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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-05-10 · Heft 19 (10.5.1895) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 19 (10.5.1895)
Date
1895-05-10
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 erklärt sich mit dem Programm des liberalen Vereins einverstanden und verpflichtet sich, nur solchen Männern bei den im November d. I. stattfindenden Repräsentanten-Wahlen ihre Stimme zu geben, die treu zu dem liberalen Programm halten und für dasselbe voll und ganz einstehen." mf. Berlin, 7. Mai. Der Jahresbericht der Gesellschaft z'ur Verbreitung des Handwerks und des Ackerbaues unter den Juden über das 81. Jahr ihres Bestehens ist soeben erschienen. Die Berufsarten, in denen die vom Verein unterstützten Lehrlinge beschäftigt sind, gehören fast allen Zweigen des Handwerks an. Jnsgesammt belief sich die Zahl der von der Gesellschaft unterstützten Lehrlinge auf 85. Leider war es bisher nur möglich, etwa den sechsten Theil der Lehrlinge in dem der Gesellschaft gehörigen, zu Pankow bei Berlin belegenen „Lehrlingsheim" unterzubringen. Räumlichkeiten und Mittel gestatteten, nicht mehr als 15 Zöglinge aufzunehmen. Das neue Institut, mit dessen Bau bereits im nächsten Monat begonnen wird, wird Raum für 50 bis 60 Lehrlinge bieten. Von den jetzigen Insassen des Lehrlingsheims sind 2 Elektrotechniker, 1 Goldarbeiter, 1 Holzbildhauer, 2 Lithographen, 2 Maler, 1 Mechaniker, 1 Modelleur, 2 Schneider, 1 Schriftsetzer, 1 Tapezierer, 1 Uhrmacher. Die Erfolge, welche das Institut während der vier Jahre seines Bestehens gezeitigt hat, sind so außerordentlich günstige und erfreuliche, daß es tief zu bedauern ist, wenn die Räumlichkeiten der Anstalt es leider noch nicht zugelassen, die ganze Fülle von Gesuchen um Aufnahme aus allen Theilen Deutschlands in das Heim zu berücksichtigen. Mit um so größerem Danke und größerer Anerkennung ist es zu begrüßen, das; zwei Mitglieder des Vorstandes, die Herren Maurermeister Joseph Fränkel und Landschaftsmaler Julius Boden stein, den Bau eines eigenen Hauses in die Wege geleitet haben und ein besonderes Kuratorium für das Lehrlingsheim zu schaffen bemüht gewesen sind, welches demnächst mit eigenen Satzungen an die Oeffentlichkeit tritt. Der Neubau, welcher in derselben Straße in Pankow nur wenige Häuser von den bisherigen gemietheten Räumen entfernt liegt, wird als ein stattlicher zweistöckiger Bau und zugleich in hygienischer und pädagogischer Hinsicht für die Zwecke des Instituts paffend aufgeführt. Der Turn- und Spielplatz wird nicht mehr wie bisher nach der belebten Straße zu, sondern in ruhiger Abgeschlossenheit hinter dem Heim liegen. Es sollen außer geräumigen, für Licht unb Luft zugänglichen Arbeits- und Schlafsälen auch ein Saal für festliche Veranstaltungen und den Gottesdienst geschaffen werden. An allen hohen Festtagen hat bereits in den letzten Jahren im Lehrlingsheim ein den modernen Anforderungen angepaßter erhebender Gottesdienst stattgefunden, an dem auch viele sich in Pankow aufhaltende Glaubensgenossen Theil nahmen. Der Leiter des Instituts hält täglich G Uhr Morgens an die Zöglinge, bevor sie zur Arbeit gehen, eine zur Redlichkeit und zum Fleiß mahnende Ansprache. In dem vorliegenden Jahresberichte erkennt der Vorstand an, daß das Heim eine Einrichtung ist, welche allein geeignet ist, der allgemeinen Thätigkeit der Gesellschaft vollen Erfolg zu sichern, da es das einzige Mittel bildet, den schweren Gefahren und Versuchungen, welchen gegenwärtig ein Lehrling in einer Weltstadt ausgesetzt ist, wirksam entgegenzutreten. 2/Z Berlin, 5. Mai. Die israelitische Volksküche Klosterstraße Nr. 09 hat ihre Thätigkeit am 20. April d. M. unterbrechen müssen, um dieselbe nach Fertigstellung des neuen Heims, Gormannstraße Nr. 0, wieder zu eröffnen. Die Verwaltung hat im Interesse der Pflegebefohlenen alles Mögliche aufgeboten, um Jnterimsräume zu miethen. es war dies aber unmöglich, weil Niemand, aus Rücksicht für seine übrigen Miether, die Räume für diesen Zweck hergeben will; selbst in ganz alten Häusern der Neuen Friedrichstraße oder sonstwo waren dieselben für keinen Preis erhältlich. Es bedurfte großer Mühe, um die Vermiether zu bewegen, wenigstens bis über Pessach den am! 1. April abgelaufenen Kontrakt zu verlängern, um die Armen während der Osterfeiertage zu versorgen und ihnen in gewohnter Weise den Zeder geben zu können. Welch ein Glück, daß die Verwaltung es verstanden hat, in dieser kurzen Zeit des Bestehens, außer den großen Leistungen der Freispeisung so vieler tausender Armen noch einen Baufonds anzuschaffen, der es ermöglicht, an Beschaffung eines eigenen Hauses zu denken; es hätte sonst dieses segensreiche Institut zu Grunde gehen müssen. Es war rührend zu sehen, wie tagelang nach Schluß der Küche Arme ganz betrübt immer noch ihre Pflegestätte aufsuchten, I nicht begreifend, daß dieselbe wirklich geschlossen, und hoffend, es würd' ein Wunder geschehen und die Thüren würden sich nochmals öffnen Uebrigens werden seitens der Verwaltung die armen Studenten versorg-, und zwar erhalten dieselben auf Kosten der israelitischen Volksküche Mittagessen. n Elbing, 3. Mai. Große Verluste hat unsere Gemeinde in de > letzten Wochen durch den Tod des Rentiers Samuel Seeliger, der lange Zeit hindurch Repräsentantenvorsteher war und sich durch seine i edlen und vornehmen Charakter auszeichnete, und durch das am 24. v. M. (zwei Monate vor seinem 90. Geburtstage) erfolgte Ableben des könics. Geh Sanitätsraths Dr. Samuel David Cohn, Ehrenbürgers vo? Elbing, erlitten, dessen Beerdigung unter sehr reger Betheiligung d(? städtischen Behörden und Berufsgenossen stattfand (das Rathhaus mo die Bürgerressource hatten die Flaggen auf Halbmast gehißt). Alle hiesigen Zeitungen feierten die Verdienste des Verstorbenen in gebührend- Weise. Den Anlaß zur Verleihung des Ehrenbürgerrechts gab folgendes Vorkommniß: Als im Jahre 1831 die asiatische Cholera dermaßen hieherrschte, daß die Leichen schon nach 24 Stunden beerdigt werden mußte? entstand im Publikum dadurch große Beunruhigung (man glaubte, di Menschen werden lebendig begraben), die sich in argen Ausschreitungen Luft zu machen drohte. Da trat der junge Arzt Dr. C. mit einer ge hörigen Portion Thatkraft, Muth und Furchtlosigkeit auf und macht der Bürgerschaft bezw. der Behörde folgenden Vorschlag: Alle Choleru leichen werden nach dem St. Georgenhospital auf den äußern George?, dämm gebracht, und ich verflichte mich, keine Leiche beerdigen zu lasse?, die ich nicht vorher mehrfach gewissenhaft untersucht habe. Das geschah Einen nicht geringen Theil des Tages brachte Cohn in dem zu? Choleraleichenhaus umgewandelten Hospital zu als einziger Lebende unter so und so viel Todten. Ruhe und Ordnung kehrten wieder ei? Die Behörden ernannten Cohn aus Anerkennung zum Ehrenbürger Auf dem Friedhof konnte der Rabbiner Dr. Silberstein, der das goti begnadete, an Inhalt und Bedeutung reiche Leben und Wirken und besser gerechte Würdigung nach allen Seiten hin schilderte, mit Recht da- Motto des an Inhalt und Einfassung gleich herrlichen Lebensbuches de^ Verewigten mit den Worten 1. Sam. 18, 14: „Und David war glücklic? auf allen seinen Wegen und der Ewige war mit ihm", und den Schluß satz mit Psalm 23, 6: „Und Glück und Gnade" bezeichnen. Kp. Ans der Provinz Posen, Anfang Mai. Bor Kurze? hielt der jüdische Armenverein (Verein gegen Hausbettelei) in Gneseim Saale des Hotel de l'Europe die statutengemäße Versammlung al Dieselbe wurde vom Rabbiner Dr. Jacobsohn eröffnet und dann Berich über die Thätigkeit des Vereins im verflossenen Jahre erstattet. Hiera? legte Kaufmann Bernhard Cohn den Kassenbericht vor. Nach demselbe? zählt der Verein 118 Mitglieder. Im abgelaufenen Jahre belief sic! die Einnahme auf 2049.80 Mark. Hiervon wurden an jüdische Orts und auswärtige Arme 1615 Mark gezahlt, so daß nach anderen Aus gaben am Jahresschlüsse ein Bestand von 395.65 Mark verbleibt. Bei de erfolgten Vorstandswahl wurden die bisherigen Mitglieder wieder gewählt. Stadtverordneter Leopold Gimkiewicz beantragte zum Schluß den 8 1 der Statuten dahin zu ergänzen, daß der Verein nicht nur di Tendenz haben solle, die Hausbettelei durch Unterstützung der Arme? zu unterdrücken, sondern daß auch verschämte Arme aus der Vereinskass Unterstützung erhalten sollen. Der Antrag wurde von der Versammlung freudig begrüßt und auch angenommen. M. Königsdorff-Jastrzemb, 5. Mai. Die in dem altbewährten Soolbade Königsdorf-Jastrzemb im Jahre 1890 gegründete israeli tische Kinderheilstätte soll nunmehr am 20. Mai d. I. zum sechste?. Male eröffnet werden. Diese Anstalt, die bereits für viele kranke Kindeeine Quelle des Segens geworden, zeichnet sich besonders durch ihre her vorragende Gemeinnützigkeit aus. Nicht armen Kindern allein läßt d? Anstalt ihre Wohlthaten zu Theil werden, indem sie dieselben ganz unentgeltlich aufnimmt: ihre Segnungen erstrecken sich auch auf mehr oder weniger bemittelte Kinder, die gegen einen, je nach den Verhältnisse? bemessenen Satz Aufnahme finden. Das humane Werk wird durch Bei träge erhalten und ist der Förderung edler Menschenfreunde würdig Nähere Auskunft ist der Vorsitzende der Anstalt, Herr Rabbiner Dr. Wilhelm Münz in Gleiwitz, zu ertheilen gern bereit. © Oppeln, 1. Mai Am 27. v. M. fand die feierliche Grundstein legung für die zukünftige Synagoge statt. Die einfache, aber würdige Feier

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