken M. 180, ferner Einnahmen für spezielle Zwecke M. 1340. j Die Ausgaben betrugen an Regie, Büchern, Drucksachen M. 275.35, an! Unterstützungen M. 757 45, Abtheilung für gewerbliche Bildung M. 45,! Abtheilung für Krankenpflege M. 221, Abtheilung für Durchreisende - M. 50. An Ausgaben zu speziellen Zwecken (Stipendien u. s. w.) M. 1140; Der Kassensaldo beträgt M. 117.50. Der Vorstand pro 1895 besteht aus den Damen Frau Gustav Tuch, 1. Vorsitzende, Frau Bhd Elkan, j Frl. R. Bendix, Fr. I. Schwab, Frl. S. Werner, Frln. M. Lippmann,; Frau Abarbanel, Fr. Dr. Leimdörfer, Fr Dr. Fink, Frau Ollendorff,! Frau Ernst May, Fräulein M. Markus, Frau E. Wassernmnn, Frau; Friedländer.! Oesterreich-Anaarn«!! □ Wien, 7. Mai. Am 28. v. M. fand die General-Veri sammlung der „Israelitischen Allianz" im Sitzungssaale der : Kultusgemeinde unter Leitung des Präsidenten Herrn David Ritter! von Gutmann statt. Aus dem Berichte entnehmen wir, daß die Förderung der Erziehung durch Hebung des Schulunterrichts in armen Ge-! meinden als eine der wichtigsten Aufgaben behandelt wurde. 24 Ge- ' meinden werden angeführt, die zu diesem Zwecke unterstützt wurden. : Ferner wurden Unterstützungen zu Theil der Königswarter-Stiftung in j Meran, dem Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender in Wien, dem russisch-akademischen Verein in Wien, dem akademischen! Verein „Humanitas" in Graz, dem Verein zur Beförderung der Hand-! werke unter den inländischen Israeliten in Wien, dem juridischen Unterj stützungsverein an der Universität in Wien, dem Centralverein zur Pflege! jüdischer Angelegenheiten in Prag für dessen Handwerker-Abtheilung, der Lesehalle in Zaleszczyki, dem Thoras-Emeß-Verein zu Maltersdorf, dem Theresien-Kreuzerverein in Wien, dein Verein zur Unterstützung der! Universitätshörer in Lemberg u. s. w. Weiter wurden Frauen und j Kinder aus Rußland unterstützt, die sich zu ihren Angehörigen nach! Frankreich, England und Amerika begaben, wo sie sich bereits eine! Existenz begründet hatten. Speziell für die Unterstützung russischer Juden wurden 17,719 fl. verwendet, für Schulzwecke wurden 3993 fl, für litterarische Zwecke 2233 fl., für sonstige Hilfszwecke 357 fl. ausgegeben. mm